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WAS ZÄHLT – IM BLICK.
30. Juni 2026
Morgan Stanley senkt Preisprognosen erneut
Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley haben ihre Preisprognosen für Dated Brent, die europäische Benchmark am physischen Markt, erneut gesenkt. Mittlerweile gehen sie davon aus, dass der Preis der Referenzsorte im dritten und vierten Quartal 2026 durchschnittlich bei jeweils 75 Dollar pro Barrel liegen dürfte. Damit korrigierten sie ihre vorherige Prognose für das dritte Quartal um 15 Dollar und die für das vierte Quartal um 5 Dollar nach unten. Auch für alle vier Quartale des kommenden Jahres wurden die Prognosen nach unten gesetzt. So erwartet man den Durchschnittspreis von Dated Brent im vierten Quartal 2027 nun bei 70 Dollar pro Barrel.
Mit der jüngsten Abwärtskorrektur haben die Analysten von Morgan Stanley ihre Prognosen für Dated Brent nun bereits das zweite Mal innerhalb von etwa zwei Wochen gesenkt. In einer Mitteilung begründen sie die erneute Korrektur mit der schneller als erwarteten Erholung der Öllieferungen über die Straße von Hormus, bei gleichzeitig schwacher Nachfrage aus China und einem umfangreichen Angebot aus den USA - eine Kombination, die nach Einschätzung der Ökonomen zu einem Angebotsüberschuss führen dürfte.
Nach den gegenseitigen Angriffen vom Wochenende sind die Marktteilnehmer darauf gespannt, ob es im katarischen Doha am heutigen Dienstag tatsächlich zu den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran kommen wird, die US-Präsident Trump in einem Post auf seiner Kommunikationsplattform am gestrigen Montag ankündigte. Von iranischer Seite hieß es zuletzt, man werde zwar Gespräche führen, allerdings nur mit dem Oman und zwar darüber, wie die gemeinsame Regulierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus künftig vonstatten gehen soll.
In einer Pressekonferenz stellte der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi am gestrigen Montag auch klar, dass sein Land die Regulierung des Schiffsverkehrs in der Meerenge auch alleine übernehmen werde, "falls Oman aus irgendeinem Grund kein Interesse daran hat." Der Iran werde vorübergehende Transitrouten in der Straße von Hormus festlegen und habe den Oman gewarnt, "dass andere Länder kein Recht haben, sich in diese Angelegenheit einzumischen", so Gharibabadi weiter. Nach ausgiebigem Kooperationswillen klingt dies nicht, sodass auch die Frage bleibt, ob die Durchfahrt durch die für den internationalen Handel so wichtige Meerenge nach der 60-tägigen Schonfrist im Hinblick auf Transitgebühren weiterhin ohne Abgaben an den Iran möglich sein wird.
US-Präsident Trump hielt seine Aussagen gegenüber Journalisten zu den von ihm angekündigten Verhandlungen in Doha am gestrigen Montag gewohnt vage und sagte, das Treffen werde "vielleicht wichtig (sein), vielleicht auch nicht." Laut Analyst Tim Waterer von KCM Trade ist der Markt daher zwar "vorsichtig optimistisch, hält sich aber noch bedeckt, bis wir konkretere Anzeichen einer Deeskalation sehen."
Auf Seite der Nachfrage sorgten heute Morgen besser als erwartete Einkaufsmanagerindizes aus China für leichten Optimismus. "Die besten offiziellen EMI-Werte seit zehn Monaten deuten darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft wieder etwas an Dynamik gewonnen hat", kommentiert Julian Evans-Pritchard, Leiter der Abteilung für chinesische Wirtschaft bei Capital Economics, die heute Morgen veröffentlichten Indizes für Juni. Allerdings warnt Evans-Pritchard auch, dass sich die Erholung stark auf Exporte und mit KI verbundener Technologie stütze.
Wie sich die Nachfrage in den USA in der vergangenen Woche entwickelt hat, wird der Ölmarktbericht des DOE morgen um 16:30 Uhr zeigen. Auch wird aus dem Bericht natürlich hervorgehen, wie sich die US-Ölbestände in der Woche zum 26. Juni entwickelt haben, allen voran, ob die Vorräte im US-Zentrallager in Cushing (Oklahoma) noch stärker gesunken sind, nachdem sie bereits in der Woche zuvor unter das operative Minimum gerutscht waren.
29. Juni 2026
USA und Iran setzen Angriffe nach kurzer Auseinandersetzung wieder aus
Am Wochenende war in der Straße von Hormus ein Öltanker angegriffen worden. Der Supertanker Kiku soll mit Rohöl aus Katar beladen gewesen sein. Die USA sahen die Verantwortung für den Angriff beim Iran und führten in der Folge Luftschläge gegen Ziele des iranischen Militärs durch, was von der Islamischen Republik mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain beantwortet wurde. Nun hat man sich offenbar darauf geeinigt, die Waffen wieder ruhen zu lassen.
In einem Bericht des Nachrichtenportals Axios hieß es am gestrigen Sonntag, die beiden Länder seien übereingekommen, die gegenseitigen Angriffe auszusetzen. Zudem bereiten sie sich angeblich auf die nächsten Verhandlungen auf technischer Ebene vor, die diese Woche in Doha stattfinden sollen. Ob die iranische Delegation vor Ort sein wird, ist unklar. So berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf Regierungskreise, der Iran werde an den Gesprächen in der katarischen Hauptstadt Doha wegen der "jüngsten Angriffe und unerfüllten Bedingungen" aus der Absichtserklärung nicht teilnehmen.
Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent war zum Settlement am vergangenen Freitag erstmals günstiger als zum Settlement am Freitag vor Beginn des Iran-Kriegs. Dem US-Rohölkontrakt WTI fehlte noch ein wenig, um den Preisanstieg, den der Krieg verursacht hatte, wieder vollständig abzuschütteln, das Plus zum Vorkriegs-Settlement (vom 27. Februar) lag hier noch bei 2,21 Dollar pro Barrel. Zu Beginn der neuen Handelswoche notieren die Kontrakte auch unterhalb der Hochs von Freitag.
Allerdings könnten die Preise an den Ölfutures im weiteren Wochenverlauf wieder etwas stärker auf Schlagzeilen im Bezug auf die Straße von Hormus reagieren, nachdem es am Wochenende aufgrund von Angriffen auf ein Container-Schiff und einen Öltanker wieder zu einem Schlagabtausch zwischen den US-Streitkräften und den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kam. Zwar hat man sich mittlerweile darauf geeinigt, die Waffen wieder ruhen zu lassen, vertrauenserweckend sind derlei Zwischenfälle für Käufer, Reedereien und Versicherungen allerdings nicht.
"Der Markt dürfte seine Annahme einer raschen Erholung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf neu bewerten", meinen auch die Analysten der ANZ in einer Mitteilung. Ihre Kollegen von der ING-Bank ergänzen: "Der Ölmarkt ist nach wie vor erheblichen Risiken ausgesetzt. Dennoch scheinen sich die Marktteilnehmer darauf zu konzentrieren, was eine anhaltende Erholung der Ölströme für das globale Gleichgewicht bedeuten würde."
Allerdings berge diese "Sorglosigkeit" auch ein erhebliches Risiko für Preisanstiege, sollte sich herausstellen, dass sich das Angebot nur langsam erhole. Unterdessen bleibt abzuwarten, wie sich die US-Nachfrage in der diesjährigen Fahrsaison noch entwickeln wird und wie lange die Nachfrage Chinas noch gemäßigt bleibt.
Die Produktkontrakte könnten in naher Zukunft noch einmal leichten Auftrieb erhalten, sei es durch den Streik an der Antwerpener Raffinerie von ExxonMobil, der in dieser Woche abgehalten wird, oder durch ein vollständiges Diesel-Exportverbot Russlands. Mittlerweile musste sogar Präsident Putin offiziell eingestehen, dass es am russischen Kraftstoffmarkt Angebotsengpässe gibt. Am späten Sonntagabend bestätigte Putin in einer im russischen Fernsehen übertragenen Versammlung mit Vertretern der Regierung und der Ölindustrie, dass ein vollständiges Exportverbot für Dieselkraftstoff zur Debatte stehe. Das Thema soll laut Russlands Energiebeauftragtem Alexander Nowak von der Regierung heute noch einmal diskutiert werden.
26. Juni 2026
Container-Schiff in Straße von Hormus von Geschoss getroffen
Auch nach der Öffnung der Strasse von Hormus bleibt die Durchfahrt durch die Meerenge ein gefährliches Unterfangen. Dies bekam gestern die Crew des Container-Schiffs Ever Lovely zu spüren, denn das unter der Flagge Singapurs fahrende Schiff wurde von einem Geschoss getroffen, während es auf einer ihm empfohlenen Route durch die Wasserstrasse unterwegs war. Personen kamen dabei jedoch nicht zu Schaden und mittlerweile soll sich das beschädigte Schiff bereits im Golf von Oman befinden.
Ein Beamter des Weissen Hauses sagte nach dem Vorfall, die Vereinigten Staaten würden untersuchen, von wem das Geschoss abgefeuert worden sei. Für konkrete Rückschlüsse sei es jedoch noch zu früh. Dem Beamten zufolge dürfte Washington im Falle eines iranischen Angriffs auch differenzieren, ob das Geschoss eigenmächtig von Personen niederen Rangs abgefeuert wurde oder auf Befehl von ranghöheren Mitgliedern der Iranischen Revolutionsgarden. Dies deutet darauf hin, dass der Vorfall vermutlich keine massgeblichen negativen Auswirkungen auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben dürfte, sollten sich derlei Aktionen nicht wieder häufen. US-Präsident Trump gab am Donnerstagabend noch einmal, die Strasse von Hormus sei offen.
Während die britische Schifffahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations (UKMTO) kurz nach dem Angriff auf die Ever Lovely, die vom taiwanesischen Unternehmen Evergreen Marine Corp. betrieben wird, eine Warnung an Schiffe in der Region herausgab, beim Passieren der Strasse von Hormus Vorsicht walten zu lassen, hiess es seitens der iranischen Behörde für die Meerenge am Persischen Golf, dass Transitvorgänge auf Routen ausserhalb ihres Zuständigkeitsbereichs weder versicherungsfähig noch durch Garantien für eine sichere Passage geschützt seien.
Die Meldung über den Angriff auf ein Container-Schiff in der Strasse von Hormus ließ die Ölpreise an ICE und NYMEX am Donnerstagabend noch einmal steigen. Über die Vortageshochs trieb sie die beiden Rohölkontrakte allerdings nicht wohl auch weil die Reaktion Washingtons darauf bislang gemässigt ausfiel.
Nichtsdestotrotz setzte die IMO die Evakuierung des Persischen Golfs und der Straße von Hormus aufgrund des Vorfalls vorerst aus. Was die Reaktion der Ölbörsen auf den Angriff anbelangt, sagt IG-Analyst Tony Sycamore: Da die geopolitische Risikoprämie wieder in die Preise einfliesst, werden die Märkte genau beobachten, ob der Tankerverkehr wieder aufgenommen wird oder ob diese jüngsten Hindernisse die Produzenten dazu zwingen, geplante Produktionssteigerungen zu bremsen.
Laut Dennis Kissler, Senior Vice President für Handel bei BOK Financial Securities Inc führte der Angriff an den Börsen zunächst dazu, dass einige Händler ihre Short-Positionen (Leerverkäufe) schlossen. Wenn man bedenkt, dass der Markt extrem überverkauft war, ist es wahrscheinlicher, dass die Kurse in eine ‚Back-and-Fill‘ Korrektur, also eine kurzzeitige Aufwärtskorrektur; Anm. d. Red eintreten, bevor neue Verkäufe entstehen, so Kissler.
Auf Wochensicht zeichnet sich für die beiden Rohölkontrakte Brent und WTI allerdings der dritte Preisrückgang in Folge ab, da die Anzahl der Tanker, die den Persischen Golf über die Straße von Hormus verlassen konnten, deutlich zunahm. Hinzu kamen Meldungen über Produktionssteigerungen in den Ländern am Golf, wenngleich der Export noch holpert.
Bei den Mitteldestillaten dürfte der Preisrückgang diese Woche wesentlich geringer ausfallen als bei Rohöl. So wurde Gasoil diese Woche nicht nur durch die aktuelle Hitzewelle gestützt, sondern auch durch die Möglichkeit eines vollständigen Diesel-Exportverbots in Russland und einen für kommende Woche angekündigten Streik an der Raffinerie von Antwerpen.
Und während die besser als erwarteten US-Wachstumsdaten für das erste Quartal gestern die Hoffnungen auf eine robuste Nachfrage des weltweit grössten Ölkonsumenten steigen ließ, untermauerten die Daten zum Konsum der US-Privathaushalte allen voran der PCE (Kern-)Preisindex die Spekulationen auf mehrere Fed-Zinsanhebungen vor dem Jahreswechsel. Letztere belasten die Ölfutures tendenziell und dürften somit das Aufwärtspotenzial an den Ölbörsen mittel- bis längerfristig im Zaum halten.
Heute Morgen notieren die Ölfutures an ICE und NYMEX auch wieder unterhalb der Hochs von Donnerstagabend. Aufgrund der Preisrally vom Vorabend zeichnet sich bei den Inlandspreisen aktuell rein rechnerisch aber dennoch Potenzial für Aufschläge im Vergleich zu den Erhebungspreisen von gestern ab.
25. Juni 2026
Trump: Iran verzichtet auf Gebühren für Hormus-Transit
US-Präsident Trump teilte in einem Post auf Truth Social am gestrigen Mittwoch mit, der Iran habe den USA versichert, auf Gebühren für die Durchfahrt der Straße von Hormus zu verzichten. In der Abstimmungserklärung hatte sich die Islamische Republik dazu verpflichtet, für die 60-tägige Phase der Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen weder Transit- noch andere Gebühren von internationalen Handelsschiffen zu verlangen, die die wichtige Meerenge passieren wollen. Danach sollen der Iran und der Oman die Verwaltung des Schiffsverkehrs in der Wasserstraße gemeinsam regeln.
"Der Iran hat die USA darüber informiert, dass (...) 'KEINE MAUTGEBÜHREN, KEINE VERSICHERUNGSKOSTEN UND KEINE SONSTIGEN GEBÜHREN IRGENDEINER ART VOM IRAN VON SCHIFFEN VERLANGT ODER EINGENOMMEN WERDEN, DIE DIE STRASSE VON HORMUS BEFAHREN“. Sollte es sich hierbei um Falschinformationen handeln, würden die Verhandlungen sofort abgebrochen!'", schrieb Trump in seiner Kurzmeldung und fügte hinzu, dass Teheran im Falle einer Beendigung der Verhandlungen auch keine Gelder erhalten würde.
Der zunehmende Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, mit dem auch zahlreiche Öltanker, die im Persischen Golf festsaßen, ihre geplanten Exportrouten wieder aufnehmen können, hat auf Seite der Marktteilnehmer auch zu Veränderungen bei der Einschätzung der Versorgungslage geführt. Dies spiegelt sich auch in den Preisen für die Rohölkontrakte mit unterschiedlichen Verladezeiträumen wider (23.06.2026 Backwardation-Konstellation hat sich deutlich abgeschwächt).
War der Brent-Kontrakt mit Verladung im August Anfang der Woche noch teurer als der Folgekontrakt und wies damit eine sogenannten Backwardation-Konstellation auf, ist der Brent-Kontrakt mit Verladung im September zum gestrigen Settlement-Zeitpunkt 0,13 Dollar pro Barrel teurer, als der aktuelle Frontmonatskontrakt. Diese Contango-Konstellation ist bei einem ausgeglichenen Markt üblich, wohingegen eine Backwardation eine knappe Versorgungslage signalisiert.
Wenngleich der Wechsel von Backwardation zu Contango von den Tradern an den Ölbörsen als bearishes Signal gewertet wird, sollte man jedoch auch bedenken, dass das Handelsinteresse bei Brent bereits verstärkt auf dem September-Kontrakt liegt, da Brent-August nur noch bis zum 31. Juli handelbar ist. Bei den Kontrakten September und Oktober lag gestern noch eine Backwardation vor, wobei sich der Abschlag vom Oktober- zum September-Kontrakt auf -0,21 Dollar pro Barrel belief.
Im Zuge des Rückgangs, den die Rohölpreise seit ihren Hochs von Ende April vollzogen haben, lag der Settlement-Preis von Brent am gestrigen Mittwoch gerade noch +1,22 Dollar oberhalb des Niveaus, bei dem der Nordsee-Rohölkontrakt am letzten Handelstag vor Beginn des Iran-Kriegs notiert hatte. Bei WTI betrug dieses Plus gestern noch 3,32 Dollar pro Barrel.
Dass WTI noch mehr Spielraum bis zum Vorkriegs-Niveau hat, liegt wohl nicht zuletzt auch daran, dass die Versorgungslage in den USA durch den Krieg ebenfalls knapper geworden ist und die Rohölbestände mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2025 liegen. Die strategischen Reserven des Landes, die die US-Regierung nach Kriegsbeginn angezapft hat, um den steigenden Energiepreisen entgegenzuwirken und mit den eigenen Exporten die durch die Sperrung der Straße von Hormus entstandenen Ausfälle des Angebots aus dem Nahen Osten abzufedern, sind unterdessen auf dem niedrigsten Stand seit über 40 Jahren.
Während sich der US-Rohölkontrakt noch in einer Backwardation befindet, hat sich diese jedoch auch hier zuletzt deutlich abgeschwächt. So kostete WTI mit Verladung im August zum gestrigen Settlement-Zeitpunkt noch +0,41 Dollar mehr als der Kontrakt mit Auslauftermin September. Vor einem Monat war der Frontmonatskontrakt der US-Rohölsorte noch +3,51 Dollar teurer als der Folgekontrakt.
"Die Wende bei Preis und Markteinschätzung im Vergleich zur Situation vor nicht einmal zwei Jahren – oder vielmehr vor weniger als zwei Wochen – ist wirklich erstaunlich", kommentiert Carolyn Kissane, stellvertretende Leiterin des Center for Global Affairs an der New York University die Entwicklung der Stimmung am Markt. "Die Vorstellung, dass wir uns auf ein größeres Angebot bei gleichzeitig geringerer Nachfrage zubewegen, hat den Preisrückgang maßgeblich vorangetrieben", fügt sie hinzu.
24. Juni 2026
Rückgang der US-Rohölvorräte lässt laut API nach
Während die Analysten für die Woche zum 19. Juni bei den landesweiten Rohölvorräten sowie auch bei den Destillat- und Benzinbeständen mit einem Rückgang rechnen, wiesen die vom API Dienstagnacht veröffentlichten Bestandsschätzungen für die vergangene Woche nur bei den Rohölreserven Abbauten aus. Diese dürften laut dem größten Interessenverband der US-Ölindustrie wesentlich schwächer ausgefallen sein als in den Wochen zuvor.
Sollte das US-Energieministerium (DOE) heute um 16:30 Uhr den erneuten Rückgang der landesweiten Rohölbestände bestätigen, wäre dies der neunte Abbau in Folge auf Wochensicht. Derweil geht das API davon aus, dass die Rohölbestände im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, ebenfalls weiter abgenommen haben. Dies würde den Betrieb des Lagers, an dem das Bestandsniveau bereits das operative Minimum erreicht hat, weiter erschweren.
Während sich die Rohölpreise an den Ölbörsen mittlerweile dem Niveau, auf dem sie sich vor dem Iran-Krieg entwickelt hatten, wieder deutlich angenähert haben, fehlen noch ein paar Dollar bis Brent und WTI die Settlementpreise vom 27. Februar wieder erreicht haben.
"Die Normalisierung der Energieversorgungslage dürfte schrittweise erfolgen", erklärt dazu der Ökonom Gregory Daco von EY-Parthenon, der prognostiziert: "Die Ölpreise werden daher voraussichtlich bis Ende des Jahres über dem Niveau vor dem Konflikt bleiben." Denn auch wenn die Straße von Hormus nach der Einigung der USA und des Iran auf ein Interims-Abkommen wieder befahrbar ist und die Zahl der Schiffe, die die wichtige Meerenge durchfahren, zuletzt deutlich zugenommen hat, senden Washington und Teheran widersprüchliche Signale - sowohl was den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus betrifft, als auch bezüglich der Verhandlungen über die Details eines endgültigen Abkommens.
So teilte US-Präsident Trump am gestrigen Dienstag in einem Post auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social mit, Teheran habe Inspektionen der iranischen Atomanlagen "vollständig zugestimmt." Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bagheai, gab jedoch an, dass keine Inspektionen der Atomanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) geplant seien.
Auch was das Management des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus angeht, ist man sich wohl uneins. Während der Iran und der Oman sich gestern darauf einigten, die Gespräche darüber fortzusetzen, erklärte US-Außenminister Marco Rubio, jeder Versuch von iranischer Seite, Transitgebühren zu erheben, verstoße gegen internationales Recht. Den Marktteilnehmern bleibt derweil nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die wichtige Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt und die Differenzen über die Regulierung der Schifffahrt in der Wasserstraße und auch die Inspektionen der iranischen Atomanlagen nicht wieder in eine Eskalationsspirale führen.
Fern der Straße von Hormus soll sich in der vergangenen Woche die Versorgungslage in den USA im Hinblick auf Rohöl weiter verknappt haben. Allerdings sollen die Bestandsabbauten sowohl den Analysten, als auch dem API zufolge nicht mehr so stark ausgefallen sein, wie noch in den Wochen zuvor. Die Bestandssituation im US-Zentrallager in Cushing bleibt unterdessen ein Faktor, der den Marktteilnehmern Sorge bereitet, sollen die Vorräte dort in der Woche zum 19. Juni noch weiter gesunken sein, nachdem sie bereits in der Vorwoche auf ein Niveau von 20 Mio. Barrel gefallen waren, sodass ein normaler Betrieb des Lagers kaum noch möglich ist. Sollte das DOE heute um 16:30 Uhr die Abbauten in Cushing bestätigen, dürfte dies den Rohölkontrakten einen bullishen Impuls geben.
23. Juni 2026
US-Sanktionsausnahmen für Iran – Wie stabil ist die Lage am Persischen Golf?
Die fundamentale Ausgangslage präsentierte sich nach einem turbulenten Wochenende am Montag leicht bearish, da die Verhandlungen trotz vorheriger Drohungen von beiden Seiten (22.06.2026 Schwieriger Friedensprozess: Neue Hormus-Sperrung und Trump-Drohungen) überraschend konstruktiv verliefen und tatsächlich erste Ergebnisse brachten (22.06.2026 USA/Iran-Gespräche überraschend konstruktiv gestartet).
Der Fokus am Ölmarkt bleibt auf den Persischen Golf und den Iran-Konflikt gerichtet. Während die Marktteilnehmer weiterhin auf belastbare Signale hoffen, dass sich die Ölexporte durch die Straße von Hormus nach den jüngsten Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran nachhaltig normalisieren, haben die USA gestern die Sanktionen gegen den Iran gelockert (22.06.2026 USA lockern vorläufig erste Sanktionen gegen Irans Ölsektor).
Mit dieser auf 60 Tage befristeten Ausnahme, die damit über den Zeitraum der veranschlagten Friedensverhandlungen gilt, ist der Verkauf von iranischem Öl und Ölprodukten vorläufig wieder erlaubt. Die US-Regierung begründete den Schritt mit den „konstruktiven Gesprächen“ in der Schweiz und verschafft Teheran damit eine wichtige wirtschaftliche Entlastung.
Sowohl von amerikanischer, als auch von iranischer Seite hieß es, man habe bei den Verhandlungen vom Wochenende Fortschritte auf dem Weg zu einem dauerhaften Abkommen gemacht. Gleichzeitig wurden aber auch wieder tiefliegende Differenzen sichtbar. So erklärte etwa US-Vizepräsident JD Vance, der Iran habe zugestimmt, der internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) wieder Zugang zu ermöglichen. Der Iran dementierte und gab an, man habe überhaupt nicht über Atomfragen gesprochen.
Trotz allem hat das Ölangebot aus der Golfregion zuletzt wieder zugenommen. Produzenten wie Kuwait, Saudi-Arabien und die VAE haben alternative Wege gefunden, ihre Energielieferungen auf den Markt zu bringen. Auch der Iran exportierte in der vergangenen Woche mehr als 30 Mio. Barrel Rohöl (22.06.2026 Iran fährt Rohölexporte durch Straße von Hormus stark hoch).
„Die Zahl der Durchfahrten hat in den vergangenen Tagen offenbar deutlich zugenommen. Der Markt wertet dies als Indikator für Fortschritte sowohl bei den physischen Öllieferungen als auch auf diplomatischer Ebene“, kommentiert Neil Crosby, Forschungschef des Analysehauses Sparta Commodities. Solange sich die Lage nicht grundlegend ändere, dürfte die derzeitige Stimmung aus Risikoaversion und vorsichtigem Optimismus anhalten.
Ölmarktexpertin Rebecca Babin von CIBC Private Wealth mahnt jedoch zur Vorsicht. Zwar gebe es Fortschritte in den Verhandlungen, bis zu einer endgültigen Einigung sei der Weg jedoch noch weit. Der Markt könnte einen künftigen Angebotsüberschuss bereits vorwegnehmen – ähnlich wie zuvor ein Defizit eingepreist worden sei, bevor tatsächlich Fördermengen ausfielen. „Der Ölmarkt neigt dazu, über das Ziel hinauszuschießen“, so die Analystin.
Tatsächlich steht das vorläufige Abkommen, auf das sich die USA und Iran letzte Woche einigen konnten, weiterhin auf sehr wackligen Beinen. Der Iran hat mit der Blockade der Straße von Hormus bewiesen, dass er ein sehr wirksames Druckmittel in der Hand hat und nicht davor zurückschreckt, dieses auch einzusetzen. Gleichzeitig ist diplomatisches Verhandeln unter der Regierung Trump nicht gerade die Kernkompetenz, so dass die Gespräche tatsächlich jederzeit wieder abgebrochen werden könnten.
„An den Märkten überwiegt weiterhin eine erhebliche Skepsis, die auf dem tief verwurzelten Misstrauen zwischen Washington und Teheran basiert“, meint deshalb auch Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade. Eine Rückkehr zu den Ölpreisen vor Ausbruch des Konflikts dürfte daher eher schrittweise als unmittelbar erfolgen.
Die Fortschritte im Friedensprozess spiegeln sich inzwischen auch an den Terminmärkten wieder. Die sogenannten Timespreads – die Preisunterschiede zwischen dem Frontmonatskontrakt und den Kontrakten, die weiter in der Zukunft liegen – haben sich weiter verringert, so dass die als bullish geltende Backwardation-Konstellation sich deutlich abgeschwächt hat. Der Markt signalisiert damit, dass die akute Unterversorgung in einigen Monaten kaum noch spürbar sein dürfte. Bei den Nahost-Rohölsorten Dubai und Murban ist die Marktstruktur bereits in ein Contango übergegangen, das als die „normale“ Konstellation gilt, die auf einen ausgeglichenen Markt hinweist.
22. Juni 2026
Schwieriger Friedensprozess: Neue Hormus-Sperrung und Trump-Drohungen
Trotz der letzte Woche unterzeichneten Absichtserklärung geht der Friedensprozess am Persischen Golf nur schleppend voran. Zuletzt waren es die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah, die den Start der offiziellen Verhandlungen zwischen USA und Iran verhinderten. Trotz der Meldung einer neuen Waffenruhe am Freitag (19.06.2026 Neue Waffenruhe im Libanon) ging das ewige Hin und Her am Wochenende weiter.
Denn die Kampfhandlungen im Libanon setzten sich am Wochenende fort. Teheran reagierte auf diese Entwicklungen, indem es am Samstag meldete, man habe die Straße von Hormus erneut gesperrt, solange die USA ihr Versprechen einer absoluten Waffenruhe nicht einhielten. Washington bestritt diese neue Sperrung zwar, doch Schifffahrtsdaten zeigten, dass die Tankerbewegungen im Vergleich zu den Vortagen tatsächlich spürbar zurückgingen. Ob dies nur Vorsichtsmaßnahmen waren, oder ob der Iran tatsächlich aktiv Passagen verhindert hat, ist unklar.
Auch in dieser Woche bleiben die Entwicklungen im Persischen Golf das zentrale Thema für den Ölmarkt. Nach einem turbulenten Wochenende mit einer möglichen neuen Blockade der Straße von Hormus und neuen Drohungen des US-Präsidenten in Richtung Teheran, sorgen heute die überraschend konstruktiven Gespräche in der Schweiz dafür, dass die Kurse an ICE und NYMEX nachgeben.
Am Sonntag starteten die ersten Verhandlungen zwischen USA und Iran nach der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ und brachten unerwartet erste Ergebnisse. Nach Angaben Katars und Pakistans, die die Gespräche in der Schweiz vermitteln, haben sich die Parteien auf einen Fahrplan zur Erreichung eines endgültigen Abkommens innerhalb von 60 Tagen geeinigt. Die Verhandlungen sollen die Woche über fortgesetzt werden.
Mit einem solch konstruktiven Tonfall hätte man kurz zuvor wohl kaum gerechnet, denn die Spannungen zwischen den Kriegsparteien waren in den letzten Tagen wieder deutlich aufgeflammt. Am Samstag gipfelten sie in eine neuerliche Sperrung der Straße von Hormus und Angriffsdrohungen des US-Präsidenten. Dennoch lobte der iranische Außenminister Abbas Araghchi heute auf X die Vermittlungsbemühungen in der Schweiz und sagte, sie hätten bedeutende Fortschritte bei der Beendigung des Konflikts im Libanon ermöglicht.
„Die hochrangigen Gespräche […] scheinen gewisse Fortschritte gebracht zu haben", meint auch IG-Marktanalyst Tony Sycamore. „Ob diese Schritte jedoch zu greifbaren Ergebnissen vor Ort führen werden, bleibt abzuwarten – insbesondere im Südlibanon, wo sowohl Israel als auch die Hisbollah offenbar entschlossen sind, ihren Konflikt fortzusetzen.“ Auch bei der ING äußert man sich zurückhaltend: „Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Weg zu einem dauer-haften Abkommen schwierig sein wird. Während der 60-tägigen Waffenruhe besteht ein erhebliches Risiko eines erneuten Aufflammens der Kämpfe“.
Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia ist sogar der Meinung, dass „die Märkte die Aussicht auf eine nachhaltige Wiederaufnahme der Öllieferungen aus dem Nahen Osten weiterhin zu optimistisch einschätzen“. Unsicherheiten hinsichtlich der Fördermengen sowie die Frage, ob Reedereien bereit seien, in die Region zurückzukehren, dürften den Ölfluss weiterhin beeinträchtigen, so der Analyst.
Ein Friedensabkommen könnte theoretisch zu einem deutlichen Anstieg des Ölangebots führen, während die Nachfrage derzeit eher schwach ausfällt – insbesondere angesichts des Rückgangs der Käufe durch den weltweit größten Importeur China. Sollte die Straße von Hormus vollständig wieder geöffnet werden, könnten schlagartig rund 80 Mio. Barrel Rohöl auf den Markt gelangen (18.06.2026 Löst Hormus-Öffnung Ölschwemme in Asien aus?).
19. Juni 2026
Verhandlungen über finales USA/Iran-Abkommen starten später
Eigentlich war geplant, dass die Delegationen der USA und des Iran heute im schweizerischen Bürgenstock am heutigen Freitag mit den Verhandlungen über die Details für ein endgültiges Abkommen beginnen. Nun wurde der Beginn der zweiten Verhandlungsphase offenbar jedoch verschoben. Grund dafür ist, dass der vom Iran im Rahmenabkommen geforderte Waffenstillstand an allen Fronten noch nicht eingehalten wird. Denn Israel setzt die Kampfhandlungen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon fort.
Daher hat der Iran die Gespräche mit den USA einem Bericht des Senders Al-Mayadeen vorübergehend ausgesetzt. Erst, wenn die israelischen Angriffe im Libanon nachweislich beendet worden seien, wolle Teheran wieder verhandeln, so der Sender, der sich auf eine informierte Quelle beruft. Aus dem Weissen Haus hiess es am Donnerstagabend, US-Vizepräsident JD Vance habe seine Reise in die Schweiz abgesagt. Vance wollte ursprünglich mit der US-Delegation an den geplanten Verhandlungen in Bürgenstock teilnehmen.
Die Vertreter der iranischen Delegation hatten sich Medienberichten zufolge bereits auf die Reise in die Schweiz vorbereitet. Allerdings hatte Teheran auch schon vor der Unterzeichnung des Rahmenabkommens betont, dass eine Fortsetzung der israelischen Kampfhandlungen sowie der Besatzung von Gebieten im Libanon durch Israels Streitkräfte dazu führen würde, das der Iran das Rahmenabkommen als "hinfällig" betrachte.
Die Marktteilnehmer versuchen derzeit weiterhin, die Auswirkungen der Mitte der Woche unterzeichneten Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran auf die Ölströme im Golf abzuschätzen. Darüber hinaus bleibt die Frage, wie lange das vorläufige Abkommen halten wird und ob es den USA und dem Iran tatsächlich gelingt, daraus binnen 60 Tagen ein endgültiges Abkommen zu machen.
Das Zentralkommando der US-Streitkräfte in der Region (CENTCOM) gab am Donnerstag an, die Seeblockade für Schiffe, die an iranischen Häfen an oder ablegen wollen aufgehoben zu haben und einige Schiffe konnten die Strasse von Hormus auch schon wieder passieren.
Während die ersten Länder am Persischen Golf die Fördermengen sogar schon wieder steigern, oder dies zumindest ankündigen, versuchen die Marktteilnehmer noch, die Menge an Öl einzuschätzen, die unmittelbar auf dem Markt verfügbar sein könnte, so der Analyst Andy Lipow von Lipow Oil Associates. Aber die Märkte fragen sich: ‚Wie lange wird es tatsächlich dauern, bis die Lieferkette wieder einigermassen zur Normalität zurückkehrt?, fügt Lipow hinzu. Die Erwartungen der Experten diesbezüglich variiert dabei stark, während die weltweiten Ölreserven weiter sinken.
Bei der Bank BNP Paribas rechnet man derzeit nicht mit einer Rückkehr der Ölpreise zu den Niveaus, auf denen sie vor dem Iran Krieg lagen. Die Analysten der Bank sehen die Preismarke von 75 US-Dollar pro Barrel in einer Mitteilung als dauerhafte Untergrenze für die absehbare Zukunft. Diese Einschätzung begründen sie mit anhaltenden Ausfällen bei der Versorgung und einer höhere Nachfrage. Der Durchschnittspreis der Nordsee-Rohölsorte Brent hatte im Februar also vor Kriegsbeginn noch bei rund 69,40 Dollar gelegen (nach Settlementpreisen).
Zum Ende der Woche kommt nun auch wieder die Frage auf, wie lange die Strasse von Hormus überhaupt offen bleibt. Da nämlich im Libanon zwischen den israelischen Streitkräften und der Hisbollah-Miliz immer noch keine Waffenruhe herrscht, könnte das vorläufige Friedensabkommen schon zerbrechen, bevor die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zwischen den USA und Iran überhaupt wirklich in Gang kommen. So wurde die erste Gesprächsrunde für das finale Abkommen, die heute im schweizerischen Bürgenstock stattfinden sollte, Medienberichten zufolge bereits verschoben, da der Iran in der Absichtserklärung eine Waffenruhe an allen Fronten - also auch im Libanon gefordert hatte.
18. Juni 2026
USA/Iran-Abkommen bereits unterzeichnet
Noch am Dienstagabend hatte das schweizerische Außenministerium angekündigt, die Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran werde voraussichtlich am morgigen Freitag in Bürgenstock bei Luzern unterzeichnet (16.06.2026 USA/Iran-Abkommen wird in Bürgenstock unterzeichnet). Nun sieht es so aus, als wäre das Abkommen bereits in trockenen Tüchern. So gab US-Präsident Trump am Mittwochabend an, er habe das Dokument schon unterschrieben. Irans Präsident Peseschkian soll derweil seine Unterschrift in digitaler Form unter das Abkommen gesetzt haben.
Gegenüber Journalisten sagte Trump nach einem Abendessen im Schloss Versailles, zu welchem ihn Frankreichs Präsident Macron eingeladen hatte: "Hab's grade unterzeichnet." Irans Außenministerium teilte mit, Trumps Amtskollege Peseschkian habe das Abkommen mit seiner digitalen Unterschrift versehen. Dass es nun noch zu einer offiziellen Unterzeichnungszeremonie kommen wird, ist unwahrscheinlich, denn nach Meinung des iranischen Ministeriums gebe es dafür "nicht wirklich einen Platz."
Nachdem die Präsidenten der USA und des Iran die Absichtserklärung zwischen den beiden Ländern nun offenbar schon früher unterzeichneten, als Anfang der Woche angekündigt, geben die Futures an den Ölbörsen heute Morgen wieder nach. Schließlich bedeutet die Unterzeichnung nicht nur eine Einstellung der Kampfhandlungen, sondern auch die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Ein endgültiges Abkommen soll nun binnen 60 Tagen ausgehandelt werden.
"Obwohl die Märkte bereits mit einer schrittweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus rechneten, bestand weiterhin ein erhebliches Risiko, dass die Verhandlungen in letzter Minute scheitern würden. Dieses Abkommen reduziert dieses extreme Risiko erheblich", erklärte Rajeev De Mello, Fondsmanager bei Gama Asset Management, die erneute Abwärtsreaktion gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Bereits seit Ende Februar war die wichtige Meerenge nahezu vollständig blockiert. Laut EIA und IEA dürfte eine nachhaltige Erholung der Öllieferungen, die über die Straße von Hormus abge-wickelt werden, im kommenden Jahr allerdings zu einem beträchtlichen Angebotsüberschuss führen. Während die EIA diesen in ihrem aktuellen Monatsbericht bei etwa 4 Mio. B/T sieht, geht die IEA sogar von 5 Mio. B/T aus. Haris Khurshid, Chief Investment Officer von Karobaar Capital LP, gibt jedoch auch zu bedenken: "Das Erzielen einer Einigung war der einfache Teil – der schwierigere Teil ist es, auszumachen, inwieweit die Störungen der letzten Monate von Dauer bleiben werden." Einige Änderungen (wie z.B. Exportrouten), die während der Blockade der Meerenge vorgenommen wurden, dürften laut Khurshid durchaus länger beibehalten wer-den.
Die weltweiten Ölbestände, die aufgrund der Angebotsausfälle aus einigen Ländern der Golfregion gesunken sind, dürften in naher Zukunft erst einmal noch unter Druck bleiben. Auch in den USA spiegelt sich der Rückgang des Angebots von Rohöl aus dem Nahen Osten in der Versorgungslage wieder. So gaben die landesweiten Rohölvorräte der USA vergangene Woche erneut beträchtlich nach und im Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sind die Bestände mittlerweile so niedrig, dass der Betrieb des Lagers erschwert wird. Abhängig davon, wie lange die Erholung der Lieferströme über die Straße von Hormus dauert, könnte dies Experten zufolge auch die Rohölexporte der USA beeinträchtigen.
Im heutigen Tagesverlauf könnte unterdessen der festere Dollar die Ölpreise unter Druck bringen. Der Greenback hatte gestern Abend gegenüber dem Euro bereits einen Kurssprung ver-zeichnet. Zwar nahm die Fed wie erwartet bei ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung noch keine Zinsanhebung vor, allerdings machte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh deutlich, dass man gegen die hohe Inflation ankämpfen wolle. Darüber hinaus deuteten die aktuellen Prognosen der Fed-Mitglieder darauf hin, dass im laufenden Jahr noch mit einer Zinsanhebung zu rechnen ist.
17. Juni 2026
US-Rohölvorräte laut API achte Woche in Folge gesunken
Den Dienstagnacht vom American Petroleum Institute (API) veröffentlichten US-Ölbestandsschätzungen zufolge, nahmen die landesweiten Rohölvorräte der USA in der Woche zum 12. Juni das achte Mal in Folge ab. Mit -8,3 Mio. Barrel soll der Rückgang laut dem Interessenverband auch deutlich stärker ausgefallen sein, als von den Analysten erwartet. Die Abbauten bei den Destillatbeständen schätzt das API etwas schwächer ein als die Analysten, während für Benzin entgegen den Erwartungen ein Bestandszuwachs gemeldet wurde.
Die Abbauten bei den landesweiten Rohölbeständen könnten mit einer höheren Raffinerieauslastung einhergegangen sein, von der in den Analystenschätzungen auch ausgegangen wird. Davon abgesehen wäre auch ein erneuter Rückgang der Netto Importe (nach dem Anstieg der Vorwoche) ein Faktor der für rückläufige Bestände gesorgt haben könnte.
Im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sanken die Rohölvorräte in der vergangenen Woche laut API um -1,5 Mio. Barrel. Sollte das DOE dies bestätigen, würde dies bedeuten, dass die Bestände am Erfüllungsort für die physischen WTI-Kontrakte an der 20 Mio. Barrel-Marke kratzen, was die Frage aufwirft, wie lange das Lager den Normalbetrieb noch aufrecht erhalten kann.
Unklar ist noch, ob der Abwärtstrend bei den Destillatbeständen der USA, der Anfang Mai ins Stocken geriet, bereits beendet ist. Sowohl Analysten, als auch das API rechnen für die vergangenen Woche mit leichten Abbauten in dieser Bestandskategorie, nachdem es bereits in der Vorwoche wieder zu einem leichten Rückgang gekommen war. Dies mag auch daran liegen, dass sich die Raffineriebetreiber bei der Produktion mittlerweile aus saisonalen Gründen eher auf Benzin konzentrieren. Dies würde zumindest zum Teil auch die Bestandsaufbauten erklären, die der API-Bericht für die Woche zum 12. Juni für den Ottokraftstoff ausweist. Die Analysten rechnen dagegen auch bei Benzin mit einem Rückgang der Vorräte.
Erstmals seit Anfang März lag das Settlement von Brent gestern wieder unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 80 Dollar pro Barrel. Und zumindest aktuell sieht es an den Ölbörsen so aus, als könnte der Preis der Nordsee-Rohölsorte heute noch weiter sinken.
Wir erleben eine massive Flucht der Investoren aus dem Markt, kommentiert Analyst Stephen Schork von der Schork Group den Preisrückgang, der sich seit der Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran, die am Wochenende schliesslich bestätigt wurde, an den Ölbörsen ergeben hat. So wie wir zu Beginn des Konflikts im Nahen Osten einen regelrechten Kaufrausch erlebt haben, geschieht nun genau das Gegenteil, führt Schork aus. Seine Kollegin von Phillip Nova, Priyanka Sachdeva verweist derweil auf die geopolitische Risikoprämie, die die Marktteilnehmer seit Beginn des Iran-Kriegs eingepreist hatten und nun wieder auspreisen.
Hauptgrund dafür ist, neben der Einigung an sich, die Hoffnung am Markt, dass die Öllieferungen über die Strasse von Hormus bald wieder deutlich zunehmen, wenn die Meerenge am Freitag wie angekündigt wieder geöffnet wird. Das wichtige Nadelöhr, über das vor dem Krieg täglich Öllieferungen im Umfang von rund 21 Mio. Barrel abgewickelt wurden, soll freigegeben werden, sobald die Absichtserklärung ebenfalls am Freitag von den USA und dem Iran unterzeichnet wurde. Das schweizerische Aussenministerium gab gestern bekannt, dass die Unterzeichnung voraussichtlich in Bürgenstock bei Luzern stattfinden werde.
Im Hinblick auf die erwartete Öffnung der Strasse von Hormus gibt Parash Jain allerdings zu bedenken: Wir sprechen von einer schrittweisen Wiederaufnahme, nicht von einer sofortigen Rückkehr zur Normalität. Der Leiter der Transport und Logistikforschung bei HSBC Holdings Plc weltweit fügt in einem Interview mit Bloomberg Television hinzu: Das Letzte, was die Reedereien wollen, ist, zwei Monate damit zu verbringen, alle Schiffe umzuleiten, nur um dann zu erfahren, dass sie sie eigentlich wieder auf die ursprüngliche Route zurückverlegen müssen.
Denn es gibt immer noch einige Faktoren, die eine Öffnung der wichtigen Meerenge doch noch verhindern könnten, wie zum Beispiel Israels Militäroperationen im Libanon. Erst gestern hatte der iranische Aussenminister noch einmal betont, dass der Iran ein Abkommen ohne einen vollständigen Rückzug Israels aus dem Libanon, von wo aus die vom Iran unterstützte Hisbollah Miliz agiert, als hinfällig betrachte. US-Präsident Trump fühlte sich diesbezüglich gestern sogar genötigt, Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Interview am Rande des G7-Gipfels zur Zurückhaltung im Libanon aufzufordern.
16. Juni 2026
Analysten: Vorkriegsniveau erst in Monaten erreichbar
Die Schließung der Straße von Hormus, die sowohl durch iranische als auch durch US-amerikanische Blockademaßnahmen gesperrt ist, hat eine der schwersten globalen Energiekrisen der Geschichte ausgelöst. Doch selbst eine Wiedereröffnung dürfte nicht sofort zur Normalität führen. Weiterhin bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der Sicherheit des Schiffsverkehrs und der künftigen Betriebs- und Durchfahrtsregeln.
„Der früheste Zeitpunkt, zu dem die Öllieferungen wieder das Vorkriegsniveau erreichen können, ist Ende Juli“, glaubt etwa Pavel Molchanov, Analyst bei Raymond James. Bevor sich die Versorgung normalisieren könne, müssten zahlreiche logistische Probleme gelöst werden. Dieser Meinung ist auch Kyle Bertimini von Enverus: „Wir gehen nicht davon aus, dass man einfach die Förderhähne wieder aufdrehen kann und innerhalb weniger Wochen zu den Verhältnissen vor dem Konflikt zurückkehrt. Das wird länger dauern.“
Nach dem Preisrutsch zum Wochenstart, mit dem der Ölmarkt das vorläufige Abkommen zwischen USA und Iran quittierte, bleiben die Anleger nun erst einmal wieder vorsichtig. Zwar überwiegt die Hoffnung auf ein Ende des Konfliktes, doch gleichzeitig sind bisher nur wenige Details zum Abkommen bekannt, während die Marktbeobachter gleichzeitig fürchten, dass die Rückkehr der Exporte durch die Straße von Hormus länger dauern wird als erhofft.
Bislang wurden die vollständigen Inhalte des „Memorandum of Understanding“ noch nicht bekannt gegeben und auch eine dauerhafte Waffenruhe ist noch nicht ausgehandelt. Das Dokument soll am Freitag in der Schweiz von beiden Seiten unterzeichnet werden. Weder Washington noch Teheran haben den Text der Absichtserklärung bislang veröffentlicht.
Unsicherheit herrscht am Markt vor allem bezüglich der Straße von Hormus. US-Präsident Trump beharrte gestern darauf, die Schifffahrtsroute werde bis Freitag wieder uneingeschränkt nutzbar sein. „Wir haben bereits jetzt viele Fahrspuren geöffnet“, sagte er beim G7-Gipfel in Frankreich. „Die Passage wird offen sein und es werden keine Gebühren erhoben.“ Er widersprach damit Meldungen aus dem Iran, denen zufolge das von Teheran eingeführte Mautsystem bleiben solle.
„Die Tücken könnten im Detail liegen. Solange all diese Details nicht bekannt sind, dürfte der Markt bei einem weiteren Abbau der Risikoprämie an den Energiemärkten vorsichtig bleiben“, kommentiert Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade.
Zeitgleich signalisieren Reedereien und Händler gleichermaßen, sie benötigten mehr Planungssicherheit, bevor sie ihre Schiffe wieder auf der Nahost-Route einsetzen. Energieverantwortliche aus den Golf-Anrainerstaaten berichten unterdessen von einer Flut an Kundenanfragen, die wissen wollten, ob und wenn ja wann Rohöl wieder durch die Meerenge transportiert werden könne.
Diese Frage ist allerdings nicht ganz einfach zu beantworten. Selbst bei Inkrafttreten der aktuellen Vereinbarung bleibt unklar, wie schnell die eingeschränkten Liefermengen wieder auf den Markt zurückkehren können. Klar scheint nur, dass die Rückkehr zur Normalität – sofern sie denn überhaupt möglich ist – eher länger als kürzer dauern wird.
„Der Weg zurück zu normalen Versorgungsströmen ist alles andere als einfach“, fasst Tony Sycamore von IG die Lage zusammen. Die Räumung von Seeminen, die Wiederherstellung eines umfassenden Versicherungsschutzes für die Schifffahrt sowie die Bereitschaft von Reedereien und Besatzungen, in die Golfregion zurückzukehren, würden Zeit in Anspruch nehmen. Gleiches gelte für die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Förderanlagen und die Reparatur beschädigter Infrastruktur in der Region.
Inmitten all dieser Unsicherheiten fällt die fundamentale Einschätzung der Marktlage damit heute neutral aus. Während die Einigung auf ein Abkommen grundsätzlich ein Erfolg ist, werden sich die bestehenden Versorgungsprobleme nicht innerhalb weniger Tage und Wochen in Luft auflösen.
15. Juni 2026
USA und Iran einigen sich auf vorläufiges Abkommen
Nach wochenlangem zähen Ringen scheint es nun also tatsächlich geschafft: Die USA und Iran haben sich auf ein vorläufiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. Alle Seiten haben diese Meldung inzwischen bestätigt, die Absichtserklärung soll am Freitag in der Schweiz offiziell unterzeichnet werden.
„Das Abkommen mit der Islamischen Republik Iran ist nun abgeschlossen“ hatte Donald Trump am Sonntagabend per Truth Social verkündet. Kurz zuvor hatte der Ministerpräsident Pakistans, Shehbaz Sharif, auf X bekannt gegeben, dass ein Friedensabkommen erzielt worden sei. Der Oberste Nationale Sicherheitsrats des Iran teilte schließlich mit, dass der Krieg und die Militäroperationen an allen Fronten, einschließlich des Libanon, ab Montagabend endgültig beendet würden.
Die Ölpreise sind am Montag deutlich gefallen, nachdem die USA und der Iran gestern erklärt hatten, eine erste Vereinbarung zur Beendigung des Krieges und zur Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus erzielt zu haben. Brent und WTI rutschten damit zum Wochenstart auf den tiefsten Stand seit März ab.
Nach Angaben des pakistanischen Premierministers, dessen Land als Vermittler zwischen den Konfliktparteien fungiert hatte, werden die USA und der Iran am Freitag in der Schweiz eine Absichtserklärung unterzeichnen. Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte, der Wortlaut der Vereinbarung werde erst nach der Unterzeichnung veröffentlicht.
Während Trump die Einigung mit den Worten „Lasst das Öl wieder fließen!“ begrüßte, reagierten Händler und Analysten deutlich zurückhaltender. Sie verwiesen auf fehlende Details zum Abkommens, die Herausforderungen für die Schifffahrtsbranche bei der Wiederaufnahme der Durchfahrt durch die Straße von Hormus sowie den langen Zeitraum, der erforderlich sei, um die Ölproduktion wieder hochzufahren.
Schon in den letzten Wochen und Monaten hatten die Produzenten in der Region immer wieder gewarnt, dass eine vollständige Wiederherstellung der Fördermengen aufgrund technischer und geologischer Schwierigkeiten sowie infrastruktureller Schäden mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte.
„Wir müssen zunächst verstehen, was diese Vereinbarung tatsächlich bedeutet“, kommentiert Marktexperte Chris Weston von der Pepperstone Group, gerade im Bezug auf die Straße von Hormus. „Selbst wenn die Meerenge am Freitag wieder geöffnet wird, könnten noch Minen vorhanden sein und Versicherer könnten hohe Prämien verlangen“, so Weston.
Bis der Verkehr durch die Straße von Hormus vollständig wieder aufgenommen werden kann, dürften tatsächlich noch einige Hindernisse zu überwinden sein. So bestätigte Donald Trump selbst, dass aktuell noch Minen in der Meerenge geräumt werden müssten. Zudem bleibt abzuwarten, wie bereitwillig der Iran auf sein zuletzt schon recht weit vorangetriebenes Mautsystem verzichten wird.
Dennoch überwiegt am Ölmarkt heute die Erleichterung, dass zumindest wieder große Schritte in die richtige Richtung gemacht wurden. Laut Tim Waterer von KCM Trade werde die zuvor in den Ölpreisen enthaltene geopolitische Risikoprämie nun „recht aggressiv abgebaut“. Die Händler preisten zunehmend die Aussicht auf eine Wiederherstellung der Öllieferungen ein.
Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia weist zudem darauf hin, dass es schon ausreichend wäre, wenn die Öllieferungen durch die Straße von Hormus nur 60% bis 70% des Vorkriegsniveaus erreichen würden, um den Ölmarkt wieder in die vor dem Krieg erwartete Überversorgung zurückzuführen. Damit wird der bullishe Effekt der noch bestehenden Marktunsicherheiten deutlich abgeschwächt.
12. Juni 2026
Trump bläst angekündigte Angriffe auf Iran ab
Am Donnerstagnachmittag hatte US-Präsident Donald Trump über eine Mitteilung auf Truth Social noch für denselben Tag weitere Angriffe auf den Iran angekündigt, was an den Ölbörsen zeitweise wieder für einen Preisanstieg gesorgt hatte. Am Abend verkündete er dann ebenfalls über seinen eigenen Kommunikationskanal, alle an den Gesprächen mit dem Iran beteiligten Verhandlungsparteien hätten einem Abkommen zugestimmt, weshalb er die angekündigten Angriffe abgesagt habe.
Angesichts der Tatsache, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran bis auf die Ebene der höchsten iranischen Führungsebene geführt und dort gebilligt wurden, habe ich als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die für heute Abend geplanten Angriffe und Bombardierungen des Iran abgesagt, schrieb Trump in seinem Post und fuhr fort: Die Gespräche und die abschließenden Punkte wurden sowohl in ihren Grundzügen als auch im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt. Die Seeblockade bleibt in vollem Umfang in Kraft, bis diese Vereinbarung abgeschlossen ist Zeit und Ort der Unterzeichnung werden in Kürze bekannt gegeben.
Gegenüber Journalisten sagte Trump im Oval Office, dass die Unterzeichnung bereits am Wochenende in Europa stattfinden könnte. Gegebenenfalls werde Vizepräsident JD Vance dabei zugegen sein. Ob es nun tatsächlich doch so schnell geht, bleibt allerdings abzuwarten. In einer Meldung der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars hieß es dagegen, der Iran habe noch keinen Text für ein Abkommen gebilligt.
Der Brent Rohölkontrakt startete an der ICE heute das erste Mal seit April wieder unterhalb von 90 Dollar, nachdem US-Präsident Trump am Donnerstagabend mitteilte, dass ein Abkommen mit dem Iran nur noch unterzeichnet werden müsse. Was Trumps nicht neuer Behauptung, dass ein Deal mit der Islamischen Republik quasi schon unter Dach und Fach sei, Gewicht verlieh, war die Absage weiterer Angriffe des US-Militärs auf Ziele im Iran, die er erst am Nachmittag angekündigt hatte.
Die für den Ölmarkt wichtigste erhoffte Folge eines Abkommens wäre die Freigabe der Strasse von Hormus, die die iranische Militärführung gestern infolge von neuen US-Angriffen wieder für komplett gesperrt erklärte. Die Meerenge wird offiziell geöffnet, sobald wir unterzeichnen was bald, sehr bald geschehen könnte, womöglich am Wochenende in Europa, so Trump zum Thema.
Die Blockade der strategisch wichtigen Meerenge, durch die vor dem Kriegsbeginn täglich rund 21 Mio. Barrel Öl verschifft wurde, hat die Ölversorgung aus der Golfregion erheblich beeinträchtigt. Und auch wenn es zuletzt zu einem Anstieg der Ölexporte über die Strasse von Hormus kam und die Ölproduzenten aus der Region versuchen, ihre Ausfuhren über alternative Exportrouten zu steigen, ist man laut dem Analysten Homayoun Falakshahi vom Informationsdienstleister Kpler noch weit von den Transitvolumina der Vorkriegszeit entfernt, sodass die Meerenge im Fokus der Marktteilnehmer bleibt.
Und während der Sprecher des iranischen Aussenministeriums Trump widerspricht und meint, einige Kernpunkte des Abkommens müssten noch geprüft werden, bleiben die Preise abhängig von den jeweils neuesten Schlagzeilen und Preissprünge jederzeit möglich. Die hohen Preisniveaus lasten derweil auf den Beständen, was sich auch im aktuellen Monatsbericht widerspiegelte, den die OPEC am Donnerstagnachmittag herausgab. Demnach gingen die Ölbestände der OECD-Länder im April im Vergleich zum Vormonat um 48 Mio. Barrel zurück und lagen mit 53,7 Mio. Barrel auch deutlich unter dem entsprechenden 5 Jahres-Durchschnitt.
Die Freigabe von strategischen Beständen scheint bislang noch nicht zu verhindern, dass die Verbraucherpreisinflation wieder deutlich anzieht. Dies wiederum ruft die Notenbanken auf den Plan. So hob die EZB gestern wie erwartet die Leitzinsen um 25 Basispunkte an, um der zunehmenden Verbraucherpreisteuerung entgegenzuwirken. Von der Fed erwartet sich der Markt zwar erst Ende des Jahres eine erste Zinsanhebung, insgesamt wirkt die Aussicht auf steigende Zinsen jedoch als tendenziell bearisher Faktor für die Ölpreise, da höhere Zinsen auch die Kreditkosten der Ölproduzenten steigen lassen. Während dieser Effekt etwas länger braucht, um sich durchzusetzen, könnte sich die Beeinträchtigung der Nachfrage durch die immer noch verhältnismässig hohen Ölpreise schneller durchsetzen, beispielsweise bei der Entwicklung der US-Nachfrage in der Sommer-Fahrsaison.
11. Juni 2026
Iran spricht nach zweiter Angriffswelle der USA von Hormus Vollsperrung
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran scheint erneut zu eskalieren. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hat-ten die USA vor dem Hintergrund eines nahe der Strasse von Hormus abgeschossenen Hubschraubers einen Vergel-tungsschlag verübt, der wiederum einen Gegenschlag Irans zur Folge hatte. In der Nacht zum Donnerstag griff das US-Militär die Islamische Republik nun erneut an, woraufhin Teheran die Straße von Hormus für vollständig gesperrt erklärte. Washington dementiert dies.
In einem Post auf X hatte das US-Zentralkommando im Nahen Osten (Centcom) am frühen Donnerstagmorgen mit-geteilt, die amerikanischen Streitkräfte hätten auf Befehl von US-Präsident Trump damit begonnen, weitere Angriffe auf Ziele im Iran durchzuführen. Die Angriffe sind eine Reaktion auf die ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Irans, hiess es in der Mitteilung.
Bereits am frühen Nachmittag hatte Trump in einer Mitteilung auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social durchscheinen lassen, dass es weitere Militärschläge der USA auf iranische Ziele geben könnte. In der Mitteilung hatte er der iranischen Führung vorgeworfen, sich bei den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten nicht schnell genug auf ein Abkommen eingelassen zu haben, wofür die Islamische Republik nun den entsprechenden Preis zah-len müsse (10.06.2026 Trump: Iran hat zu lange gezögert).
Im Zuge der erneuten US-Schläge wurde in den Medien von Angriffen des iranischen Militärs auf US-Schiffe nahe der Strasse von Hormus berichtet. Die Führung des iranischen Militärs teilte zudem über den staatlichen Rundfunk mit, die Streitkräfte Irans hätten die Straße von Hormus aufgrund der veränderten Sicherheitslage, die sich durch die neuen US-Angriffe ergeben hätte, mit sofortiger Wirkung vollständig gesperrt. So werde jedes Schiff angegriffen, das die für den internationalen Handel wichtige Wasserstrasse zu durchfahren versuche.
Nachdem die Rohölpreise an den Ölbörsen am Mittwochvormittag noch auf den niedrigsten Stand seit etwa drei Wochen gerutscht waren, wurden sie durch die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran seit Mittwochnachmittag wieder um mehrere Dollar nach oben katapultiert. So notierte Brent heute zeitweise schon wieder oberhalb der psychologisch wichtigen 95 Dollar Marke, während WTI wieder weit oberhalb von 90 Dollar gehandelt wird.
Geht die EIA in ihrem aktuellen Monatsbericht, der am Dienstagabend erschien, noch davon aus, dass sich die Ver-sorgungslage am weltweiten Ölmarkt rasch normalisieren werden, sobald der Konflikt beendet und die Strasse von Hormus wieder frei ist, so ist die wichtige Meerenge zumindest nach Angaben der iranischen Militärführung - nun erst einmal komplett gesperrt. Dies schürt bei den Marktteilnehmern die Befürchtungen, dass die Unterbrechung der über die Wasserstrasse abgewickelten Öllieferungen länger anhalten könnten als erhofft.
Zwar erklärte US-Präsident Trump am gestrigen Mittwoch, die US-Streitkräfte hätten eine geheime Mission durch-geführt, die den Transport von 100 Millionen Barrel durch die Meerenge ermöglicht habe, und von einer Vollsper-rung der Strasse von Hormus will das US-Zentralkommando im Nahen Osten nichts wissen, der Markt preist ange-sichts der erneut gestiegenen Spannungen aber dennoch wieder einen höheren Risikoaufschlag ein.
Unterdessen greifen Staaten weiterhin auf ihre Rohölreserven zurück, um den Preisanstieg zu bremsen. So haben die USA in den vergangenen Monaten umfangreiche Mengen aus den strategischen Ölreserven (SPR) freigegeben. Laut DOE nahmen die SPR in der Woche zum 5. Juni erneut beträchtlich ab und könnten bereits kommende Woche den niedrigsten Stand seit über 40 Jahren verzeichnen, sollten sie in dem Tempo weiter sinken. Aber nicht nur die USA, auch China zapft seine Vorräte an, was die Rohölimporte des Landes dezimiert.
Laut Analyst Tamas Varga von PVM ist die Mehrheit der Marktteilnehmer zwar überzeugt, dass das weltweite Ölan-gebot im Verhältnis zur Nachfrage nicht in ein unbewältigbares Defizit abrutschen wird, sein Fachkollege Robert Yawger befürchtet hingegen, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, der den Preis pro Barrel wieder über die symbolische Marke von 100 Dollar treiben könnte.
10. Juni 2026
Hubschrauberabschuss führt zu gegenseitigen Vergeltungsschlägen der USA und Irans
Nachdem das US-Militärkommando (Centcom) am gestrigen Dienstag den Abschuss eines amerikanischen Militärhubschraubers vor der Küste Omans gemeldet hatte, der dem Iran zugeschrieben wurde, führten die US-Streitkräfte in der Nacht zum Mittwoch einen Vergeltungsschlag auf Militärziele Irans durch. "Dies ist eine Reaktion auf das, was sie letzte Nacht ... mit unserem Hubschrauber gemacht haben", kommentierte US-Präsident Trump, der die Maßnahme am frühen Dienstagabend angeordnet hatte, den Vergeltungsschlag gegenüber dem US-Sender ABC News und fügte hinzu: "Die Reaktion sollte sehr stark, sehr kraftvoll ausfallen - und genau das ist sie auch."
Wenngleich Centcom einige Stunden später mitteilte, dass die US-Angriffe beendet seien, ließ die Reaktion Irans nicht lange auf sich warten. Die Revolutionsgarden warfen den USA vor, "unter falschen Vorwänden mehrere Ziele in Jask, Sirik und Qeshm" angegriffen zu haben und begründeten damit ihrerseits Vergeltungsschläge. So führten die Marineeinheiten der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) einen Drohnenangriff auf die in Bahrain stationierte Fünfte US-Flotte durch. Iranische Medien berichteten zudem von einem Angriff auf einen US-Stützpunkt in Jordanien.
Erst am Montag hatte US-Präsident Trump noch einmal bekräftigt, dass es bald ein Abkommen mit dem Iran geben dürfte. Am Dienstagabend ordnete er dann einen Vergeltungsschlag gegen den Iran an, da der Iran hinter dem Abschuss eines Militärhubschraubers in der Nähe der Straße von Hormus vermutet wurde. Die Reaktion Teherans folgte auf dem Fuße und so zeigt sich wieder einmal, wie fragil die Lage im Nahen Osten immer noch ist, auch wenn es nach den gegenseitigen Angriffen Israels und Irans vom Wochenende Anfang der Woche zumindest kurzzeitig noch nach einer Entspannung aussah.
Wie stark die Preise der Kontrakte an ICE und NYMEX heute noch steigen, bleibt abzuwarten. Der Preissprung, den die Kontrakte am frühen Dienstagabend vollzogen, reichte nicht aus, um die vorangegangenen Verluste vollständig einzuholen. Allerdings dürften viele europäische Trader da auch bereits im Feierabend gewesen sein. "Die Angriffe unterstreichen einmal mehr, dass ein Abkommen mit dem Iran weiterhin in weiter Ferne liegt", meint Analyst Saul Kavonic von MST Marquee zu den jüngsten Ereignissen, der jedoch anfügt: "Der Markt schöpft jedoch etwas Zuversicht daraus, dass die Angriffe verhältnismäßig bleiben und keinem umfassenden Angriff gleichkommen, was darauf hindeutet, dass der Wille, ein Abkommen dem Krieg vorzuziehen, weiterhin besteht."
Die EIA geht in ihrem aktuellen Monatsbericht, den sie am frühen Dienstagabend veröffentlichte, davon aus, dass die Beeinträchtigung des internationalen Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus das globale Angebot wohl stärker in Mitleidenschaft ziehen dürfte, als bisher erwartet. Für das laufende Jahr rechnet die Behörde mittlerweile mit einem Angebotsdefizit von -3,9 Mio. B/T, was deutlich gravierender ist als die Unterversorgung von -1,3 Mio. B/T, die noch im Monatsbericht von Mai prognostiziert worden war.
Allerdings erwartet die EIA auch eine rasche Erholung des Marktes, ist der Konflikt erst einmal gelöst und die Meerenge wieder gut befahrbar. Für 2027 stellt die Behörde daher einen Angebotsüberschuss von +4 Mio. B/T in Aussicht, statt der im Mai-Report noch erwarteten +0,1 Mio. B/T. Wirklichen Auftrieb gab der aktuelle Monatsbericht der EIA den Ölpreisen gestern daher nicht, zumal die bullishen Faktoren von den Marktteilnehmern im Vorfeld auch schon weitestgehend eingepreist gewesen sein dürften.
Wie sich die Angebotslage in den USA auf kurze Sicht zuletzt entwickelt hat, wird heute um 16:30 Uhr der Wochenbericht des DOE zeigen. Das API meldete gestern in seinen Schätzungen einen weiteren nennenswerten Rückgang bei den landesweiten Rohölvorräten, was erneut mit umfangreichen Exporten zusammenhängen könnte. Eindeutige Aufschlüsse über die Entwicklung der US-Nachfrage in der vergangenen Woche lassen die API-Daten nicht zu.
9. Juni 2026
US-Militär setzt weiteren Öltanker außer Gefecht
Während die Spannungen zwischen Israel und Iran gestern wieder etwas nachließen (08.06.2026 Iran: Jüngste Militäroperation gegen Israel beendet), bleibt die Lage im Persischen Golf weiter extrem unsicher. Die Doppelblockade, sowohl durch den Iran, als auch durch die USA, bleibt intakt und immer wieder werden auch Öltanker zum Ziel von Angriffen – zu-letzt durch US-Streitkräfte.
So erklärte das US-Zentralkommando (CENTCOM) gestern auf X, man habe im Golf von Oman einen unbeladenen Öltanker manövrierunfähig gemacht, nachdem dieser versucht habe, trotz der Blockade gegen den Iran einen iranischen Hafen anzulaufen. Die unter der Flagge Palaus fahrende Marivex sei ins Visier genommen worden, nachdem die Besatzung den Anweisungen der US-Streitkräfte, beizudrehen, mehrfach nicht gefolgt war.
Mit der vorsichtigen Annäherung zwischen dem Iran und Israel kann der Ölmarkt wieder ein wenig durchatmen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, Israel werde seine Angriffe auf Iran vorerst einstellen, behalte sich jedoch eine Reaktion vor, sollte Teheran erneut angreifen. Ähnliche Signale kamen von iranischen Medien.
Damit ist das Risiko weiterer Eskalationen zwar längst nicht gebannt, doch am Ölmarkt hält man sich an der Hoffnung fest, dass es unter diesen Umständen zumindest theoretisch noch eine Chance auf ein Abkommen mit dem Iran gibt. Immerhin Donald Trump scheint nach wie vor fest daran zu glauben und verspricht schon seit Wochen, dass die Einigung in wenigen Tagen erreicht sei.
Zuletzt hatte die Zuspitzung der Angriffe in der Region die breiteren Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts belastet. Zwar hält eine fragile Waffenruhe bislang offiziell an, doch die militärischen Aktivitäten hatten in den letzten Tagen wieder zugenommen und die Straße von Hormus bleibt aufgrund der doppelten Blockade durch Teheran und Washington faktisch geschlossen.
„Die jüngste Unterbrechung direkter Angriffe sorgt zwar für etwas Erleichterung, doch die Investoren sind nicht überzeugt, dass die Waffenruhe Bestand haben wird“, kommentiert Tim Waterer, Marktanalyst bei KCM Trade. Die Märkte preisten weiterhin erhebliche Unsicherheit ein und gingen nicht von einer dauerhaften Lösung aus.
Auch Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG, verweist auf die anhaltenden Risiken: „Die Aussetzung der israelisch-iranischen Angriffe hat zwar verhindert, dass die Lage weiter eskaliert, das geopolitische Umfeld bleibt jedoch angespannt und ein dauerhafter Friedensschluss ist weiterhin nicht in Sicht.“ Laut Tim Waterer sei die entscheidende Frage ohnehin, ob „die aktuellen Bemühungen zur Deeskalation in eine langfristige Lösung münden oder lediglich eine weitere vorübergehende Ruhephase darstellen“.
Selbst im Fall eines Friedensabkommens zwischen den USA und Iran würden zahlreiche Hindernisse einer raschen Normalisierung der Öllieferungen entgegenstehen. So müssten unter anderem Minen in der Straße von Hormus geräumt, stillgelegte Förderfelder wieder in Betrieb genommen und Schäden an der Energieinfrastruktur repariert werden, die durch Drohnen- und Raketenangriffe entstanden sind..
Der Ölmarkt bleibe weiterhin stark von aktuellen Schlagzeilen und geopolitischen Entwicklungen geprägt, kommentiert Analyst Al Salazar von Enverus. Nach seiner Einschätzung müssten die Preise eigentlich deutlich im dreistelligen Dollarbereich liegen, um die niedrigen Lagerbestände vollständig widerzuspiegeln.
Wie es um die Lagerbestände in den USA bestellt ist, werden diese Woche wieder die Ölbestandsberichte zeigen, die in den letzten Wochen klare Angebotsknappheiten signalisiert hatten. Den Anfang macht heute Abend das API mit seinen Prognosen, die am Ölmarkt allerdings eher als Stimmungsbarometer gelten. Mehr Durchschlagskraft dürfte dann morgen der offiziel-le DOE-Bestandsbericht haben.
8. Juni 2026
Neue Angriffe zwischen Israel und Iran
Die Eskalation im Nahen Osten setzt sich weiter fort. Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe im April hat Iran Israel wieder mit Raketen beschossen. Teheran begründete den Schritt mit „wiederholten Verstößen“ gegen die Waffenruhe im Libanon. Israel reagierte heute Nacht mit Vergeltungsschlägen und nahm Ziele im Iran ins Visier.
Dem US-Präsidenten Donald Trump scheinen unterdessen die Felle wegzuschwimmen. Am Sonntag hieß es aus dem Umfeld des Weißen Hauses, Trump habe mit Benjamin Netanjahu telefoniert und ihn dazu gedrängt, nicht auf den Beschuss des Iran zu reagieren - offenbar ohne Erfolg. Ob das Telefonat tatsächlich stattgefunden hat, ist zudem unklar. Der Financial Times gegenüber hielt Trump an seiner Behauptung fest, dass ein Abkommen mit dem Iran kurz bevor stehe.
Die Lage am Persischen Golf hat sich seit dem Wochenende weiter verschärft, nachdem Israel offenbar heute Nacht militärische Ziele im Iran angegriffen hat. Vorausgegangen waren Raketenangriffe der Islamischen Republik. Die jüngste Eskalation gefährdet die ohnehin fragile Waffenruhe im Nahen Osten und erschwert die laufenden Bemühungen um ein Ende des Krieges. Einzig Donald Trump scheint noch fest an eine bevorstehendes Abkommen mit dem Iran zu glauben.
„Die Eskalation zwischen Israel und Iran an diesem Wochenende zeigt erneut, wie fragil die Waffenruhe ist“, warnt Marktexperte Andy Lipow von Lipow Oil Associates. Eine Verschärfung der Kampfhandlungen erhöhe das geopolitische Risiko, dass die Straße von Hormus länger als erwartet geschlossen bleibe. Zudem steige die Wahrscheinlichkeit, dass der Iran weitere Maßnahmen ergreifen könnte, um den Schiffsverkehr im Roten Meer einzuschränken.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) teilte am Sonntag mit, zwei iranische Kampfdrohnen abgeschossen zu haben, die eine Gefahr für den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus dargestellt hätten. Zuvor waren am Freitag sechs ballistische Raketen auf Bahrain und Kuwait abgefeuert worden. Diese seien abgefangen worden. Die USA griffen ihrerseits iranische Küstenradaranlagen zur Überwachung des Seeverkehrs an.
Mehrere Streitpunkte stehen einem Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran weiterhin im Weg. Dazu gehört insbesondere die Forderung nach einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Der Iran macht diese zur Voraussetzung für eine umfassendere Einigung. Zwar hatten beide Länder in der vergangenen Woche einer Waffenruhe zugestimmt, die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lehnte die Vereinbarung jedoch ab. Die Gefechte zwischen israelischen Streitkräften und der Hisbollah setzten sich entsprechend über das Wochen-ende fort.
„Der Markt hat unterschätzt, wie weit die beteiligten Parteien tatsächlich noch voneinander entfernt sind“, kommentiert Haris Khurshid von Karobaar Capital. Die Märkte schwankten weiterhin zwischen der Hoffnung auf eine Einigung und der Realität, dass keine der Konfliktparteien ihre grundlegende Position wesentlich verändert habe. „Jedes Mal, wenn der Optimismus den Tatsachen etwas zu weit voraus eilt, schnalzt der Ölpreis wieder nach oben", so der Experte.
Und selbst im Falle eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran dürfte eine Rückkehr zur Normalität mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. So müssten unter anderem Seeminen in der Straße von Hormus geräumt werden. Vorübergehend stillgelegte Förderanlagen könnten Monate benötigen, um den Betrieb wieder aufzunehmen. Hinzu kommen Schäden an der Energieinfrastruktur, deren Reparatur Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern könnte.
Die Entscheidung der OPEC+ vom Wochenende, ihre Fördermengen auch im Juli um 188.000 B/T zu erhöhen, kann in diesem Zusammenhang höchstens als Symbolpolitik bezeichnet werden. Das Bündnis hält schon seit Beginn der Sperrung der Straße von Hormus an seiner Förderstrategie fest und baut die freiwilligen Förderkürzungen der letzten drei Jahre ab – zumindest auf dem Papier.
Saudi-Arabien selbst – größter Produzent innerhalb des Kern-Bündnisses OPEC – reagiert hin-gegen mit seiner Preispolitik wieder verstärkt auf die neuen Gegebenheiten und hat seine Juli-Preise vor allem für den europäischen Raum, aber auch für den Hauptabnehmer Asien drastisch gesenkt. Mit +9,50 Dollar für die Hauptsorte Arab Light gegenüber der regionalen Referenzsorte liegt der Preis in Asien allerdings weiter auf vergleichsweise hohem Niveau.
5. Juni 2026
Hisbollah lehnt Waffenruhe mit Israel ab
Nachdem sich Israel und Libanon bei Gesprächen in Washington am Mittwoch noch darauf geeinigt hatten, eine Waffenruhe umzusetzen, meldete sich nun die Hisbollah zu Wort. Die Miliz, die aus dem Libanon heraus agiert und vom Iran unterstützt wird, lehnt den Waffenstillstand mit Israel ab.
Das angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils, hiess es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von Hisbollah-Chef Naim Kassim. Kassim bezeichnete eine Waffenruhe, bei der die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel vollständig einstellen müsse wie bei den Gesprächen am Mittwoch vereinbart , ohne ein Ende der Militäroperationen Israels als Kapitulation. Eine Waffenruhe, im Rahmen derer sich Israel vollständig aus dem Libanon zurückzieht und alle Angriffe einstellt, befürworte die Hisbollah jedoch, so der Anführer der Miliz.
US-Präsident Trump, der zur Wochenmitte noch angegeben hatte, die Hisbollah habe einem Waffenstillstand zugestimmt, tat die Ablehnung der Vereinbarung zwischen Israel und Libanon gestern gegenüber Journalisten im Oval Office mit den Worten "mich haben sie nicht abgewiesen ab und sagte sie haben uns angerufen.
Die Entwicklungen im Libanon spielen auch bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran eine wichtige Rolle, da Teheran eine Waffenruhe dort als wichtige Voraussetzung für ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten betrachtet. In einer auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social veröffentlichten Mitteilung bezüglich einer Resolution des US-Repräsentantenhauses zur Beendigung des Iran-Kriegs behauptete Trump ausserdem, er sei mitten in meinen abschliessenden Verhandlungen zur Beendigung des Krieges mit der Islamischen Republik Iran.
Am gestrigen Donnerstag zogen sich die Ölpreise von den Hochs, die sie zur Wochenmitte verzeichnet hatten, erst einmal wieder zurück. Für Verkaufsdruck sorgte dabei die Einigung zwischen Israel und Libanon auf eine Umsetzung einer Waffenruhe im Libanon, die die beiden Parteien bei Gesprächen am Vortag getroffen hatten. Am Nachmittag weckte ein Post von US-Präsident Trump dann noch einmal Hoffnungen, dass es auch zwischen den USA und Iran bald ein Abkommen geben könnte.
Der Rückgang des WTI-Preises von den Höchstständen von über 110 US-Dollar vor der Waffenruhe auf das Niveau im unteren 90-Dollar-Bereich war die sprichwörtliche ‚tief hängende Frucht, ein Signal für die Erleichterung am Ölmarkt darüber, dass der offene Krieg beendet ist und die Infrastruktur der Ölindustrie in der Region weitgehend unbeschadet geblieben ist, kommentierte der Analyst Pavel Molchanov von Raymond James die gestrige Preisentwicklung, gab jedoch auch zu bedenken: Weitere Preisrückgänge werden von einer deutlichen Erholung des Schiffsverkehrs in der Strasse von Hormus abhängen.
Davon abgesehen trugen technische Faktoren dazu bei, dass die Preise an den Ölbörsen gestern mit einer deutlichen Abwärtskorrektur auf die Meldungen zum Libanon reagierten. Am letzten Handelstag der Woche hat sich die Lage aus fundamentaler Sicht auch schon wieder geändert, da die Hisbollah die von Israel und Libanon vereinbarte Waffenruhe ablehnt. Vollständig wird der Risikoaufschlag, der durch den Nahostkonflikt entstanden ist, von den Marktteilnehmern nach Einschätzung der Analystin Charu Chanana von Saxo Markets vorerst wohl auch nicht ausgepreist. Händler können einen Teil des kriegsbedingten Aufschlags herausnehmen, wenn die Schlagzeilen konstruktiv klingen; doch solange es vor Ort keine echten Fortschritte gibt, lässt sich kaum sagen, dass die Risikoprämie verschwunden ist, so die Expertin.
Im weiteren Tagesverlauf werden neben den Entwicklungen im Nahen Osten auch die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten für Mai in den Fokus rücken. Sollten diese wie schon der Bericht des ADP von Mittwoch - ein kräftigeres Beschäftigungswachstum und vor allem auch einen stärker als erwarteten Anstieg der Durchschnittlichen Stundenlöhne zeigen, dürfte dies die Erwartungen des Marktes hinsichtlich einer Fed-Zinsanhebung nach vorne rücken. Dies käme dem Dollar zugute und würde die Ölfutures erneut unter Druck geraten lassen.
Gespannt sind die Trader ausserdem auf die nächste Vollversammlung der OPEC und die OPEC+-Sitzung, die am Sonntag stattfinden. Die OPEC bleibt laut Generalsekretär Haitham Al-Ghais trotz der aufgrund des Iran-Kriegs höheren Ölpreise im Hinblick auf die Nachfrageentwicklung optimistisch. So rechnet die Organisation für 2026 weiterhin mit einem Nachfragewachstum von +1,2 Mio. B/T.
4. Juni 2026
Israel und Libanon starten zweiten Versuch einer Waffenruhe
Nach erneuten Gesprächen in Washington haben sich Israel und Libanon nach Angaben der US-Regierung auf die "Umsetzung eines Waffenstillstands" geeinigt. Diese hängt allerdings davon ab, dass die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel "vollständig" einstellt. Darüber hinaus soll die mit dem Iran verbündete Miliz sämtliche ihrer Kämpfer aus der Region südlich des Flusses Litani abziehen.
Eigentlich hatten Israel und Libanon bereits eine Waffenruhe ausgehandelt, nachdem der Iran dies zur Bedingung für ein Abkommen mit den USA gemacht hatte. Allerdings erwies sich diese als sehr brüchig und wurde von der Hisbollah ohnehin abgelehnt. Anfang der Woche hatte Israels Premierminister Netanjahu dann angekündigt, die Angriffe im Libanon auf einen Vorort der Hauptstadt Beirut auszuweiten, der als Hochburg der Miliz gilt.
In der ersten Wochenhälfte hatte die Sorge um eine erneute Eskalation des Nahostkonflikts die Rohölpreise an den Börsen wieder nach oben getrieben. Am gestrigen Mittwoch kletterten die Preise der Frontmonatskontrakte von Brent und WTI zeitweise sogar über die Hochs der Vorwoche, wozu auch die vom API gemeldeten, signifikanten Abbauten bei den US-Rohölvorräten sowie weitere ukrainische Drohnenangriffe auf Ziele der russischen Öl- und Militärinfrastruktur beitrugen.
Die Befürchtungen hinsichtlich einer erneuten Eskalation im Nahen Osten nahmen nun wieder etwas ab, nachdem sich Israel und Libanon auf die Umsetzung eines Waffenstillstands geeinigt haben und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi angab, dass Teheran seine Kommunikation mit Washington nicht abgebrochen habe. Allerdings warnte er auch, dass der Iran seine Angriffe auf Ziele in Israel wiederaufnehmen könnte, sollte Beirut wieder von Israel angegriffen werden.
Der Fokus der Marktteilnehmer liegt derweil weiterhin auf der Straße von Hormus, die laut US-Präsident Trump "unverzüglich" geöffnet werden könne, sobald der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung der Kampfhandlungen unterzeichne. Einige Bereiche der für den internationalen (Öl-) Handel wichtigen Meerenge müssten jedoch laut Trump zunächst geräumt werden, "auch von Minen".
Selbst bei einer sofortigen Öffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr wird es den Analysten zufolge mehrere Monate dauern, bis sich die Lieferungen, die über die Meerenge abgewickelt werden, wieder normalisieren. Und so zehrt der Konflikt vorerst weiterhin an den Beständen. Dies zeigte am gestrigen Mittwoch auch der wöchentliche Ölmarktbericht des US-Energieministeriums, der bei den Rohölvorräten der Vereinigten Staaten für die Woche zum 29. Mai einen Rückgang um satte -8 Mio. Barrel auswies. Dieser signifikante Rückgang kam nicht zuletzt auch durch den Anstieg der Rohölexporte zustande. Die ausgeführten Mengen kompensieren dabei auch die Ausfälle von Lieferungen aus dem Nahen Osten, die durch die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus entstanden.
2. Juni 2026
Iran setzt Verhandlungen mit den USA aus
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim haben die iranischen Verhandler den Nachrichtenaustausch mit den USA unterbrochen. Als Grund wurden die Angriffe Israels im Libanon genannt. Tsanim berichtet, der Iran werde eine Widerstandsfront mit den verbündeten Milizen im Jemen, Libanon und Irak bilden, um Israel und seine Verbündeten zu bestrafen.
Dazu soll laut der Nachrichtenagentur auch wieder eine vollständige Sperrung der Strasse von Hormus gehören, genauso wie eine Ausweitung der Konfliktfronten. Sollten sich etwa die Huthi-Milizen, Irans Verbündete im Jemen, in den Konflikt einmischen, wäre die Meerenge Bab al-Mandab vor der jemenitischen Küste ein naheliegendes Ziel. Die strategisch wichtige Schifffahrtsroute gilt als zentraler Engpass für den Seeverkehr in Richtung Suezkanal.
Zwar gibt es für diese Pläne noch keine offizielle Bestätigung, doch Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb am Montag auf X: Ein Verstoss an einer Front ist ein Verstoss gegen die Waffenruhe an allen Fronten. Die USA und Israel tragen die Verantwortung für die Folgen jedes Verstoßes. Es bleibt nun abzuwarten, ob das angeblich schon fast fertige Abkommen unter diesen Voraussetzungen noch eine Chance hat.
Die Unsicherheit über den Stand der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran hält an und hat erneut das Risiko einer langfristigen Einschränkung der Energieversorgung aus dem Persischen Golf erhöht. Gestern waren die Ölpreise in die Höhe geschossen, nachdem Teheran Berichten zufolge die Gespräche mit Washington ausgesetzt habe. Später gaben die Preise einen Teil ihrer Gewinne wieder ab, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, die Verhandlungen würden fortgesetzt.
Dem Ölmarkt fehlt dennoch Klarheit über eine mögliche Verlängerung der derzeitigen Waffenruhe sowie über die künftige Sicherheit der Transporte durch die Straße von Hormus. Noch letzte Woche waren die Preise gefallen, nachdem eine Einigung zwischen den USA und Iran tatsächlich greifbar schien.
Und nun, nur wenige Stunden später, sieht alles danach aus, als würden die Verhandlungen scheitern und als könnte zusätzlich zur Strasse von Hormus auch noch die Meerenge Bab el-Mandab im Roten Meer blockiert werden. Hier hatten die aus dem Jemen agierenden Huthi Milizen schon 2024, nach Israels Angriff auf Gaza, für massive Störun-gen des globalen Tankerverkehrs gesorgt. Beide Wasserstrassen gelten als zentrale Routen für den weltweiten Öl-export.
Solange sich die Transporte durch die Strasse von Hormus nicht vollständig normalisiert haben und der Verlauf der US-iranischen Verhandlungen ungewiss bleibt, dürften die Ölpreise auf hohem Niveau verharren und starken Schwankungen unterliegen, kommentiert Marktanalystin Linh Tran von XS.com die Lage.
Ähnlich äussert sich Tony Sycamore von IG: Angesichts der hohen Schlagzeilendichte aus dem Nahen Osten dürften die Ölpreise volatil bleiben, bis es klarere Hinweise auf Fortschritte bei einem Friedensabkommen gibt.



