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WAS ZÄHLT – IM BLICK.
3. Februar 2026
Neuer US-Handelsdeal – Kein russisches Öl mehr für Indien
Offenbar haben sich die Vereinigten Staaten und Indien auf ein Rahmenabkommen im Handel geeinigt, wie Donald Trump gestern nach einem Telefonat mit seinem indischen Amtskollegen Narendra Modi erklärte. Dieses sieht eine Senkung der US-Zölle auf indische Waren sowie eine Ausweitung der indischen Käufe von US-Öl und -Gas vor.
Nach Angaben Trumps sollen die Zölle auf 18 % gesenkt und ein zusätzlicher Strafzoll im Zusammenhang mit Indiens Käufen von russischem Öl aufgehoben werden. Im Gegenzug habe Modi zugesagt, die Importe russischen Rohöls deutlich zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf Lieferungen aus den USA zu setzen. Zudem habe Indien weitergehende Verpflichtungen übernommen, amerikanische Energie, Technologie und Agrarprodukte zu kaufen. Eine offizielle Bestätigung aus Indien gibt es bisher allerdings noch nicht.
Die Ölpreise sind am Dienstag den zweiten Tag in Folge gesunken. Hintergrund sind Hoffnungen auf eine mögliche Entspannung zwischen den USA und dem Iran sowie ein festerer Dollar, der zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Notierungen ausübte. Auch ein angeblicher neuer US-Handelsdeal mit Indien beschäftigt heute die Anleger.
Nachdem sowohl Washington, als auch Teheran am Wochenende Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten, sollen nun noch in dieser Woche die Atomgespräche wieder aufgenommen werden. Am Freitag soll es in der Türkei das ersten Treffen geben. US-Präsident Trump erinnerte gleichzeitig aber auch an die „Armada“ von Kriegsschiffen, die er in die Region beordert habe, und warnte, dass „schlimmen Dinge passieren“ könnten, sollten keine Fortschritte erzielt werden.
Als großen Fortschritt dürfte Trump die von ihm gestern verkündete Einigung mit Indien zu einem Rahmenabkommen in Handelsfragen einschätzen. Er habe sich, so Trump, mit Indiens Premier Narendra Modi darauf verständigt, die Strafzölle auf 18% zu senken, während Neu-Delhi sich verpflichtet habe, kein russisches Öl mehr zu importieren. Aus Indien gibt es noch keine offizielle Bestätigung.
Die Lieferungen russischen Rohöls nach Indien sind zuletzt auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen, was zu einem wachsenden Angebot unverkaufter, sanktionierter Mengen auf dem Weltmarkt beiträgt. Analysten der ING erklärten, eine entsprechende Einigung zwischen den USA und Indien würde das Volumen russischen Öls, das auf See nach Abnehmern sucht, noch weiter erhöhen.
Insgesamt dürfte die Volatilität am Ölmarkt angesichts der hohen Unsicherheiten, die sowohl den Entwicklungen im Iran, als auch dem Handelsdeal mit Indien anhaften, recht hoch ausfallen. Dieser Meinung ist auch Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin bei Phillip Nova: „Die Preise dürften im Februar volatil bleiben und sich in einer Seitwärtsbewegung bewegen, stark beeinflusst von Nachrichten und makroökonomischen Impulsen, mit einem insgesamt nach unten gerichteten Risiko.“
Die jüngsten starken Preisschwankungen seien vor allem stimmungsgetrieben, meint die Analystin. Nach der Rally in der vergangenen Woche hätten die Märkte die Gewinne rasch wieder abgegeben, da auch andere Risikoanlagen volatil geworden seien. Ohne neue geopolitische Eskalationen und bei weiterhin gemischten Konjunkturdaten habe sich der Ölmarkt nicht auf höherem Niveau behaupten können.
Bearishe Auswirkungen für die Ölbörsen kommen auch heute noch von einem wieder etwas stärkeren Dollar, senkt dieser doch die Nachfrage nach in Dollar gehandeltem Rohöl aus dem Ausland. Aus fundamentaler Sicht bleibt die Einschätzung damit heute eher bearish, obwohl das mögliche Aus der indischen Importe aus Russland einen bullishen Impuls geben könnte. Bisher gibt es dazu aber noch keine Bestätigung aus Indien.
2. Februar 2026
Iran und USA signalisieren Redebereitschaft
Im Konflikt zwischen Washington und Teheran gibt es nun erste Anzeichen einer Deeskalation. Laut US-Präsident Donald Trump gebe es „ernsthafte Gespräche“ mit dem Iran. Und auch der iranische Präsident sprach sich für Diplomatie aus. Die Ölfutures starten mit diesen Meldungen vom Wochenende mit einem deutlichen Preisrutsch in die neue Woche.
Nach Wochen der Eskalation und gegenseitigem Säbelrasseln gibt es nun nach Angaben von beiden Seiten Verhandlungsbereitschaft. Donald Trump sagte dem Sender Fox News, Teheran „redet mit uns, wir werden sehen, ob wir etwas tun können, andernfalls werden wir sehen, was passiert“. Irans Präsident Massud Peseschkian betonte in einem Telefonat mit dem ägyptischen Präsidenten die Notwendigkeit, „diplomatische Prozesse einzuleiten“.
Mit den jüngsten Anzeichen einer Entspannung zwischen Iran und den USA geben die Ölpreise an ICE und NYMEX zum Start in die neue Woche spürbar nach. Zuletzt hatte die Angst vor einer militärischen Eskalation die Notierungen diesseits und jenseits des Atlantiks auf neue Mehrmonatshochs getrieben
Trump hatte dem Iran wiederholt mit einem Eingreifen gedroht, sollte Teheran keinem neuen Atomabkommen zustimmen oder die Tötung von Demonstranten fortsetzen. Diese anhaltenden Drohungen hätten die Ölpreise im Januar gestützt, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Zudem hat die jüngste Stärke des US-Dollars den Rückgang verstärkt, da ein festerer Dollar Rohöl für Käufer außerhalb der USA verteuert und damit die Nachfrage dämpft.“
Sowohl Washington, als auch Teheran hatten am Wochenende signalisiert, an den Verhandlungstisch kommen zu wollen. Zusammen mit Berichten, wonach die Seestreitkräfte der iranischen Revolutionsgarden derzeit keine scharfen Manöver in der Straße von Hormus planten, werteten Marktbeobachter dies als Zeichen einer Deeskalation.
„Der Ölmarkt interpretiert dies als ermutigenden Schritt weg von der Konfrontation“, meint Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG. Dadurch werde die geopolitische Risikoprämie, die während der jüngsten Rally in die Preise eingepreist worden sei, abgebaut, was Gewinnmitnahmen auslöse.
Über die jüngsten Ereignisse im Iran-Konflikt ist das OPEC+ Meeting vom Wochenende fast in Vergessenheit geraten. Es brachte allerdings auch keine neuen Überraschungen sondern bestätigte die Pause bei den Förderanhebungen auch für März. Wie es darüber hinaus weiter gehen soll, will die Gruppe erst bei ihrem nächsten Treffen am 1. März thematisieren.
Die OPEC+ folgt damit ihrem üblichen Credo der Flexibilität und hält sich alle Optionen offen, auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren. Allerdings hatte die Gruppe schon im letzten Jahr signalisiert, dass sie den am Markt vorherrschenden Erwartungen eines starken Überangebots nicht in gleichem Maße folgt (14.01.2026 Ölfutures relativ unbeeindruckt von OPEC-Monatsbericht) und dürfte deshalb wohl zum April wieder mit der schrittweisen Erhöhung der Fördermengen starten.
Mit der Deeskalation im Iran-Konflikt ist die Risikoprämie wieder deutlich gesunken und die fundamentale Ausrichtung wandelt sich ins Bearishe – zumal auch die Kältewelle in den USA abklingt und erst einmal nicht mehr mit stärkeren Ausfällen gerechnet werden muss.
30. Januar 2026
Iran warnt Schiffsverkehr vor Militärübung in Strasse von Hormus
Bereits Anfang der Woche hatte der Iran eine Warnung ausgegeben, dass der Luftraum nahe der Strasse von Hormus bis einschliesslich gestern drei Tage lang gesperrt sei, da man eine Militärübung mit echter Munition durchführen würde (28.01.2026 Iran warnt vor Übungen der Luftwaffe nahe Strasse von Hormus). Nun soll auch eine Warnung für den Schiffsverkehr herausgegangen sein, dass am Sonntag und Montag eine Übung der iranischen Seestreitkräfte in der Meerenge abgehalten werde (ebenfalls mit echter Munition). Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete gestern unter Berufung auf zwei Pakistanische Sicherheitskräfte von der Warnung Irans.
US-Präsident Trump hatte schon Ende letzter Woche mit seiner Äusserung, die USA hätten eine Armada von Kriegsschiffen in Richtung Iran entsendet, die Sorgen bezüglich eines US-Militärschlags gegen die Islamische Republik wieder steigen lassen. Am Mittwoch nährte er diese Sorgen mit einem weiteren Kommentar auf seiner Kommunikationsplattform erneut, indem er Teheran ein nicht genau definiertes Ultimatum für dessen Rückkehr an den Verhandlungstisch stellte, wobei er die Verhandlungen über das Atomprogramm Irans meinte. Sollte es nicht bald dazu kommen, würden die USA einen stärkeren Angriff auf den Iran durchführen als im vergangenen Juli.
Die Spannungen zwischen den USA und Iran verhalfen den Rohölpreisen an ICE und NYMEX am gestrigen Donnerstag zu neuen Mehrmonatshochs und auch auf Wochensicht zeichnet sich derzeit der stärkste Preisanstieg seit Monaten ab. Auch die Kälte in weiten Teilen Europas und der USA stützte die Ölpreise in dieser Woche noch, wenngleich nicht mehr ganz so stark wie in der vergangenen Woche.
In puncto Iran rückte vor allem die Befürchtung in den Vordergrund, die Islamische Republik könnte die Straße von Hormus blockieren einem wichtigen Nadelöhr für den auf dem Seeweg abgewickelten internationalen Ölhandel. Mit den Warnungen vor Militärübungen nahe und in der Meerenge, die wiederum Drohungen Trumps und einer Bereitschaftsübung der US-Streitkräfte folgten, rasselt Teheran derzeit wieder mit einem sehr scharfen Säbel, der die Marktteilnehmer wieder dazu veranlasst, einen geopolitische Risikoaufschlag einzupreisen.
Bei der Citigroup geht man davon aus, dass dieser Aufschlag aktuell zwischen 7 und 10 Dollar pro Barrel liegt, wobei die Analysten der Bank auch damit rechnen, dass es im Verlauf des Jahres zu einer De-Eskalation der Spannungen zwischen Washington und Teheran kommen werde. Als Begründung für diese Erwartung führen sie Präsident Trumps Präferenz, Krieg zu vermeiden, und die Wahrscheinlichkeit, dass der anhaltende innenpolitische Druck im Iran Potenzial für Veränderungen bietet, die zu einem Abkommen führen könnten, an.
Aktuell ist jedoch von einer De Eskalation noch nichts zu spüren, da es aber auch noch nicht zu tatsächlichen Angebotsausfällen gekommen ist, geht man am Markt davon aus, dass die für Januar bis einschliesslich März angekündigte Pause der Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen von 8 OPEC+-Produzenten bei deren Treffen am Sonntag noch einmal bestätigt werden wird. Auch die Entwicklungen in Venezuela dürfte daran nichts ändern, wie einzelne OPEC+-Delegierte bereits vergangene Woche angedeutet hatten. Die US-Regierung gab gestern auch noch eine generelle Lizenz an US Ölunternehmen heraus, die zahlreiche Aktivitäten umfasst, welche sowohl den Export und Verkauf venezolanischen Rohöls, aber auch dessen Lagerung und Raffinierung beschleunigen soll. Für den Bereich Produktion gilt diese Lizenz jedoch nicht.
29. Januar 2026
Trump droht Iran erneut mit einem Militärschlag
US-Präsident Donald Trump hat seine Iran-Rhetorik erneut verschärft und die Drohung, dass eine „massive Armada“ auf dem Weg in die Region sei, wiederholt. Auf seiner Onlineplattform Truth Social forderte er das iranische Regime dazu auf, das Atomprogramm aufzugeben und einen Deal abzuschließen. Auch seine Angriffsdrohungen gegen Teheran wiederholte er im gleichen Post.
Der Iran wies die Drohungen und Forderungen zurück. Irans Atomchef Mohammad Eslami sagte, der Iran habe wie die USA das Recht, eine fortgeschrittene Nukleartechnologie zu nutzen. „Wir lehnen daher die amerikanischen Forderungen nach jeglichen Beschränkungen unseres Atomprogramms ab.“ Zuvor hatte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi gesagt, dass Diplomatie und gleichzeitig militärische Drohungen weder effektiv noch nützlich seien.
Die Ölfutures an ICE und NYMEX legen zum dritten Mal in Folge deutlich zu, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Iran erneut mit einem Militärschlag gedroht hat, sollte Teheran kein Atomabkommen abschließen. Damit wurden am Ölmarkt erneut Sorgen über mögliche Unruhen und Lieferunterbrechungen im Nahen Osten geschürt, die die Preise zusätzlich zu den bestehenden bullishen Faktoren wie dem Kaltwetter in den USA stützen.
Trumps jüngste Drohungen haben die geopolitische Risikoprämie wieder deutlich angeheizt und überlagern damit erneut den langfristig bearishen Druck durch das prognostizierte Überangebot. Der Iran ist trotz zahlreicher Sanktionen mit einer Produktion von rund 3,2 Mio. B/T immer noch der viertgrößte Produzent innerhalb der OPEC.
Ein US-Angriff könnte, so die Befürchtung der Anleger, nicht nur die Rohöllieferungen aus dem Iran, sondern dem gesamten Nahen Osten beeinträchtigen. Aus der Region stammt etwa ein Drittel des weltweiten Ölangebots. Zudem könnte eine iranische Vergeltung auch den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen. Diese wichtige Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel ist entscheidend für den globalen Ölhandel, werden doch täglich über 20 Mio. B/T durch die Wasserstraße transportiert, also etwa ein Fünftel des weltweiten täglichen Ölbedarfs.
Bei der Citi Bank geht man davon aus, dass die zunehmende Gefahr eines Angriffs auf den Iran die geopolitische Risikoprämie beim Ölpreis um schätzungsweise drei bis vier Dollar je Barrel erhöht habe. Eine weitere Zuspitzung der Lage könnte diesen Aufschlag noch weiter steigen lassen. Das optimistische Preisszenario der Bank von 72 Dollar je Barrel sowie ihre kurzfristigen Prognosen von 70 Dollar beruhten laut der Analysten auf einer solchen Entwicklung.
Unterdessen hat die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen, gestützt auf Anzeichen einer robusten US-Wirtschaft. Am Ölmarkt verfolgt man die Fed-Zinspolitik mit gesteigertem Interessen, lässt sie doch Rückschlüsse auf die konjunkturelle Stabilität in den USA zu und beeinflusst darüber hinaus oft auch den Verlauf des Dollar. Dieser konnte sich gestern zumindest etwas erholen.
Dennoch überwiegen laut Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin beim Broker Phillip Nova, die bullishen Faktoren: „Trotz der unveränderten Zinspolitik der Fed und einer leichten Erholung des US-Dollar-Index zeigten sich die Ölpreise robust, da die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran weiterhin das Narrativ steigender Angebotsrisiken stützten“. Zudem, so die Expertin, hätten wetterbedingte Produktionsausfälle in Teilen der USA sowie ein überraschender Rückgang der US-Rohöllagerbestände die Preise gestützt und vorübergehend die Sorgen über ein Überangebot gemildert.
28. Januar 2026
US-Rohölvorräte laut API überraschend gesunken
Die landesweiten Rohölbestände der USA sind dem API zufolge in der Woche zum 23. Januar leicht gesunken. Die Analysten rechnen dagegen im Schnitt mit Bestandsaufbauten in dieser Kategorie. Laut API nahmen auch die Benzinbestände in der vergangenen Woche leicht ab, was dem von den Analysten erwarteten Anstieg ebenfalls widerspricht. Derweil sollen die Vorräte an Destillaten entgegen den Erwartungen zugenommen haben.
Während sich der von den Analysten prognostizierte Anstieg der landesweiten Rohölvorräte zum erwarteten Rückgang der Raffinerieauslastung passen würde, gibt das API keine Schätzungen zur Entwicklung des Raffineriebetriebs ab. Die Analysten könnten mit ihrer Prognose allerdings durchaus richtig liegen, denn aufgrund des Kälteeinbruchs in den USA hatten einige Raffineriebetreiber bereits vergangene Woche Präventivmaßnahmen an ihren Anlagen vorgenommen, die den Betrieb einschränkten.
Die Ölfutures an ICE und NYMEX setzten ihren Aufwärtstrend am gestrigen Dienstag fort, auch wenn es am Morgen noch zu einer technischen Abwärtskorrektur gekommen war. Den Schneesturm Fern hat die US-Ölindustrie zwar mittlerweile hinter sich gebracht, noch ist allerdings die Frage, wie lange die Kältewelle noch anhält.
"Das kalte Wetter in den USA wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich zu erheblichen Rückgängen bei den Ölvorräten führen, insbesondere wenn dieses Wetter anhält", so der Analyst Tamas Varga von PVM zum Thema Kältewelle. Die DOE-Daten, die heute um 16:30 Uhr fällig sind, werden eine erste offizielle Wasserstandsmeldung zu den Auswirkungen Ferns und des Kälteeinbruchs der vergangenen Woche sein, wobei das API gestern für die Woche zum 23. Januar nur einen geringfügigen Rückgang der landesweiten US-Rohölbestände meldete und bei den Destillatvorräten sogar einen Anstieg verbuchte.
Davon abgesehen dämpften Meldungen über eine langsame Erholung der Produktion am kasachischen Tengiz-Ölfeld den bearishen Einfluss, den die ursprüngliche Nachricht über die Wiederaufnahme der Produktion hatte. Zur Debatte steht dagegen, ob die Aussicht auf eine Bestätigung der Pause der OPEC+-Produktionssteigerungen für März beim nächsten Treffen der acht Förderländer, die ihre Produktion freiwillig über die Vorgaben hinaus drosseln, ein bullisher Faktor ist, oder ein bearisher. Denn einerseits hält die Allianz im Rahmen der Pause Fördermengen zurück, andererseits bekräftigt sie damit allerdings auch, dass die Nachfrage die erwartete saisonale Schwäche zeigt..
Nach dem Schneesturm in den USA rücken allmählich auch wieder die geopolitischen Risiken in den Vordergrund. Dies begünstigte gestern auch eine Mitteilung des US-Präsidenten Trump auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social, in der er noch einmal bekräftigte, dass eine "große Armada" der Vereinigten Staaten in Richtung Naher Osten unterwegs sei, die jedoch hoffentlich nicht zum Einsatz kommen müsse. Die Spannungen zwischen den USA und Iran dürften damit erst einmal bestehen bleiben.
Derweil belastet Trumps Politik und die Unsicherheit, die diese stiftet, auch den Dollar, was die in der US-Währung gehandelten Ölfutures attraktiver für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten macht. "Der Kursverfall des US-Dollars beflügelt den Ölpreis, ebenso wie die anhaltenden Sorgen um den Iran“, meint auch Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Groep NV in Singapur, der auch auf die zuletzt wieder stärker ausgeprägte Backwardation bei den Rohölkontrakten hinweist, die "die weit verbreitete Annahme eines Überschusses infrage stellt." Bei einer Backwardation sind Kontrakte mit prompter Lieferung teurer als jene mit einer Lieferung zu einem späteren Zeitpunkt, was eher für eine knappere Versorgungslage spricht.
Wie stark die aktuellen Einschätzungen der US-Notenbank zur weiteren Zinsentwicklung und zum Stand der US-Konjunktur den Dollar heute beeinflussen, wird sich erst nach Handelsschluss in Europa zeigen, wenn der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) die Ergebnisse der aktuellen geldpolitischen Sitzung bekannt gibt. Auch die Pressekonferenz, die auf die Sitzung folgt, werden die Marktteilnehmer auf eventuelle Hinweise für den weiteren Zinskurs in den USA abklopfen.
27. Januar 2026
Analysten schätzen kältebedingte US-Produktionsausfälle auf rund 2 Mio. B/T
Bei der Großbank JPMorgan schätzte man die Ausfälle, die die aktuelle Kältewelle und der Schneesturm, der über das Wochenende Teile der USA im Griff hatte, bei der US-Ölproduktion verursachten, noch auf etwa 250.000 B/T. Mittlerweile liegen weitere Schätzungen vor, die deutlich höhere Ausfälle angeben.
So soll laut dem Beratungsunternehmen Energy Aspects zum Höhepunkt der Ausfälle, der angeblich am Samstag erreicht wurde, allein die Förderung am Permian Basin - dem ertragreichsten Schieferölgebiet der USA - um rund 1,5 Mio. B/T reduziert gewesen sein. Insgesamt hätten sich die Produktionsausfälle in den USA am Samstag auf etwa 2 Mio. B/T belaufen, so die Analysten. Für den gestrigen Montag wurden in den Schätzungen des Beratungsunternehmens noch Ausfälle im Permian Basin von etwa 700.000 B/T genannt. Das übliche Produktionsniveau am Permian Basin dürfte Energy Aspects zufolge am Freitag wieder erreicht werden.
Die Erdgaspreise an den europäischen Börsenplätzen wurden durch die aktuelle Kältewelle in Teilen Europas gestern noch einmal auf neue Langzeithochs getrieben, bevor es zu einer Abwärtskorrektur kam. Der europäische Mitteldestillatkontrakt Gasoil zog im Fahrwasser der Erdgaspreise ebenfalls noch einmal an, bevor er auf eine technische Grenze stieß und schließlich auch etwas zurücksetzte.
Aber auch die Rohölkontrakte erhielten zum Wochenauftakt wetterbedingten Auftrieb, zumal der jüngste Wintereinbruch in den USA nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Energy Aspects in der Spitze am Samstag noch zu Produktionsausfällen von etwa 2 Mio. B/T geführt haben soll. Dies entspricht etwa 15 % der gesamten US-Rohölproduktion.
Ob sich die Fördermengen nun zügig wieder erholen, wird auch davon abhängen, wie sich das Wetter jenseits des Atlantiks weiter entwickelt. Die Temperaturen sollen den Meteorologen zufolge weiterhin erst einmal niedrig bleiben und auch weitere Schneestürme sind wohl nicht ausgeschlossen. Die Texas Oil and Gas Association verweist zudem auf die Beeinträchtigungen, die sowohl im Produktions-, als auch im Raffineriebetrieb durch Faktoren entstehen könnten, die nicht direkt etwas mit der Funktionsfähigkeit der Anlagen zu tun haben, wie beispielsweise dadurch, dass technisches Personal wegen der winterlichen Straßenverhältnisse nicht zu den Anlagen gelangt.
Im Verlauf der Woche dürfte sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer allmählich auch wieder auf die OPEC+ richten, denn die acht Produzenten der Allianz, die ihre Fördermengen auf freiwilliger Basis seit Anfang 2024 zusätzlich gedrosselt haben, wollen sich am 1. Februar wieder zusammensetzen, um über die Produktionsstrategie für März zu sprechen. Diese hatten sie eigentlich mit der Ankündigung, die Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen im ersten Quartal 2026 auszusetzen, bereits Anfang November abgesteckt.
Allerdings wurde damals (wie üblich) bereits angekündigt, man werde die Entwicklung am Markt weiter im Auge behalten und die Strategie bei Bedarf entsprechend anpassen. Einige OPEC+-Delegierte gaben jedoch zuletzt an, sie gingen davon aus, dass die jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch kein Grund seien, vom bisherigen Plan abzuweichen.
Davon abgesehen werden die Trader auch die Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Ukraine-Friedensgespräche im Auge behalten. Die trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA am Freitag und Samstag hatten noch keine Einigung gebracht, für den weiteren Wochenverlauf kündigte der ukrainische Präsident jedoch weitere Gespräche der drei Parteien an.
Auch die Frage, wie schnell sich die Ölproduktion am kasachischen Ölfeld Tengiz von den vergangenen Ausfällen erholen kann, wird ein Thema bleiben. Heute Nacht stehen mit dem API-Bestandsbericht außerdem auch wieder neue Daten zur Versorgungslage in den USA auf der Agenda. Die offiziellen US-Ölbestandsdaten werden aber wie üblich erst am morgigen Mittwoch um 16:30 Uhr veröffentlicht.
26. Januar 2026
US-Kältewelle: Ausfälle an Raffinerien und in der Erdgasversorgung
Die Kältewelle in den USA hält an und hat sich inzwischen zu einem massiven Wintersturm entwickelt, der wohl noch mehrere Tage anhalten dürfte. In mindestens 20 Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, am Sonntag waren Hunderttausende Haushalte ohne Strom. Auch die US-Öl- und Gasindustrie bekommt die Auswirkungen der extremen Wetterverhältnisse zu spüren.
Vor allem an der Golfküste, wo sich rund die Hälfte der gesamten US-Raffineriekapazität ballt, sorgt das Winterwetter für Ausfälle. Für die Region sind Wintereinbrüche dieser Art unüblich, weshalb die Anlagen oft nicht adäquat ausgerüstet sind. So teilte etwa die Exxon Mobil mit, dass man erste Anlagen im Raffineriekomplex in Baytown, nahe Houston (Texas), herunterfahren müsse. Aktuell ist allerdings noch unklar, ob und wenn ja wieviel der Verarbeitungskapazität von knapp 565.000 B/T betroffen ist.
Dank der Kältewellen in Europa und den USA bleiben die Ölpreise auch zum Start in die neue Woche gestützt, obwohl sie den Preisanstieg vom Freitag erst einmal nicht weiter ausbauen können. Auch in dieser Woche bleiben die Wetterverhältnisse im Zentrum des Marktinteresses, doch auch die geopolitischen Unsicherheiten der letzten Woche sind nicht vergessen.
„Die Ölpreise werden diese Woche durch Produktionsausfälle in den USA sowie anhaltende geopolitische Risiken gestützt, die das vorherrschende Narrativ eines Überangebots im Jahr 2026 etwas infrage stellen“, kommentiert Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, die aktuelle Marktlage.
„Der Wintersturm „Fern“ hat die US-Küste hart getroffen, zwingt zu Förderstillständen in wichtigen Öl- und Gasregionen und belastete das Stromnetz“, so Sachdeva. Dies sorge für eine leichte Aufwärtsbewegung an den Ölbörsen, da die Unterbrechungen die physischen Lieferflüsse beeinträchtigten. Nach Angaben der Großbank JPMorgan sind in den USA wetterbedingt rund 250.000 B/T offline, insbesondere im Bakken-Feld in Oklahoma und in Teilen von Texas.
Gleichzeitig bleibt der Krisenherd Iran auch für den Ölmarkt weiterhin relevant, denn die Rhetorik zwischen der Islamischen Republik und den USA hat sich nicht merklich abgekühlt. „Die Ankündigung von Präsident Trump, eine US-Flotte Richtung Iran zu entsenden, hat die Befürchtungen von Lieferunterbrechungen wiederbelebt, einen Risikozuschlag für Ölpreise erzeugt und insgesamt die Risikoaversion am Morgen gestützt“, kommentiert IG-Marktanalyst Tony Sycamore.
Noch am Freitag hatte ein ranghoher iranischer Beamter erklärt, dass Iran jeden Angriff „als umfassenden Krieg gegen uns“ betrachten werde und damit auf Donald Trumps Kommentare bezüglich einer „Armada“ auf dem Weg zum Persischen Golf reagiert (23.01.2026 Trump-Kommentare Richtung Iran lassen Risikoprämie wieder steigen). Auch, wenn eine tatsächliche militärische Auseinandersetzung bisher weiterhin eher unwahrscheinlich ist, sorgt doch jede weitere Verschärfung in der Region für Unsicherheit am Ölmarkt.
Zum Start in die neue Woche sind damit akut kaum bearishe Faktoren spürbar. Die langfristigen Angebotsprognosen, die nach wie vor auf eine deutliche Überversorgung hindeuten, werden von den aktuellen (und insgesamt wohl eher kurzfristigen) Verknappungen aufgrund der Wetterbedingungen überlagert. Zudem bleiben die geopolitischen Umstände vielerorts Unsicherheitsfaktoren, darunter auch die Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland, die bisher noch keine spürbaren Ergebnisse brachten.
22. Januar 2026
Trump zieht Zolldrohungen nach NATO-Gesprächen zurück
An Kehrtwenden um 180 Grad hat man sich bei Donald Trump inzwischen fast gewöhnt. Eine solche legte er gestern auch in Davos hin, denn wo er am Nachmittag noch seinen Besitzanspruch auf Grönland untermauerte und drohte, man werde es sich „merken“, sollte Europa sich weiter quer stellen, da zog er seine Zolldrohungen am Abend zurück und sprach von einer großartigen Lösung in der Grönlandfrage, die sowohl die USA, als auch die NATO zufriedenstellen werde.
Der US-Präsident gab an, dass man bei einem „sehr produktiven“ Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte „den Rahmen für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion“ geschaffen habe. Rutte bestätigte diese Aussagen wenig später, Details zu der genannten Rahmenvereinbarung nannten beide aber nicht. Der NATO-Generalsekretär gab jedoch an, dass ein Kauf oder eine Übernahme Grönlands gar nicht mehr thematisiert worden sei.
Mit der Entspannung in der Grönlandfrage und Donald Trumps Rückzieher bei den Strafzöllen gegen Europa erhalten die Ölbörsen in der zweiten Wochenhälfte neuen Rückenwind. Zudem wirkt der Produktionsausfall in Kasachstan weiterhin stützend.
Donald Trump hatte gestern nach seinem Besuch in Davos überraschend erklärt, vorerst von der Verhängung von Zöllen gegen Europa im Zusammenhang mit der arktischen Insel abzusehen, da man die Weichen für ein mögliches Abkommen gelegt habe. Ölmarktexperte Mingyu Gao von China Futures stellt fest, dass dies die Abwärtsrisiken eines Handelskonflikts zwischen den USA und Europa reduziere und gleichzeitig die Weltwirtschaft sowie die Ölnachfrage stütze.
Allerdings, so warnt der Analyst, habe die US-Regierung eine mögliche militärische Beteiligung im Iran noch immer nicht ausgeschlossen, was die Ölpreise ebenfalls stützen dürfte. Trump hatte in dieser Sache gestern seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, keine weiteren militärischen Aktionen gegen den Iran durchführen zu müssen. Gleichzeitig betonte er, die Vereinigten Staaten würden handeln, sollte Teheran sein Atomprogramm wieder aufnehmen.
Im Vergleich noch zu letzter Woche, als sich beide Länder noch mit gegenseitigen Drohungen überzogen, bleibt der Iran inzwischen ein vergleichsweise kleiner Faktor am Ölmarkt. Darauf weist auch Tony Sycamore vom Online-Broker IG hin. Vor dem Hintergrund der Verständigung im Fall Grönlands und der nachlassenden Aussicht auf ein militärisches Eingreifen im Iran dürften sich die Ölpreise um die Marke von 60 Dollar stabilisieren, so der Experte.
Auch Chris Weston von der Pepperstone Group rechnet nicht mit weiteren starken Preisrallys: „Nach Trumps Rede in Davos und seinen Beiträgen in sozialen Medien haben wir ein gewisses Kaufinteresse an Brent- und WTI-Rohöl gesehen“, dennoch fehle es an Überzeugung, die Bewegung aggressiv weiterzuverfolgen. „Das Angebotsumfeld bleibt ein Belastungsfaktor und begrenzt weiteres Aufwärtspotenzial“, so Weston.
Tatsächlich bleiben die Aussichten am Ölmarkt bestimmt von einem starken Überangebot, das gestern auch wieder von der IEA bestätigt wurde. Zwar hat die Pariser Agentur ihre Nachfrageprognosen im aktuellen Monatsreport etwas nach oben angepasst, doch rechnet sie für das laufende Jahr immer noch mit einem Überangebot von etwa +2,4 Mio. B/T.
In dieses Bild der Überversorgung passen auch die jüngsten US-Bestandsdaten des API, die bei Rohöl und Benzin sehr deutliche Vorratsaufbauten sehen. Am Ölmarkt wartet man nun heute Abend noch auf die offiziellen DOE-Bestandsdaten, um zu sehen, ob sie den stark bearishen Charakter der API-Daten bestätigen.
21. Januar 2026
USA beschlagnahmen weiteren Öltanker vor Venezuela
Das US-Militär hat am Dienstag einen weiteren Öltanker in der Nähe von Venezuela beschlagnahmt. Es ist der siebte seit Anfang Dezember und zeigt, dass der Druck der Trump-Administration auf Caracas nicht nachlässt. Der Frachter „Sagitta“ habe gegen die Beschränkungen Washingtons für sanktionierte Schiffe verstoßen, erklärte das US-Militärkommando.
„Die Beschlagnahme eines weiteren Tankers, der trotz der von Präsident Trump verhängten Sperre für sanktionierte Schiffe in der Karibik operierte, zeigt unsere Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass nur Öl, das ordnungsgemäß und rechtmäßig koordiniert wurde, Venezuela verlassen darf“, hieß es von US-Seite. Washington strebt seit der Absetzung des Machthabers Nicolas Maduros nach der vollständigen Kontrolle über Venezuelas Ölindustrie.
Die Ölpreise haben zur Wochenmitte wieder etwas nachgegeben, da die Anleger nicht nur auf die neuesten Entwicklungen in Sachen Grönland warten, sondern auch auf den heute erscheinenden IEA Monatsbericht. Hier dürfte wie immer die Angebotsentwicklung im Zentrum des Interesses stehen, ist der IEA-Report doch traditionell der bearishste der drei großen Monatsberichte.
Darüber hinaus stehen heute und morgen auch noch die US-Ölbestandsdaten an, die wegen des US-Feiertages am Montag (Martin Luther King Day) mit einem Tag Verspätung erscheinen. Den Anfang macht heute Abend das API um 22:30 Uhr, das DOE folgt morgen um 18:00 Uhr. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften die Rohölvorräte in der Berichtswoche um +1,7 Mio. Barrel gestiegen sein und würden damit einen bearishen Impuls an den Markt geben.
Angebotsausfälle in Kasachstan, die gestern noch bullish gewirkt hatten, treten darüber etwas in den Hintergrund, zumal die Unterbrechungen zeitlich begrenzt sind (20.01.2026 Insider: Ausfälle am Tengiz-Ölfeld bis nächste Woche). „Der Produktionsstopp ist vorübergehend, während der erwartete Lageraufbau in den USA und die geopolitischen Unsicherheiten anhalten dürften“, erklärt Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG.
Zentrales Thema dürfte heute ohnehin der Grönlandstreit sein. US-Präsident Donald Trump wird voraussichtlich um 14:30 Uhr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen. Im Vorfeld hat die US-Regierung angekündigt, Strafzölle von 10% gegen acht europäische Länder zu verhängen, die sich gegen den US-Anspruch auf Grönland ausgesprochen hatten. Die Drohung nährt Sorgen vor neuen Handelskonflikten, die das globale Wachstum dämpfen und damit auch die Energienachfrage belasten könnten.
Der Vorstoß Washingtons, die Kontrolle über die zu Dänemark gehörende Insel in der Arktis zu erlangen, hat zudem bei den Marktteilnehmer Zweifel an der Stabilität des transatlantischen Bündnisses geweckt und die Risikobereitschaft der Investoren geschwächt. Davon betroffen sind nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch Rohstoffe wie Öl. Die Volatilität am Ölmarkt dürfte entsprechend hoch bleiben.
Grundsätzlich bleibt der längerfristige Ausblick ohnehin bearish, da die möglicherweise neu entfachten Zollstreits die schlechten Angebotsaussichten nicht besser machen. Mit konjunkturell bedingt geringer Nachfrage würde sich das erwartete Überangebot sogar noch verschärfen. In diesem Zusammenhang steht der neue Monatsbericht der IEA im Fokus der Anleger.
Im letzten Bericht hatte die Pariser Agentur eine Überversorgung von fast 4 Mio. B/T vorhergesagt. An dieser Einschätzung dürfte sich auch in diesem Monat nicht viel verändert haben. „Für mindestens drei bis vier Jahre könnten wir aufgrund der enormen zusätzlichen Fördermengen aus den USA und einigen anderen Ländern anhaltenden Abwärtsdruck auf die Öl- und Gaspreise sehen“, erklärte IEA-Direktor Fatih Birol am Dienstag in Davos.
20. Januar 2026
Kasachstan: Produktion an Tengiz-Ölfeld vorübergehend ausgesetzt
Am Sonntag soll es Medienberichten zufolge im kasachischen Bezirk Schylyoi am riesigen Tengiz-Ölfeld zwei Generatoren in Brand geraten sein. Diese waren nach Angaben des Betreibers Tengizchevroil bereits am gestrigen Montag gelöscht und hatten den Produktionsbetrieb nicht beeinflusst. "Das Feuer war schnell gelöscht, niemand wurde verletzt. Die Produktion von TCO läuft normal weiter", hieß es laut der staatlichen Nachrichtenagentur Kazinform in ei-ner Stellungnahme des Betreibers.
Am Montagabend wurde dann allerdings berichtet, dass TCO die Ölproduktion an den Feldern Tengiz und Korolevskoye vorübergehend ausgesetzt habe, nachdem es zu Problemen mit dem Stromverteilungsnetz gekommen war. Der vorläufige Produktionsstopp soll demnach eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein. "Unsere Priorität ist die sichere Behebung des Problems", wird das Unternehmen in einem Bericht der Tageszeitung "The Caspian Post" unter zitiert.
Nachdem die Zoll-Drohungen des US-Präsidenten mit Blick auf Grönland und die von der EU ins Spiel gebrachten Vergeltungsmaßnahmen die Ölfutures am Montagvormittag noch hatte sinken lassen, erholten sich Brent und Co. in der zweiten Tageshälfte wieder von ihren anfänglichen Verlusten. Allerdings war gestern in den USA ein Feiertag, sodass es heute mit der Rückkehr einiger amerikanischer Trader aus dem verlängerten Wochenende noch einmal zu Verwerfungen kommen könnte, zumal bei WTI heute Abend auch der nächste Frontmonatswechsel ansteht.
Noch ohne Berücksichtigung der erneuten Zoll-Drohungen rechnet derweil der Internationale Währungsfonds für das laufende Jahr mittlerweile mit einem stärkeren Wachstum der weltweiten Konjunktur, was auch der Ölnachfrage zugute käme. Für die beiden größten Volkswirtschaften und Ölkonsumenten der Welt - USA und China - korrigierte der IWF seine Wachstumsprognosen um 0,3 Prozentpunkte nach oben.
Kurzfristig stützen auch die Meldungen über eine vorübergehende Produktionsunterbrechung am riesigen Tengiz-Ölfeld in Kasachstan die Rohölkontrakte an den Ölbörsen. Dagegen hat das geopolitische Risiko, das der mögliche US-Militärschlag gegen den Iran noch Anfang letzter Woche dargestellt hatte, mittlerweile wieder deutlich nachgelassen.
Damit rückten nach und nach auch die Bedenken hinsichtlich einer Überversorgung am Ölmarkt wieder in den Vordergrund. "Die Aussicht auf einen großen Überschuss lässt vermuten, dass die Preise tendenziell sinken werden, während das Potenzial für eine weitere Eskalation der Spannungen zwischen den USA und der EU ein zusätzliches Abwärtsrisiko darstellt", meint Analyst Warren Patterson von der ING Groep NV diesbezüglich.
Die EIA geht in ihrem Januar-Monatsbericht davon aus, dass 2026 ein Angebotsüberschuss in Höhe von +2,83 Mio. B/T entstehen könnte. Damit hatten die Statistiker der Behörde ihre Erwartungen von Dezember um +0,57 Mio. B/T nach oben korrigiert. Ob die IEA dies ebenfalls tut, wird sich morgen zeigen, wenn deren aktueller Monatsbericht erscheint. Allerdings rechnete die Behörde mit Sitz in Paris im Dezember bereits mit einem wesentlich stärkeren Überangebot (+3,8 Mio. B/T) als die EIA. Die OPEC behält sich derweil ihren Zweckoptimismus bei und geht für das laufende Jahr insgesamt von einem relativ ausgeglichenen Markt aus.
Im weiteren Wochenverlauf werden die Marktteilnehmer ihre Aufmerksamkeit aber auch verstärkt auf das Weltwirtschaftsforum in Davos richten, wo US-Präsident Trump mit seinen Äußerungen für weiteren Wirbel sorgen könnte. Die US-Ölbestandsdaten sind derweil in dieser Woche wegen des Feiertags am gestrigen Montag erst einen Tag später als üblich fällig.
19. Januar 2026
Trump bricht über Grönland erneuten Zoll-Streit mit EU vom Zaun
US-Präsident Donald Trump drohte am vergangenen Samstag acht Ländern, die sich dem von ihm angestrebten Anschluss Grönlands an die USA entgegenstellt haben (Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland) mit Strafzöllen in Höhe von 10 Prozent. Diese sollen ab dem 1. Februar in Kraft treten und ab dem 1. Juni auf 25 Prozent steigen, sollte es bis zu den jeweiligen Stichtagen keine Einigung über einen Kauf der Insel durch die USA geben, so Trump auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social.
Die EU demonstrierte in einer ersten Reaktion auf Trumps Drohung Geschlossenheit und will nun über mögliche Gegenmaßnahmen diskutieren. Bei einem Sondergipfel, der am Donnerstag abgehalten werden könnte, dürften dann unter anderem Gegenzölle auf Importwaren aus den USA - wie beispielsweise Whiskey und Flugzeugteile - im Wert von 93 Milliarden Euro zur Debatte stehen. "Politische Erpressung werden wir nicht akzeptieren", kommentierte der Handelsexperte des EU-Parlaments, Bernd Lange, die Drohung Trumps, aufgrund derer sogar das Zollabkommen vom vergangenen Sommer vorübergehend ausgesetzt werden könnte.
Die Preise der beiden Rohölkontrakte Brent und WTI legten in der vergangenen Woche erneut zu und verzeichneten dabei zeitweise neue Mehrmonatshochs. Der Preisanstieg war vor allem den geopolitischen Risiken geschuldet, die mit der Möglichkeit eines US-Militärschlags gegen den Iran wieder deutlich zugenommen hatten. Als Washington zur Mitte der Woche jedoch erst einmal neue Sanktionen statt eines militärischen Eingreifens in der Islamischen Republik verkündete, preisten die Trader einen Großteil der geopolitischen Risikoprämie wieder aus.
Zu Beginn der neuen Handelswoche müssen die Trader an ICE und NYMEX nun erst einmal die jüngsten Meldungen in puncto Grönland abwägen. Die Androhung des US-Präsidenten, gegen acht europäische Länder Strafzölle einzuführen, sollte es nicht bis Ende des Monats zu einem Abkommen über den Kauf der Insel durch die Vereinigten Staaten kommen, rückt die Zollthematik wieder stärker in den Vordergrund, die Einfluss auf das Wachstum der Konjunktur und der Ölnachfrage dies- und jenseits des Atlantiks haben könnte.
Die Marktteilnehmer werden in dieser Woche verstärkt auf das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos blicken, dem auch Trump beiwohnen wird. Dabei könnten nicht nur seine Äußerungen zum Thema Grönland bzw. Zölle für neue Impulse an den Ölbörsen sorgen, sondern auch potenzielle Hinweise auf den Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell, der seinen Posten im Mai abgeben wird.
Wachstumsdaten aus China zeigten unterdessen heute Morgen mit +4,5 % den Anstieg des chinesischen Bruttoinlandsprodukt, den die Experten für das vierte Quartal 2025 prognostiziert hatten. Damit blieb das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik aber auch hinter dem des dritten Quartals (+4,8 %) zurück. Abgesehen davon enttäuschte das Wachstum der chinesischen Einzelhandelsumsätze im Dezember, während die Industrieproduktion stärker zulegte als angenommen. Eindeutige Impulse geben die Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte den Märkten damit heute Morgen nicht. Dagegen könnte der für 2025 verzeichnete Anstieg der Rohölverarbeitung an den chinesischen Raffinerien um +4,1 % auf ein neues Rekordhoch die Preise an den Ölbörsen heute leicht stützen könnte.
Am Mittwoch ist auch noch der aktuelle Monatsbericht der IEA fällig. Die IEA ist unter den drei wichtigsten Institutionen am Ölmarkt meist diejenige, die den Markt am pessimistischsten einschätzt, sodass nach dem bearishen Monatsbericht der EIA und dem eher neutralen Bericht der OPEC vom Monatsreport der IEA eher weitere bearishe Impulse zu erwarten sind.
Davon abgesehen könnten sich auch die geopolitischen Risiken jederzeit wieder in den Vordergrund drängen, zumal der Botschafter der USA bei der UN vergangene Woche noch einmal andeutete, dass ein Militärschlag der Vereinigten Staaten gegen den Iran noch nicht vollkommen vom Tisch sei. Mit wichtigen Konjunkturindikatoren aus den USA ist heute aufgrund feiertagsbedingt nicht zu rechnen. Während das Handelsvolumen an NYMEXGlobex heute wegen des Feiertags geringer sein dürfte als üblich und der Handel auch etwas früher endet als gewohnt, gelten für die ICE die üblichen Handelszeiten.
16. Januar 2026
USA/Iran: Keine Bomben, aber neue Sanktionen
Ein Militärschlag der USA gegen den Iran wird immer unwahrscheinlicher. Nachdem Donald Trump schon Mittwochabend sagte, das Töten im Iran habe aufgehört, beteuerte der iranische Aussenminister gestern öffentlich, dass Teheran keine Pläne für Hinrichtungen habe. Die für Mittwoch angekündigte Vollstreckung eines Todesurteils gegen einen 26jährigen wurde offenbar abgesagt.
Donald Trump zeigte sich erfreut, nachdem die Menschenrechtsorganisation Hengaw die Aussetzung der Todesstrafe bestätigte, und meldete sich mit den Worten: Das sind gute Nachrichten. Hoffentlich geht es so weiter!. Dennoch versucht Washington, den Druck auf den Iran aufrecht zu erhalten, allerdings sind die Mittel der Wahl nun wieder neue Sanktionen diesmal konkret gegen fünf iranische Regierungsvertreter, die für das gewaltsame Vorgehen gegen die Proteste verantwortlich sein sollen.
Zudem verhängte das US Finanzministerium Sanktionen gegen 18 weitere Personen, denen vorgeworfen wird, in Geldwäschegeschäfte aus dem Verkauf von iranischem Öl und Ölprodukten verwickelt zu sein. Dies sei Teil der sogenannten Schattenbank Netzwerke sanktionierter iranischer Finanzinstitute. Auch hiess es aus Washington, dass man Geldtransfers iranischer Führungspersönlichkeiten an internationale Banken im Auge behalte. Finanzminister Scott Bessent sagte, diese Gelder und auch die Verantwortlichen würden verfolgt werden.
Nach dem steilen Preisanstieg der letzten Tage, die vor allem der erhöhten geopolitischen Risikoprämie geschuldet waren, legten die beiden Rohölfutures gestern die stärkste Abwärtskorrektur seit Juni hin, nachdem die Gefahr eines Militärischen Zusammenstosses mit dem Iran immer geringer wurde.
Sowohl Brent als auch WTI waren in dieser Woche auf Mehrmonatshochs gestiegen, nachdem Proteste im Iran aufgeflammt waren und US Präsident Donald Trump mögliche Militärschläge gegen das Land angedeutet hatte. Inzwischen haben beide Seiten beschwichtigt, auch wenn sich die Spannungen nicht komplett aufgelöst haben.
Warren Patterson von der ING weist darauf hin, dass die Gefahr eines unmittelbaren Angriffes zwar nachgelassen habe, ein Gesamtrisiko aber durchaus bestehen bleibe und den Markt kurzfristig in Alarmbereitschaft halten dürfte. Der Analyst meint jedoch auch : Je länger diese Situation jedoch ohne eine US Reaktion bleibt, desto mehr wird die Risikoprämie abschmelzen und desto stärker werden bearishe Fundamentaldaten in den Vordergrund treten.
Die Analysten bei der BMI schliessen sich Pattersons Haltung an. Hier heisst es, der jüngste Preisrückgang sei durch Trumps Erklärung ausgelöst worden, vorerst auf militärische Schläge gegen den Iran zu verzichten. Angesichts der möglichen politischen Umwälzungen im Iran dürften die Ölpreise jedoch volatil bleiben, während die Märkte das Risiko potenzieller Lieferunterbrechungen bewerteten.
Während also die kurzfristigen geopolitischen Risiken nicht verschwunden sind und stärkere Preisrückgänge zunächst noch verhindern dürften, bleibt die übergeordnete Marktlage unverändert bearish. An der erwarteten Überversorgung hat sich wenig verändert. Vielmehr zeigt ein Blick auf den aktuellen Monatsreport der EIA, der erstmals auch Prognosen für 2027 enthielt, dass das Angebot auch im nächsten Jahr die Nachfrage deutlich übersteigen dürfte (15.01.2026 EIA: Rohölpreise sinken bis 2027).
15. Januar 2026
Trump beruhigt die Lage, Tötungen im Iran hören auf
Fast könnte man ein Schleudertrauma bekommen, so schnell hat Donald Trump seine Haltung gegenüber den Protesten im Iran geändert. Zuletzt hatte er den Demonstranten noch Hilfe zugesichert und dem iranischen Regime mit einer Militärintervention gedroht, sollte es weiter gegen die Protestierenden vorgehen. Doch gestern dann die Kehrtwende, das Töten im Iran habe aufgehört und geplante Hinrichtungen gebe es auch keine.
Uns wurde gesagt, dass die Tötungen im Iran aufhören, sagte der Präsident gestern im Weissen Haus. Sie hören auf, und es gibt keinen Plan für Hinrichtungen oder eine Hinrichtung. Auf Nachfrage führte er aus, dass er die Informationen von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite erhalten habe. Konkreter wurde er dabei nicht.
Im Vorfeld hatte es offenbar Warnungen von Experten und Diplomaten aus der Nahostregion gegeben, dass eine militärische Intervention kontraproduktiv sein könnte. Sie würde die Proteste beenden und gleichzeitig ein verstärktes Vorgehen gegen die Teilnehmer auslösen. Zudem wären zahlreiche Vergeltungsangriffe des Iran auf US Stützpunkte in der Region zu befürchten. Am Ölmarkt interpretiert man Trumps Kommentare deshalb dahingehend, dass er eine militärische Eskalation offenbar doch vermeiden will und preist einen Teil der Risikoprämie wieder aus. Die Kurse an ICE und NYMEX kommen damit heute wieder unter Druck.
Die Ölpreise scheinen ihre Preisrally nach sechs Tagen heute beendet zu haben und geben ein gutes Stück nach. Auslöser waren Kommentare des US Präsidenten Donald Trump zum Iran. Brent und WTI hatten am Mittwoch noch um mehr als ein Prozent zugelegt, gaben jedoch den Grossteil der Gewinne wieder ab, nachdem Trumps Äusserungen die Sorge vor einem US Angriff auf den Iran verringerten.
Der US Präsident erklärte gestern, ihm sei zugesichert worden, dass der Iran die Tötung von Demonstrierenden einstellen werde. Dies senkt die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren militärischen Reaktion der USA und damit auch das Risiko von Unterbrechungen der iranischen Ölproduktion und einer Sperrung der wichtigen Strasse von Hormus.
Die Lage im Iran bleibt jedoch auch weiterhin angespannt. So schlossen die Behörden vorübergehend den Luftraum über Teheran, während die USA Teile ihres Personals in Katar und an anderen amerikanischen Militärstützpunkten in der Region verlegten.
Die geopolitisch bedingte Stärke bei Brent dürfte anhalten, ein Test bis auf 75 US-Dollar ist durchaus möglich, glaubt deshalb Robert Rennie von Westpac Banking Corp. Auf die Rallye könnte jedoch ein Einbruch folgen, sollte es tatsächlich eine Entwarnung gegeben oder das Regime im Iran nachhaltig ins Wanken geraten ähnlich der Marktbewegung während des Iran Israel Konflikts im Juni, so der Experte.
Auf bearisher Seite wirken heute zudem noch die DOE-Daten, die gestern deutlich höhere Bestände meldeten, als erwartet. Und auch die Entspannung zwischen den USA und Venezuela drückt nach wie vor auf die Preise, zumal die unterbrochene Ölförderung genauso wieder anläuft wie die Exporte des OPEC-Mitglieds (13.01.2026 Venezuelas Ölexporte und produktion wieder online.
Trump erklärte zudem, er habe am Mittwoch ein sehr gutes Gespräch mit der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodriguez geführt, bei dem es auch um Öl gegangen sei. Separat sagte der US-Präsident gegenüber Journalisten, er halte es für besser, wenn Venezuela in der OPEC bleibe, sei jedoch unsicher, ob dies auch für die USA vorteilhaft wäre. Gespräche darüber habe Washington mit Caracas nicht geführt.
Unterdessen teilte die OPEC selbst am Mittwoch in ihrem aktuellen Monatsreport mit, die Ölnachfrage werde 2027 voraussichtlich in ähnlichem Tempo wachsen wie in diesem Jahr. Zudem veröffentlichte sie Daten, die für 2026 auf ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage hindeuten im Gegensatz zu anderen Prognosen, die von einem deutlichen Überangebot ausgehen. Damit bleibt die OPEC ihrer Linie treu und rechtfertigt gleichzeitig weitere geplante Produktionssteigerungen ab dem Frühjahr.
14. Januar 2026
API: Starke Bestandsaufbauten in allen Kategorien
Erneut widersprechen die Daten des American Petroleum Institute (API) den Erwartungen zu den US-Ölbeständen für die Woche vom 9. Januar. Vor allem bei den Rohölbeständen tut sich hier einmal mehr ein deutlicher Unterschied auf, denn während Expertenschätzungen im Vorfeld einen Abbau von -1,4 Mio. Barrel ergeben haben, rechnet das API mit einem deutlichen Aufbau von +5,3 Mio. Barrel.
Dieser Bestandszuwachs bei Rohöl wäre, wenn ihn das DOE am Nachmittag bestätigen sollte, gleichzeitig auch der stärkste Aufbau seit etwa 2 Monaten. Und er ist nicht der einzige bearishe Faktor im Zahlenwerk des API Berichtes, denn auch die Produktbestände wurden hier deutlich höher geschätzt als im Vorfeld erwartet. So sollen die Destillate um +4,3 Mio. Barrel, die Benzinvorräte sogar um +8,2 Mio. Barrel gestiegen sein.
Wie üblich liefert der Wochenbericht des API erst einmal eine Art Stimmungsbild, bevor am Mittwochnachmittag die offiziellen Bestandsdaten des amerikanischen Energieministeriums (DOE) erscheinen. Sie sind belastbarer, da detaillierter und umfangreicher, und weichen nicht selten von den API-Daten ab. Sollten sie heute jedoch die starken Aufbauten in den drei wichtigsten Kategorien bestätigen, wäre dies ein klar bearishes Signal für den Ölmarkt.
Nachdem ein US Angriff auf den Iran bisher ausblieb, legen die Notierungen an ICE und NYMEX heute eine kleine Verschnaufpause ein und geben nach vier Tagen mit deutlichen Gewinnen leicht nach. Für Abwärtsdruck sorgen dabei auch die API Bestandsdaten und der klar bearishe EIA Monatsbericht von gestern.
Während erstere einen deutlich grösseren Zuwachs in allen Kategorien auswiesen als erwartet, hat die EIA ihre Angebotsprognosen für das laufende Jahr sogar noch einmal verschärft und rechnet aktuell mit einem Überangebot von +2,83 Mio. B/T. Im Bericht vom letzten Monat waren es nur 2,26 Mio. B/T gewesen. Auch für 2027 rechnet die EIA mit einem deutlichen Angebotsüberschuss von +2,09 Mio. B/T.
Die Entwicklungen im Iran bleiben kurzfristig dennoch das Hauptthema und verhindern bisher deutliche Abwärtskorrekturen. Nach wie vor ist der Fokus der Anleger auf die Unruhen im Land und die von Donald Trump angedrohte Militärintervention gerichtet, die die iranische Ölförderung von etwa 3,3 Mio. B/T gefährden könnte.
Die Proteste im Iran könnten zu einem kurzfristigen Anstieg der globalen Ölpreise führen, und zwar sowohl durch kurzfristige Versorgungsausfälle als auch vor allem durch steigende geopolitische Risikoprämien kommentiert die Citi Bank und hebt ihre Preisprognosen für Brent in den kommenden drei Monaten auf 70 Dollar. Bislang hätten sich die Proteste aber nicht auf die wichtigsten iranischen Fördergebiete ausgeweitet, was die Auswirkungen auf das tatsächliche Angebot begrenzt habe, hiess es.
Die aktuellen Risiken sind eher politischer und logistischer Natur als direkte Produktionsausfälle, sodass die Effekte auf die iranische Rohölversorgung und die Exportströme bislang begrenzt bleiben, so die Analysten bei der Citi. Unterdessen sagte US Energieminister Chris Wright dem Sender Fox News, die USA würden gerne ein kommerzieller Partner für iranisches Rohöl sein, sollte das Regime fallen.
Die Ölpreise legen zu Beginn des neuen Jahres weiter zu, nachdem nicht nur die Eskalation im Iran, sondern auch die Lage in Venezuela wieder einen Risikoaufschlag zurück an den Markt gebracht haben. Zuvor hatten Erwartungen eines Überangebots fünf Monate in Folge zu Preisrückgängen geführt. Die jüngste bullishe Rally kommt somit recht überraschend für einen Markt, der bisher fest in der Hand der Bären gewesen war.
Der Markt steckt weiterhin zwischen der Realität eines anhaltenden Überangebots und der Eskalation geopolitischer Risiken fest, meint Analyst Zhou Mi von Chaos Ternary Futures. Kurzfristig könnten Entwicklungen im Iran erneut starke Preisschwankungen auslösen, und jede militärische Aktion der USA würde die Ölpreise wahrscheinlich nach oben treiben.
Heute Nachmittag könnten allerdings auch von anderer Seite neue Richtungsimpulse kommen, denn nicht nur stehen nach dem gestrigen API Bestandsbericht heute noch die DOE-Daten ins Haus, auch die OPEC folgt heute der EIA mit ihrem Monatsbericht. Traditionell dürfte die Einschätzung der Organisation erdölproduzierender Länder zur Angebotslage weniger bearish ausfallen, doch in den letzten Monaten hatte auch die OPEC ihre überwiegend bullishe Haltung zur Nachfrageentwicklung und den Produktionsprognosen immer wieder anpassen müssen.
13. Januar 2026
Trump verkündet 25 % Strafzölle für Irans Handelspartner
Die USA werden Importwaren von Ländern, die Geschäfte mit dem Iran betreiben, mit einem Strafzoll in Höhe von 25 % belegen. Dies teilte US-Präsident Donald Trump am gestrigen Montag in einem Post auf seiner Plattform Truth Social mit. Die Strafzölle würden unverzüglich in Kraft treten, so Trump weiter.
Jedes Land, das mit der Islamischen Republik Iran Geschäfte macht, muss einen Zoll von 25 % auf alle Geschäfte zahlen, die mit den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht werden. Diese Anordnung ist endgültig und unanfechtbar, schrieb der US Präsident, der Details zur Umsetzung jedoch zunnächst ebenso schuldig blieb, wie zum Umfang der Massnahme.
Mit den angekündigten Strafzöllen könnte Trump vor allem China vor den Kopf stossen, das Marktbeobachtern zufolge der Bestimmungsort von etwa 90 % der iranischen Ölexporte ist. Ob die Massnahme den Handelskrieg zwischen den beiden weltweit größten Volkswirtschaften (und Ölverbrauchern) wieder entfachen wird bleibt abzuwarten. Sollte es jedoch dazu kommen, würde dies die Sorgen hinsichtlich der Entwicklung der Ölnachfrage wieder steigen lassen.
Am heutigen Dienstag will Trump mit Vertreterinnen und Vertretern der US-Regierung noch einmal über mögliche Massnahmen gegen den Iran sprechen. Ob dabei auch ein Militärschlag gegen die Islamische Republik beschlossen wird, ist ungewiss. Nachdem Teheran zuletzt jedoch angegeben hatte, die Proteste im Iran mittlerweile eingedämmt zu haben und Medienberichten zufolge das Gespräch mit Washington suchte, könnte ein militärisches Vorgehen der USA erst einmal hintan gestellt werden, zumal es das beträchtliche Risiko bergen würde, dass es in der Region zu einem Flächenbrand führen könnte.
Die Befürchtung, die USA könnten mit Luftangriffen auf Ziele im Iran in die jüngsten Entwicklungen in der Islamischen Republik eingreifen und damit auch mögliche Ausfälle des iransischen Ölangebots verursachen, hatte der Aussicht auf den Verkauf umfangreicher Mengen an venezolanischem Rohöl durch die USA zuletzt entgegengewirkt. Die Rohölpreise an ICE und NYMEX konnten daher wieder zulegen und starten im Bereich der Vortageshochs.
Die Unruhen im Iran haben unserer Ansicht nach die geopolitische Risikoprämie für Öl um etwa 3-4 Dollar pro Barrel erhöht, heisst es zur jüngsten Preisentwicklung in einer Mitteilung der Barclays Bank. Hauptgrund für die Risikoprämie ist die Möglichkeit eines Militärschlags der USA auf iranische Ziele, mit welcher US-Präsident Trump der iranischen Führung gedroht hatte, nachdem diese versuchte, die Proteste mit Gewalt einzudämmen.
Statt eines Militärschlags kündigte Trump am gestrigen Montag nun jedoch erst einmal Strafzölle in Höhe von 25 % für Importe aus Ländern an, die Geschäfte mit dem Iran machen. Auch dies dürfte laut Analystin Charu Chanana von Saxo Markets zur geopolitischen Risikoprämie beitragen, die Trader derzeit auf die Rohölpreise aufschlagen. Die nachhaltige Entwicklung [der Preise, Anm. d. Red.] wird jedoch davon abhängen, ob diese Rhetorik in eine durchsetzbare Politik mündet und ob sie messbare Angebotsengpässe oder umfassendere Handelsvergeltungsmassnahmen auslöst, die das Nachfragewachstum dämpfen.
Zu derlei Vergeltungsmassnahmen könnte vor allem China greifen, das den Grossteil der iranischen Ölexporte abnimmt, da dieses aufgrund der westlichen Sanktionen günstig angeboten wird. Zwischen der Trump Regierung und Peking gibt es bis heute kein umfassendes Handelsabkommen, allerdings gilt derzeit noch eine Art Waffenstillstand, im Rahmen dessen die umfangreichen Strafzölle, die Trump im Frühjahr 2025 verhängt hatte, sowie die Vergeltungszölle Chinas überwiegend ausgesetzt sind. Ein erneuter Handelskrieg könnte die Wirtschaft und die Ölnachfrage der beiden Volkswirtschaften massgeblich beeinträchtigen. Aber auch Indien hätte mit den Strafzöllen gegen iranische Handelspartner ein Problem, denn das Land muss bereits wegen seiner fortwährenden Käufe an russischem Öl höhere Zölle für seine Exporte in die USA hinnehmen.
Aus Angebotssicht kamen zuletzt auch mit der Aussicht auf weitere Sanktionen der USA und der EU gegen Russland ein Faktor hinzu, der die Preise an den Ölbörsen stützt. Diese könnten die Ölproduktion des OPEC+-Produzenten weiter sinken lassen. Wie die EIA die Entwicklung der Rohölproduktion der OPEC und ihrer Partner für Dezember einschätzt, wird sich heute Abend zeigen, wenn die Statistiker des US-Energieministeriums ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlichen. Der Bericht wird wie immer auch die aktuellen Preisprognosen der EIA beinhalten, wobei die Frage ist, ob die Möglichkeit von Ausfällen des iranischen Ölangebots dabei berücksichtigt wurde. Die OPEC gibt ihren aktuellen Monatsbericht am Mittwochnachmittag heraus, wohingegen die IEA erst kommende Woche mit ihrem Monatsreport aufwartet.
12. Januar 2026
Trump: Iran will verhandeln - USA müssen aber vielleicht schon vorher eingreifen
Nachdem US-Präsident Trump dem Iran bereits mehrmals damit gedroht hatte, gegen das Mullah Regime vorzugehen, sollte es weiterhin versuchen, die derzeitigen Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, will Teheran offenbar verhandeln. Dies gab Trump auf seinem Rückflug nach Washington, D.C., am gestrigen Sonntag gegenüber Journalisten an.
Dem US-Präsidenten zufolge hätte sich die iranische Führung am Samstag an die Vereinigten Staaten gewendet und Verhandlungen vorgeschlagen. Ein Treffen wird gerade anberaumt, so Trump, der jedoch hinterher schickte: Angesichts der aktuellen Ereignisse müssen wir aber möglicherweise schon vor dem Treffen handeln.
Derzeit prüfe man laut Trump noch einige sehr starke Optionen" für ein Eingreifen in die Entwicklungen im Iran. Wir nehmen die Situation sehr ernst. Das Wall Street Journal berichtete zuletzt, der US-Präsident werde am Dienstag mit hochrangigen Vertretern seiner Regierung zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Noch am Samstag hatte der Präsident des iranischen Parlaments, Mohammad Baqer Qalibaf, damit gedroht, dass ein militärisches Eingreifen der USA in die Angelegenheiten Irans US-Militäranlagen in der Region und auch Israel zu legitimen Zielen für iranische Angriffe machen würde.
Der Fokus der Marktteilnehmer rückte zuletzt von Venezuela zunehmend auf den Iran, wo das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen Proteste der Bevölkerung ein militärisches Eingreifen der USA zur Folge haben könnte. Die Preise für Brent und WTI an den Ölbörsen legten in der vergangenen Woche vor diesem Hintergrund so stark zu wie seit Mitte Oktober nicht mehr.
Schließlich könnte ein Militärschlag gegen den Iran Ölexporte von insgesamt fast 2 Mio. B/T in Gefahr bringen. Nach Meinung des Analysten Saul Kavonic von MST Marquee unterschätzt der Markt derzeit auch noch das Risiko von Beeinträchtigungen der Ölexporte, die über die Meerenge von Hormus abgewickelt werden. Bereits bei vergangenen Konflikten hatte der Iran immer wieder damit gedroht, die Straße von Hormus, über die täglich rund 20 Mio. Barrel Öl auf den Weltmarkt exportiert werden, zu blockieren. Bislang griff Teheran allerdings noch nie zu dieser Massnahme.
Die Analysten der ANZ Bank weisen davon abgesehen darauf hin, dass "auch Arbeiter der Ölindustrie zum Streik aufgerufen“ seien, sodass selbst ohne Militärschlag der USA abzuwarten bleibt, wie stark die Ölproduktion Irans durch die Proteste in Mitleidenschaft gezogen wird.
Unterdessen will das Handelshaus Trafigura die erste Verladung von venezolanischem Rohöl für den Export in die USA in der kommenden Woche vornehmen. Während die bis zu 50 Millionen Barrel an Rohöl aus dem OPEC-Staat, die die USA in naher Zukunft auf den Markt bringen will, das Aufwärtspotenzial der Ölpreise begrenzen dürften, traf die Aufforderung des US-Präsidenten zu Investitionen in Venezuelas Ölindustrie auf gemischte Reaktionen.
Nachdem beispielsweise der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil bei den Gesprächen im Weißen Haus am Freitag sagte, man könne bei der aktuellen Lage praktisch nicht in Venezuela investieren, gab US-Präsident Trump am Sonntag an, er werde ExxonMobil möglicherweise für Investitionen sperren. Mir hat Exxons Reaktion nicht gefallen, so Trump am Sonntag gegenüber Reportern. Ich werde Exxon wohl eher aussen vor lassen. Mir hat ihre Reaktion nicht gefallen. Sie spielen ein zu raffiniertes Spiel.
Davon abgesehen dürfte der erneute Drohnenangriff der Ukraine auf die russischen Ölanlagen im Kaspischen Meer vom Wochenende den Ölfutures zum Wochenbeginn leichten Auftrieb geben, wenngleich noch unklar ist, wie stark die Anlagen dabei beschädigt wurden. Abzuwarten bleibt auch, ob die USA tatsächlich bald weitere Sanktionen gegen Russland umsetzen werden. Trump hatte der Möglichkeit weiterer Sanktionen vergangene Woche grünes Licht gegeben.
9. Januar 2026
Proteste im Iran Donald Trump wiederholt Angriffsdrohung
Die schon über eine Woche andauernden landesweiten Proteste und Demonstrationen im Iran erreichten gestern einen Höhepunkt. In fast allen grossen Städten drängten die Menschen auf die Strasse und protestierten gegen das Mullah Regime. Die Behörden schalteten unterdessen den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung ab.
US Präsident Trump zeigte sich solidarisch mit den Protestierenden und lobte die Iraner im Rahmen eines Podcasts als „mutige Menschen. Dabei wiederholte er auch seine Drohungen in Richtung Teheran und sagte: Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun.
An den Ölbörsen quittierten die Anleger diese Aussage mit steigenden Preisen, da sie eine höhere Risikoprämie einpreisten. Sollten die Unruhen im Iran sich ausdehnen und tatsächlich eine Einmischung der USA zur Folge haben, währen auch wieder längerfristige Exportausfälle oder Störungen der internationalen Ölflüsse zu befürchten.
An ICE und NYMEX bleiben die Preise zum Ende der Woche gestützt, nachdem die gestrige Tagesrally den Kursen ein Wochenplus bescheren dürfte. Marktthema bleibt weiterhin die Entwicklung in Venezuela, die Anleger blicken zusätzlich aber auch auf den Iran, wo sich die politische Lage zuspitzt.
Donald Trump hat deshalb seine Drohungen gegen den Iran bekräftigt, hart durchgreifen zu wollen, sollte das Regime während der anhaltenden Unruhen Demonstranten töten. Zugleich sagte Trump dem Sender Fox News, er unterstütze ein parteiübergreifendes Sanktionsgesetz gegen Russland, über das der Kongress bereits in der kommenden Woche abstimmen könnte. Die Maßnahme zielt darauf ab, Käufer russischen Öls zu belangen, darunter vor allem China und Indien (08.01.2026 Grünes Licht für neue Russlandsanktionen - Ölfutures klettern).
Engpässe beim Fluss sanktionierter Barrel und stabile Nachfragesignale scheinen zumindest vorläufig dem Hintergrund eines Überangebots im Jahr 2026 entgegenzuwirken, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. Die Eskalation der geopolitischen Spannungen verstärkt die aktuelle Dynamik der Ölpreise“, so die Expertin.
Verschwunden ist das erwartete Überangebot damit aber keineswegs. Nach wie vor sieht sich der Markt in den kommenden Monaten mit einer regelrechten Ölschwemme konfrontiert. „Rohöl befindet sich weiterhin in einem komplexen Spannungsfeld zwischen erhöhten geopolitischen Risiken und steigenden Lagerbeständen, erläutert Robert Rennie von der Westpac. Höhere Fördermengen aus Venezuela und ein steigender Ausstoss andernorts könnten laut dem Analysten dazu führen, dass sich die Preise im ersten Quartal im Bereich von 50 Dollar bewegen.
Zum Ausklang der Woche versuchen die Anleger weiterhin, die kurz, mittel und langfristigen Auswirkungen der Entwicklungen in Venezuela zu bewerten. Zuletzt forderte Trump, dass Venezuela den USA uneingeschränkten Zugang zu seinem Ölsektor gewährt nur wenige Tage nachdem Maduro am Samstag festgenommen worden war. US Beamte erklärten, Washington werde die Ölverkäufe und erlöse des Landes auf unbestimmte Zeit kontrollieren.
Rund 20 Führungskräfte aus der Ölbranche, darunter Vertreter von Exxon Mobil und Chevron, wollen sich am Freitag mit Trump und Spitzenbeamten im Weissen Haus treffen, um über den Wiederaufbau des Energiesektors in Venezuela zu sprechen. Dabei soll ein Streitpunkt auch die Vermarktung von bis zu 50 Mio. Barrel Öl sein, die die staatliche Ölgesellschaft PDVSA aufgrund der Sanktionen und der Tankerblockade in ihren Lagern angesammelt hat.
8. Januar 2026
Trump sieht Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar bei seiner Venezuela-Strategie
US Präsident Trump geht einem Bericht des Wall Street Journal davon aus, dass der Ölpreis auf 50 Dollar sinken könnte. Allerdings ist es dafür seiner Ansicht nach offenbar notwendig, dass die USA über die nächsten Jahre hinweg die Kontrolle über den venezolanischen Ölsektor übernimmt.
Im Rahmen seiner Venezuela-Strategie zieht Washington wohl unter anderem in Erwägung, in die Geschäfte des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA einzugreifen. US Vizepräsident JD Vance sagte diesbezüglich in der auf dem Sender Fox ausgestrahlten Sendung Jesse Watters Primetime: Wir kontrollieren die Energieressourcen Venezuelas, Anm. d. Red. und sagen dem Regime: ‚Ihr dürft das Öl verkaufen, solange ihr den nationalen Interessen Amerikas dient; ihr dürft es nicht verkaufen, wenn ihr den nationalen Interessen Amerikas nicht dienen könnt.
Der Energieminister der USA, Chris Wright, gab am gestrigen Mittwoch im Rahmen einer Konferenz in Miami (Florida) an, die Einnahmen aus den Verkäufen des venezolanischen Öls würden zunächst zur Stabilisierung der Wirtschaft des OPEC Staats genutzt, bevor sie auch dazu dienen würden, Ölunternehmen wie Exxon Mobil und ConocoPhillips für die Verluste zu entschädigen, die zu Zeiten von Maduro-Vorgänger Hugo Chavez entstanden waren. Dieser hatte die Vermögenswerte der Ölkozerne in Venezuela zu Staatseigentum erklärt. Laut Wright soll zunächst Öl aus den Beständen Venezuelas veräußert werden, bevor dann auf unbestimmte Zeit neu gefördertes Öl verkauft werden soll.
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX gaben am gestrigen Mittwoch nach, was daran lag, dass die Erwartungen eines Überangebots für das laufende Jahr weiterhin bestehen bleiben. Das Hauptaugenmerk lag auch zur Wochenmitte weiterhin auf Venezuela, sodass der stärker als erwartete und als vom API gemeldete Rückgang der landesweiten US Rohölbestände nicht zum Tragen kam, zumal die Destillat und Produktvorräte der USA massive Aufbauten gezeigt haben.
Die Umleitung und Neuverteilung der venezolanischen Ölströme dürfte mittelfristig ein zentrales Thema sein, sagte Vandana Hari, Gründerin des in Singapur ansässigen Marktforschungsunternehmens Vanda Insights, gegenüber dem Fernsehsender Bloomberg Television. Einer der am stärksten Betroffenen wird China sein, so die Expertin weiter. China war zuletzt einer der wichtigsten Abnehmer für venezolanisches Rohöl und hat sich dementsprechend bereits über das Vorgehen der USA echauffiert, zumal Washington Caracas nun auch noch dazu aufgerufen haben soll, seine Verbindungen mit Konkurrenten der USA zu lösen.
Längerfristig bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen in Venezuela auf die Versorgungslage auswirken werden. Zwar geht US Präsident Trump Medienberichten zufolge davon aus, dass der Ölpreis durch eine Verbesserung der Ölinfrastruktur des OPEC Staats auf 50 Dollar pro Barrel sinken könnte, dafür müsste es allerdings auch erst einmal zu einer solchen Verbesserung kommen.
Die Frage ist auch, wie die OPEC und ihre Partner auf einen potenziellen Anstieg der venezolanischen Ölproduktion reagieren würden. Die Allianz hat die Rückführung der freiwilligen Produktionskürzungen einiger OPEC+-Länder für das erste Quartal erst einmal ausgesetzt und dabei auf die saisonal schwächere Nachfrage verwiesen. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Je nachdem, wie schnell sich die Ölproduktion bzw. Ölindustrie Venezuelas von der jahrelangen Misswirtschaft erholt, die nicht erst unter Präsident Maduro begann, könnte auch die OPEC+ wieder in Zugzwang geraten.
Unterdessen wartet der Markt aktuell auch auf die nächste offizielle US Arbeitsmarktstatistik, die am morgigen Freitag fällig ist. Der Bericht des Instituts ADP blieb gestern hinter den Erwartungen für Dezember zurück und auch der Bericht zu den offenen Stellen in den USA (JOLTs) im November enttäuschte gestern. Dies weckt einerseits Nachfragesorgen, andererseits aber auch die Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed.
7. Januar 2026
USA drängen auf Kontrolle der venezolanischen Ölindustrie
Washington greift offenbar verstärkt nach der Kontrolle über die venezolanische Ölindustrie. Nach dem Post Donald Trumps heute Nacht, meldet der US Sender ABC nun, dass Interimspräsidentin Delcy Rodriguez darüber informiert wurde, in Zukunft ausschliesslich mit US Unternehmen bei der Ölproduktion kooperieren zu können und den USA beim Verkauf von Schweröl Vorrang einräumen solle.
Parallel dazu fordert Washington laut ABC eine deutliche Reduzierung der venezolanischen Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba. Nach Angaben aus informierten Kreisen solle Caracas wirtschaftliche Verbindungen zu diesen Staaten kappen und deren Einfluss aus dem Energiesektor zurückdrängen. China war zuletzt der Hauptabnehmer für Öl aus Venezuela gewesen, so dass ein Ende der Handelsbeziehungen eine grundlegende Neuausrichtung der Öl und Energiepolitik des Landes bedeuten würde.
Zwar betont Washington, keine militärische Kontrolle über Venezuela anzustreben, Präsident Trump machte jedoch wiederholt deutlich, dass er eine führende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Landes übernehmen wolle finanziert vor allem durch Öleinnahmen. In der kommenden Woche will die US Regierung deshalb offenbar Gespräche mit amerikanischen Ölunternehmen über Investitionen in Venezuela führen.
Die Entwicklungen in Venezuela bleiben auch heute das Thema Nr.1 am Ölmarkt. Allerdings haben sich die Vorzeichen geändert, denn inzwischen wird immer klarer, worum es Washington in dem Südamerikanischen Land wirklich geht nämlich um die Kontrolle über die Ölindustrie. So sorgte Donald Trumps jüngster Post, wonach Caracas den USA bis zu 50 Mio. Barrel Öl überlasse, für neuerlichen Preisdruck.
Denn klar ist: Die aktuellen Ausfälle der venezolanischen Ölförderung und exporte durch die US-Tankerblockade werden durch das prognostizierte Überangebot in diesem Jahr mehr als ausgeglichen. Gleichzeitig signalisiert Trump mit seinen Aussagen, dass er das Ölangebot lieber erhöhen als begrenzen möchte, kommentiert Tina Teng von der ANZ. Dies verstärke die Angst vor einer Überversorgung auf dem Weltmarkt noch, so die Expertin.
Schon 2025 hatten die Ölpreise im Angesicht der steigenden globalen Ölförderung bei eher schwacher Nachfrage rund 20% Verlust gemacht und damit den stärksten Jahreseinbruch seit dem Pandemiejahr 2020 hinnehmen müssen. Insgesamt bleibt der Ausblick weiterhin pessimistisch, was auf weiteres Abwärtspotenzial hindeutet, glaubt Warren Patterson von der ING. Die US Massnahme verringere das Risiko von Produktionsausfällen aufgrund von Lagerknappheit und reduziere damit die Gefahr von Versorgungsengpässen.
Inmitten der Verwerfungen um Venezuela sind andere Krisenherde zuletzt in den Hintergrund getreten. So gab es gestern weitere Fortschritte im Ukraine Friedensprozess, denn bei einem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen, bestehend aus der Ukraine und ihren Verbündeten, verständigte man sich auf Sicherheitsgarantien für Kiew.
Ein Friedensabkommen könnte den Weg frei machen für eine Aufhebung oder Lockerung der Sanktionen gegen Russlands Rohölexporte und damit den ohnehin schon überversorgten Markt weiter belasten. Allerdings bleibt der Weg bis dahin noch weit und Experten sind sich uneinig darüber, wie stark ein Friede in der Ukraine sich tatsächlich auf die Ölflüsse aus Russland auswirken würde. So ist etwa anzunehmen, dass die meisten europäischen Länder ihr Embargo nicht zu schnell aufgeben werden, selbst wenn der Krieg in der Ukraine beendet wäre.
Heute Nachmittag könnten kurzfristig noch die DOE-Bestandsdaten aus den USA für Richtungsimpulse an den Ölbörsen sorgen. Wie stark die Durchschlagskraft inmitten der Nachrichtenflut aus Venezuela allerdings ist, bleibt abzuwarten.
6. Januar 2026
Venezuela: Weitere Ölquellen müssen abgeschaltet werden
Der Druck auf die venezolanische Ölindustrie bleibt vorerst hoch, da die USA ihre Blockade gegen Ölexporte weiter aufrechterhalten. Nun wurde bekannt, dass auf Grund mangelnder Lagerkapazitäten weitere Förderanlagen abge-schaltet werden mussten. Die PDVSA hat die Petrolera Sinovensa, ein Joint Venture mit der CNPC (China National Petroleum Corporation) aufgefordert einige Ölfelder stillzulegen. Im Zuge dessen hat die Petrolera Sinovensa offen-bar 10 Ölquellen abgeschaltet.
Die Chevron produziert unterdessen weiterhin Rohöl, da man offenbar noch einige freie Lagerkapazitäten besitzt. Zudem hat das Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung und darf weiterhin Rohöl in die USA exportieren. Andere Ölproduzenten, die diesen Vorteil nicht besitzen, versuchen unterdessen weiterhin Öltanker an der US Blockade vorbeizuschleusen.
TankerTrackers.com gibt an, dass in den letzten Tagen wohl mindestens ein Duzend Öltanker Venezuela verlassen und dabei ihre Transponder deaktiviert hätten. Selbst wenn dies erfolgreich ist, zeigt der Umstand, dass die Förder-unternehmen ihre Produktion drosseln, dass diese Vorgehensweise keine wirkliche Lösung für venezolanische Öl-exporte ist.
Die Welt schaut gespannt auf die Entwicklungen in Venezuela und der Ölmarkt auf die für ihn relevanten Auswir-kungen. Doch kurzfristig wird sich wohl nicht viel ändern, nachdem die USA die Blockade gegen Ölexporte auf-rechterhalten.
Das Ölangebot aus Venezuela wird kurzfristig bis zum Ende der Blockade wohl nicht signifikant steigen. Grössere Produktionsanhebungen werden ebenfalls kritisch gesehen, da dies enorme Investitionen benötigen würde und diese erst mit Jahren Verzögerung wirken. Mittelfristig sehen Experten lediglich das Potenzial von etwa 0,5 Mio. B/T extra, die dann aber das vorhandene Überangebot weiter erhöhen würden.
Aktuell haben die Trader an den Ölbörsen aber auch mit einem enormen Mass an Unsicherheit zu kämpfen, nach-dem Trump erneut Kuba, Kolumbien und vor allem Grönland in den Fokus der US Machtansprüche rückte. Entspre-chend preist man auch eine neue Riskoprämie ein, sollten sich weitere Konfliktherde auftun oder auch der Ukrai-nekrieg weiter eskalieren, sollten in der Partnerschaft von EU und USA im Streit um Grönland Risse entstehen.
Klar ist, bleiben neue Konflikte aus, dann wird ein erfolgreicher Politikwechsel in Venezuela das Ölangebot früher oder später erhöhen und damit auch das Überangebot am Weltmarkt weiter zementieren.
Längerfristig dürfte der von der US Regierung geäusserte Wunsch, die venezolanische Ölförderung zu erhöhen, dem Markt insgesamt einen bearishen Impuls geben. Wichtig ist, dass wir weiterhin davon ausgehen, dass die OPEC+ unter Führung Saudi Arabiens auf einen signifikanten Anstieg der Lagerbestände mit einer Produktionskürzung rea-gieren wird, um mittelfristig den Brent Preis von 55-60 Dollar pro Barrel zu bewahren, was eine bullishe Überra-schung bedeuten kann, meinen beispielsweise die Citi Analysten.



