top of page

NEWS

WAS ZÄHLT – IM BLICK.

1. Oktober 2026

Diplomatische Bemühungen: Iran und USA verhandeln Deeskalationsplan

Die USA haben dem Iran über katarische Vermittler ihre Antwort auf einen Sieben-Tage-Plan zum Vertrauensaufbau übermittelt (30.09.2026 USA/Iran planen vertrauensbildende Gespräche). Irans Außenminister Abbas Aragtschi nahm die Rückmeldung offenbar gestern in Doha entgegen und soll dann zu Beratungen nach Teheran zurückgekehrt sein.

Der Iran hatte vergangene Woche vorgeschlagen, die Straße von Hormus unter bestimmten Bedingungen wieder für die reguläre Schifffahrt zu öffnen (22.09.2026 Hormus: Iran bietet Öffnung innerhalb von 7 Tagen an). Donald Trump wies den Plan zunächst zurück, woraufhin Katar seine Vermittlungsbemühungen intensivierte. Der Golfstaat übermittelt seit Wochen Botschaften zwischen den USA und Iran, um den Konflikt einzudämmen und die wichtige Wasserstraße wieder zu öffnen.

Es bleibt ein ewiges Auf und Ab am Ölmarkt. Nach den gestrigen Gewinnen orientieren sich die Notierungen heute schon wieder nach unten. Ausschlaggebend dürften die Signale der Erholung bei den Exporten aus der Golfregion sein. Zudem wägen die Marktteilnehmer neue diplomatische Annäherungsversuche zwischen den USA und dem Iran ab, die den Nahostkonflikt beenden sollen.

Der seit gestern geltende Dezember-Kontrakt für die Nordseesorte Brent rutschte heute wieder unter die Marke von 97 US-Dollar, nachdem er am Mittwoch noch um knapp 2% zugelegt hatte. Der gestern abgelaufene November-Kontrakt hatte noch bei über 100 Dollar gehandelt. Die US-Referenzsorte WTI notiert heute knapp unterhalb der 90 Dollar.

„Kurzfristig bleibt der Ausblick für Rohöl bearish: Sich erholende Lieferungen aus der Golfregion, wiederaufgenommene saudische Exporte über Yanbu und der Bestandsaufbau in den USA nehmen den Druck von der Angebotssei-te“, erklärt Marktanalyst Sugandha Sachdeva von SS WealthStreet. Neue diplomatische Gespräche zwischen Washington und Teheran könnten zudem die geopolitische Risikoprämie weiter abschmelzen lassen, „auch wenn ein tatsächlicher Durchbruch weiterhin ungewiss bleibt“, so Sachdeva weiter.

Etwas zurückhaltender kommentiert Rebecca Babin von der CIBC Private Wealth Group die Lage. „Berichte über steigende Transportmengen durch die Straße von Hormus wirken plausibel, selbst wenn sich die exakten Volumina kaum verifizieren lassen“, so die Expertin. Die sogenannten Time-Spreads befänden sich zwar nach wie vor in einer Backwardation-Struktur, lägen aber deutlich unter ihren bisherigen Höchstständen. Dies deute darauf hin, „dass diese zusätzlichen Barrel dem physischen Markt spürbare Entlastung verschaffen.“

Das tatsächliche Exportvolumen der Förderländer am Persischen Golf verlässlich zu beziffern, erweist sich vor dem Hintergrund des Irankonflikts als schwierig. Neben Angriffen auf Handelsschiffe hatten auch Attacken Teherannaher Milizen auf die saudiarabische Ost-West-Pipeline die Erfassung erschwert, da die meisten Tanker inzwischen ihre Ortungssysteme ausschalten, um nicht getrackt und dadurch zum Ziel von Angriffen werden zu können.

Laut Schätzungen der US-Investmentbank Goldman Sachs wurden in der vergangenen Woche rund 23 Mio. B/T Öl aus dem Nahen Osten exportiert – sowohl über die Straße von Hormus als auch über Ausweichrouten wie das Rote Meer (30.09.2026 Analysten: Ölexporte aus Nahost erholen sich, Sicherheitsrisiken bleiben). Dies entspricht in etwa dem Vorjahresdurchschnitt. Auch andere Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Ausfuhrmengen zuletzt wieder deutlich stabilisiert haben.

Insgesamt dürfte die Lage am Ölmarkt aber auf absehbare Zeit volatil bleiben. Das anhaltend zähe Ringen um ein Kriegsende mit dem immer gleichen Kreislauf aus Annäherung, Hoffnung und dann neuer Eskalation hat an den Ölmärkten wieder und wieder für Kursschwankungen gesorgt und erschwert den Händlern eine klare strategische Positionierung. Zugleich bleibt der Angebotsengpass vor allem am Produktmarkt bestehen.

30. September 2026

USA geben weitere Ölreserven frei

Die US-Regierung greift im Kampf gegen die rasant steigenden Kraftstoffpreise ein weiteres Mal auf ihre Notfallbestände zurück. Laut US-Energieministerium sollen noch einmal bis zu 40 Mio. Barrel aus der Strategischen Erdölreserve (SPR) angeboten werden.

Mit dieser Maßnahme schließt Washington seinen zugesagten Beitrag von insgesamt 172 Mio. Barrel zur weltweiten IEA-Freigabe ab, die infolge des Irankriegs beschlossen wurde. Zugleich kritisierte US-Energieminister Chris Wright die europäischen Partner scharf. Mehrere IEA-Mitgliedstaaten hätten bislang nur einen Bruchteil ihrer zugesagten Mengen freigegeben und hinkten den Beiträgen der USA und Japans hinterher. Wright mahnte eine vollständige Erfüllung der Verpflichtungen an.

Nach ihrem stärksten Rückgang nach mehr als einer Woche stabilisieren sich die Ölpreise heute wieder. Dabei bleiben die Entwicklungen im und um den Nahen Osten weiterhin im Zentrum des Marktgeschehens, denn während die laufenden Verhandlungen bisher keinen Fortschritt brachten, können sich die Exportmengen aus der Region offen-bar dennoch erholen.

Dazu trägt unter anderem bei, dass Saudi-Arabien die Verladungen am Roten Meer wieder aufnehmen konnte und die Durchflüsse durch die Ost-West-Pipeline schon wieder auf 3,5 Mio. B/T gestiegen sind (29.09.2026 Saudisches Öl fließt wieder ans Rote Meer). Und auch durch die Straße von Hormus fließt offenbar wieder kontinuierlich Rohöl, da Schiffe die Meerenge trotz anhaltender Risiken für die Schifffahrt verdeckt passieren. Dies dämpft die Sorge, dass eine Einigung über die Wiederöffnung der Wasserstraße weiterhin auf sich warten lässt.

„Weitere Hinweise auf eine Erholung der Lieferströme durch die Straße von Hormus […]und eine fehlende nennenswerte Eskalation durch Iran in den vergangenen 24 Stunden haben die Preise etwas sinken lassen“, kommentiert Saul Kavonic, Leiter der Energieforschung bei MST Marquee. Geopolitische Schwankungen, das Risiko einer erneuten Eskalation rund um die Meerenge vor den US-Zwischenwahlen und Engpässe in der Logistik dürften die Preise jedoch hoch halten, glaubt der Experte.

Kavonic weist zudem darauf hin, dass die Anleger auf Alternativen zu einem Diesel-Exportverbot der USA hoffen. Dieses war zuletzt wieder verstärkt diskutiert worden, da Donald Trump selbst sich offen gegenüber einer solchen Maßnahme gezeigt hatte, um die steigenden Inlandspreise zu senken. Ein solches Verbot dürfte aber im Gegenzug die weltweite Versorgung mit Kraftstoffen weiter verknappen und die globalen Dieselpreise damit weiter stützen.

Verantwortlich für den starken Anstieg bei den Kraftstoffpreisen sind neben den Ausfällen aus dem Nahen Osten vor allem die Einbrüche der russischen Raffineriekapazität. Mit anhaltenden Drohnenangriffen aus der Ukraine kam es hier in den letzten Monaten zu immer gravierenderen Engpässen, so dass sich Russland inzwischen gezwungen sieht, die Ausfuhren von Diesel und Benzin zu beschränken.

Wie sich die Produktbestände in den USA entwickelt haben wird heute Nachmittag der DOE-Bericht zeigen. Die API-Daten von gestern Nacht hatten auf einen Aufbau bei Benzin hingedeutet, es bleibt aber abzuwarten, ob dieser vom US-Minisiterium tatsächlich bestätigt wird.

29. September 2026

Trump dementiert Meldungen über potenzielle Iran-Sanktionserleichterungen

US-Präsident Donald Trump dementierte Montagnacht in einem Beitrags auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social einen Bericht, den das Nachrichtenportal Axios wenige Stunden vorher veröffentlicht hatte. In dem Bericht hieß es, Trump habe dem Iran im Gegenzug für konkrete Zugeständnisse hinsichtlich dessen Atomprogramms Sanktionserleichterungen sowie die Freigabe von bislang eingefrorenen iranische Geldern angeboten, wobei sich Axios auf hochrangige US-Regierungsquellen berief. Die Meldung sorgte am Montagabend an den Ölbör-sen zeitweise für einen Preisrutsch.

"Axios hat gerade eine Meldung veröffentlicht, wonach „Trump“ dem Iran eine Lockerung der Sanktionen und eingefrorene Gelder angeboten habe" so Trump in seinem Beitrag, in dem er fortfuhr: "Das ist unwahr. Ich habe ihnen NICHTS angeboten! Die Meldung von Axios ist, wie die meisten anderen auch, eine FALSCHMELDUNG, die nur dazu dient, das Trump-Verblendungssyndrom zu befriedigen. Sie sollten diese falsche Meldung SOFORT zurückziehen!"

Die Preise der beiden Rohölkontrakte Brent und WTI orientieren sich am frühen Dienstagmorgen an den Ölbörsen wieder nach oben. Hatte ein Bericht des Nachrichtenportals Axios über die Bereitschaft von US-Präsident Trump zu Sanktionserleichterungen für den Iran am Montag nach Handelsschluss in Europa noch für einen Preisrutsch gesorgt, so treibt das in der Nacht von Trump selbst veröffentlichte Dementi die Preise heute Morgen wieder nach oben.
Und auch wenn Irans Außenminister am Montagabend von neuen Vorschlägen sprach, muss der Markt weiterhin auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran und damit auch auf eine Freigabe der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr warten. Laut den Analysten der United Overseas Bank (UOB) stellt der Konflikt zwischen den beiden Ländern sowie dessen "Auswirkungen auf die Energiepreise und die Inflationserwartungen" immer noch den größten Risikofaktor für die Ölmärkte dar. In einer Mitteilung weisen sie unter Berufung auf Berichte darauf hin, dass "iranische Beamte Pessimismus darüber geäußert (haben), dass es zu eine Einigung kommt, bevor die Situation in der Straße von Hormus weiter eskaliert, sodass die Unsicherheit bezüglich der Ölversorgung hoch bleibt".
Die Erholung der Exportmengen aus der Golfregion grenzt Preisanstiege zwar ein, dennoch reagieren die Kontrakte an ICE und NYMEX auf negative Schlagzeilen zum Thema US/Iran-Verhandlungen immer noch regelmäßig mit Aufwärtsbewegungen.
„Es zeichnet sich ein klareres Bild von höheren Ölexportmengen aus dem Golf ab, doch ein Großteil dieses Anstiegs beruht weiterhin auf Umgehungslösungen wie dem Umschlag von Schiff zu Schiff. Diese Methoden sind weniger effizient und kostspieliger als der Normalbetrieb, weshalb die Rohölpreise hoch bleiben“, erklärt dazu der Analyst Tim Waterer von KCM Trade.
Unterdessen treibt die Marktteilnehmer auch weiterhin die Frage um, ob die US-Regierung der knappen Versorgungslage bei Diesel und den hohen Diesel-Preisen in den Vereinigten Staaten mit einem Verbot von Exporten des Kraftstoffs entgegenwirken will. Während viele Experten ein solches Verbot nicht für eine wirksame Maßnahme halten, um die Diesel-Preise zu senken, zieht Washington wohl nun Lockerungen bei den Vorgaben für den Verkauf von rotgefärbtem Diesel in Betracht, was für einige Käufer steuerlicher Vorteile hätte.

28. September 2026

Iran will keine Zugeständnisse machen

Kurz vor dem Wochenende hatte es noch so ausgesehen, als würden sich die USA und der Iran im Hinblick auf ein Abkommen über die Schifffahrt in der Straße von Hormus annähern. Beim Verlassen des Weißen Hauses gab US-Präsident Donald Trump allerdings am Samstag: "Sie haben einen Vorschlag gemacht, aber ich habe ihn abgelehnt". In einem Telefon-Interview mit dem Nachrichtenportal Axios sagte Trump am gestrigen Sonntag, der Iran habe zu hoch gepokert.

Den Bedingungen Teherans hätten die Vereinigten Staaten vielleicht vor einem Jahr noch zugestimmt, so der US-Präsident. Nun ist dies jedoch offenbar nicht mehr der Fall. Nichtsdestotrotz geht Trump davon aus, dass die Gespräche mit dem Iran, die vergangene Woche am Rande der UN-Generaldebatte über Vermittler geführt wurden, diese Woche fortgesetzt würden.

Die beiden am stärksten gehandelten Rohölkontrakte an ICE und NYMEX - Brent Dezember und WTI November - verzeichneten am Freitag auf Wochensicht einen Preisrückgang. Dies lag teils an der Wiederinbetriebnahme der saudischen Ost-West Pipeline und zunehmenden Rohölexporten Saudi-Arabiens über die Straße von Hormus, teils aber auch an den wieder aufgekommenen Hoffnungen auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran über die Öffnung der Straße von Hormus.

Letzteren wurde am Wochenende bereits wieder ein Dämpfer versetzt, da US-Präsident Trump einen Vorschlag Teherans ablehnte. Und auch im Hinblick auf die saudischen Ölexporte bleibt Vorsicht geboten, denn das Königreich und seine Ölanlagen bleiben Ziel der Angriffe durch die Huthi-Miliz im Jemen.

So hatte die Militärkoalition unter saudischer Führung erst am Samstag wieder von Raketenangriffen der Huthi auf Riad und Khamis Mushait berichtet, die jedoch angeblich abgewehrt werden konnten. Alarme gab es auch in Abha und Dschaizan. Die Aramco-Raffinerie in Dschaizan war ebenfalls schon mehrmals ins Visier der Huthi-Miliz geraten und zum Teil auch beschädigt worden.

"Die geopolitischen Risiken bleiben hoch, da die Huthi und der Iran ihre Angriffe auf Saudi-Arabien fortsetzen und die regionalen Lieferketten dadurch gefährdet sind“, schreiben auch die Analysten von ANZ in einer Mitteilung. Unterdessen bleibt abzuwarten, wie es mit den Verhandlungen zwischen den USA und Teheran weitergehen wird. Dass die Verhandlungen fortgesetzt werden - und zwar noch in dieser Woche -, dessen ist sich zumindest US-Präsident Trump sicher.

Derweil dürfte sich der Markt auch weiterhin fragen, ob die USA nun tatsächlich ein Diesel-Exportverbot planen, oder nicht. Während US-Energieminister Chris Wright vergangene Woche noch klar gestellt hatte, dass er ein solches Exportverbot nicht für eine gute Idee hält, teilte Trump mit, Washington prüfe das Verbot "sehr ernsthaft". In den USA hatten die (Benzin- und) Dieselbestände in der Woche zum 18. September nach einer kurzen Erholungsphase erneut abgenommen, sodass sie im saisonalen Vergleich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau blieben. Ob ein Exportverbot von Diesel das erhoffte Ergebnis, nämlich die Dieselpreise in den USA sinken zu lassen, tatsächlich mit sich bringen würde, steht noch zur Debatte, die Dieselpreise am internationalen Markt dürfte die Maßnahme allerdings weiter steigen lassen.

25. September 2026

USA und Iran prüfen Vereinbarung zu Strasse von Hormus

Offenbar zeigen die jüngsten Gespräche zwischen den USA und Iran am Rande der UN-Generalversammlung doch erste Erfolge. Wie es gestern aus Insiderkreisen hieß, prüfen die Unterhändler der beiden Kriegsparteien aktuell eine schrittweise Vereinbarung zur Entschärfung des Konflikts.
Demnach soll Teheran die Strasse von Hormus wieder öffnen, während Washington im Gegenzug die Seeblockade gegen iranische Häfen aufhebt. Ein solches Abkommen würde der im Juni geschlossenen Absichtserklärung ähneln, welche zunächst tatsächlich zu einer Waffenruhe geführt hatte, die jedoch wenige Wochen später wieder gescheitert war. Dennoch würden mit einem solchen Abkommen beide Seiten Entgegenkommen demonstrieren und zentrale Forderungen der Gegenpartei erfüllen etwas, das noch vor wenigen Tagen unmöglich erschien.
An den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgten die Berichte über eine mögliche Annäherung für Entlastung. Entsprechend gaben die Ölbörsen schon gestern Abend nach und bleiben auch heute etwas unter Druck. Allerdings bleiben die Anleger an ICE und NYMEX vorsichtig, denn bisherige Annäherungen zwischen Washington und Teheran waren zuletzt immer wieder an unüberbrückbaren Positionen gescheitert. Für eine Nachhaltige Abwärtskorrektur bräuchte es deshalb deutlich mehr als nur konstruktive Gespräche und Lippenbekenntnisse.

Zum Ende der Woche scheint sich die Volatilität der vorangegangenen Handelstage fortzusetzen, denn nach zwei Tagen mit Gewinnen orientieren sich die Notierungen heute wieder leicht nach unten. Dabei wägen die Anleger die Aussichten auf eine Waffenruhe zwischen den USA und Iran gegen die neuesten Angriffe der Huthi in Saudi-Arabien ab.
Der Krieg am Persischen Golf dauert nun schon fast 7 Monate und hat zuletzt an den Ölbörsen für deutliche Kursschwankungen gesorgt. Zum Einen bleibt die Unsicherheit durch anhaltende Angriffe hoch, zum Anderen sieht es danach aus, dass sich die Lieferströme durch die Strasse von Hormus trotz aller Blockaden wieder etwas stabilisierten. Gleichzeitig bleibt die Lage am Roten Meer durch die Huthi-Bedrohung angespannt, wie die jüngsten Angriffe auf den strategisch so wichtigen Rotmeerhafen Yanbu zeigen.
Auf der Angebotsseite sendet unterdessen vor allem der Produktmarkt schon seit Monaten Alarmsignale und hat unter anderem die globalen Dieselpreise auf neue Rekordhochs getrieben hat. Doch auch Rohöl bleibt auf vergleichsweise hohem Niveau. So liegt Brent seit Jahresbeginn weiterhin mehr als 70% im Plus und verschärft damit den Inflationsdruck.
Brent wird wahrscheinlich zwischen 100 und 110 Dollar bleiben, sofern sich nicht grundlegend etwas ändert, vermutet Haris Khurshid, Börsenexperte bei Karobaar Capital LP. Ein glaubwürdiges Abkommen in mehreren Phasen könnte den Preis relativ schnell wieder unter 100 Dollar drücken. Ein weiterer Ausfall in der Export oder Logistikkette könnte dagegen dazu führen, dass 120 Dollar wieder in Reichweite kommen.
Wie es nun tatsächlich weiter geht, dürfte davon abhängen, ob es den USA und Iran tatsächlich gelingt, ein belastbares Abkommen zu schliessen, dass dann auch über einen längeren Zeitraum hält. Sechs Monate lang haben wir als Reaktion auf jede Äusserung oder Schlagzeile aus den USA oder dem Iran einen regelrechten Zickzackkurs erlebt“, kommentiert Carolyn Kissane, stellvertretende Dekanin am Center for Global Affairs der New York University. Jetzt will der Markt handfeste Taten sehen.
Aus fundamentaler Sicht bleiben wir zum Ende der Handelswoche erst einmal bei unserer neutralen Einschätzung, denn während die Hoffnung auf ein neues Abkommen zwar bearish wirkt, geben die Angriffe in Saudi-Arabien wieder bullishe Impulse an den Markt. Darüber hinaus bleibt die Unsicherheit an den Ölbörsen enorm hoch.

24. September 2026

Straße von Hormus: Iran pocht auf Bedingungen für freie Schifffahrt

Trotz diplomatischer Kontakte am Rande der UN-Generalversammlung ist ein Durchbruch im Konflikt zwischen Iran und den USA bisher nicht in Sicht. Der iranische Präsident Masud Peseschkian stellte bei seiner Rede in New York klar, dass Teheran die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus erst wieder gewähren werde, wenn Washington seine Seeblockade aufhebt und die Sanktionen lockert.

„Es kann nicht sein, dass alle von der Straße von Hormus profitieren, während uns der Zugang verwehrt wird“, betonte Peseschkian. Man sei zwar dialogbereit, werde sich jedoch nicht dem Druck oder der „Sprache der Gewalt“ beugen. Zu den Kernforderungen Teherans zählen das sofortige Ende der US-Blockade gegen iranische Häfen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie das Recht auf eine zivile Nutzung der Nukleartechnologie.

Es geht in dieser Woche volatil zu am Ölmarkt. Nach den Verlusten vom Wochenbeginn schnellten die Rohölpreise gestern erst einmal wieder um 4% nach oben, geben aber heute schon wieder leicht nach. Auslöser für die jüngste Entspannung sind Signale aus Teheran, man sei diplomatischen Wegen zur Beendigung des Konflikts mit den USA gegenüber offen. Dennoch liegen die Positionen beider Staaten nach wie vor meilenweit auseinander.

Wie ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, bestehe zwischen Iran und den USA zwar nach wie vor Uneinigkeit, der diplomatische Dialog müsse jedoch aufrechterhalten werden. Zuvor hatte der iranische Präsident vor der UN-Generalversammlung betont, Teheran werde sich dem US-Druck unter keinen Umständen beugen.

Dass die Lage unberechenbar bleibt, unterstrich am Mittwoch auch Irans Sicherheitschef Mohsen Rezaei mit der Warnung, die Straße von Hormus bleibe so lange gesperrt, bis die Bedingungen Irans erfüllt seien. Auf US-Seite dämpfte Außenminister Marco Rubio die Erwartungen an eine schnelle Einigung: Eine Vereinbarung erfordere langwierige und harte Arbeit. Zudem betonte Rubio, dass Präsident Donald Trump weiterhin militärische Optionen zur Verfügung stünden.

Die aktuelle Bewegung am Markt sei vor allem auf eine Neubewertung der Risiken zurückzuführen, erklärt Priyanka Sachdeva von Phillip Nova Pte Ltd. Da sich die Lieferungen aus der Golfregion schrittweise erholen und wieder Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch zwischen Washington und Teheran aufkeimt, baue der Markt einen Teil seiner geopolitischen Risikoprämie ab. Eine Entwarnung sei das allerdings noch nicht: „Der physische Markt ist noch meilenweit von einer Normalisierung entfernt, weshalb die Abwärtsbewegung weiterhin extrem anfällig für kurzfristige Schlagzeilen bleibt.“

Wie recht die Analystin damit hat, zeigt dich weiterhin vor allem am Produktmarkt. Vor allem unter den hohen Dieselpreisen ächzen Verbraucher weltweit. Auch in den USA kostet der für Transportlogistik, Bauwirtschaft und Agrarsektor enorm wichtige Kraftstoff so viel wie nie, weshalb die Rufe nach Exportbeschränkungen zuletzt immer lauter wurden.

US-Präsident Donald Trump erklärte Anfang der Woche, er unterstütze ein entsprechendes Ausfuhrverbot (23.09.2026 Trump unterstützt potenzielles US-Exportverbot für Diesel). Energieminister Chris Wright stellte derweil klar, dass die Regierung derzeit mit den heimischen Raffinerien verhandle, um die Lieferungen ins Ausland zunächst auf freiwilliger Basis zu drosseln, bevor ein striktes Exportverbot greife. Noch gestern hatte er erklärt, ein Exportverbot scheitere an fehlenden Lagerkapazitäten in den USA (23.09.2026 US-Energieminister stellt sich gegen Diesel-Exportverbot auf)

Unterdessen richtet sich das Augenmerk der Marktteilnehmer inzwischen schon auf das für heute angesetzte Spitzentreffen zwischen US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jin-ping. Die Frage, ob er den Iran-Konflikt bei den Gesprächen mit Xi thematisieren werde, bejahte Trump. China zählt traditionell zu den größten Abnehmern iranischen Rohöls, wenngleich die tatsächlichen Lieferströme durch die anhaltende US-Blockade gegen die Islamische Republik massiv eingeschränkt worden sind.

23. September 2026

Iran-Konflikt: Trump droht mit Eskalation und setzt zugleich auf Gespräche

US-Präsident Trump bleibt im Iran-Konflikt bei seiner üblichen Taktik zwischen scharfer Drohung und diplomatischer Gesprächsbereitschaft. In seiner gestrigen Rede vor der UN-Vollversammlung stellte er dem Iran entweder eine Vereinbarung oder die „schnelle Vernichtung“ der Islamischen Republik in Aussicht. Zugleich ließ er auf neue Verhandlungen hoffen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der nun schon seit fast sieben Monaten andauernde kriegerische Konflikt im Persischen Golf, an diesem Punkt angelangt ist. Immer wieder folgten in den letzten Monaten auf Eskalationsdrohungen Signale für eine mögliche Verständigung. Eine dauerhafte Lösung, geschweige denn eine Befriedung der Region, ist daraus bisher nicht hervor-gegangen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch am Ölmarkt.

Die Ölpreise steuern auf ihre längste Verlustserie seit über einem Jahr zu. Grund für die Trendwende ist der Restart einer wichtigen saudischen Pipeline sowie mögliche Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Mit der Aussicht auf eine Angebotserholung und ein baldiges Ende des fast siebenmonatigen Iran-Konflikts, sank Brent gestern erstmals seit dem 8. September wieder unter 100 Dollar.

Zwar drohte US-Präsident Donald Trump der Islamischen Republik am Dienstag erneut unverhohlen mit deren Vernichtung, verwies zugleich jedoch auf konstruktive Gespräche seiner Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner mit iranischen Unterhändlern. Die Verhandlungen hätten spürbar an Dynamik gewonnen und eine Einigung rücke näher, so Trump. Weitere Treffen seien bereits anberaumt.

Nach Einschätzung der meisten Marktbeobachter reagieren die Ölmärkte derzeit vor allem auf die diplomatischen Annäherungen. „Der Markt blickt derzeit wieder deutlich zuversichtlicher auf die globale Versorgungslage als noch vor wenigen Wochen“, meint etwa Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade. „Das Zusammentreffen der Delegationen in New York hat den Akteuren einen Hoffnungsschimmer gegeben. Trotz der anhaltend scharfen Rhetorik preist der Markt derzeit vor allem die Chance auf ernsthafte Verhandlungen ein.“

Doch die Warnung, den von Washington vermeldeten Fortschritten nicht zu viel Gewicht beizumessen, schwingt implizit mit. „Wer allzu optimistisch ist, will unbedingt gute Nachrichten sehen – und blendet dabei schnell die Realität aus“, gibt beispielsweise John Driscoll von JTD Energy Services zu bedenken.

Tatsächlich sind bisherige Initiativen zur Beendigung der Kampfhandlungen – darunter eine nur kurzlebige Waffenruhe – stets gescheitert. Die USA halten seitdem eine Blockade iranischer Häfen aufrecht, um die Energieeinnahmen des Landes zu kappen. Teheran reagierte darauf wiederholt mit Angriffen auf die Handelsschifffahrt in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus.

Zur Entspannung der Versorgungslage trägt unterdessen Saudi-Arabien bei. Riad plant, die Ölexporte über die strategisch wichtige Ost-West-Pipeline in den kommenden Tagen wieder vollständig hochzufahren. Über die Verbindung, die eine Kapazität von bis zu 7 Mio. B/T auf-weist, kann das Königreich die Straße von Hormus umgehen. Wie aus informierten Kreisen verlautete, ging die Pipeline, die Anfang des Monats durch Huthi-Angriffe beschädigt worden war, bereits am Vortag wieder in Betrieb.

Zusätzliches Rohöl drängt zudem aus dem Irak auf den Weltmarkt. Wie der irakische Ölminister Basim Mohammed mitteilte, exportiert das Land aktuell mehr als 3 Mio. B/T. Über die Türkei sollen die Lieferungen zeitnah auf über 0,6 Mio. B/T aufgestockt werden. Daten von Tanker-Tracking-Diensten wie Vortexa und Kpler bezifferten die irakischen Ausfuhren für August auf rund 2,2 bis 2,3 Mio. B/T. Das markiert zwar einen deutlichen Zuwachs gegenüber Juli, liegt aber weiterhin merklich unter dem Vorkriegsniveau vom Februar, als das Land noch bis zu 3,7 Mio. B/T verschifft hatte.

Neben den Entwicklungen im Nahen Osten und den diplomatischen Fortschritten in Washington achten die Marktteilnehmer heute außerdem noch auf die DOE-Daten zu den US-Ölbeständen, nachdem das API gestern kein klares Bild hatte liefern können.

22. September 2026

Bewaffnete sorgen für Produktionsrückgang an Libyens größtem Ölfeld

Am libyschen Sharara-Ölfeld kam es nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft National Oil Corporation (NOC) am gestrigen Montag zu einem starken Rückgang der Förderung. Grund dafür war laut NOC, dass eine Gruppe von Bewaffneten ein Ventil an einer Pipeline geschlossen hatten, die das Rohöl von dem Feld an den Exporthafen von Zawiya transportiert.
Um welche Menge genau die Ölförderung sank, teilte das Unternehmen selbst nicht mit. Auch machte die NOC keine konkreten Angaben dazu, um wen es sich bei der Gruppe handelte. Zwei Ingenieure sollen jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters angegeben haben, die Förderung sei um etwa 200.000 B/T eingebrochen und belaufe sich derzeit auf ca. 100.000 bis 105.000 B/T. Eine andere Quelle bezifferte das aktuelle Produktionsniveau gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg auf 127.000 B/T.

Die Rohölpreise an den Ölbörsen dies- und jenseits des Atlantiks sanken am gestrigen Montag den vierten Handelstag in Folge. Dabei machten Brent und WTI am Abend auch kurzzeitig einen Ausflug unter die psychologisch wichtigen Preisniveaus von 100 Dollar bzw. 95 Dollar pro Barrel. Mit der UN-Generalversammlung vor der Brust, am Rande derer auch zahlreiche wichtige Gespräche geführt werden sollen, die die derzeitigen geopolitischen Konflikte betreffen, orientieren sich Brent und WTI heute Morgen zunächst wieder leicht nach oben.

"Der Anstieg des WTI-Preises und der stärkere Handelsbeginn bei Brent sehen eher nach einer typischen Erholung aufgrund von Short-Coverings nach dem jüngsten Rückgang aus als nach einer Veränderung der Fundamentaldaten", kommentiert der Analyst Tim Waterer von KCM Trade die jüngste Aufwärtsbewegung und führt aus: "Händler, die auf eine weitere Abwärtsbewegung spekuliert hatten, reduzieren ihr Risiko, während sich die diplomatische Lage weiterentwickelt."

Ganz richtig liegt Waterer dabei allerdings nicht, denn mit dem vorläufigen Einbruch der Ölproduktion an Libyens Sharara-Ölfeld kam aus der fundamentalen Richtung durchaus ein neuer bullisher Faktor hinzu. Die Frage ist hier zum einen, wie schnell die Förderung an dem Ölfeld wieder auf das ursprüngliche Niveau gesteigert werden kann und ob es zu weiteren Anschlägen bzw. Sabotageakten bewaffneter Gruppen auf Libyens Ölanlagen kommen wird.

Dem entgegen wirken Meldungen zu Saudi-Arabiens Ölexporten über die Straße von Hormus. Diese sollen zuletzt ein 6-Monats-Hoch erreicht haben. So deuten Tankertracking-Daten darauf hin, dass am Sonntag sieben Supertanker im Persischen Golf mit insgesamt etwa 14 Mio. Barrel saudischen Rohöls beladen wurden.

Und während der Markt gespannt ist, ob es am Rande der UN-Generalversammlung zu einem Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem bereits in New York eingetroffenen iranischen Präsidenten Massud Peseschkian kommen wird, dürfte es laut dem Präsidenten der Ukraine auch Gespräche zwischen der ukrainischen Delegation und US-Präsident Trump geben, die die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine maßgeblich beeinflussen könnten.

Die wöchentlichen US-Ölbestandsschätzungen, die das API heute wie üblich um 22:30 Uhr herausgibt, dürften durch die geopolitischen Faktoren erneut in den Hintergrund gedrängt werden. Die offiziellen Bestandsdaten des US-Energieministeriums sind wie gewohnt am Mittwoch um 16:30 Uhr fällig. Aktuell präsentieren sich die Ölfutures an ICE und NYMEX fester. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich derzeit im Vergleich zu gestern noch keine klare Richtung ab.

21. September 2026

Trump schließt Treffen mit iranischem Präsidenten nicht aus

US-Präsident Trump wird sich "möglicherweise" am Rande der UN-Generalversammlung mit dem iranischen Präsidenten Massoud Peseschkian treffen. Dies soll der US-Präsident zumindest in einem Telefonat mit einem Journalisten des US-Senders Fox News angegeben haben. Die Veranstaltung findet diese Woche in New York statt. Bei den Marktteilnehmern an den Ölbörsen weckte die Möglichkeit eines Treffens der beiden Präsidenten zum Wochenstart wieder die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen den beiden Ländern.

Allerdings soll Trump auch mit Drohungen gegen den Iran wieder einmal nicht hinterm Berg gehalten haben. Demnach sagte Trump in dem Telefonat, die Islamische Republik solle besser ein Abkommen mit den USA schließen, oder aber wirtschaftlich verfallen oder ausgelöscht werden. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten ihrerseits damit gedroht, dass jeder neue US-Angriff anhaltende Vergeltungsmaßnahmen gegen Stützpunkte und andere Einrichtungen der USA in der Golfregion zur Folge habe.

Während Brent auf Wochensicht am Freitag etwas günstiger schloss, verzeichnete der US-Rohölkontrakt noch ein geringfügiges Plus und hielt sich damit oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar. Zu Beginn der neuen Handelswoche ist der WTI-Kontrakt mit Verladung im Oktober, der nur noch bis morgen Abend handelbar ist, allerdings bereits deutlich unter diese wichtige Preismarke gerutscht.

Brent und WTI haben in den vergangenen drei Handelstagen durchweg an Boden verloren, nachdem sie am 11. bzw. 15. September noch neue Mehrmonatshochs verzeichnet hatten. Diese Abwärtskorrektur wurde durch mehrere Faktoren begünstigt. So gab es Hoffnungen darauf, dass Saudi-Arabien die infolge eines Drohnenangriffs vorübergehend abgeschaltete Ost-West Pipeline bald wieder zumindest bei 50 %iger Auslastung laufen lassen und somit eine wichtige Alternativroute für die üblicherweise über die Straße von Hormus abgewickelten Rohölexporte wieder nutzen könnte.

Darüber hinaus zeigte der Wochenbericht des US-Energieministeriums (DOE), dass sich die Produktvorräte in den USA in der Woche zum 11. September weiter erholt hatten. Ebenfalls preisdrückend wirkte die Zinsanhebung, die die Federal Reserve vergangene Woche vornahm, zumal die Äußerungen von Fed-Chef Warsh bei der Pressekonferenz zur jüngsten Zinssitzung von den Marktteilnehmern als Hinweis darauf eingestuft wurden, dass vor Ende des Jahres noch eine weitere Anhebung der Leitzinsen folgen könnte.

Zum Wochenstart griffen die Trader an ICE und NYMEX nun auch noch Äußerungen von US-Präsident Trump auf, der in einem Telefonat mit einem Journalisten gesagt haben soll, er werde sich möglicherweise während der UN-Generalversammlung diese Woche mit dem iranischen Präsidenten Massoud Peseschkian treffen. "Es scheint, dass ein gewisser Risikoaufschlag von den Ölpreisen abgezogen wird, in der Hoffnung, dass in dieser Woche ein diplomatischer Weg zur Deeskalation des Krieges zwischen den USA und dem Iran gefunden werden könnte", erklärt der Analyst Tim Waterer von KCM Trade die Auswirkungen dieser Meldung auf die Ölpreise an den Börsen. "Ob sich diese Hoffnung als berechtigt erweist oder nicht, ist eine andere Frage. Die Zeit wird es zeigen", fügt Waterer hinzu.

Davon abgesehen bleibt ebenfalls abzuwarten, wann im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz im Jemen die nächsten wichtigen Energieziele des Königreichs beschädigt werden. Erst am Samstag hieß es seitens der Miliz, man habe erneut "sensible" Ziele in der saudischen Hauptstadt Riad mit Raketen und Drohnen angegriffen. Auch eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Yanbu soll laut den Huthi erneut ins Visier genommen worden sein.

Die Analysten von JP Morgan gehen in einer Mitteilung von vergangenem Freitag allerdings davon aus, dass die Öllieferungen aus der Golfregion trotz der aktuellen Widrigkeiten "weiterhin überraschend stark" seien. Demnach sollen sich die gesamten Ölströme aus der Region in den vorangegangenen 10 Tagen auf durchschnittlich 17,1 Mio. B/T belaufen haben, was der Bank zufolge nur etwa 6,1 Mio. B/T niedriger gewesen wäre als das im Jahr 2025 verzeichnete Durchschnittsniveau. Allein Saudi-Arabien soll über die Straße von Hormus im Schnitt vergangene Woche etwa 2,9 Mio. B/T ausgeführt haben.

18. September 2026

Hormus: Schiff nahe Oman angegriffen

Die Durchfahrt durch die Straße von Hormus bleibt weiterhin mit großem Risiko behaftet. So meldete die britische Behörde UK Maritime Trade Operations (UKMTO) am gestrigen Donnerstag, in der Meerenge sei in der Fahrrinne, die auf omanischer Seite verläuft, ein Schiff angegriffen worden. Der Vorfall soll sich etwa 16 Seemeilen nordöstlich der Stadt Khasab ereignet haben, so die UKMTO, die zudem angab, dass die Besatzung des Schiffs in Sicherheit sei. Um welches Schiff es sich handelte und wer für den Angriff verantwortlich ist, ging aus der Meldung der Behörde nicht hervor.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) gaben gestern an, einen Öltanker in der Straße von Hormus angegriffen zu haben, der versucht hatte, ohne Genehmigung Irans zu durchfahren. "Der unter togoischer Flagge fahrende Tanker Trend versuchte letzte Nacht, die Straße von Hormus illegal zu passieren, nachdem er von der kindermordenden US-Armee dazu angestiftet und getäuscht worden war", hieß es in der Erklärung der IRGC, die auf der Homepage der iranischen Nachrichtenagentur IRNA veröffentlicht wurde. "Er wurde nach Ausbruch eines Feuers gestoppt", führten die Revolutionsgarden in der Erklärung aus. Ob es sich bei Trend um das selbe Schiff handelt wie in der Meldung der UKMTO ist unklar.
Die Marine der Revolutionsgarden warnte gestern ausserdem erneut vor dem Versuch, die Strasse von Hormus ohne Zustimmung Irans zu durchfahren. Die illegale Durchfahrt durch die Strasse von Hormus führt zu nichts anderem als zur Zerstörung des betreffenden Schiffes, so die Marine, die zudem bekräftigte, dass der Iran die Kontrolle über die Meerenge habe.

Trotz der Abwärtskorrektur der letzten beiden Handelstage, ist derzeit noch ungewiss, ob die Rohölpreise an ICE und NYMEX auch auf Wochensicht nachgeben. Aktuell handelt Brent allerdings leicht unterhalb des Settlementniveaus von vergangenem Freitag, wohingegen WTI noch geringfügig teurer ist als Ende letzter Woche.
Das Zünglein an der Waage könnten neue Meldungen zu den geopolitischen Entwicklungen sein, oder aber Neuigkeiten zur Ost-West Pipeline in Saudi-Arabien. Die jüngsten Bemühungen zur Wiederherstellung der saudischen Exportkapazitäten haben die unmittelbaren Versorgungsängste etwas gemildert, kommentiert die Analystin Priyanka Sachdeva von Phillip Nova das Thema. Aus Saudi-Arabien hiess es gestern, die Pipeline könnte durch Behelfsmassnahmen binnen weniger Tage vielleicht schon wieder die Hälfte des ursprünglichen Transportkapazität erreichen.
Und während China mittlerweile versucht, den Iran dazu zu bringen, die Huthi-Miliz zurückzupfeifen, die die saudischen Ölexporte aus dem Westen des Königreichs erschwert, teilte US-Präsident Trump gegenüber dem Nachrichtenportal Axios gestern mit, er stehe vor einer wichtigen Entscheidung darüber, ob er wieder schwerwiegendere Militäroperationen gegen den Iran anordnen werde.
Die islamische Republik greift in der Straße von Hormus weiterhin Schiffe an und verweist dabei meist darauf, dass diese ohne Zustimmung Irans und angestachelt von den USA versucht hätten, die Meerenge zu passieren. Die entscheidende Frage ist, ob sich die physischen Verkehrsströme normalisieren können und wie der Zeitrahmen dafür aussehen könnte. Wenn wir eine nachhaltige Verbesserung des Verkehrsaufkommens in Hormuz feststellen, könnte ein Teil der geopolitischen Aufschläge weiter abgebaut werden, erklärt Priyanka Sachdeva diesbezüglich.
Die Entscheidung Trumps über weitere Militäroperationen dürfte wohl noch etwas auf sich warten lassen, da sich der US-Präsident kommende Woche am Rande der UN-Generalversammlung mit Vertretern der Golfstaaten treffen will und das Thema mit ihnen besprechen dürfte. Laut Analysten von JPMorgan Chase & Co., darunter Natasha Kaneva, sind die Dauer des Iran-Krieges und seine Auswirkungen auf die Lieferströme immer schwerer vorherzusagen. "Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Konflikts haben wir kein Basis-Szenario, sagten sie und fügten hinzu: Wir wissen schlichtweg nicht, wie wir ein Modell für das Endergebnis erstellen sollen, so Kaneva.

17. September 2026

Saudi-Arabien: Ost-West-Pipeline soll schrittweise wieder anlaufen

Nach den jüngsten Drohnenangriffen arbeitet Saudi-Arabien unter Hochdruck daran, den Betrieb seiner zentralen Ost-West-Pipeline wieder herzustellen. Wie es aus Insiderkreisen hieß, soll innerhalb weniger Tage etwa die Hälfte der Kapazität der strategisch wichtigen Transitroute wieder online gehen. Die Pipeline war Ende vergangener Woche nach Attacken vorsorglich abgeschaltet worden.

Offenbar besteht der Plan der Aramco nun darin, einen beschädigten Streckenabschnitt provisorisch zu umgehen, um erste Teilmengen transportieren zu können. Die vollständige Wiederinbetriebnahme der Pipeline wird nach Angaben des Insiders voraussichtlich rund sechs Wochen in Anspruch nehmen. Weder der Staatskonzern noch das saudische Energieministerium äußerten sich bislang offiziell zu dem Vorgang.

Nach Tagen und Wochen der steilen Preisrally scheint sich aktuell tatsächlich eine gewisse Verschnaufpause durchzusetzen. Grund sind Anzeichen dafür, dass die Lieferunterbrechungen im Nahen Osten nachlassen dürften. Zugleich erhöhte die US-Notenbank Federal Reserve gestern nicht nur die Leitzinsen, sondern signalisierte auch weitere Anhebungen bis zum Jahresende.

Saudi-Arabien will offenbar schnell die Hälfte der Kapazität seiner beschädigten Ost-West-Pipeline wiederherstellen. In sechs Wochen soll die Versorgungsader dann wieder vollständig in Betrieb sein. Um Lieferverpflichtungen gegenüber asiatischen Raffinerien zu erfüllen, setzt Riad zudem auf kurzfristige Alternativen: Rohöl wird per Schiff-zu-Schiff-Transfer vor dem omanischen Hafen Sohar umgeladen (16.09.2026 Saudisches Rohöl soll über Oman nach Asien gehen).

„Die Sorgen über die angespannte Versorgungslage haben sich nach der Nachricht, dass Saudi-Arabien Ladungen über Oman verschiffen will, leicht abgeschwächt“, meint deshalb Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment. Sein Branchenkollege Haris Khurshid von Karobaar Capital LP will hingegen noch nicht von einer „vollständigen Entwarnung“ sprechen, da dem Markt weiterhin jeglicher Spielraum für neue Störungen fehle: „Der Markt erhält zwar einen Teil seiner Kapazität zurück, aber nicht seinen Sicherheitspuffer.“

Durch die anhaltenden Exportrückgänge im Nahen Osten, aber auch durch die Ausfälle der russischen Raffineriekapazitäten sind die globalen Ölbestände deutlich geschrumpft. Vor allem bei den Produkten sorgt die anhaltende Knappheit weltweit für steigende Preise. Dies wiederum hat den weltweiten Inflationsdruck verschärft und die US-Notenbank Fed gestern dazu bewegt, die Zinsen anzuheben und eine weitere Straffung der Geldpolitik in Aussicht zu stellen.

Mit dieser unerwartet klaren Ansage hin zu einer strafferen Zinspolitik machte der Dollar gestern einen heftigen Satz nach oben. An den Ölbörsen sorgt der starke Greenback damit ganz unmittelbar für Abwärtsdruck, denn er verteuert die in der US-Währung gehandelten Futures und macht sie damit für Investoren aus anderen Währungsräumen weniger attraktiv. Doch auch längerfristig wirken höhere Zinsen eher preisdämpfend, da sie tendenziell die Wirtschaft und damit die Ölnachfrage belasten.

Unabhängig von der amerikanischen Notenbank hat der US-Kongress gestern endgültig grünes Licht für ein Gesetz gegeben, das Donald Trump neue Befugnisse zur Verhängung von Zöllen gegen Länder einräumt, die russische Erdölprodukte kaufen. Betroffen sein könnten unter anderem China und Indien.

Kiew, dessen Streitkräfte seit Monaten russische Raffinerien mit Drohnen attackieren, begrüßte den Vorstoß aus Washington. In Russland führten die Ausfälle bereits zu weitreichenden Diesel-Exportstopps zur Sicherung des heimischen Bedarfs, während in den USA die Verbraucher-preise für den Kraftstoff neue Rekordstände erreichten.

16. September 2026

Saudi Aramco cancelt erste Öllieferungen nach Europa

Saudi-Arabien hat offenbar seine Öllieferungen nach Europa gekürzt, nachdem Drohnenangriffe die zentrale Exportpipeline des Landes zum Roten Meer beschädigt hatten. Dies teilten heute verschiedene Handels- und Schifffahrtskreise mit. In der Folge suchen europäische Abnehmer wie Polen oder Litauen nach Alternativen, während die Preise für physisches Rohöl weiter steigen.

Laut der Insider teilte die Aramco europäischen Kunden mit, dass einige für September geplante Lieferungen ausfallen könnten. Zudem wurden die Verladungen im Rotmeerhafen Yanbu vorübergehend ausgesetzt. Wie viele Ladungen betroffen sind und wie lange die Unterbrechung andauern wird, blieb zunächst unklar.

Die Geschehnisse rund um den Persischen Golf halten den Ölmarkt weiterhin fest im Griff. Ohne Aussicht auf Entspannung und mit der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus wachsen die Angebotssorgen wieder, zumal auch die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien offline bleibt. Entsprechend hoch ist die Risikoprämie, die an ICE und NYMEX eingepreist wird.

„Die Aussicht auf einen langwierigen Konflikt hatte sich seit Ende Juli abgezeichnet und scheint sich nun zu einer allgemeinen Einschätzung zu entwickeln“, kommentiert Walt Chancellor, Energiestratege bei der Macquarie Group, die aktuellen Marktentwicklung. Entsprechend bleibt die steile Preisrally der letzten Tage und Wochen intakt und hält Brent und WTI deutlich über 100 Dollar.

Für unerwarteten Abwärtsdruck sorgen heute hingegen die US-Bestandsdaten, denn das API hat in seinem Wochenbericht eine überraschend bearishe Einschätzung geliefert. Vor allem die unerwarteten Zuwächse bei den Treibstoffvorräten verschaffen den Preisen dabei eine leichte Verschnaufpause. Regionale Lagerbestände würden allerdings nichts an der grundlegenden Angebotsknappheit auf dem globalen Rohölmarkt ändern, betonten die Analysten von Haitong Futures.

In Libyen wurden unterdessen unabhängig vom Konflikt mit dem Iran die Aktivitäten auf drei Ölfeldern eingestellt, nachdem es bei Protesten zu Sabotageakten kam. Die libysche Ölproduktion sei dadurch jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt und liege weiterhin bei rund 1,4 Mio. B/T, versicherte NOC-Chef Massoud Suleman.

Heute warten die Anleger an ICE und NYMEX nun vor allem auf die Bestandsdaten des DOE, die am Nachmittag auf dem Programm stehen. Sollten sie die starken Aufbauten bestätigen, könnte das den Kursen durchaus einen bearishen Impuls geben und zu einer gewissen Abwärtskorrektur führen. Dieser könnte am Abend auch noch verstärkt werden, sollte die Fed tatsächlich eine Zinsstraffung verkünden und damit den Dollar stützen.

15. September 2026

Washington sanktioniert Russlands VTB Bank

Das US-Finanzministerium verhängte am gestrigen Montag Sanktionen gegen die russische VTB Bank. Washington wirft dem Kreditinstitut vor, dem Iran geholfen zu haben, Sanktionen zu umgehen. Die VTB Bank ist eines der größten Kreditinstitute Russlands.

"Die VTB Bank eröffnete Büros im Iran, knüpfte Bankbeziehungen zu sanktionierten iranischen Finanzinstituten und arbeitete daran, Milliarden von Dollar an iranischen Vermögenswerten zu transferieren", hieß es in einer Erklärung des US-Außenministeriums.

Die Rohölpreise legten am gestrigen Montag erneut zu, wenngleich sie von den Hochs, die sie zum Handelsauftakt verzeichnet hatten, im Tagesverlauf wieder zurückkamen. Auch heute starten die Kontrakte an ICE und NYMEX fester, gestützt durch anhaltende Sorgen vor Ausfällen des Ölangebots aus dem Nahen Osten.

Im Fokus steht aktuell Saudi-Arabien, das seine Ost-West-Pipeline nach Angriffen am Freitag vorübergehend abgeschaltet hatte. Bislang hat das staatliche Ölunternehmen Aramco auch noch keinen Zeitplan zur Wiederinbetriebnahme der Anlage gegeben, die zentraler Bestandteil einer alternativen Exportroute zur blockierten Straße von Hormus ist und über die zuletzt rund 4 Mio. B/T zum Rotmeer-Hafen Yanbu umgeleitet wurde. Über die Ausfallzeit der Pipeline herrscht Uneinigkeit: Während regionale Offizielle laut einem Bericht der Nachrichtenagen-tur Associated Press von mehreren Wochen ausgehen, stellte US-Energieminister Chris Wright eine rasche Wiederaufnahme in Aussicht. "Die Preise dürften bis zur Klärung der Sachlage stabil bleiben", prognostizieren die Analysten von ING in einer Mitteilung.

Und während Riad versucht, Mengen über die Straße von Hormus zu verschiffen, bleibt das Risiko für die Schifffahrt in der Meerenge hoch. So meldeten die Seestreitkräfte der iranischen Revolutionsgarde, dass ein Tanker in der Sperrzone im südlichen Teil der Wasserstraße auf ei-ne Mine getroffen sei, was das Zentralkommando der US-Streitkräfte (CENTCOM) als Falschmeldung zurückwies. Laut CENTCOM habe der Iran den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker El Gaia bereits im August durch den Beschuss mit einem Marschflugkörper manövrierunfähig gemacht und das Schiff nun erneut angegriffen, als es vor der omanischen Küste vor Anker lag. Unterdessen ist unklar, wann die ursprünglich für gestern geplanten Gespräche einiger Golfstaaten mit dem Iran über eine vorläufige Regelung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus stattfinden sollen. Laut dem Iran war das Treffen vor allem wegen Bedenken Saudi-Arabiens verschoben worden.

Davon abgesehen griffen die vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen gestern erneut Ziele in Saudi-Arabien mit Raketen und Drohnen an, so zum Beispiel die Militärbasis Khamis Mushait. Nach Angaben der Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens sollen auch zivile Ziele in Abha und Taif von der Miliz ins Visier genommen worden sein.

Und auch im Konflikt zwischen den USA und dem Iran deutet derzeit wenig auf eine tatsächliche Entspannung hin. Während US-Präsident Donald Trump zwar zuletzt angab, Teheran wolle schnell und unbedingt ein Abkommen herbeiführen, wies der Sekretär des iranischen Sicherheitsrates Mohsen Rezaei Verhandlungen zurück, sollten die USA nicht zuvor die Bedingungen Irans erfüllen. Unterschiedliche Ansichten gibt es offenbar auch im Hinblick auf einen US-Vorschlags zum Stopp von Angriffen auf Energieinfrastrukturen zwischen Russland und der Ukraine. So betonte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass eine Vereinbarung noch nicht finalisiert sei und an US-Garantien für eine echte Beendigung des Krieges durch Moskau geknüpft bleibe.

"Der Rohölmarkt befindet sich im Spannungsfeld zwischen den physikalischen Gegebenheiten, die weiterhin auf ein sinkendes Angebot hindeuten, und der Rhetorik, die eine mögliche Deeskalation nahelegt“, schildert Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei CIBC Private Wealth Group, die aktuelle Situation an den Ölmärkten und fügt hinzu: "Letztendlich wird der Markt den Fördermengen und der Infrastruktur mehr Gewicht beimessen als der Rhetorik."

14. September 2026

Saudi-Arabien nimmt Ost-West Pipeline nach Angriff außer Betrieb

Bereits am späten Freitagnachmittag berichteten wir von Anzeichen für einen Brand an der wichtigen saudischen Ost-West Pipeline (11.09.2026 Anzeichen für Brand an wichtiger saudischer Pipeline). Wenig später gab das saudische Energieministerium über die Kommunikationsplattform X bekannt, die Pipeline sei angegriffen worden, wobei es auch zu Verletzten gekommen sei. Im Rahmen einer Vorsichtsmaßnahme habe man die Pipeline vorübergehend abgeschaltet, so das Ministerium.

Die Anlage war zuletzt eine wichtige Alternative für den Export des Rohöls, das an den Ölfeldern im Osten des Landes gefördert wird und vor Beginn des Iran-Kriegs über die Straße von Hormus exportiert wurde. Ein Großteil dieses Öls war seit einigen Monaten über die Pipeline an den westsaudischen Hafen Yanbu am Roten Meer geliefert und von dort aus verschifft worden. Im Juli hatten die Huthi-Rebellen aus dem Jemen dann allerdings mit ihrer Seeblockade Saudi-Arabiens auch noch die Exporte über diese Route erschwert.

Die Rohölpreise setzen ihren Aufwärtstrend zu Wochenbeginn fort, nachdem sie am Freitag auf Wochensicht mit einem Plus von über 8 Dollar pro Barrel schlossen und dem US-Rohölkontrakt WTI am Freitag erstmals seit Ende Mai wieder ein Settlement oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar pro Barrel gelang.

Auslöser des jüngsten Preisanstiegs sind erneute Sorgen bezüglich einer knappen Versorgungslage, die durch die vorsorgliche Außerbetriebnahme der saudischen Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen auf die Anlage aufkamen. Die Pipeline, die über eine Kapazität von rund 7 Mio. Barrel pro Tag verfügt und zur Umgehung der Straße von Hormus dient, könnte das weltweite Rohölangebot durch ihren Ausfall um bis zu 4 % sinken lassen. Konkrete Angaben zum Ausmaß des Schadens an der Anlage oder zum geplanten Termin der Wiederinbetriebnahme liegen bislang nicht vor.

Laut Analyst Gregory Brew von der Eurasia Group sind die Angriffe auf die Pipeline, die von irakischem Territorium ausgingen, "ein ziemlich deutlicher Beweis dafür, dass sowohl der Iran als auch seine Verbündeten die Fähigkeit und den Willen haben, regionale Energieinfrastruktur anzugreifen, und dass diese Infrastruktur anfällig für Angriffe mit ballistischen Raketen oder Drohnen ist". Derweil erklärt seine Branchenkollegin June Goh von Sparta Commodities SA: "Es hängt alles davon ab, wie lange [der Ausfall der Pipeline] dauert".

Sie verweist dabei auf die Lagerbestände am Exportterminal Yanbu, im Westen Saudi-Arabiens, die die üblichen Exportmengen etwa fünf bis sieben Tage abdecken könnten, was jedoch den kurzfristigen Spielraum begrenzt. Während ein rascher Wiederanlauf der Pipeline den Schaden eindämmen könnte, drohen bei längerer Stilllegung Produktionskürzungen sowie massive Verwerfungen, die laut DBS Bank Ltd. einen Test der Marke von 120 US-Dollar pro Barrel nach sich ziehen könnten.

Verschärft wird die Lage durch eine Zuspitzung der Sicherheitslage an zentralen Transportrouten. Nach Angriffen auf saudische Ziele in den Provinzen Dschaizan und einer benachbarten Militärbasis meldete die britische Behörde UKMTO den Beschuss eines Schiffes in der Straße von Hormus samt Evakuierung der Besatzung. Der Iran berichtete unterdessen von einem Angriff auf ein iranisches Handelsschiff vor der Küste der Islamischen Republik, bei dem ein Mensch getötet worden sein soll. Gleichzeitig verstärkt die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz durch ihren Vormarsch entlang der jemenitischen Küste und das Erreichen der strategisch wichtigen Insel Perim ihren Zugriff auf die Meerenge Bab el-Mandeb, über die zuletzt 4 % bis 5 % des weltweiten Angebots liefen.

Auf eine diplomatischer Lösung der Konflikte deutet derzeit nichts hin. Ein für den heutigen Montag in Oman geplantes Treffen zwischen Golfstaaten und dem Iran zur Einrichtung einer provisorischen Fahrrinne durch die Straße von Hormus wurde verschoben, nachdem einige der Golfstaaten Vorbehalte anmeldeten. Friedensgespräche über den vor sechs Monaten von den USA und Israel begonnenen Konflikt finden seit dem Scheitern einer Übergangsvereinbarung im Juni nicht statt.

Im Zusammenspiel mit einer Belebung der Nachfrage durch China haben die geopolitischen Störungen Rohöl seit Jahresbeginn um mehr als drei Viertel verteuert und einen weltweiten Inflationsschub bei Energie ausgelöst, der die US-Notenbank Federal Reserve nach jüngsten US-Preisdaten voraussichtlich zu einer Zinserhöhung in dieser Woche veranlassen wird. Die nächste geldpolitische Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) steht am Dienstag und Mittwoch auf der Agenda.

10. September 2026

Iran bereit für Eskalation des Krieges

Teheran ist nach Angaben eines ranghohen Vertreters der Islamischen Republik auf eine weitere Eskalation des Krieges vorbereitet. Sollte die USA ihre Angriffe auf iranisches Staatsgebiet und die Infrastruktur des Landes fortsetzen, werde Iran seine Gegenangriffe verstärken, sagte der Regierungsvertreter. Man habe nicht die Absicht, angesichts der US-Seeblockade und der Angriffe auf iranische Öltanker nachzugeben.

Mit diesen Kommentaren schwindet wohl auch die letzte Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung oder Entspannung im Konflikt am Persischen Golf. US-Präsident Trump spielte unterdessen die Sorgen über steigende Ölpreise und die Dauer des Krieges herunter. Er stellte Iran weiterhin als militärisch geschwächt dar. Der Krieg werde „unmittelbar nach den [Midterm] Wahlen enden“ weil der Iran „nicht länger durchhalten“ könne, so Trump.

Die Lage am Persischen Golf hat sich zuletzt so stark verschärft, dass Brent gestern erstmals seit Juli wieder über 100 Dollar gestiegen ist. Eine Deeskalation ist nicht in Sicht – ganz im Gegenteil. Der Iran scheint auf eine Verschärfung des Krieges vorbereitet zu sein und auch in Washington scheint man sich der Möglichkeit eines längerfristigen Konfliktes zumindest bewusst.

Donald Trump selbst behauptete gestern zwar noch, der Krieg werden – passenderweise – genau nach den Zwischenwahlen im November zu Ende gehen. Doch hinter verschlossenen Türen habe man mit Trump offenbar die die Möglichkeit gesprochen, dass sich der Krieg mit dem Iran über den Rest seiner Amtszeit hinziehen könnte. Dies berichtet zumindest das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Beamte.

Klar ist, dass die erneute Militäreskalation in der vergangenen Woche eine Phase relativer Ruhe beendet und die Preise für Öl und Erdgas nach oben getrieben hat. Am Markt stellt man sich deshalb zunehmend auf größere Lieferausfälle ein. „Die gegenseitigen Angriffe deuten darauf hin, dass die Ölströme aus dem Persischen Golf auf absehbare Zeit beeinträchtigt bleiben dürften“, kommentiert ANZ-Analyst Daniel Hynes in einer Kundenmitteilung.

Etwas entspannter sieht Warren Patterson von der ING die Lage. „Steigende Ölpreise werden vor allem mit Blick auf die Zwischenwahlen ein Problem sein“, so der Analyst. Für einen deutlichen weiteren Preisanstieg müsse die jüngste Eskalation jedoch zu erneuten Beeinträchtigungen der Ölströme durch die Straße von Hormus führen.

Die Unsicherheit über die tatsächlich durch Hormus transportierten Mengen sowie andauernde Störungen der Schifffahrt halten die physischen Ölmärkte knapp und stützen eine geopolitische Risikoprämie in den Preisen, meint in diesem Zusammenhang OCBC-Analyst Christopher Wong.

US-Energieminister Chris Wright schätzte zuletzt gegenüber Bloomberg vergleichsweise optimistisch, dass derzeit knapp 11 Mio. Barrel Rohöl und Ölprodukte täglich durch die Meerenge transportiert werden. Beim Energieforschungsunternehmen Rystad Energy war man zuletzt von etwa 4 bis 6 Mio. B/T an Ölflüssen durch die Meerenge ausgegangen.

Am Ölmarkt wartet man nun heute nicht nur auf die DOE-Bestandsdaten, die wegen der Feiertagsverschiebung erst am Abend um 18:00 Uhr veröffentlicht werden, sondern auch auf den OPEC Monatsbericht. Dieser dürfte vor allem wegen der Prognosen zur Angebotsentwicklung von Interesse sein. Der EIA-Monatsbericht hatte gestern Abend eine klare Sprache gesprochen und nicht nur einen massiven Rückgang der globalen Ölbestände gemeldet, sondern auch einen deutlichen Anstieg der Preisprognosen für dieses und nächstes Jahr.

9. September 2026

USA versenken fünf iranische Tanker

US-Streitkräfte haben am Dienstag fünf iranische Tanker mit Rohöl zerstört und damit die militärischen Zusammenstöße in der Golfregion weiter eskaliert. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) habe man damit auf zwei erfolglose Versuche des Iran rea-giert, ein Kriegsschiff der US-Marine zu versenken.

Die zerstörten iranischen Schiffe gehörten nach Angaben von CENTCOM den Islamischen Revolutionsgarden. Die US-Streitkräfte hätten die Besatzungen aufgefordert, die Schiffe zu verlassen, bevor die Tanker „außer Gefecht gesetzt“ worden seien, hieß es in einer Mitteilung. Bereits am Samstag hatten die USA drei Rohöltanker zerstört. Zuvor hatte Iran erfolglos versucht, einen US-Flugzeugträger und einen Lenkwaffenzerstörer anzugreifen.

Am Persischen Golf eskaliert die Lage weiter, womit die Angst vor einer Verschärfung der ohnehin prekären Angebotssituation wieder größer wird. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des seit sechs Monaten andauernden Krieges schwindet, während Brent mit Siebenmeilenstiefeln auf die 100 Dollar zusteuert.

Gestern hatten US-Streitkräfte mehrere iranische Öltanker angegriffen, während Iran einen US-Stützpunkt in Jordanien ins Visier nahm. Die Angriffe folgten auf neuerliche Attacken der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Energieanlagen im Süden Saudi-Arabiens (08.09.2026 Saudi Arabien meldet Angriffe der Huthi auf Energieanlagen). Mehrere Anlagen mussten daraufhin ihren Betrieb einstellen.

In der vergangenen Woche waren die Kampfhandlungen im Nahen Osten wieder deutlich aufgeflammt und beendeten eine Phase relativer Ruhe. Die Ölpreise gerieten zunehmend unter Aufwärtsdruck. „Die Angriffe Irans auf Energieanlagen in Saudi-Arabien und die anschließende Zerstörung von fünf iranischen Tankern haben die Sorgen vor einer erneuten, länger anhaltenden Unterbrechung der Ölversorgung verstärkt“, kommentieren die Analysten der OCBC in einer Analyse.

Brent hat sich seit Jahresbeginn um mehr als 60% verteuert und nähert sich damit erstmals seit Ende Juli wieder der Marke von 100 Dollar. Auch die europäischen Erdgaspreise legten nach den US-Angriffen zum vierten Mal in Folge zu. Raffinerieprodukte wie Diesel haben sich in diesem Jahr sogar noch stärker verteuert.

Der Konflikt im Nahen Osten hat sich inzwischen bis zum Roten Meer vor der Küste Saudi-Arabiens ausgeweitet und kommt zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine hinzu. „Die jüngsten Entwicklungen bestärken lediglich unsere Einschätzung, dass wir von einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche noch ein gutes Stück entfernt sind“, meint man bei der ING. „Bis dahin dürfte der Markt weiterhin eine erhebliche Risikoprämie einpreisen.“

„Der Weg des geringsten Widerstands führt derzeit weiter nach oben – stetig und kräftig, während der Krieg in seinen siebten Monat geht“, fürchtet auch Marktexperte Darrell Fletcher von Bannockburn Capital Markets. „Das fundamentale Bild für Mineralölprodukte bleibt bullish, da die weltweiten Lagerbestände und Reserven weiter schrumpfen. Dem üblichen Muster folgend setzen die USA und Iran ihre gegenseitigen Angriffe und Drohungen fort.“

Vor dem Iran-Krieg passierte täglich rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und LNGs die Straße von Hormus. Noch immer wird ein Teil der in der Region geförderten Rohölmengen durch die schmale Wasserstraße exportiert, häufig von Tankern, die ihre Transponder abgeschaltet haben. Das Risiko ist jedoch enorm hoch und die Exportmengen, die Schätzungen zu-folge aktuell zwischen 4 und 6 Mio. B/T liegen, bleiben weit hinter dem Vorkriegsvolumen von über 21 Mio. B/T zurück.

Die Marktteilnehmer warten heute nun noch auf zwei wichtige Datenveröffentlichungen. Zum einen gibt das API seine wöchentlichen Bestandsschätzungen wegen des US-Feiertages am Montag erst heute heraus und nicht wie üblich am Dienstag. Der Datensatz gilt als Stimmungsbarometer für den offiziellen Bestandsbericht des DOE, der ebenfalls mit einem Tag Verspätung am Donnerstagabend erscheint.

Zum anderen gibt heute Abend die EIA den Startschuss für die neue Berichtssaison, bevor dann morgen die OPEC und am Freitag noch die IEA mit ihren jeweiligen Prognosen und Datenerhebungen folgen. Alle drei Monatsreports dürften von den Marktteilnehmern vor allem in Sachen Angebotsschätzungen abgeklopft werden, allerdings wird es auch den drei großen Ölmarktinstitutionen schwer fallen, im Lichte der anhaltenden Unsicherheiten im Nahen Osten und in Russland belastbare Schätzungen abzugeben.

8. September 2026

Chinas Rohölimporte im August gestiegen

Die chinesischen Zollbehörden gaben am frühen Dienstagmorgen Daten zum Außenhandel Chinas für August heraus. Diese zeigen, dass die Volksrepublik im vergangenen Monat etwa 37,93 Mio. Tonnen Rohöl importierte. Im Vergleich zum Vormonatsniveau entspricht dies einem Anstieg um rund +6,2 %. Obwohl sich Chinas Rohölimporte damit weiter von dem im Juni verzeichneten Langzeittief von 29,27 Mio. Tonnen weiter erholten, waren sie verglichen mit den 49,49 Mio. Tonnen, die das Land im August 2025 eingeführt hatte, allerdings noch um -23,4 % niedriger.
Der auf Monatssicht verzeichnete Anstieg rührte einerseits daher, dass das Rohölangebot aus den Ländern in der Golfregion wieder etwas zugenommen hatte, andererseits aber auch daher, dass die Raffineriebetreiber auf andere Lieferanten zurückgriffen. Dazu gehören beispielsweise Russland und einige Förderstaaten auf dem afrikanischen Kontinent.

Am heutigen Dienstag dürften viele Marktteilnehmer gespannt sein, wie sich die Ölpreise an ICE und NYMEX entwickeln, wenn die US-Trader am Nachmittag aus dem verlängerten Wochenende zurückkehren. Wegen des landesweiten Feiertags Labor Day schloss der Handel an den elektronischen Börsen ICE und NYMEX gestern bereits früher als üblich und das Handelsvolumen war geringer.
Aus der Vogelperspektive betrachtet hat sich über das verlängerte Wochenende nicht viel verändert: Die Ukraine nimmt bei ihren Drohnenangriffen weiterhin fast täglich Anlagen der russischen Energieinfrastruktur ins Visier, um Moskau die Finanzierung seines Angriffskriegs zu erschweren; die Marktteilnehmer rechnen wieder verstärkt mit einer Fed-Zinserhöhung im September und außerdem mit einem langwierigeren Konflikt zwischen den USA und dem Iran.
"Wir haben seit Ende Februar so viele Wendungen erlebt, und jedes Mal, wenn wir dachten, wir kämen voran, wurde alles wieder zunichtegemacht", beschreibt Chris Weston, Forschungsleiter bei der Pepperstone Group Ltd, die Entwicklungen im Bezug auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der wie eine Dauerschleife wirkt, und fügt hinzu: "Wir sind fast wieder ganz am Anfang".
Mit dem erneuten Angriff der Huthi-Miliz auf die Raffinerie im saudischen Dschaizan kamen gestern auch wieder neue Nachrichten aus der Region am Roten Meer, wo die Miliz ihre Seeblockade des OPEC-Schwergewichts immer noch fortsetzt.
Leicht stützend für die Rohölpreise sind auch die August-Daten zu Chinas Rohölimporten, die heute Morgen von den chinesischen Zollbehörden veröffentlicht wurden. Den höheren Rohölimporten stehen allerdings auch die gestiegenen Produktexporte der Volksrepublik gegenüber, auch wenn diese angesichts der zuletzt stark angespannten Versorgungslage am Produktmarkt nur leicht bearish wirken.

7. September 2026

Iran und USA liefern sich Schlagabtausch in und um Straße von Hormus

Die US-Streitkräfte griffen am Samstag drei iranische Rohöltanker an, so das Zentralkommande (CENTCOM) in einer noch am selben Tag veröffentlichten Mitteilung. Der Angriff sei eine Reaktion auf Marschkörper gewesen, die die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) zuvor auf zwei Kriegsschiffe der US-Marine abgeschossen hätten. Die Schiffe der US-Marine waren demnach auf Patrouille gewesen.

Bei den getroffenen iranischen Tankern soll es sich um die Downy gehandelt haben, die sich vor der Küste der Insel Kharg befand, sowie die Stark 1 nahe Jask. Im Golf von Oman sei außerdem der unbeladenen Rohöltanker Kylo "an mehreren kritischen Stellen" getroffen und manövrierunfähig gemacht worden.

Die Rohölpreise an ICE und NYMEX zogen in der vergangenen Woche wieder deutlich an. Brent und WTI waren zum Settlement am Freitag rund 7 bzw. 8 Dollar pro Barrel teurer als noch eine Woche zuvor und notierten damit wieder oberhalb von 95 bzw. 90 Dollar pro Barrel. Hauptgrund dafür waren die wieder zunehmenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran, die auch am Wochenende weitergingen.

Am Wochenende griffen die Streitkräfte der beiden Länder mehrere Schiffe des jeweils anderen im Persischen Golf bzw. in der Straße von Hormus an, was die Marktteilnehmer dazu veranlasst, den geopolitische Risikoaufschlag zu erhöhen, den sie zuletzt eingepreist hatten. "Bei einem preistreibenden Szenario, in dem sich die Angriffe auf die Schifffahrt ausweiten und verschärfen, sehen wir Potenzial für einen Brent-Preis von 120 US-Dollar", so der Rohstoffmarkt-Experte Dan Struyven von der Investmentbank Goldman Sachs in einem Interview mit Bloomberg TV, in dem er hinzufügt: "Die Ereignisse der letzten Tage deuten darauf hin, dass das Risiko einer Ausweitung und Verschärfung der Schifffahrtsstörungen erheblich ist."

Auch die Analysten der ANZ Bank halten einen länger andauernden Konflikt mit gezielten Militäraktionen beider Seiten für sehr wahrscheinlich. Sollte es tatsächlich so kommen, gehen sie davon aus, "dass die Exporte bis zum Ende des Jahres 2026 weiterhin eingeschränkt bleiben werden, bevor es Ende des vierten Quartals 2026 zu einer allmählichen Wiederöffnung kommt". Das Vorkriegsniveau dürften die Ölexporte aus der Region laut ANZ dann erst gegen Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals 2027 wieder erreichen.

Wie die drei wichtigsten Institutionen am Ölmarkt - EIA, OPEC und IEA - die aktuelle Lage sowie die weitere Entwicklung am Ölmarkt derzeit einschätzen, wird sich im Verlauf der Woche zeigen, wenn sie ihre jeweiligen Monatsberichte veröffentlichen. Der Bericht der EIA steht in dieser Woche, anders als üblich, erst am Mittwochabend zur Veröffentlichung aus, da in den USA heute ein Feiertag ist (Labor Day). OPEC und IEA geben ihre Monatsberichte am Donnerstagnachmittag bzw. am Freitagvormittag heraus.

Der heutige Feiertag in den USA führt in dieser Woche auch bei den US-Ölbestandsdaten zu einer Verschiebung der Veröffentlichungen. So sind die Bestandsschätzungen des API am Mittwoch um 22:30 Uhr fällig (Donnerstagfrüh auf unseren Seiten verfügbar), bevor der offizielle Wochenbericht des DOE am Donnerstag um 18:00 Uhr erscheinen wird.

4. September 2026

Iran weitet Sanktionsliste für Öltanker aus

Während die Kampfhandlungen zwischen USA und Iran immer weiter eskalieren, verschärft der Iran zudem auch die Kontrolle über die Strasse von Hormus und hat nun weitere Schiffe auf seine schwarze Liste gesetzt. Ihnen drohen Geldstrafen, Beschlagnahmung oder Festsetzung, sollten sie versuchen, die Strasse von Hormus zu passieren.
Schon Ende August hatte Teheran mitgeteilt, 45 Tanker auf eine schwarze Liste gesetzt zu haben, die gegen die iranischen Regeln für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus verstossen hätten. Zudem kündigte der Iran Massnahmen gegen Schiffe an, die Ladungen umladen. Damit unterstreicht das Land seinen Anspruch auf Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstrasse, durch die vor Kriegsausbruch täglich etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs transportiert wurden.
Insidern aus der Schifffahrtsbranche zufolge wurde diese Liste nun noch einmal erweitert. In einer Aktualisierung auf der Website der Persian Gulf Strait Authority (PGSA), einer von Iran zur Verwaltung der Meerenge eingerichteten Behörde, wurden offenbar elf weitere Schiffe aufgenommen. Damit umfasst die schwarze Liste nun insgesamt 56 Schiffe, darunter mehrere Very Large Crude Carriers (VLCC), die grösste Klasse an Öltankern, aber auch Tanker für den Transport von Gas und Mineralölprodukten.
Jedes Schiff, das mit gelisteten Schiffen zusammenarbeitet etwa durch Umladungen von Öl von Schiff zu Schiff (STS) oder andere Formen des Umschlags wird ebenfalls auf die Liste gesetzt, teilte die PGSA auf ihrer Website mit. Um von der Liste gestrichen zu werden, müssten Schiffe einen förmlichen Antrag mit einer entsprechenden Begründung einreichen.

Die Ölpreise steuern angesichts der erneuten Angriffswellen zwischen den USA und Iran auf den stärksten Wochenanstieg seit Juli zu. Die jüngste Eskalation hat die Sorgen über die Exportströme durch die Strasse von Hormus erneut verstärkt. Brent handelt in der Nähe von 96 Dollar und liegt auf Wochensicht mehr als 7 % im Plus. WTI notiert bei rund 92 Dollar.
Der Iran setzt seine Angriffe auf Schiffe fort, die die Strasse von Hormus passieren, und feuerte zuletzt auch Raketen auf Jordanien, Kuwait und Bahrain. Die US Angriffe in dieser Woche, bei denen mehrere Menschen getötet und verletzt wurden, darunter auch iranische Zivilisten, waren die heftigsten seit Juli. Dennoch handelt es sich laut US Vizepräsident JD Vance nicht um einen Krieg, da die amerikanische Militärkampagne bereits vor Wochen beendet worden sei.
Das Reframing des US-Politikers ändert aber nichts daran, dass die Kampfhandlungen im Persischen Golf nicht abreissen, zumal zuletzt auch Israel wieder damit drohte, sich in den Konflikt einzumischen, sollte Teheran Israel bedrohen (03.09.2026 Israels Verteidigungsminister befürchtet verzweifelte Massnahmen Irans. Ein iranischer Angriff würde Israel demnach von bestehenden Beschränkungen entbinden. Damit wächst die Gefahr einer weiteren Eskalationsrunde.
Die Ölmärkte preisen ihre Verwundbarkeit neu ein, fasst Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalyse beim Finanzdienstleister Phillip Nova, die Lage am Ölmarkt zusammen. Der Risikoaufschlag kann nur begrenzt zurückgehen, solange das grundlegende Sicherheitsproblem ungelöst bleibt.
Die Analystin spielt damit vor allem auf die Exportströme durch die Strasse von Hormus an, die sich zuletzt wieder etwas erholt hatten. Die USA hatten zuletzt betont, dass die Ausfuhren durch die wichtige Meerenge trotz der zunehmenden Kampfhandlungen robust seien. Ob dies jedoch so bleibt, muss sich weisen.
Gelassen zeigt sich allerdings Saudi Arabien, das gestern Abend seine neuen Verkaufspreise für Oktober veröffentlicht hat. Hier hat die staatliche Aramco ausschliesslich für die USA einen Preisaufschlag bei allen Sorten verhängt. Für europäische und asiatische Kunden blieben die Preise bei fast allen Sorten unverändert, ausschliesslich schweres Öl nach Asien wurde mit einem leichten Aufschlag versehen. Am Markt wird dies dahingehend interpretiert, dass Riad nicht mit einer erneuten Anspannung am Rohölmarkt rechnet.
Insgesamt bleibt die fundamentale Ausgangslage aber erst einmal weiter leicht bullish, da die Gefahr eines umfassenden Kriegsausbruchs, der auch andere Länder am Persischen Golf und in der Region betreffen könnte, alles andere als gesunken ist. Dennoch erholen sich die Ölfutures aktuell erst einmal wieder von der steilen Preisrally der letzten Tage, so dass sich bei den Inlandspreisen auch heute wieder Abwärtspotenzial ergibt.

3. September 2026

OPEC+ Meeting: Förderpläne im Oktober wohl unverändert

Inmitten der anhaltenden Krise am Persischen Golf machen sich die OPEC+ Staaten bereit für ihr nächstes Monatsmeeting am Sonntag - zumindest die sieben, die sich in den letzten Jahren an freiwilligen Förderkürzungen beteiligt hatten. Aus dem Umfeld der OPEC+ hieß es, dass das Bündnis seine Förderpolitik für Oktober unverändert belassen dürfte.

Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Algerien, Kasachstan und Oman (und bis zum Austritt im Mai auch die Vereinigten Arabischen Emirate) hatten sich in den vergangenen Jahren an freiwilligen Förderkürzungen beteiligt, diese in den vergangenen Monaten aber sukzessive wieder abgebaut. Die September-Tranche von 188.000 B/T war offiziell die letzte der ursprünglich 1,65 Mio. B/T an Zusatzkürzungen, so dass OPEC-Insider für Oktober nicht mehr mit einer weiteren Anpassung der aktuellen Förderquoten rechnen.

Die Preisrally an ICE und NYMEX legt aktuell eine Verschnaufpause ein und die Ölpreise stabilisieren sich auf hohem Niveau. Ein Ende der Krise im Persischen Golf ist aber weiterhin nicht in Sicht, auch wenn US-Präsident Trump einmal mehr versicherte, die erneuten Angriffe auf Iran würden nur von kurzer Dauer sein.

Auf die Frage, wie lange die US-Bombardements andauern könnten, sagte Trump: „Ich glaube nicht, dass es allzu lange dauern wird.“ Er fügte jedoch auch an, dass die USA darauf vorbereitet seien, „noch einmal zuzuschlagen.“ Die jüngsten Angriffe waren der schwerste Schlagabtausch zwischen den USA und Iran seit Juli. Der Krieg geht inzwischen in seinen siebten Monat.

Aktuell sieht es jedoch wieder nach einer gewissen Beruhigung aus, meint zumindest IG-Analyst Tony Sycamore zu erkennen. Seit Mittwochmittag habe es keinen bestätigten weiteren Schusswechsel gegeben, so der Experte. „Wenn diese Entspannung anhält – und das ist ein großes Wenn –, dürfte es nicht lange dauern, bis die Ölmengen, die über sogenannte Dark Ships und Ship-to-ship-Transfers die Straße von Hormus verlassen, wieder das Niveau vom Ende der vergangenen Woche erreichen“.

Zuletzt hatte es danach ausgesehen, als wären die Durchfahrten durch die Meerenge wieder deutlich rückläufig (02.09.2026 Straße von Hormus: Tankerverkehr nach neuer Eskalation wieder rückläufig), doch aus den USA kommt die Versicherung, dass der Tankerverkehr robust sei. Laut Energieminister Chris Wright hätten am Montag 17 Mio. Barrel Öl die Meerenge passiert. Im Schnitt seien es rund 8 Mio. B/T. Nach Angaben von CNN, das sich auf zwei Regierungsvertreter berief, eskortierte das US-Militär am Dienstag zudem 40 Schiffe durch die Meerenge. Sie transportierten insgesamt 18 Mio. Barrel Öl.

Die Marktteilnehmer machen sich unterdessen weiter Gedanken, ob eine Lösung des Konfliktes überhaupt noch möglich ist. Dennis Kissler von BOK Financial Securities zeigt sich optimistisch: „Die jüngste Eskalation dürfte den Markt zwar weiterhin stützen, allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass sowohl die USA als auch Iran nach einem Ausweg aus der Situation suchen“. Der Analyst ist überzeugt, dass eine Rückkehr an den Verhandlungstisch möglich ist und weiter Friedensgespräche die Preise dann auch schnell wieder drücken dürften.

Bislang haben jedoch weder die USA noch Iran Bereitschaft gezeigt, wieder ernsthaft miteinander zu verhandeln. Ein im Juni vereinbartes vorläufiges Friedensabkommen war nur wenig später wieder gescheitert. Die Rohölpreise liegen damit aktuell fast 60 % höher als vor Kriegsbeginn. Raffinerieprodukte wie Diesel haben angesichts des Konflikts im Nahen Osten und des Krieges zwischen Russland und der Ukraine sogar noch deutlich stärker zugelegt.

bottom of page