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NEWS

WAS ZÄHLT – IM BLICK.

13. Mai 2026

EIA: Akute Knappheit in 2026, Angebotsüberschuss in 2027

Wie erwartet hat die EIA in ihrem aktuellen Monatsbericht für das laufenden Jahr klar bullishe Prognosen getroffen und reagiert damit auf die neuen Marktvoraussetzungen, die durch den Krieg am Persischen Golf geschaffen wurden. Doch für 2027 bleiben die Aussichten laut EIA überwiegend bearish.

Das US-Energieministerium hat die globale Ölproduktion für April um -2,67 Mio. B/T zum Vormonat angepasst, so dass diese nun noch 101,60 Mio. B/T beträgt. Für die Ölversorgung weltweit ergibt sich damit im laufenden Jahr ein Defizit von -2,55 Mio. B/T, eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vormonat (-0,29 Mio. B/T). Doch wie schon im letzten Monatsbericht, geht die EIA weiterhin davon aus, dass sich die Angebotslage bis 2027 wieder deutlich entspannen wird.

Das Auf und Ab an den Ölbörsen setzt sich fort. Wo gestern noch die Aussicht auf einen möglichen neuerlichen Kriegsausbruch für Preisanstiege gesorgt hatte, geben die Kurse zur Wochenmitte wieder etwas nach, obwohl sich an der Lage im Persischen Golf kaum etwas geändert hat. Stattdessen richten die Marktteilnehmer ihren Blick auf ein hochrangiges Gipfeltreffen in China zwischen US-Präsident Donald Trump und Staatspräsident Xi Jinping.

Am Markt erhofft man sich, dass Peking eine Art Vermittlerrolle einnehmen könnte. Donald Trump erteilte dieser Hoffnung allerdings indirekt eine Absage. Der Krieg mit Iran werde bei den Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping in Peking in dieser Woche voraussichtlich keine zentrale Rolle spielen, erklärte US-Präsident vor Journalisten. Im Mittelpunkt stünden vielmehr Handelsfragen. Zugleich betonte Trump: „Wir haben Iran weitgehend unter Kontrolle.“

Inwieweit man dem US-Präsidenten in dieser Einschätzung glauben kann, bleibt fraglich. Klar ist, dass auch die USA mehr und mehr unter den Angebotsausfällen im Nahen Osten und den daraus resultierenden hohen Energiepreisen leiden. Der innenpolitische Druck auf die Regierung in Washington wächst damit ebenfalls, zumal die Benzinpreise in den USA so hoch sind wie seit Corona nicht mehr.

Aktuelle US-Konjunkturdaten vom Dienstag haben zudem gezeigt, dass der Krieg den Inflationsdruck auch in den USA erneut anheizt. Die Verbraucherpreise stiegen im April den zweiten Monat in Folge deutlich an und verzeichneten damit den stärksten jährlichen Inflationsanstieg seit fast drei Jahren. Dies verstärkt die Erwartung am Markt, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen vorerst unverändert lassen wird. Dies könnte über kurz oder lang Auswirkungen auf die Ölnachfrage haben.

Insgesamt bleibt die Entwicklung im Nahen Osten auch weiterhin das zentrale Thema am Öl-markt. „Die Angst vor Versorgungsengpässen und die Unsicherheit im Nahen Osten stützen die Ölpreise weiterhin deutlich, auch wenn die Marktteilnehmer sich schwer tun, eine klare Richtung zu finden“, meint Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Der Markt reagiert weiterhin sehr empfindlich auf jede neue Meldung aus der Region, was bedeutet, dass starke Schwankungen wahrscheinlich bestehen bleiben“, ist sich die Analystin sicher.

Kurzfristig dürften die Anleger heute unter anderem auf die ausstehenden Monatsberichte von OPEC und IEA warten, die im Tagesverlauf veröffentlicht werden. Der EIA-Monatsbericht hatte gestern wenig Überraschendes bereit gehalten. Wie erwartet, hat das US-Energieministerium die Angebotsprognosen für das laufende Jahr erneut stark nach unten korrigiert, sieht aber für 2027 schon wieder ein signifikantes Überangebot am Markt. Langfristig fällt der EIA-Bericht damit eher bearish aus.

Kurz- und mittelfristig bleibt die fundamentale Lage allerdings erst einmal bullish, so lange keine echte Annäherung zwischen den USA und dem Iran spürbar ist und die Exporte aus dem Nahen Osten unterbrochen bleiben. Bei den Inlandspreisen ergeben sich rein rechnerisch dennoch nur geringfügige Veränderungen zu Dienstagmorgen.

12. Mai 2026

Trump stellt Waffenruhe in Frage

Laut US-Präsident Donald Trump hängt die seit nunmehr fast fünf Wochen anhaltende Waffenruhe mit dem Iran am sprichwörtlich seidenen Faden. Wortwörtlich sagte Trump, die Feuerpause liege „auf der Intensivstation“ und nannte als Grund für diese Einschätzung den jüngsten Verhandlungsvorschlag aus Teheran, den der Präsident als „einen Haufen Müll“ bezeichnete. Nach diplomatischer Annäherung klingt das nicht gerade.

Der Iran hatte als Antwort auf Washingtons letzten Vorschlag unter anderem Reparationen für die entstandenen Kriegsschäden gefordert. Außerdem enthält das iranische Verhandlungspapier laut Staatsmedien die Forderung nach der vollen Kontrolle über die Straße von Hormus sowie ein Ende der Sanktionen und die Freigabe beschlagnahmter iranischer Vermögenswerte.

Donald Trump hat die Lage am Persischen Golf weiter eskaliert und ein Ende der Waffenruhe in Spiel gebracht. Die Ölpreise bleiben damit gestützt, auch wenn starke Kurssprünge, wie sie zu Anfang des Konfliktes noch wahrscheinlich gewesen wären, inzwischen ausbleiben. Inzwischen scheint ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt zu haben, während die Marktteilnehmer sich auf eine dauerhafte Unterbrechung der Exportströme einstellen.

Die Waffenruhe zwischen Iran und USA besteht seit Anfang April und gilt auch aktuell noch, obwohl sie zuletzt mehr und mehr Risse bekommen hatte. Vor allem seit der US-Blockade iranischer Schiffe war es immer wieder zu Gegenseitigen Angriffen, sowohl auf Schiffe, als auch auf militärische Ziele und Energieeinrichtungen gekommen. Hier steckt im Falle eines Bruchs der Feuerpause auch die größte Gefahr für den Ölmarkt, denn zerstörte Anlagen würden eine mögliche Rückkehr zu Normalität noch weiter in die Länge ziehen.

„Ein umfassendes Friedensabkommen dürfte kaum noch zustande kommen“, zeigen sich die Analystinnen Dina Esfandiary und Becca Wasser von Bloomberg Economics eher pessimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die USA und der Iran erneut zu militärischen Angriffen übergehen werden. Allerdings erwarten wir, dass intensive Gefechte nur von kurzer Dauer sind und anschließend wieder in ein niedrigeres Konfliktniveau übergehen – in das, was wir als die neue Normalität dieses langwierigen Konflikts bezeichnen würden.“

„Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Friedensabkommens scheint erneut nachzulassen“, meint auch Suvro Sarkar von der DBS Bank, der deutliche Aufwärtsrisiken für den Ölpreis sieht, sollte bis Ende Mai keine Einigung erzielt werden. Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade, meint: „Ein echter Durchbruch bei den Friedensverhandlungen könnte einen Preisrückgang von acht bis zwölf Dollar auslösen. Jede weitere Eskalation […] würde Brent dagegen rasch wieder in Richtung 115 Dollar oder mehr treiben.“

Der USA/Iran-Krieg dürfte auch zum Thema werden, wenn Trump diese Woche mit Chinas Präsident Xi Jinping zusammentrifft. US-Regierungsvertreter erklärten, Trump wolle dabei Chinas Haltung gegenüber dem Iran zur Sprache bringen. Gleichzeitig verhängte das US-Finanzministerium am Montag weitere Sanktionen gegen Unternehmen, die den Verkauf iranischen Öls nach China unterstützt haben – dem größten Abnehmer iranischen Rohöls.

11. Mai 2026

Allianz zur Sicherung der Straße von Hormus

Am heutigen Montag sollen mehr als 40 Länder bei einer Konferenz zusammenkommen, bei der man über die Sicherung der Meerenge unter europäischer Führung berät. Hier sollen die Nationen Zusagen für die Räumung von Seeminen, der Eskorte von Schiffen und Patrouillenflüge machen, sowie es in der Region einen nachhaltigen Frieden zwischen den USA und dem Iran gibt.

Teheran lehnt eine solche Aktivität aber grundsätzlich ab und sieht hierin eine weitere Eskalation, sollten die Länder Kriegsschiffe oder andere militärische Fähigkeiten in die Region verlegen. „Jede Verlegung und Stationierung außerregionaler Zerstörer rund um die Straße von Hormus unter dem Vorwand des ‚Schutzes der Schifffahrt‘ ist nichts anderes als eine Eskalation der Krise, eine Militarisierung einer lebenswichtigen Wasserstraße und ein Versuch, die wahre Ursache der Instabilität in der Region zu verschleiern“, so der iranische Vizeaußenminister, Kazem Gharibabadi.

Ein schnelles Ende des Konfliktes im Nahen Osten scheint zunächst wieder vom Tisch zu sein, nachdem Trump die iranische Antwort entschieden ablehnte. Die Positionen des Iran sind für Washington kaum annehmbar, insbesondere da Teheran auf der Kontrolle der Straße von Hormus sowie Reparationszahlungen der USA und Israel fordert.

Am Wochenende und in den Morgenstunden des heutigen Montags wurden wieder mehrere Schiffe in der Region vom Iran angegriffen und beschädigt. Die Straße von Hormus bleibt also weiter geschlossen, auch wenn einzelne Tanker den Persischen Golf scheinbar haben verlassen können.

Der Ölmarkt reagiert weiter sensibel auf „geopolitische Schlagzeilen, wobei die Preise auf jede Äußerung, jede Zurückweisung und jede Warnung aus Washington und Teheran hin stark schwanken“, fasst Analystin Priyanka Sachdeva, von Phillip Nova, die Lage zusammen. „Der Optimismus hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Abkommens zwischen den USA und dem Iran hat abgenommen, was die Rohölpreise in die Höhe treibt. Die Befürchtungen vor einer erneuten Eskalation dürften voraussichtlich zunehmen, was weiteres Aufwärtspotenzial für die Preise eröffnet“, sieht Analyst Warren Patterson, von ING, die Lage ähnlich.

Hoffnungen ruhen auf dem Treffen zwischen Trump und Xi Jinping am Mittwoch, sodass sich die USA mit dem von Trump gedrohten „Bombardements“ (06.05.2026 Auf Preisrutsch der Ölfutures folgt Kehrtwende nach Trump-Truth) vielleicht zurückhalten. Aber selbst wenn es zu einem schnellen Ende des aktuellen Konflikts kommt, so dürfte sich die Welt nachhaltig verändert haben.

„Selbst wenn der akute Ölschock bis Ende 2026 abklingt, dürfte das anhaltende Risiko erneuter Störungen in der Straße von Hormus, gesunkener Lagerbestände sowie einer schwächeren politischen Kooperationen dazu führen, dass eine geopolitische Risikoprämie in den Preisen verankert bleibt“, so die Experten der ING. Sie gehen davon aus, dass der Preis für Brent bis Ende 2026 bei über 90 Dollar bleiben und sich in 2027 bei etwa 80 bis 85 einpendeln wird – während das Nachfragewachstum sich erholen wird und Länder ihre Rohölreserven wieder aufstocken.

Da sich USA und Iran nicht annähern ist die Gefahr einer Eskalation wieder höher einzustufen und ein die Risikoprämie nimmt wieder zu. Fundamental ist die Konstellation somit bullish und die scharfen Preisanstiege am Morgen sorgen auch bei den Inlandsnotierungen für rechnerische Anpassungen nach oben.

8. Mai 2026

USA/Iran: Neue Angriffe in der Strasse von Hormus

Trotz der bestehenden Waffenruhe und den laufenden Bemühungen um ein Friedensabkommen haben sich die USA und der Iran in der Strasse von Hormus erneut gegenseitig beschossen. Zudem griff das US-Militär einzelne Ziele im Iran an. Teheran sieht die Waffenruhe damit als verletzt, Washington bezeichnet sie weiter als intakt.
Laut US-Militärkommando (CENTCOM) hätten iranische Streitkräfte mehrere Raketen abgefeuert und Drohnen sowie kleine Boote eingesetzt, als drei US-Schiffe die Meerenge passiert hätten. Die Bedrohungen sei neutralisiert worden und man habe im Anschluss iranische Militäreinrichtungen angegriffen, die für die Angriffe auf die US-Streitkräfte verantwortlich gewesen seien, so das US-Militär.
Für den Iran ist das Vorgehen der USA eine klare Verletzung der Waffenruhe, Donald Trump sagte hingegen in einem Interview, die Waffenruhe gelte weiterhin. Der US-Präsident wiederholte seine Forderungen an den Iran, schnell einer Friedensvereinbarung zuzustimmen und verband sie mit seinen üblichen Drohungen eines massiven Bombardements auf die Islamische Republik, die laut Donald Trumps von Wahnsinnigen angeführt werde.
Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Verhandlungslösung wird im Lichte dieser neuen Eskalation wieder deutlich kleiner, zumal auch aus dem Libanon wieder israelische Angriffe gemeldet wurden. Die Waffenruhe zwischen USA und Iran hatte eigentlich einen Angriffsstopp Israels auf sein Nachbarland beinhaltet, der allerdings ohnehin sehr brüchig gewesen war. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Lage am Persischen Golf weiter eskaliert, oder ob die Diplomatie doch noch eine Chance hat.

Erneute Kämpfe zwischen den USA und dem Iran gefährden die ohnehin fragile Waffenruhe und haben gleichzeitig die Hoffnungen auf Fortschritte bei der Wiederöffnung der Strasse von Hormus deutlich geschmälert. Die beiden Rohölkontrakte machten damit gleich zum Handelsstart einen Satz nach oben, haben seitdem aber wieder ein Stück nachgegeben.
Nach Angaben des US-Zentralkommandos griffen amerikanische Streitkräfte militärische Ziele im Iran an, nachdem iranische Einheiten das Feuer auf drei Zerstörer der US-Marine in der Strasse von Hormus eröffnet hatten. Zugleich betonte das Kommando, man strebe keine Eskalation an, sei jedoch bereit, amerikanische Streitkräfte zu schützen.
Die Strasse von Hormus, die seit Beginn des Krieges Ende Februar faktisch geschlossen ist, bleibt damit weiterhin im Fokus der Ölmärkte. Die Blockade hat einen beispiellosen Angebotsschock ausgelöst: Rohöllieferungen wurden massiv eingeschränkt, zahlreiche Förderanlagen in der Region mussten den Betrieb einstellen. Die Wasserstrasse ist derzeit doppelt blockiert Teheran verhindert die gesamte Passage, während die USA Schiffen den Zugang zu iranischen Häfen verwehren.
Dennoch scheinen die Marktteilnehmer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben zu haben, dass der erst vor wenigen Tagen wieder angestossene diplomatische Prozess doch noch Früchte trägt. Der Ölmarkt bewegt sich zwischen zwei Risiken: Diplomatie auf der einen und einer weiteren Eskalation auf der anderen Seite, meint etwa Charu Chanana, Chefstrategin von Saxo Markets. „Die Märkte geben den Friedensbemühungen noch eine Chance, allerdings nicht genug, um die geopolitische Risikoprämie vollständig auszupreisen.“
Zum letzten Handelstag der Woche dürfte die Volatilität also erst einmal hoch bleiben zumindest, solange es keine eindeutigen Fakten gibt. Ein Fortschritt in Sachen Friedensabkommen, etwa eine Zustimmung des Iran zum von den USA vorgelegten Memorandum of Understanding, würde dabei wahrscheinlich neue Abwärtsbewegungen auslösen. Gleichzeitig würde ein offizielles Ende der Waffenruhe im Persischen Golf wahrscheinlich das genaue Gegenteil bewirken.
Die fundamentale Einschätzung bleibt am Freitag mit den neuerlichen Kampfhandlungen im Persischen Golf zunächst leicht bullish. Bei den Inlandspreisen ergeben sich heute rein rechnerisch jedoch nur geringe Veränderungen zu Donnerstagmorgen, obwohl die Preisbewegung gestern von starken Schwankungen geprägt war. Heute früh deuten sich aktuell zunächst erste Preisnachlässe an.

7. Mai 2026

„Mehr Wunsch als Realität“ – Iran relativiert Aussichten auf baldiges Abkommen

Gestern noch hatte es zwischenzeitlich danach ausgesehen, als sei eine Lösung des Konflikts im Persischen Golf zum Greifen nahe. Das US-Nachrichtenmagazin Axios berichtete von einem „Memorandum of Understanding“, das kurz vor der Unterzeichnung stehe (06.05.2026 Durch-bruch in Sicht? Iran und USA verhandeln wieder). Doch inzwischen hat der Iran diese Behauptung klar relativiert.

Noch gestern Abend erklärte Ebrahim Rezaei, Sprecher des außenpolitischen und nationalen Sicherheitsausschusses des Parlaments, auf X, dass der Vorschlag für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges längst noch nicht so endgültig sei: „Der Axios-Text ist eher eine amerikanische Wunschliste als Realität. Die Amerikaner werden in einem Krieg, den sie verlieren, nichts gewinnen, was sie nicht bereits in direkten Verhandlungen erreicht haben“. Nach Annäherung oder besonderem Entgegenkommen klingt das nicht gerade.

Nach der hohen Volatilität von gestern scheinen sich die Anleger heute zunächst zurückzuhalten. Gestern hatten die Notierungen an ICE und NYMEX fast 8% verloren, nachdem die USA und Iran neue diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Kriegs im Nahen Osten ausgelotet hatten.

Stein des Anstoßes war dabei ein kurzes Absichtspapier, ein „Memorandum of Understanding“, das angeblich schrittweise zur Wiederöffnung der Straße von Hormus führen könnte und Brent und WTI damit auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen beförderte. Doch schon kurze Zeit später erklärte US-Präsident Donald Trump, es sei „noch zu früh“ für direkte Gespräche mit Teheran, während ein hochrangiger iranischer Parlamentarier den US-Vorschlag eher als Wunschliste denn als realistische Grundlage bezeichnete.

„Der Preisrückgang bei Rohöl ist erneut übertrieben optimistisch und verfrüht“, kommentiert Vandana Hari von Vanda Insights in diesem Zusammenhang die starken Preisbewegungen von gestern. Entscheidend für den Markt sei weiterhin ausschließlich die Frage, ob und wann die Straße von Hormus wieder geöffnet werde. „Derzeit ist diese Perspektive kaum mehr als ein schwacher Silberstreif am Horizont“, so Hari.

Auch Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities sieht die Lage weiterhin als unsicher an. Zwar dürften die Friedensverhandlungen zumindest bis zum US-chinesischen Gipfeltreffen in der kommenden Woche andauern, darüber hinaus bleibe der Ausblick jedoch unklar. Trump und Chinas Präsident Xi Jinping wollen in der nächsten Woche zusammentreffen. Nach Einschätzung Kikukawas bleibt ein erhöhtes Ölpreisniveau daher das wahrscheinlichste Szenario.

Bezugnehmend auf das Gipfeltreffen erklärt auch Will Todman, Senior Fellow am Center for Strategic and International Studies, dass Trump offenbar sehr daran interessiert sei, das Treffen mit Xi nicht durch den Konflikt mit dem Iran in Gefahr zu bringen. „Die USA und der Iran würden sich niemals übereilt auf ein umfassendes Abkommen einlassen, aber die Einigung auf ein Rahmenabkommen verschafft ihnen Zeit und etwas Ruhe.“

Laut Priyanka Sachdeva von Phillip Nova wird die Stimmung der Anleger aktuell zu stark von Schlagzeilen beeinflusst. „Die Ölmärkte stecken seit mehr als zwei Monaten fest zwischen Diplomatie und Eskalation“, so die Analystin. „Sollte es tatsächlich zu einer formellen Einigung kommen, könnten die Ölpreise ins Bodenlose fallen, da der Markt die geopolitischen Aufschläge auspreisen würde. Allerdings könnten neue Anzeichen für Angriffe auf die Ölinfrastruktur leicht einen weiteren sprunghaften Anstieg der Rohölpreise auslösen.“

Selbst wenn es wider erwarten in den nächsten Tagen ein Friedensabkommen geben würde, bliebe das globale Ölangebot dennoch auch darüber hinaus angespannt. Experten zufolge wird es längere Zeit benötigen, bis die Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen und die Raffinerien weltweit wieder normal versorgt werden. Ölkonzerne dürften daher weiterhin auf Lagerbestände zurückgreifen, um die hohe Sommernachfrage zu decken.

Aufgrund der erhöhten Unsicherheit, ob es tatsächlich ein Abkommen, oder zumindest eine Absichtserklärung für ein Abkommen geben wird, stufen wir heute unsere fundamentale Einschätzung wieder auf leicht bullish hoch, zumal auch die DOE-Daten von gestern eine klare Verknappung der Angebotslage und eine Verschiebung bei den Importen und Exporten signalisierten.

6. Mai 2026

US-Ölbestände stark gesunken

Die landesweiten Rohölbestände sind laut API gesunken, während auch im Zentrallager Cushing, Oklahoma, die Vorräte abgenommen haben. Bei Destillaten und Benzin werden ebenfalls Bestandsrückgänge gemeldet. Die Zahlen des API zur abgelaufenen Berichtswoche in der Übersicht:

Die Abbauten bei Rohöl, Benzin und Destillate sind allesamt umfangreicher als es die Experten im Vorfeld geschätzt hatten. Die Zahlen des API zeigen, dass die Sperrung der Straße von Hormus auch die USA in der Versorgung beeinträchtigt, auch wenn man selbst vergleichsweise wenig Rohöl und Produkte aus dem Nahen Osten bezieht.

Andere Länder, die ihre Waren aus der Region erhalten, kaufen aber nun verstärkt an anderen Märkten – auch in den USA. Dies sorgt für sinkende Vorräte, die sich in den Zahlen des API widerspiegeln. Der API Bericht ist somit bullish einzustufen, während der Markt auf die offiziellen Daten des DOE am Nachmittag um 16:30 Uhr warten. Sollten die Veränderungen in diesem Umfang bestätigt werden, so ist mit einer bullishen Reaktion an ICE und NY-MEX zu rechnen.

Der Umstand, dass die USA ihre erst in dieser Woche begonnenen Eskorten schon wieder einstellt, hat die Trader an den Ölbörsen überrascht. Scheinbar gab es Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Iran, die Trump dazu veranlassen zu glauben, dass kurzfristig ein Abkommen geschlossen werden kann.

Sollte dies gelingen, dann dürfte wohl die Straße von Hormus wieder passierbar sein, wenngleich vielleicht nicht sofort in vollem Umfang. Aber es würden dann auf jeden Fall mehr Schiffe aus dem Persischen Golf ausfahren können als bisher. Damit steigt die Chance, dass das Ölangebot steigt, was den Druck auf die Ölpreise an ICE und NY-MEX erhöht.

Nichtsdestotrotz muss man hier wie immer vorsichtig mit den Ankündigungen aus dem Weißen Haus sein, die sich in der Vergangenheit nur zu oft als Luftschlösser herausgestellt hatten. Zuletzt deutete viel auf eine weitere Eskalation in der Region hin – auch hervorgerufen durch die militärische Eskorte der USA. Diese Gefahr ist nun kurzfristig gesunken, sodass auch die Risikoprämie zumindest minimal abnimmt.

„Selbst wenn es Meldungen über eine Deeskalation gibt, wird sich die Erholung des Angebots naturgemäß verzögern. Das ist kein Schalter, den man einfach umlegen kann. Der Öltransport durch die Meerenge ist nach wie vor begrenzt und es braucht Zeit, bis festsitzende Tanker umgeleitet werden, der Versicherungsmarkt die Risiken neu bewertet und die Produktion wieder anläuft“, so der Hinweis von Analystin Dilin Wu, von der Pepperstone Group.

„Wir beobachten täglich den Wechsel von Kursanstiegen zu Gewinnmitnahmen“, verweist Analyst Carl Larry, von Enverus, auf die anhaltende Volatilität hin. Am Ende wird es darauf hinauslaufen ob es tatsächlich Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Iran gibt oder sich die Meldungen in Luft auflösen und die Öllieferungen aus dem Nahen blockiert bleiben. Andere Meldungen zu den bullishen US-Ölbestandsveränderungen des API sowie den Preissenkungen der Saudi Aramco werden dabei in den Hintergrund gedrängt.

5. Mai 2026

Nur wenige Schiffe verlassen Persischen Golf

Unter der US-Schiffseskorte, die als „Projekt Freiheit“ bezeichnet wird, konnten wohl 2 Frachter den Persischen Golf verlassen. „Die erfolgreich eskortierte Ausfahrt eines von Maersk betriebenen Schiffes hat dazu beigetragen, die unmittelbaren Befürchtungen hinsichtlich möglicher Versorgungsengpässe zu mildern“, so Tim Waterer, Analyst bei KCM Trade.

„Dies zeigt, dass eine eingeschränkte sichere Passage unter den gegenwärtigen Bedingungen möglich ist und hilft, die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich Versorgungsengpässen etwas zu entkräften. Es handelt sich jedoch nach wie vor um ein einmaliges Ereignis und nicht um eine vollständige Wiederaufnahme des Handels“, relativiert er jedoch die Bedeutung. Gleichzeitig beschoss der Iran mehrere Schiffe in der Region und den wichtigen Hafen Fujairah in den Vereinten Arabischen Emiraten (VAE).

Den USA ist es ganz offenbar gelungen vereinzelt Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, was die Situation etwas entspannt und leichte Gewinnmitnahmen begünstigt. Die erneuten Kampfhandlungen in der Region zeigen aber auch, dass dies wohl keine Dauerlösung ist und sich Reedereien und Versicherungen wohl weiter mit einer Passage zurückhalten werden.

Die Schiffsbewegungen sind daher eher symbolisch und werden die physische Versorgungslage nicht signifikant verbessern. Der leichte Preisrückgang in den Morgenstunden „sieht weniger wie ein struktureller Wandel und eher ein bisschen wie Gewinnmitnahmen nach dem starken Anstieg aus. Die geopolitische Risikoprämie wegen der Straße von Hormus bleibt unverändert bestehen, sodass das Abwärtspotenzial wahrscheinlich limitiert bleibt“, bewertet Priyanka Sachdeva, von Phillip Nova, die aktuelle Lage.

Auch wenn USA und Iran weiter an ihrer Waffenruhe festhalten, so zeigen die gestrigen Angriffe auf Schiffe und Ölanlagen in den VAE, dass diese durchaus fragil ist. Hinter den Türen laufen die Verhandlungen zwischen USA und Iran zwar weiter, bisher halten die Parteien aber an ihren roten Linien fest, die sich nur schwer bis gar nicht miteinander vereinen lassen. Das Wohl und Wehe des Marktes hängt damit weiter von den Entwicklungen ab, wobei eine Eskalation die Ölpreise stark steigen lassen würde, „insbesondere wenn weitere Ölinfrastruktur beschädigt wird“, so Analyst Saul Kavonic, von MST Marquee.

Vor allem warnen Analysten von Goldman Sachs aber auch die Ölkonzerne vor schnell sinkenden Ölbeständen. Noch zeigt sich dies nicht in seinem vollen Umfang, doch bleibt die Straße von Hormus weiter geschlossen mit nur einzelnen Schiffen, die das Nadelöhr passieren, so dürfte dies die Futures mittelfristig weiter nach oben treiben.

Während man also auf die Entwicklungen zu den Verhandlungen zwischen USA und Iran wartet bleibt die fundamentale Konstellation weiterhin leicht bullish einzustufen. Leichte Gewinnmitnahmen in den frühen Morgenstunden sorgen zwar für Entlastung, momentan befinden sich die Futures aber noch immer deutlich über den Niveaus von gestern Vor- und Nachmittag, sodass sich auch rechnerisch erst einmal weitere Preissteigerungen ankündigen.

4. Mai 2026

OPEC+ beschließt neue Förderanhebung für Juni

Wie schon im Vorfeld erwartet, haben die 7 verbleibenden Mitglieder der OPEC+, die sich an freiwilligen Förderkürzungen beteiligen, am Sonntag eine erneute Produktionsanhebung beschlossen. Solange die Lieferströme durch die Straße von Hormus jedoch blockiert bleiben, dürfte es sich dabei allenfalls um Symbolpolitik handeln.

Laut OPEC+, deren Hauptmitglieder sich am Sonntag zu ihrer monatlichen Sitzung trafen, sollen die Fördermengen im Juni erneut um 188.000 B/T angehoben werden. Die Anpassung folgt im Umfang der Mai- Anhebung, allerdings bereinigt um den Anteil der Vereinigten Arabischen Emirate, die das Bündnis zum 1. Mai verlassen haben. Die angegebene Menge verteilt sich nun noch auf Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Algerien, Kasachstan, Russland und Oman.

Die Ölpreise stabilisieren sich heute nach den Verlusten der letzten Woche wieder, nachdem die Marktteilnehmer offenbar Zweifel an der Umsetzbarkeit eines Plans von US-Präsident Donald Trump haben, mit dem neutrale Schiffe durch die Straße von Hormus geleitet werden sollen. Zugleich wurde Berichten zufolge wieder ein Tanker in der strategisch wichtigen Wasserstraße getroffen. Das Ausbleiben eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran stützt die Preise zusätzlich und hält sie über der Marke von 100 Dollar.

Nach Angaben Donald Trumps soll ab heute eine US-Initiative die Passage durch die Meerenge für Schiffe, die infolge des Konflikts mit dem Iran festsitzen, wieder ermöglichen. Erst am Sonntag hatte die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO gemeldet, dass ein Tanker rund 78 Seemeilen nördlich von Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Geschossen getroffen worden sei. Das US-Militär bestätigte, die von Trump angekündigte Initiative unterstützen zu wollen, viel Konkretes zu den Plänen gibt es allerdings noch nicht.

Entsprechend bleibt eine stärkere Abwärtsreaktion an den Ölbörsen bisher aus, die Anleger scheinen die Wirksamkeit der amerikanischen Pläne infrage zu stellen. Nicht ganz zu Unrecht, denn der Iran hat klargestellt, jede Initiative dieser Art als Bruch des Waffenstillstands zu sehen, so dass ein neuerlicher Kriegsausbruch durchaus im Rahmen des Möglichen liegt.

„Eine gewisse Trump-Müdigkeit macht sich zunehmend bemerkbar – ich glaube nicht, dass der Markt das wirklich ernst nimmt“, kommentiert Haris Khurshid von Karobaar Capital LP die jüngsten US-Pläne. „Es gab zunächst einen Preisrückgang, aber dass dieser nicht anhielt, zeigt, dass die Marktteilnehmer darin keinen echten Wendepunkt sehen.“

Die Ölpreise bleiben also oberhalb von 100 Dollar – auch, weil weiterhin kein Friedensabkommen in Sicht ist und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt bleibt. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran laufen nur äußerst zaghaft wieder an, beide Seiten prüfen nach Angaben aus Verhandlungskreisen aktuell noch die Reaktionen des jeweils anderen.

„Die Gespräche sind ins Stocken geraten, da keine Seite bereit ist, bei ihren roten Linien nachzugeben“, erklären die Analysten der ANZ Bank. Während Trump einem Atomabkommen mit Teheran Priorität einräumt, schlägt der Iran vor, die Nuklearfrage erst nach dem Ende des Konflikts und der Aufhebung der Blockade im Golf zu verhandeln. Ob hier ein Konsens gefunden werden kann, bleibt fraglich.

„Die Angebotsausfälle wachsen mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt“, so die ANZ. „Da die Nachfrage kaum reagiert, kommt es zu einem erheblichen Abbau von Lagerbeständen, die für den Markt bisher nur begrenzt sichtbar ist. Eine unvermeidliche Marktanpassung steht jedoch bevor – entweder in Form weiter steigender Preise oder durch Versorgungsengpässe.“

Unter ‚ferner liefen‘ fand am Sonntag zudem das letzte OPEC+ Treffen statt, bei dem die verbleibenden 7 wichtigsten Mitglieder (nach dem Austritt der VAE) eine neue Förderanhebung für Juni beschlossen haben. Mit dieser allenfalls als Symbolpolitik zu verstehenden Maßnahme bemüht sich das Bündnis darum, Normalität und Handlungsfähigkeit zu signalisieren. Der zusätzliche Förderumfang von 188.000 B/T dürfte jedoch weitgehend Theorie bleiben, solange der Krieg mit dem Iran die Öllieferungen aus dem Golf weiterhin blockiert.

30. April 2026

Bereitet sich Washington auf neue Militäroptionen vor?

US-Präsident Donald Trump soll am Donnerstag vom US-Zentralkommando über neue mögliche Militäroptionen gegen den Iran informiert werden. Das berichtete das US-Nachrichtenportal Axios. Während die Verhandlungen über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ins Stocken geraten sind, sucht Washington nach Alternativen, um die Kontrolle in der Region zu erlangen.

Zuvor hatte Trump in einem Interview erklärt, er wolle an der US-Blockade der Straße von Hormus festhalten, da diese „etwas effektiver sei als Bombardierungen“. Wörtlich sagte er: „Sie ersticken wie ein vollgestopftes Schwein.“ Dennoch hat das US-Militär laut Axios einen Plan für eine kurze, aber intensive Angriffswelle gegen den Iran ausgearbeitet, um den Druck auf die Führung in Teheran zu erhöhen.

Die Sorge, dass die Krise am Persischen Golf deutlich länger dauern wird als gehofft, wird immer größer. Weiterhin gibt es keinerlei Aussichten auf eine diplomatische Lösung, die Straße von Hormus bleibt blockiert und die Anleger preisen immer höhere Risikoprämien ein. Brent markierte damit gestern den höchsten Stand seit Kriegsbeginn nachdem es Anzeichen für eine neuerliche militärische Eskalation in der Region gab.

So soll es heute Nachmittag ein Briefing im Weißen Haus geben, bei dem das US-Militärkommando dem US-Präsidenten weitere Optionen für ein militärisches Vorgehen im Iran unterbreiten will. Zudem scheinen die USA den Einsatz einer Hyperschallrakete zu planen. Es wäre das erste Mal, dass das amerikanische Militär eine Waffe dieser Art einsetzt.

„Die Aussichten auf eine kurzfristige Lösung des Iran-Konflikts oder eine Wiederöffnung der Straße von Hormus bleiben gering“, erklärt IG-Marktanalyst Tony Sycamore. Seit Beginn der Luftangriffe durch die USA und Israel auf den Iran am 28. Februar hat Teheran den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge weitgehend blockiert – mit Ausnahme eigener Lieferungen. Seit Anfang April blockieren die USA deshalb die Durchfahrt der Wasserstraße für iranische Schiffe.

„Trump hat dem Markt das Sicherheitsnetz weggerissen – die Hoffnung, dass der Krieg bald endet“, sagte Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei Westpac Banking Corp. Die Händler sähen sich nun mit einer deutlich schwierigeren Realität konfrontiert: Beide Seiten glaubten nach wie vor, dass sie gewinnen, ein klarer Anreiz für Verhandlungen fehle, und die Energiepreise zögen weiter an.

Auf der Angebotsseite dürfte die OPEC+ am Sonntag voraussichtlich eine moderate Erhöhung der Förderquoten um rund 188.000 B/T beschließen. Klar ist aber auch, dass eine solche Anhebung für die beteiligten OPEC+ Produzenten aktuell nicht umsetzbar ist und somit höchstens symbolischen Wert hat. Das Treffen am Sonntag folgt unmittelbar auf den Austritt der VAE aus der OPEC zum 1. Mai, der die Möglichkeiten des Produzentenverbunds zur Preissteuerung zumindest langfristig durchaus schwächen könnte.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass der Austritt der Golfnation kurzfristig kaum Einfluss auf den Markt haben wird. Zwar könnten die VAE ihre Produktion nach einer Wiederaufnahme der Exporte erhöhen, doch die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus sowie weitere kriegsbedingte Produktionsausfälle dürften schwerer wiegen. „Die Golfstaaten, einschließlich der VAE, werden Monate benötigen, um wieder das Vorkriegsniveau der Förderung zu erreichen“, heißt es in einer Analyse von Wood Mackenzie.

29. April 2026

Raffinerie Schwedt sucht nach Lösung für drohende Versorgungsprobleme

Im Osten Deutschland könnte es ab Mai zu größeren Engpässen in der Versorgung kommen, nachdem Russland die Lieferungen kasachischen Öls über die Druschba Pipeline einstellen wird. Üblicher Weiße kommen etwa 43.000 B/T über das Netzwerk, die nun ersetzt werden müssen.

Über den polnischen Hafen Gdansk sollen die nun drohenden Ausfälle kompensiert werden, was allerdings nur begrenzt möglich erscheint. Man habe zwar die technische Kapazität zusätzliche Mengen abzuwickeln, aber der Zugang zum Hafen, Verladepläne, Verfügbarkeit von Rohöl und Raffineriekonfigurationen seien Dinge, die die Sache erschweren würden, heißt es aus Polen.

Der aktuelle Anstieg der Ölpreise ist ganz klar der Blockade der Straße von Hormus geschuldet. So lange die Frachter diese Meeresenge nicht zuverlässig und in großer Zahl passieren können bleibt die Versorgung am internationalen Markt begrenzt, was die Rohölpreise stützt.

„Wenn Trump bereit ist, die Blockade zu verlängern, würden sich die Versorgungsengpässe weiter verschärfen und die Ölpreise weiter in die Höhe treiben“, so Analyst Yang An, von Haitong Futures. Bei den Verhandlungen gab es bisher „überhaupt keine Fortschritte, und deshalb steigen die Rohölpreise“, bestätigt auch Analystin Susan Bell, von Rystad Energy.

Die Preise an den internationalen Ölbörsen steigen und fallen daher weiter mit der aktuellen Lage im Nahen Osten, während der OPEC-Austritt der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) kurzfristig wohl keine Auswirkung auf den Markt hat. Mittel- bis Langfristig dürfte dies das Ölangebot erhöhen, da sich die VAE nicht mehr an die Quoten halten müssen, kurzfristig bleiben die Liefermöglichkeiten des Landes durch die Blockade der Straße von Hormus begrenzt.

28. April 2026

Atomprogramm bleibt Problem – USA mit Irans Vorschlag unzufrieden

Der Vorschlag des Iran zur Beendigung des seit zwei Monaten andauernden Krieges scheint in Washington auf wenig Gegenliebe zu stoßen. US-Präsident Donald Trump hat sich laut einstimmiger Berichte unzufrieden gezeigt. Damit schwinden erneut die Hoffnungen auf eine rasche Lösung des Konflikts im Persischen Golf.

Der iranische Vorschlag sieht vor, Gespräche über das Atomprogramm des Landes zunächst zu verschieben und stattdessen zunächst ein Ende des Krieges und die Öffnung der Straße von Hormus zu verhandeln. Trump scheint das jedoch nicht auszureichen, hatte Washington doch von Beginn an klar gemacht, dass nukleare Fragen von Beginn an Teil der Verhandlungen sind. Zudem hieß es, der Präsident hege Zweifel an der Aufrichtigkeit der iranischen Führung.

Die Ölpreise bleiben gestützt, denn nach wie vor gibt es kaum Bewegung in der Krise am Persischen Golf. Nachdem der Iran gestern einen neuen Vorschlag für Verhandlungen vorgelegt hatte, zeigte sich Washington diesem gegenüber vor allem wegen der geforderten Vertagung aller Fragen zum iranischen Atomprogramm skeptisch. Unterdessen bleibt die Pattsituation in der Straße von Hormus bestehen und die Wasserstraße quasi unpassierbar.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich laut einem Regierungsvertreter am Montag unzufrieden mit dem jüngsten iranischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Er berief demnach zwar eine Sitzung ein, um die Initiative zu erörtern, beharrte jedoch auf „roten Linien“ für ein Abkommen – darunter die klare Forderung, dass Teheran keine Atomwaffen besitzen dürfe.

Trotz aller Skepsis gegenüber dem jüngsten Vorschlag aus Teheran sei man aber bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, hieß es aus Washington. Laut einem Bericht des Wall Street Journal, das sich auf nicht namentlich genannte US-Beamte beruft, dürfte das Weiße Haus in den kommenden Tagen eine offizielle Antwort sowie Gegenvorschläge vorlegen.

Eine frühere Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran war Anfang des Monats gescheitert, seitdem gab es keine direkten Gespräche mehr. Laut Ölmarktanalyst Fawad Razaqzada von FOREX.com geht es den Marktteilnehmern allerdings ohnehin nicht mehr um Rhetorik, sondern um den „tatsächlichen physischen Fluss von Rohöl durch die Straße von Hormus – und dieser bleibt derzeit eingeschränkt“. Selbst bei einer Einigung könne die Erholung aufgrund von Produktionsausfällen und logistischen Herausforderungen Monate dauern, warnt der Experte.

„Es besteht weiterhin die Erwartung, dass sich die Lieferströme im Mai und Juni schrittweise normalisieren, was die Preise bislang etwas gedämpft hat“, kommentiert Analystin Rebecca Babin von der CIBC Private Wealth Group. „Doch die Zeit drängt: Jeder weitere Tag verschärft die Versorgungslage, reduziert Puffer und erhöht das Risiko stärkerer Preissprünge.“ Ihre Kollegin Linh Tran von XS.com weist allerdings auch darauf hin, dass „jeder bedeutende Fortschritt in den Verhandlungen eine deutliche Preiskorrektur auslösen“ könnte.

Neben den Entwicklungen am Persischen Golf dürften die Anleger heute zudem auf den API-Bestandsbericht aus den USA achten, der am späteren Abend erwartet wird. Er dürfte allerdings nicht genug Aussagekraft haben, um die Kurse nachhaltig zu bewegen, bevor am Mittwoch die DOE-Daten erscheinen.

27. April 2026

Goldman Sachs hebt Preisprognosen erneut an

Die anhaltend dramatische Lage im Persischen Golf zwingt Marktbeobachter und Analysten dazu, ihre Preisprognosen für den Ölmarkt immer wieder anzupassen. So haben nun auch die Experten bei Goldman Sachs ihre Preisschätzungen erneut angehoben und warnen vor einem extrem schnellen Abbau der globalen Lagerbestände.

Der Referenzpreis für die Nordseesorte Brent dürfte im vierten Quartal durchschnittlich 90 Dollar pro Barrel erreichen, hieß es heute von Goldman Sachs. Zuvor hatten die Analysten der amerikanischen Großbank mit 80 Dollar gerechnet. Auch die Prognosen für das laufende und das dritte Quartal wurden sowohl für Brent als auch für die US-Sorte WTI nach oben korrigiert.

Die Ölpreise bleiben zum Start in die neue Woche weiterhin fest, nachdem Bemühungen zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen im Iran-Konflikt übers Wochenende ins Stocken geraten sind. Die Straße von Hormus bleibt weiterhin nahezu unpassierbar, der Exportstau im Nahen Osten, der die globalen Märkte bereits erheblich belastet, setzt sich fort.

„Die Meerenge steht weiterhin faktisch unter Belagerung, der Schiffsverkehr ist gestoppt“, konstatiert Mona Yacoubian, Leiterin des Nahost-Programms beim Center for Strategic and International Studies in Washington. Beide Seiten seien aber wohl auch nicht an einer erneuten offenen Eskalation interessiert. „Wir befinden uns in dieser Patt-Situation, in der die Lage total festgefahren ist“, so Yacoubian.

Medienberichten zufolge hat der Iran den USA inzwischen einen Vorschlag unterbreitet, um eine Einigung zur Wiederöffnung der Meerenge und zur Beendigung des Krieges zu erzielen, wobei die Atomgespräche auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden sollten. Aus Washington hieß es, Trump werde voraussichtlich am Montag ein Treffen mit seinem obersten Team für nationale Sicherheit und Außenpolitik abhalten, um die festgefahrene Situation in den Verhandlungen zu erörtern.

Der inzwischen schon in die neunte Woche gehende Konflikt am Persischen Golf hat die globalen Energiemärkte massiv durcheinander gebracht und die Energiepreise nach oben getrieben. Immer deutlicher werden Engpässe bei wichtigen Produkten wie etwa Flüssigerdgas oder Kerosin spürbar. Fluggesellschaften weltweit reagierten mit Flugkürzungen, so auch die deutsche Lufthansa. Laut der IEA handelt es sich um den größten Angebotsschock in der Geschichte des Ölmarkts.

Im Lichte dessen sehen Marktbeobachter die Ölpreise weiterhin gestützt. „Eine Stabilisierung oberhalb von 100 Dollar ist das Niveau, auf das wir zusteuern“, meint etwa Robert Yawger von Mizuho Securities. Mit jedem Tag ohne Einigung schwinde die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Lösung.

Haris Khurshid von Karobaar Capital gibt allerdings auch zu bedenken, dass der Markt in Bezug auf den Iran-Krieg bereits ein beträchtliches Risiko eingepreist hat. Er sieht Brent deshalb in einer Spanne von 100 bis 115 Dollar pro Barrel, sofern es nicht doch wieder zu einer „breiteren regionalen Eskalation“ komme.

24. April 2026

Trump: Waffenruhe zwischen Israel und Libanon verlängert

Der 10-tägige Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon wird wohl um drei Wochen verlängert. Dies teilte US-Präsident Donald Trump am gestrigen Donnerstag über seine Kommunikationsplattform Truth Social mit. Die aktuelle Waffenruhe wäre ohne die Verlängerung am Sonntagabend ausgelaufen.
Regierungsvertreter aus Israel und dem Libanon hatten sich am gestrigen Donnerstag im Weissen Haus erneut getroffen, um über das weitere Vorgehen zu sprechen. Bei den Gesprächen sollen laut Trump auch Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio zugegen gewesen sein.
Trotz der aktuell geltenden Waffenruhe im Libanon kommt es immer wieder zu Verstössen durch Israel und die aus dem Libanon heraus agierende Hisbollah Miliz. Zuletzt gab das israelische Militär an, es habe eine Raketenabschussrampe der Hisbollah angegriffen, nachdem die Miliz trotz der Waffenruhe Raketen auf den Norden Israels abgefeuert habe.
Der Iran hatte eine Waffenruhe im Libanon ebenso zur Voraussetzung für weitere Verhandlungen mit den USA gemacht, wie die Beendigung der US-Seeblockade. Da Washington Letztere jedoch fortsetzte, platzte die für diese Woche ursprünglich geplante zweite Verhandlungsrunde.

Die Rohölpreise an den Ölbörsen legten am gestrigen Donnerstag den vierten Tag in Folge zu. Während Brent gestern zum ersten Mal seit dem 7. April wieder ein Settlement von über 105 Dollar pro Barrel verzeichnete, lag das Settlement von WTI erstmals seit dem 14. April oberhalb von 95 Dollar.
Der Ölpreisanstieg ist eher auf den physischen Angebotsschock als allein auf eine geopolitische Risikoprämie zurückzuführen, kommentiert Charu Chanana, Chef Anlagestrategin bei Saxo Markets, die jüngste Preisentwicklung. Das Kriegsrisiko mag zwar etwas nachlassen, aber das Risiko von Lieferengpässen ist weiterhin vorhanden.
Bei Haitong Futures ist man der Ansicht, dass die Waffenruhe zwischen den USA und Iran zunehmend wirke, wie eine Vorbereitungsphase für eine Fortsetzung des Krieges. Auch US Präsident Trump mutmasste am gestrigen Donnerstag, der Iran könnte seine Waffen seit Beginn des Waffenstillstands wieder ein kleines bisschen aufgestockt haben. Das US-Militär könne die Islamische Republik allerdings innerhalb eines Tages auslöschen, so Trump.
Die Verlängerung des Waffenstillstands im Libanon scheint mittlerweile nicht mehr entscheidend für die Fortsetzung der Gespräche zwischen den USA und Iran. Zwar hatte Teheran diesen zu einer Grundvoraussetzung für eine zweite Verhandlungsrunde gemacht, allerdings forderte die iranische Regierung ausserdem die Beendigung der US-Seeblockade und diese wird weiterhin durchgeführt. Teheran betrachtet dies als Verstoss gegen die Waffenenruhe. Am gestrigen Donnerstag teilte der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Baqer Qalibaf, im Bezug auf die Seeblockade mit: Die Strasse von Hormus zu öffnen ist angesichts eines eklatanten Verstosses gegen die Waffenruhe nicht möglich.
Die Angebotsausfälle, die durch die Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Meerenge entstehen, dürften damit erst einmal bestehen bleiben. UBS-Analyst Giovanni Staunovo dürfte mit seiner Einschätzung nicht alleine sein, dass solange die Durchflüsse durch die Strasse von Hormus eingeschränkt bleiben, sich der Markt weiter verknappt und die Ölvorräte weiter sinken, die Ölpreise gestützt bleiben werden.
Auch heute Morgen testeten die Ölfutures an ICE und NYMEX schon wieder ihr Aufwärtspotenzial, wobei sie die Vortageshochs bisher nicht überbieten konnten. Bei den Inlandspreisen deuten sich rein rechnerisch im Vergleich zu gestern dennoch Aufschläge an.

23. April 2026

US-Streitkräfte fangen iranische Tanker in asiatischen Gewässern ab

Während die Islamische Revolutionsgarde am gestrigen Mittwoch nahe der Straße von Hormus zwei Handelsschiffe beschlagnahmte, fing die US-Marine in asiatischen Gewässern in den vergangenen Tagen mindestens drei Tanker mit iranischer Beflaggung ab und leitete sie um. Die Tanker befanden sich laut Informationen aus Kreisen der Schifffahrt und des Sicherheitssektors nahe Sri Lanka, Malaysia und Indien.

Bei einem der Schiffe soll es sich um den Supertanker Deep Sea gehandelt haben, der laut Transponder zuletzt vor eine Woche vor der Küste Malaysias ausgemacht werden konnte. Der Tanker soll zum Teil mit Rohöl beladen gewesen sein. Voll beladen mit etwa 2 Mio. Barrel Rohöl war dagegen angeblich der zweite Supertanker Dorena, der sich laut Trackingdaten des Informationsdienstleisters MarineTraffic vor drei Tagen wohl noch vor der Südküste Indiens aufge-halten hatte. Der Tanker Severin, der "nur" über eine Ladekapazität von 1 Mio. Barrel verfügt, soll zu etwas mehr als der Hälfte beladen gewesen sein, bevor er von der US-Marine abgefan-gen wurde. Die Severin war zuletzt vor etwa einem Monat vor der malaysischen Küste gesehen worden.

Die Rohölpreise zogen zur Wochenmitte wieder an, auch wenn die Waffenruhe zwischen den USA und Iran von amerikanischer Seite gestern verlängert wurde. Brent kletterte im gestrigen Handelsverlauf wieder zurück über 100 Dollar pro Barrel, was vor allem daran liegt, dass die Fronten zwischen den beiden Ländern verhärtet scheinen und die Straße von Hormus auch weiterhin kaum befahrbar ist.

"Der ausbleibende Fortschritt bei den Friedensgesprächen lässt die Hoffnungen des Ölmarktes auf eine Lösung schwinden, sodass der Markt die Realität der Versorgungsengpässe zunehmend widerspiegeln wird", kommentiert Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Groep NV die aktuelle Entwicklung und ergänzt: "Obwohl die Preise in letzter Zeit stark von Schlagzeilen beeinflusst wurden, wird der Markt gegenüber diesen allmählich abstumpfen, sollten sie sich als bloße Schlagzeilen erweisen."

Als bloße Schlagzeile könnte sich auch der Post erweisen, den der iranische Präsident Masud Peseschkian am Mittwochabend auf X veröffentlichte. Darin schrieb er, der Iran habe einen "Dialog und ein Abkommen begrüßt und tut dies weiterhin." Dem schickte er allerdings noch im selben Post hinterher: "Vertragsbruch, Blockade und Drohungen stellen die größten Hindernisse für echte Verhandlungen dar. Die Welt durchschaut Ihre endlose, heuchlerische Rhetorik und den Widerspruch zwischen Ihren Behauptungen und Taten."


Dennis Kissler, Senior Vice President des Bereichs Trading bei BOK Financial Securities geht mit Verweis auf die aktuelle Patt-Situation zwischen den USA und Iran davon aus, dass "der Weg des geringsten Widerstands" für die Ölpreise immer noch der nach oben zu sein scheint, bis eine der beiden Parteien nachgebe. "Je länger kein Öl durch die Meerenge fließt, desto höher werden die Preise steigen", so Kissler.

Und während die Lieferungen aus dem Nahen Osten, die den Weg über die Straße von Hormus nehmen müssen, niedrig bleiben, rechnet man bei den US-Ölexporten mit neuen Rekordhochs. Wenngleich das DOE gestern für die Woche zum 17. April einen leichten Rückgang der US-Rohölexporte meldete, so waren die Ausfuhren doch in den vorangegangenen drei Wochen gestiegen und hatten in der Woche zum 10. April auch die Marke von 5 Mio. B/T wieder überstie-gen. Auch die Produktexporte sollen deutlich zugelegt haben.

22. April 2026

API meldet erneut Abbauten in allen wichtigen Bestandskategorien

Das American Petroleum Institute (API) veröffentlichte Dienstagnacht wie üblich seine wöchentlichen Schätzungen zur Veränderung der US-Ölbestände. Wie bereits am Dienstag letzter Woche zeigte dieser auch gestern Abbauten in allen drei wichtigen Bestandskategorien.

Auch die Analysten gehen in ihren Erwartungen davon aus, dass die landesweiten Bestände an Rohöl, Destillaten und Benzin in den USA in der Woche zum 17. April abnahmen. Allerdings dürfte der Rückgang laut API in allen Kategorien deutlich stärker ausgefallen sein als von den Analysten erwartet. Einzig bei den Rohölvorräten im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma, meldete der größte Interessenverband der US-Ölindustrie leichte Bestandsaufbauten.

Hatte US-Präsident Trump vor Kurzem noch angegeben, er werde die zweiwöchige Waffenruhe der USA mit dem Iran wohl nicht verlängern, verkündete er am frühen Mittwochmorgen das Gegenteil. Der Waffenstillstand werde auf Anfrage des Vermittlers Pakistan solange verlängert, bis die "gespaltene" iranische Regierung einen einheitlichen Vorschlag für ein Friedensabkommen vorlegen kann. Derweil soll die US-Seeblockade weitergehen.
"Die Schlagzeilen überschlagen sich, doch die Barrel stagnieren weiterhin", kommentiert die Analystin Rebecca Babin von CIBC Private Wealth Group die jüngsten Entwicklungen und fügt hinzu: "Das Hin und Her um eine Verlängerung des Waffenstillstands, eine mögliche Blockade und die Rolle Irans hält die Märkte in Atem, aber die Realität sieht so aus, dass die Ölströme nach wie vor eingeschränkt sind."
Auch Vandana Hari, Gründerin des Analyseunternehmens Vanda Insights, verweist auf die weiterhin stark eingeschränkte Schifffahrt und die dadurch beeinträchtigten Öllieferungen, die für gewöhnlich über die Meerenge abgewickelt werden.
"Da eine Wiedereröffnung ohne Friedensabkommen nicht absehbar ist, stecken wir in einem Umfeld hoher Ölpreise und Inflation fest," so Hari.
Die Situation könnte sich noch verschärfen, sollte die vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auch die Schifffahrt im Roten Meer wieder gefährden. Die Miliz hatte damit bereits des Öfteren gedroht und diese Drohung erst Anfang der Woche noch einmal wiederholt.
Aus dem Iran gab es bislang noch keine offizielle Antwort auf die Verlängerung der Waffenruhe durch die USA. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim hieß es jedoch, Teheran habe nicht um eine solche Verlängerung gebeten. Die US-Seeblockade wurde im Iran zudem bereits seit ihrem Beginn als Akt der Aggression angesehen, der erst beendet werden müsste, bevor Teheran zu weiteren Verhandlungen bereit ist. Laut Präsident Trump wäre ein Abkommen allerdings ausgeschlossen, "es sei denn wir jagen den Rest ihres Landes samt ihrer Führer in die Luft!"
Die Angebotsausfälle, zu denen die faktische Sperrung der Straße von Hormus verursacht, spiegelte sich vergangene Woche auch bereits in den US-Bestandsdaten wieder. Nachdem das DOE für die Woche zum 10. April in den Kategorien Rohöl, Benzin und Destillaten. Den aktuellen Schätzungen des API zufolge dürften die Vorräte in diesen drei wichtigen Kategorien auch in der Woche zum 17. April abgenommen haben, was den Ölfutures weitere bullishe Impulse geben würde.

21. April 2026

Verhandlungen oder nicht? Irans Teilnahme bleibt offen

Nach wie vor ist unklar, ob der Iran an den geplanten Verhandlungen mit den USA teilnehmen wird, die für diese Woche in Islamabad angesetzt waren. Kurz vor Auslaufen der Waffenruhe zwischen den beiden Kriegsparteien bleibt offen, ob die Gespräche fortgesetzt werden oder nicht.

Beide Parteien zeigten sich zuletzt eher unnachgiebig. So halten die USA ihre Seeblockade des Iran weiterhin aufrecht, Präsident Donald Trump schrieb in einem Social Media Post, sie werde erst aufgehoben, wenn Teheran einem "Deal" zur Beendigung des Krieges zugestimmt habe. Teheran wiederum knüpft die Teilnahme an Gesprächen an eine Beendigung der Seeblockade. Man akzeptiere keine Verhandlungen unter dem Eindruck von Drohungen, hieß es vom iranischen Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf.

Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe zwischen USA und Iran bleibt das zentrale Thema am Ölmarkt weiterhin die Krise am Persischen Golf. Dabei stützen sich zur Zeit alle Hoffnungen der Marktteilnehmer auf die Teilnahme des Irans an den geplanten Verhandlungen in Islamabad.

Am Montag hatten Brent und WTI noch spürbar zugelegt, nachdem der Iran erneut die Straße von Hormus geschlossen hatte. Zudem beschlagnahmten die USA im Zuge ihrer Blockade iranischer Häfen ein iranisches Frachtschiff.

Dennoch richten Investoren ihren Blick nun verstärkt auf die Aussicht, dass die Gespräche in dieser Woche entweder zu einer Verlängerung der bestehenden Waffenruhe oder sogar zu einer endgültigen Einigung führen könnten. Gleichzeitig bleibt das Risiko weiterer Konflikte und Störungen der Ölversorgung bestehen.

Von der ING heißt es, die Energiemärkte hätten zwar nach der jüngsten Entwicklung rund um die Straße von Hormus zunächst zugelegt, signalisierten jedoch weiterhin Optimismus hinsichtlich möglicher US-iranischer Gespräche. Die Analysten fügen allerdings auch an: „Wir sind der Ansicht, dass die Märkte die anhaltenden Angebotsstörungen unterschätzen. Der Optimismus scheint die Realität des Angebotsschocks zu überdecken.“

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass in dieser Woche entweder eine Absichtserklärung unterzeichnet und/oder die Waffenruhe verlängert wird, was sich zu einem umfassenderen Abkommen entwickeln könnte“, hieß es von Analysten der Citi. „Gleichzeitig bleiben wir darauf vorbereitet, in ein Szenario länger anhaltender Störungen umzuschwenken, sollte es in dieser Woche zu einem Scheitern der Verhandlungen kommen.“

Unterdessen bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus extrem reduziert. Am frühen Dienstag versuchten lediglich drei Schiffe die Passage. Die Krise hatte sich am Wochenende erneut verschärft, nachdem die US-Marine ein iranisches Schiff beschlagnahmt hatte und iranische Kräfte auf Schiffe feuerten sowie wieder verstärkte Kontrollen in der Meerenge einführten.

Sollten die Störungen in der Straße von Hormus einen weiteren Monat andauern, könnten sich die Gesamtausfälle laut Citi auf rund 1,3 Mrd. Barrel belaufen. Die Preise könnten dann im zweiten Quartal 2026 bei etwa 110 Dollar pro Barrel liegen.

Laut Société Générale macht sich die Krise schon jetzt bei der Nachfrageentwicklung bemerkbar. So hätten die durch die Schließung verursachten Preissteigerungen die Nachfrage um etwa 3% gedrückt, meinen die Analysten der französischen Großbank. Das Risiko sei „nach oben gerichtet, je länger sich die Normalisierung verzögert“. Eine „vollständige Normalisierung“ der Versorgung wird demnach erst gegen Ende des Jahres 2026 erwartet.

25. März 2026

15-Punkte Plan aus Washington soll Krieg beenden

Laut Donald Trump schreiten die amerikanischen Bemühungen voran, ein Ende des Krieges mit dem Iran auszuhandeln. Zuvor hieß es aus verschiedenen Medienberichten, die US-Regierung habe einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Iran-Krieges vorgelegt. Das Ver-mittlerland Pakistan habe dem Iran den Entwurf übermittelt, so die Berichte unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der israelische Sender Channel 12 meldet, dass die USA eine einmonatige Waffenruhe anstreben, um über den Plan zu verhandeln. Dieser soll unter anderem die Demontage des iranischen Atomprogramms, ein Ende der Unterstützung verbündeter Milizen sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus enthalten. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel vor vier Wochen gilt die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 % der globalen Ölexporte verlaufen, faktisch als blockiert.

Mit wachsenden diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges haben auch die Ölpreise wieder etwas nachgegeben. Mit dem 15-Punkte-Plan aus Washington, der dem Iran gestern durch Pakistan übermittelt wurde und der als Grundlage für Verhandlungen dienen soll, fiel Brent wieder unter 100 Dollar und WTI handelt aktuell immer noch unter 90 Dollar.

„Wir haben uns eindeutig von einer Phase, die im Krieg zwischen den USA und dem Iran zu einer ‚vollständigen Vernichtung‘ hätte führen können, hin zu einer Verhandlungslösung bewegt, auch wenn diese angesichts des mangelnden Vertrauens auf beiden Seiten wahrscheinlich komplex ausfallen wird“, kommentiert Robert Rennie von Westpac die Lage.

„Die Erwartungen hinsichtlich eines Waffenstillstands sind leicht gestiegen und Gewinnmitnahmen bestimmen den Markt“, erklärt Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment. „Der weitere Verlauf bleibt jedoch unsicher, da unklar ist, ob die Verhandlungen erfolgreich sein werden, was den Verkaufsdruck begrenzt.“

Trotz der jüngsten Preisnachlässe steuern die Ölpreise weiterhin auf einen deutlichen Monatsanstieg zu, nachdem sie in den vergangenen Wochen stark geschwankt hatten. Die Anleger konzentrieren sich dabei weiterhin vor allem auf Teherans Versuch, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu festigen. Seit nunmehr fast vier Wochen stehen die Exporte durch die wichtige Meerenge, durch die sonst etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs fließt, nahezu komplett still.

Für leichten Optimismus sorgt hier die Meldung, dass der Iran dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation signalisiert, dass „nicht-feindliche Schiffe“ die Straße von Hormus passieren dürfen, sofern sie sich mit den iranischen Behörden abstimmen. Gleichzeitig halten die Angriffe zwischen den USA, Israel und Iran an. Zudem bereitet Washington die Entsendung weiterer Truppen in die Region vor.

„Die Marktperspektiven bleiben angespannt, ungeachtet der Aussichten auf eine Deeskalation des Konflikts“, meint Saul Kavonic von MST Marquee. „Selbst wenn diese Woche ein Waffenstillstand in Kraft treten würde und der Durchfluss durch die Straße von Hormus wieder aufgenommen wird, ist nicht klar, ob die gesamte stillgelegte Produktion wieder anlaufen kann, solange keine größere Klarheit über die Dauerhaftigkeit eines Waffenstillstands besteht.“

26. März 2026

Iran plant Gebühren für Passage durch Straße von Hormus

Das iranische Parlament arbeitet an einem Gesetzentwurf, der von Schiffen eine Gebühr für die sichere Passage durch die Straße von Hormus erheben würde. Das berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Abgeordneten.

Demnach soll der Plan in der kommenden Woche finalisiert werden und Irans Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge rechtlich festschreiben. Die Straße von Hormus verbindet die größten Öl- und Gasproduzenten im Persischen Golf mit dem Rest der Welt. Seit Kriegsbeginn Anfang März ist die schmale Wasserstraße nahezu vollständig blockiert und hat sich zu einem zentralen Schauplatz des Konflikts entwickelt.

Ein Ende des Iran-Krieges ist nicht in Sicht und die Aussichten auf zielführende Verhandlungen zu einem Waffenstillstand schwinden mehr und mehr. Während die USA zwar weiterhin von konstruktiven Gesprächen mit dem Iran berichten, dementiert dieser jegliche Verhandlungen und stellt stattdessen eigene Forderungen. Die Ölpreise orientieren sich damit wieder leicht nach oben.

Im Zentrum des Konfliktes bleibt die Straße von Hormus, durch die unter normalen Umständen täglich über 20 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte transportiert werden. Seit Kriegsausbruch ist die Meerenge jedoch faktisch von Teheran blockiert. Entsprechend erbittert setzen sich die Angriffe von allen Seiten in der gesamten Region fort. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu gestern, Präsident Donald Trump werde den Druck auf den Iran weiter erhöhen, sollte Teheran nicht akzeptieren, dass das Land „militärisch besiegt“ sei.

„Der Optimismus hinsichtlich einer Waffenruhe ist geschwunden“, sagt Tsuyoshi Ueno, Chefökonom am NLI Research Institute in Tokio. Die von Washington gesetzten Hürden für die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen seien hoch, was die Ölpreise je nach Verlauf der Verhandlungen und der militärischen Entwicklungen anfällig für weitere Schwankungen mache.

Auch Philip Jones-Lux, leitender Marktanalyst bei Sparta Commodities, zeigte sich skeptisch: „Während die USA klar nach einem Ausweg suchen, scheinen weder Iran noch Israel an einer schnellen Lösung interessiert zu sein.“ Angesichts zusätzlicher Truppenentsendungen sei es „verfrüht, derzeit eine Deeskalation einzupreisen“.

BlackRock-Präsident Rob Kapito warnt zudem davor, dass Investoren die Risiken des Konflikts unterschätzen könnten. Selbst bei einem sofortigen Kriegsende hätten die Ölpreise noch das Potenzial, auf bis zu 150 Dollar pro Barrel zu steigen, da es Zeit brauche, bis die Lieferketten wieder voll funktionsfähig seien, sagte der Marktexperte bei einer Veranstaltung in Melbourne.

Unterdessen kündigte Washington ein neu terminiertes Treffen zwischen Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping an. Das Gipfeltreffen, das ursprünglich Mitte März hätte stattfinden sollen und wegen des Iran-Krieges verschoben wurde, soll nun am 14. und 15. Mai in Peking nachgeholt werden. Das Gipfeltreffen erfolgt nach monatelangen Zollstreitigkeiten und inmitten wachsender Spannungen zwischen den beiden Ländern.

16. März 2026

Iran: Ölexporte von Insel Kharg unbeeinträchtigt von US-Luftschlag

Nachdem die USA am frühen Samstagmorgen Luftschläge auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg, im Persischen Golf, durchgeführt hat, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars, die Ölexporte von den Häfen der Insel seien dadurch nicht beeinträchtigt worden. Die Insel ist für die Islamische Republik ein wichtiger Umschlagplatz für ihr Öl, denn der Großteil des iranischen Rohöls wird über das Terminal Kharg exportiert. Kurz vor Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran sollen die Ölexporte ab Kharg laut Schätzungen von JPMorgan Chase & Co. auf rund 3 Mio. B/T gestiegen sein - etwa das Dreifache der üblichen Mengen.

Kurz nach dem Angriff auf die iranischen Militäranlagen auf Kharg drohte US-Präsident Trump, auch die Ölinfrastruktur der Insel anzugreifen, sollte der Iran "irgendetwas unternehmen, das die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus behindert." Teheran drohte wiederum damit, dass "(a)lle Öl-, Wirtschafts- und Energieeinrichtungen von Ölkonzernen in der Region, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten befinden oder mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, (...)sofort zerstört und in Schutt und Asche gelegt" würden, sollte Trump seine Drohung wahr machen.

Die Rohölpreise an ICE und NYMEX setzten ihren Anstieg in der vergangenen Woche fort, wobei der europäischen Rohölkontrakt Brent erstmals seit August 2022 auch wieder Settlementpreise oberhalb von 100 Dollar pro Barrel verzeichnete. WTI gelang unterdessen am Freitag ein Settlement oberhalb der psychologisch wichtigen 95 Dollar-Marke. Und auch zu Beginn der neuen Handelswoche sorgt der Nahost-Konflikt dafür, dass die Preise an den Ölbörsen steigen.

Der wichtigste Preistreiber bleiben dabei die Sorgen hinsichtlich bereits vorhandener und noch befürchteter Angebotsausfälle, die durch den Iran-Krieg verursacht werden. Was das betrifft, forderte US-Präsident Trump zuletzt die NATO-Partner der USA und andere Länder wie China dazu auf, sich an der Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus zu beteiligen.

Die US-Luftangriffe auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg im Persischen Golf sowie die Drohung Trumps, auch die Ölanlagen auf der für die iranische Ölindustrie wichtigen Insel ins Visier zu nehmen, sollte Teheran den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiterhin behindern. "Wenn man die Infrastruktur in Kharg ausschaltet, verschwinden 2 Millionen Barrel pro Tag endgültig vom Markt – nicht [nur] bis die Sache mit der Straße von Hormus geregelt ist", so die Befürchtung von Dan Pickering, Chief Investment Officer von Pickering Energy Partners.

Während der Markt noch auf weitere Informationen dazu wartet, wie Washington für Sicherheit in der nicht nur für den internationalen Ölhandel so wichtigen Meerenge sorgen will, legte die IEA am Wochenende Details zur geplanten Freigabe strategischer Ölreserven vor. Diese wird in den Ländern des Raums Asien-Ozeanien unverzüglich beginnen, wohingegen in Europa und den amerikanischen Staaten erst Ende März Öl aus den Notreserven auf den Markt gebracht werden wird.

Vergangene Woche hatten die Marktteilnehmer auf die Ankündigung der Maßnahme kaum reagiert, nicht zuletzt auch, da sie sie bereits vorher größtenteils eingepreist hatten. Nichtsdestotrotz kam es nach dem festeren Start der Ölfutures heute Morgen erst einmal zu Gewinnmitnahmen, was allerdings auch der Meldung geschuldet gewesen sein dürfte, dass die Verladungen im emiratischen Hafen Fujairah wiederaufgenommen wurden. Der Hafen, von dem aus im Normalfall täglich rund 1 Million Barrel der Rohölsorte Murban exportiert werden, wurde kurz nach dem Angriff der USA auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg zum Ziel eines Drohnenangriffs und hatte deswegen vorübergehend den Betrieb unterbrochen.

Im Verlauf der Woche werden die Trader nun nicht nur auf weitere Meldungen zu den strategischen Ölreserven und die Entwicklungen im Nahost-Konflikt achten, sondern auch auf die Zinssitzungen von Fed und EZB. Von beiden Notenbanken erwartet sich der Markt in dieser Woche zwar keine Zinsanpassungen, konkretere Hinweise auf den weiteren Zinskurs könnten die Preise an den Ölbörsen allerdings dennoch beeinflussen.

13. März 2026

USA lockern Sanktionen für russisches Öl auf See

In ihren Bemühungen, den zunehmenden Preisdruck an den Energiemärkten mindern, haben die USA eine zweite Sondergenehmigung erteilt, die es Käufern ermöglicht, russische Öllieferungen abzunehmen. Die Ausnahmeregelung ist auf 30 Tage begrenzt und erlaubt es Staaten, bereits auf See befindliches, eigentlich sanktioniertes russisches Rohöl und Ölprodukte zu kaufen.
US Finanzminister Scott Bessent erklärte in einem Post auf X , der Schritt sei als „eng begrenzte, kurzfristige Massnahme gedacht. Sie gelte ausschliesslich für Öl, das sich bereits auf dem Transportweg befinde, und werde der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen. Zuvor hatte Bessent angedeutet, dass die USA möglicherweise weiteres russisches Öl von Sanktionen ausnehmen könnten, um den Preisdruck auf dem Ölmarkt zu verringern.
Die neue Regelung erlaubt die Lieferung und den Verkauf von russischem Rohöl und Erdölprodukten, die bis zum 12. März verladen wurden. Die Regierung in Washington erweitert damit eine Ausnahmegenehmigung, die in der vergangenen Woche für Indien erteilt worden war und für Öl galt, das vor dem 5. März verschifft wurde. Die nun ausgeweitete Regelung ist nicht mehr auf Indien beschränkt, schliesst jedoch Käufe durch den Iran aus. Die neue Lizenz gilt laut Angaben des US Finanzministeriums bis zum 11. April.
Der Schritt ist der jüngste Versuch der US Regierung, die Energiepreise zu stabilisieren. Zuvor hatten US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran sowie die anschliessende Schliessung der Strasse von Hormus wichtige Öl und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten unterbrochen und die Preise in die Höhe schnellen lassen. Am Mittwoch hatte Washington deshalb zugestimmt, 172 Mio. Barrel Öl aus der strategischen Erdölreserve freizugeben. Diese ist Teil einer umfassenderen Vereinbarung der 32 Mitgliedstaaten der IEA, insgesamt 400 Mio. Barrel Öl aus den Notfallvorräten auf den Markt zu bringen.

Nach einer der volatilsten Handelswochen aller Zeiten steuern die Ölpreise am Freitag auf ein neues Wochenplus zu. Trotz der amerikanischen Bemühungen, durch Sanktionslockerungen gegen Russland die Preise zu senken, handelt die Nordseesorte Brent weiterhin im Bereich von 100 Dollar je Barrel. Die Marktteilnehmer stellen sich auf weitere Turbulenzen ein, nachdem der Iran angekündigt hat, die Strasse von Hormus faktisch geschlossen zu halten.
Die IEA warnte am Donnerstag, dass die aktuelle Unterbrechung der Ölversorgung die grösste in der Geschichte des globalen Ölmarktes darstelle. Bereits am Vortag hatten die Mitgliedsstaaten eine historische Freigabe strategischer Reserven beschlossen, um die Preise zu dämpfen. In Abstimmung mit der IEA sollen insgesamt 400 Mio. Barrel aus den für den Notfall vorgesehenen Lagerbeständen auf den Markt kommen, darunter 172 Mio. Barrel aus den USA.
Dies ist die schwerwiegendste Unterbrechung der Ölversorgung seit den 1970er Jahren, fürchtet auch Philip Jones Lux, Senior Market Analyst bei Sparta Commodities, und nimmt Bezug auf frühere Versorgungskrisen im Nahen Osten. Die Freigabe der IEA könne zwar verhindern, dass die Preise in stratosphärische Höhen steigen, werde jedoch vermutlich nur kurzfristig Wirkung zeigen.
Auch Marktanalyst Emril Jamil von LSEG sieht die Maßnahmen skeptisch: Die Brent Futures an der ICE haben die Marke von 100 Dollar bereits überschritten und werden weiterhin gestützt trotz der Versuche, die Märkte mit der Ausnahmegenehmigung für russisches Öl und der beispiellosen Freigabe strategischer Reserven zu beruhigen. Aus Sicht des Marktes handele es sich lediglich um eine kurzfristige Lösung, die das grundlegende Problem der Angebotsknappheit nicht behebe. Die Terminstruktur der Ölpreise deute weiterhin auf eine anhaltend enge Versorgung hin.
Insgesamt bleibt der Ölmarkt von anhaltenden Unsicherheiten und damit auch starker Volatilität geprägt. Allein in dieser Woche bewegte sich die US Referenzsorte WTI in einer Spanne von rund 43 Dollar der grössten seit der Pandemiephase, als die Preise zeitweise sogar ins Negative rutschten. Brent schwankte in einer Bandbreite von etwa 38 Dollar. Angesichts des andauernden Krieges am Persischen Golf dürfte es auch in den kommenden Wochen immer wieder zu ähnlichen Kursschwankungen kommen.

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