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WAS ZÄHLT – IM BLICK.

14. August 2026

Hegseth: Seeblockade Irans kann "auf unbestimmte Zeit" aufrecht erhalten werden

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth gab am gestrigen Donnerstag gegenüber Journalisten an, die USA könnten die Seeblockade Irans auf unbestimmte Zeit aufrechterhalten. Die USA hatten zuvor angegeben die Seeblockade zu beenden, sobald sich Iran und Oman auf die Regelung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus geeinigt hätten und die Meerenge wieder geöffnet würde.

Unabhängig davon sagte der Finanzminister der USA, Scott Bessent, dass Washington auch weiterhin finanziellen Druck auf die Islamischen Republik ausüben wolle. „Seien Sie gespannt auf weitere Ankündigungen nächste Woche, denn wir werden Maßnahmen ergreifen, wie sie in der Geschichte der wirtschaftlichen Isolation eines Landes noch nie gesehen wurden“, so Bessent in einem Interview in der Sendung „Rob Schmitt Tonight“ auf Newsmax.

Die geopolitischen Konflikte lassen die Marktteilnehmer an den Ölbörsen einfach nicht zur Ruhe kommen und so wagen sich diese bei den Rohölkontrakten immer wieder ungern unter psychologische Schlüsselmarken. So sorgten gestern zwar die bearishen US-Ölbestandsdaten, die das DOE am Mittwoch veröffentlicht hatte, zusammen mit weiteren Angriffen auf Russlands Raffinerien und technischen Verkaufssignalen für einen Preisrückgang bei Brent und WTI, im Bereich von 80 Dollar war beim US-Rohölkontrakt dann allerdings Schluss mit der Abwärtskorrektur.

"Trotz der bearischen Daten zu den Rohölbeständen verhindert das breitere geopolitische Umfeld einen stärkeren Preisrückgang“, meint auch Susan Bell, Senior Vice President für Ölrohstoffmärkte bei Rystad Energy, in einer Mitteilung. So untermauerten Meldungen über Angriffe auf zwei emiratische Schiffe in der Straße von Hormus erst gestern wieder die Unsicherheit hinsichtlich der Menge an Öllieferungen, die es aus den Ländern am Persischen Golf durch die Meerenge auf den Weltmarkt schaffen, auch wenn es immer wieder Tanker durch die Wasserstraße schaffen.

Die Frage ist nun, ob der Konflikt zwischen den USA und dem Iran wieder stärker eskaliert. Die Möglichkeit einer US-Seeblockade Irans "auf unbestimmte Zeit", wie sie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth gestern in Aussicht stellte, könnte Teheran wieder zu umfangreicheren Angriffen auf US-Anlagen in Ländern am Persischen Golf verleiten und dürfte auch dazu führen, dass die Huthi ihre Seeblockade Saudi-Arabiens noch länger aufrechterhalten.

Den bullishen geopolitischen Faktoren wirkt mittlerweile jedoch der bearishe Einfluss entgegen, den die Nachfrageprognosen von EIA, IEA und OPEC für 2026 in dieser Woche mit sich brachten. Zwar rechnet beispielsweise die IEA für das dritte Quartal mit einem Angebotsdefizit von -1,8 Mio. B/T, bei der Nachfrage geht die Behörde für das Gesamtjahr 2026 allerdings mittlerweile von einem Rückgang um -1,6 Mio. B/T aus. "Das Ergebnis ist ein Markt, der zwar weiterhin Unterstützung findet, aber Schwierigkeiten hat, deutlich nach oben auszubrechen, solange diese gegenläufigen Kräfte bestehen bleiben", erklärt der Analyst Tim Waterer von KCM die Auswirkungen dieses Kräftegleichgewichts auf die Preisentwicklung.

13. August 2026

Iran: Keine Fortschritte in der Nacht

Was die Verhandlungen zu einer Öffnung der Straße von Hormus angeht, gab es in der Nacht weiter keinen Durchbruch oder sonst eine Veränderung der Lage. Pakistan, das zuletzt den Verhandlungsprozess moderierte und als Mediator fungiert, gibt mittlerweile zu, dass der Friedensprozess insgesamt ins Stocken geraten ist und keine Fortschritte mache. Man betont aber, dass es noch immer möglich sei die Übergangslösung von Juni zu verlängern, die im August ausläuft.

Das gilt allerdings als unwahrscheinlich, da der Waffenstillstand aus diesem Abkommen ohnehin von beiden Seiten aufgekündigt wurde und der Iran erst kürzlich klarstellte, dass man diese Übergangslösung nicht verlängern werde.

In den Monatsreports von EIA, IEA und OPEC wurde die globale Ölnachfrage 2026 nach unten korrigiert, was etwas Druck aus dem Markt genommen hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Nachfrage nicht auf natürlichem Wege schwächelt, sondern ein Teil des Ölbedarfs durch das zu geringe Angebot am Weltmarkt weggebrochen ist.

Entscheidend bleibt also das begrenzte Angebot, dass durch die Blocklade der Straße von Hormus, den ukrainischen Angriffen auf Russlands Ölanlagen sowie Sanktionen der EU und USA gegen Russland maßgeblich reduziert wird. Russland könnte nun noch einmal die Spannungen erhöhen, sollte Putin die jüngsten Drohungen umsetzen und Schiffe der EU beschlagnahmen.

Unterdessen ist weiterhin unklar wie viele Schiffe die Straße von tatsächlich passieren und wie viel Öl aus dem Persischen Golf auf den Weltmarkt kommt. Durch das eingeschränkte Tracking in der Region könnten die Transporte durch die Meerenge größer als bisher angenommen sein, klar ist dies allerdings nicht. Fest steht lediglich, dass die Verhandlungen zwischen USA und Iran offenbar festgefahren sind und sich die Sicherheitslage mit den jüngsten Angriffen auf Schiffe in der Region nicht verbessert hat.

„Die Sicherheitslage für die Schifffahrt in diesen Gewässern hat sich weiter verschlechtert, was Schiffe dazu zwingt, ihre Signale abzuschalten. Dies verringert die Transparenz im Schiffsverkehr und erschwert es dem Markt, die tatsächliche Versorgungslage zu verfolgen und einzuschätzen“, so Analysten von Haitong Futures.

„Die Volatilität dürfte ein bestimmendes Merkmal bleiben“, bis die Straße von Hormus wieder geöffnet wird und mehr Klarheit über die Produktion herrscht, stellt Analyst Charu Chanana, Saxo Markets fest. Bearishe Meldungen, wie die deutlichen Bestandsaufbauten in den USA, gehen dabei unter und werden in den Hintergrund gedrängt.

Durch das Ausbleiben konkreter bullisher Meldungen schwächen wir unsere fundamentale Einschätzung heute Morgen auf neutral herab. Die Eskalationen in der Straße von Hormus dürften für den Moment weitestgehend eingepreist sein, während die Drohung von Putin zu diffus ist, als dass sie den Markt aktuell nachhaltig beunruhigen würde. Bei den rechnerischen Inlandspreisen zeichnen sich so zudem leichte Preisnachlässe ab.

12. August 2026

Iran: Hormus bleibt geschlossen

Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, hat im iranischen TV bekräftigt, dass die Straße von Hormus geschlossen bleibt. „So lange wie Amerika sein Verhalten nicht ändert und die iranischen Bedingungen akzeptiert wird die Straße von Hormus nicht geöffnet.“

Indirekt erteilt Rezaei einer separaten Einigung zur Straße von Hormus eine Absage und verbindet diese mit dem generellen Ende der Kampfhandlungen sowie den damit verbundenen Forderungen des Iran. Diese sehen unter anderem die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie Reparationszahlungen vor. Die USA hingegen fordern selbst Reparationszahlungen von Teheran und werden sich wohl kaum auf die iranischen Bedingungen einlassen.

Trader ignorieren derzeit Meldungen wie vom API weitgehend, auch wenn diese einen seltenen bearishen Impuls liefern. Zu stark ist der Markt von den Geschehnissen rund um die Straße von Hormus und der Versorgung aus dem Mittleren Osten abhängig.

Hier scheint sich weiter keine wirkliche Lösung abzuzeichnen, nachdem der Iran sowie die USA ihre gegenseitigen Forderungen bei den Verhandlungen erhöht haben und damit eine baldige Einigung unwahrscheinlicher machen. Auch wenn Trump immer wieder betont, dass man die volle Kontrolle über die Straße von Hormus habe, so zeichnen die Angriffe auf Schiffe in der Region ein anderes Bild.

„Das Fehlen wesentlicher Nachrichten oder Fortschritte bei den Verhandlungen – während der Iran zugleich seinen Anspruch auf die Kontrolle der Straße von Hormus bekräftigt – lässt die Risiken für die Ölpreise weiterhin nach oben tendieren“, so Analyst Kyle Rodda, von Capital.com.

Auch Vivek Dhar, von der Commonwealth Bank of Australia, sieht dies ähnlich: „Der Anstieg der Ölpreise deutet darauf hin, dass die Märkte weiterhin skeptisch sind, ob eine baldige Einigung die Öltransporte durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen wird.“ Nehmen die weltweiten Lagerbestände weiter ab, drohe der Preis für Brent in Richtung der 100 Dollar-Marke zu steigen, fügte er hinzu.

Mit der festgefahrenen Situation im Konflikt zwischen USA und Iran, den neuen Angriffen auf Schiffe sowie der Drohung des Irans auch Angriffe auf amerikanischen Boden durchzuführen, bleibt die fundamentale Markteinschätzung von uns zunächst einmal weiter bullish. Bei den Inlandspreisen deuten sich aktuell nur leichte Preisänderungen zu gestern ab, nachdem die Notierungen an der ICE in der Nacht auf hohem Niveau geblieben sind. Zu beachten ist hier der bevorstehende Frontmonatswechsel bei ICE Gasoil, der für Verwerfungen sorgen kann.

11. August 2026

Libyens Ölgesellschaft meldet Drohnenangriff auf Raffinerie in Zawiya

Bereits Ende Juli war es in Libyen wieder zu Ausschreitungen gekommen, die sich auch auf die Ölindustrie des Landes auswirkten. Hatten damals Demonstranten einen vorübergehenden Produktionsstopp am Ölfeld El-Feel erzwungen, berichtete die staatliche Ölgesellschaft National Oil Corporation (NOC) nun allerdings von einem Drohnenangriff auf die Raffinerie von Zawiya. Der erste scheint dies allerdings nicht gewesen zu sein. So soll es in der westlibyschen Stadt in den vergangenen Tagen insgesamt vier Angriffe gegeben haben.

Beim jüngsten Angriff auf die Raffinerie soll nach Angaben des NOC-Chefs Masoud Suleman ein Lagertank zerstört worden sein, in dem sich 4,5 Mio. Liter Kraftstoff befanden. Derzeit versuche man laut Suleman den Brand an dem Lagertank zu löschen und die Ausbreitung auf weitere Tanks zu verhindern. In einer Mitteilung der NOC hieß es zudem, eine weitere Drohne habe auf ein Ölmisch- und Abfüllwerk abgezielt, das mit der Raffinerie verbunden ist. Darüber hinaus rief das Unternehmen in der Region den Notstand aus, da der infolge des Brands aus dem Tank ausgetretene Kraftstoff auch eine Gefahr für die umliegenden Ölanlagen bestehe.

An den Ölbörsen preisen die Marktteilnehmer derzeit wieder eine höhere geopolitische Risikoprämie ein, nachdem die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zuletzt wieder deutlich abnahm. So stellte zunächst der Iran mehrere Forderungen für eine Öffnung der Meerenge, bevor US-Präsident Trump gestern ebenfalls Bedingungen stellte, die bei weiteren Verhandlungen mit Teheran unbedingt berücksichtigt werden sollen.

Da es sich dabei allerdings um Entschädigungszahlungen für Menschen handelt, die Teheran vermutlich allesamt schlicht als Regimegegner betrachtet, ist sehr unwahrscheinlich, dass die iranische Regierung Trumps Forderungen erfüllen wird. Ob dies zu einer erneuten ausgiebigen Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran führen wird, bleibt abzuwarten, angenähert haben sich die beiden Seiten in den letzten Tagen allerdings sicherlich nicht.

Gleiches gilt wohl für Saudi-Arabien und die Huthi-Miliz, nachdem letztere am Wochenende erneut saudische Ölanlagen angegriffen hatte. "Das Risiko einer Blockade sowohl der Straße von Hormus als auch der Meerenge Bab al-Mandeb bleibt äußerst hoch", meint Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade. "Selbst vorübergehende Einschränkungen oder die Gefahr weiterer Zwischenfälle treiben die Versicherungskosten in die Höhe und erzwingen längere Schifffahrtsrouten (…) daher dürften die Energieflüsse kurzfristig weiterhin eingeschränkt bleiben", so die Einschätzung des Analysten.

Abgesehen von den möglichen und tatsächlichen Angebotsausfällen, die durch den Nahost-Konflikt und dem Ukraine-Krieg entstehen, scheint sich der Markt nun auch wieder Sorgen über das libysche Ölangebot machen zu müssen. In der westlibyschen Stadt war es zuletzt zu Drohnenangriffen gekommen, die auch die dortige Raffinerie in Mitleidenschaft zog. Unklar ist dabei noch, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Sollte sich allerdings wieder ein umfangreicherer Konflikt zwischen der von der international anerkannten Regierung in Tripolis und der Schattenregierung im Osten Libyens entwickeln, könnte dies zu weiteren umfangreiche Angebotsausfällen führen.

Wie die aktuelle Marktsituation von der EIA eingeschätzt wird, wird sich am frühen Abend zeigen, wenn die Behörde ihren Monatsbericht herausgibt. Die entsprechenden Reports von IEA und OPEC sind am morgigen Mittwoch fällig. An den Ölbörsen bleiben die Kontrakte heute Morgen erst einmal im Bereich der Vortageshochs, sodass sich bei den Inlandspreisen rein rechnerisch im Zuge der gestrigen Preisrally derzeit weiterhin Aufschläge abzeichnen.

10. August 2026

Iran stellt 6 Bedingungen für Öffnung der Straße von Hormus

Bereits am Freitag wurde den Hoffnungen der Marktteilnehmer auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr wieder ein Dämpfer versetzt, als es hieß, der Iran habe dafür bestimmte Forderungen gestellt. Nun ist klar, um welche Forderungen es sich dabei handelt.

Laut einer Erklärung des Sekretärs des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Landes geht es Teheran vor allem um 6 Punkte: das Ende der US-Drohungen und Militäraktionen, ein endgültiges Kriegsende, der Abzug der US-Marine- und Luftstreitkräfte aus dem iranischen Hoheitsgebiet, Entschädigung für Kriegsschäden, Aufhebung der Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Bevor die USA diese Bedingungen nicht erfüllen, werde der Iran die Straße von Hormus nicht öffnen, hieß es in der Erklärung.

Mitte letzter Woche hatte der iranische Außenministeriumssprechers Esmail Baghaei noch für neuen Optimismus hinsichtlich einer baldigen Öffnung der wichtigen Meerenge gesorgt, als er verkündete, Iran und Oman hätten sich auf ein Abkommen zur Regelung des Schiffsverkehrs geeinigt. Schon wenig später hieß es jedoch, das Abkommen sei kein Signal dafür, dass die Meerenge sofort geöffnet werde.

Die Rohölpreise an ICE und NYMEX begannen die neue Handelswoche auf festerem Fuß. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sich die Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr mittlerweile wieder zerschlagen haben, da Teheran zuletzt mit mehreren Forderungen ums Eck kam, ohne deren Erfüllung es laut der iranischen Regierung keine Öffnung der Meerenge geben wird.

Die Äußerung Trumps, vorerst einmal mit wirtschaftlichen Druckmitteln statt mit einer neuen Militäroperation zu bekämpfen, führten bislang noch nicht zu stärkerer Abwärtsdynamik. "Die Tendenz bleibt so lange bullish, wie der Markt die ‚Möglichkeit‘ von Störungen und nicht die Gewissheit einer Normalisierung einpreist", meint Haris Khurshid, CIO von Karobaar Capital LP zur Preisentwicklung und fügt hinzu: "Solange sich die tatsächlichen Lieferströme nicht normalisieren, dürfte das geopolitische Risiko den Rohölpreis stützen".

Zum geopolitischen Risiko trägt weiterhin auch die Huthi-Miliz bei, die am Wochenende wohl erneut die Raffinerie im saudischen Dschizan angegriffen hat. Der Vorstandsvorsitzende des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco, Amin Nasser, hatte vergangene Woche noch angegeben, die bisherigen Angriffe der Miliz (und anderer vom Iran unterstützter Milizen im Norden Iraks) hätten die Ölproduktion des Unternehmens bislang noch nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Frage ist allerdings, wie lange dies so bleibt bzw., ob es Riad nicht vielleicht nicht doch bald zu bunt wird und die saudische Regierung schließlich umfangreichere militärische Maßnahmen gegen die Huthi ergreift.

Was den Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen auf den Ölmarkt anbelangt, soll sich Kiew einem US-Regierungsvertreter zufolge bereit erklärt haben, Ölinfrastruktur und -tanker im Schwarzen Meer, die nichts mit Russland zu tun haben, nicht anzugreifen. Dies dürfte vor allem Kasachstan gelegen kommen, dessen Rohölexporte durch Angriffe auf den Ölexportterminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) im Schwarzen Meer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Über den Terminal führt das Land das Rohöl aus, das an seinen Ölfeldern gefördert und über die Tengis-Noworossijsk Pipeline dorthin transportiert wird.

Abgesehen von der Geopolitik beeinflusste zuletzt die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer hinsichtlich der weiteren Zinspolitik der Fed die Preisentwicklung. Am vergangenen Freitag waren dabei die US-Arbeitsmarktdaten für Juli zeitweise in den Vordergrund gerückt. Der überraschende Rückgang der Beschäftigung, den diese zeigten, reduzierte die Erwartungen, dass die Zinsen in den USA im September angehoben werden dürften. Die Ölfutures stützt dies tendenziell, da eine Anhebung der Zinsen die US-Wirtschaft und damit auch die Nachfrage beeinträchtigen könnte.

So starteten die Ölfutures heute Morgen fester, wobei Brent über die 85 Dollar-Marke noch nicht hinauskam. Bei den Inlandspreisen deutet sich aktuell im Vergleich zu Freitag Potenzial für Aufschläge an.

7. August 2026

Iran stellt neue Bedingungen für Öffnung der Strasse von Hormus

Der Streit um die Strasse von Hormus geht in die nächste Runde. So will der Iran nun offenbar Schiffen aus den USA und Israel die Durchfahrt komplett verbieten und von als feindlich eingestuften Staaten Entschädigungszahlungen von bis zu 20% des Frachtwerts für die Passage verlangen. Dies berichteten iranischen Staatsmedien unter Berufung auf den Vertrag zwischen Iran und Oman.
Die Vereinbarung galt zuletzt als entscheidend für die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus und die Wiederaufnahme der Energieexporte, die seit Februar massiv eingeschränkt sind. Jedoch: Das dürfte in Washington kaum auf Zustimmung stossen. Marktexperte Thomas Warrick, Senior Fellow beim Atlantic Council fürchtet: Anstatt Zugeständnisse zu machen, erhöhen beide Seiten ihre Forderungen.
Tatsächlich ist es schwer vorstellbar, dass Washington eine solche Regelung einfach abnickt. Nach Monaten, in denen Donald Trump betont hatte, die US-Streitkräfte hätten Iran praktisch besiegt, wäre ein Entgegenkommen innenpolitisch schwer vermittelbar zumal im November wichtige Zwischenwahlen stattfinden, bei denen über die Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses entschieden wird.
Dennoch haben Vertreter der USA und Irans in den vergangenen Tagen mehrfach angedeutet, dass eine Einigung über die Zukunft der Strasse von Hormus näher rückt. Trump, der zuletzt von seinen Drohungen neuer Militärschläge gegen Iran abgerückt war, erklärte am Donnerstag, die USA seien an Verhandlungen beteiligt. Ob bereits eine Vereinbarung erzielt worden sei, liess er jedoch wie so oft offen.
Unklar bleibt auch, wie genau Iran sein gefordertes Verbot für amerikanische und israelische Schiffe auslegen würde. Weltweit verkehren nur wenige Handelsschiffe unter US-amerikanischer oder israelischer Flagge und seit Beginn des Krieges haben ohnehin nur wenige dieser Schiffe den Persischen Golf angelaufen oder verlassen. Vorstellbar ist aber auch, dass auch Reedereien mit US-amerikanischen oder israelischen Eigentümern beziehungsweise Investoren als mit diesen Ländern verbunden eingestuft werden.
Die USA bestehen unterdessen weiterhin auf einer freien Durchfahrt durch die Strasse von Hormus und fordern im Grundsatz eine Rückkehr zum Zustand vor dem Krieg. Vorübergehende Routen durch die Meerenge würden weder Genehmigungen noch Zulassungen, Mautgebühren oder Abgaben unterliegen, erklärte ein US-Beamter am Donnerstag als Reaktion auf die Berichte über die jüngsten Vorschläge Teherans.

Die Ölpreise bleiben auch am letzten Tag der Woche gestützt, da die Unsicherheiten über eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus wieder zugenommen haben. So hat der Iran neue Forderungen vorgelegt, die ein Verbot für Schiffe aus den USA und Israel beinhalten, sowie hohe Durchfahrtsgebühren für als feindlich eingestufte Länder.
US-Präsident Donald Trump bekräftigte zwar, er gehe davon aus, dass der Krieg ziemlich bald enden werde und sich die Lage rund um die Meerenge gut entwickle, ob dies jedoch den Tatsachen entspricht, darf zumindest angezweifelt werden. Denn während die USA auf eine uneingeschränkte Schifffahrt und eine Rückkehr zum Vorkriegsstatus bestehen, drängt Iran weiterhin auf die Einführung eines Gebührensystems.
Eine Einigung über die Wiederöffnung der Strasse von Hormus lässt weiter auf sich warten, und die Anleger halten sich entsprechend zurück, kommentiert Rob Haworth, Analyst bei der Asset Management Group. Der Schiffsverkehr bleibt vorerst auf niedrigem Niveau und wann eine tragfähige Lösung gefunden wird, ist weiterhin offen.
Auch Ölmarktanalystin Lin Ye von Rystad Energy äussert sich zu den jüngsten Forderungen des Irans, die ihrer Ansicht nach der Hauptgrund für den jüngsten Preisanstieg an den Ölbörsen sind. Der Markt reagiert damit nicht nur auf das Risiko auf einer schlechten Vereinbarung. Vielmehr wird eingepreist, dass es selbst im Falle einer Einigung keine Rückkehr zur freien Schifffahrt geben dürfte. Stattdessen, so die Expertin, zeichne sich ein kontrollierter und an Bedingungen geknüpfter Transit durch die Strasse von Hormus ab.
Nach Angaben iranischer Staatsmedien fordert Teheran Transitgebühren in Höhe von 5 % bis 7 % der jeweiligen Frachtwerte für die Passage der Strasse von Hormus. Der Oman hatte Abgaben in Höhe von 3% vorgeschlagen, während Washington weiterhin jede Form von Gebühr ablehnt. Es bleibt nun abzuwarten, ob und wie genau mögliche Gebühren umgesetzt werden können. Branchenvertreter warnten zuletzt, dass solche Regelungen angesichts der US-Sanktionen gegen Iran sowie restriktiver Versicherungsklauseln möglicherweise nur schwer umsetzbar wären.
Während der Streit um die Strasse von Hormus also ungeklärt bleibt, hat der Iran nach eigenen Angaben auch wieder feindliche Ziele in der Meerenge angegriffen und damit die hohen Risiken für die Schifffahrt in der Region noch einmal unterstrichen. Nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars ereigneten sich die Angriffe Donnerstagnacht, nachdem es zuvor zu Explosionen in der Nähe der Insel Qeschm gekommen war.

5. August 2026

Steht Abkommen über Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bereits?

Bereits am gestrigen Dienstag sorgten Meldungen über den gegenseitigen Austausch von Entwürfen für ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran für einen Preisrutsch an den Ölbörsen. Aus Katar hieß es zudem, US-Präsident Donald Trump habe mit dem Staatsoberhaupt des Emirats, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani telefoniert, um über eine Deeskalation des amerikanisch-iranischen Konflikts voranzutreiben. Dem Nachrichtenportal Axios zufolge könnte bereits am heutigen Mittwoch zumindest ein Abkommen über die Schifffahrt in der Straße von Hormus angekündigt werden.

Der Entwurf dazu sehe demnach eine 60 Tage geltende Regelung des Schiffsverkehrs in der wichtigen Meerenge vor. Innerhalb des Zeitraums, in dem das Abkommen gültig ist, soll es keine Gebühren oder sonstige Abgaben für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus geben. Dies entspricht den Vereinbarungen, die im vorläufigen Friedensabkommen von Juni getroffen worden waren.

Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent schloss am gestrigen Dienstag erstmals seit dem 10. Juli wieder unterhalb von 80 Dollar pro Barrel, während das Settlement des US-Rohölkontrakts WTI gerade noch so oberhalb von 75 Dollar lag.
Meldungen über bereits bestehende Entwürfe für ein neues vorläufiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran hatten die Preise an den Ölbörsen am Nachmittag deutlich sinken lassen, da sie darauf hoffen ließen, dass auch bald geklärt sein könnte, wie die Schifffahrt durch die Straße von Hormus geregelt wird.
"Auch wenn der unmittelbare geopolitische Risikozuschlag abgebaut wurde, mahnt die allgemeine Versorgungslage zur Vorsicht", warnt jedoch Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalyse bei Phillip Nova. "Sollten diplomatische Bemühungen scheitern und die physische Versorgung letztlich beeinträchtigt werden, könnte sich der aktuelle Rückgang als nur von kurzer Dauer erweisen, da knappe Lagerbestände die Auswirkungen eines künftigen Angebotsschocks noch verstärken würden", fügt Sachdeva hinzu.

In den USA waren die landesweiten Rohölvorräte in der Woche zum 24. Juli auf den niedrigsten Stand seit September 2018 gefallen. Das API geht zwar davon aus, dass es in der vergangenen Woche zu einem Anstieg gekommen ist, das Bestandsniveau wäre allerdings auch weiterhin sehr niedrig, sollte das DOE die vom API genannten Aufbauten um +2,7 Mio. Barrel heute Nachmittag bestätigen.

Die Frage bleibt außerdem, wie schnell sich die Versorgungslage bei den Kraftstoffen erholen wird. Die Preise der Produktkontrakte an ICE und NYMEX gingen zwar zuletzt wieder zurück, dies dürfte jedoch eher eine technische Abwärtskorrektur gewesen sein, die sich im Zuge der wiederholten Drohungen Trumps gegenüber den US-Ölkonzernen ergeben hatte. Der US-Präsident warf diesen Anfang der Woche erneut vor, dass die Kraftstoffpreise für US-Konsumenten zu hoch seien, während die Konzerne aus dem Iran-Krieg Profit schlagen würden.

Abzuwarten bleibt außerdem, wie es mit dem Schiffsverkehr in der Straße von Bab el-Mandeb weitergeht, wo die Huthi-Miliz die Seeblockade Saudi-Arabiens fortsetzen. War zuletzt aus informierten Kreisen durchgedrungen, dass Riad eine internationale Koalition zur Sicherung des Schiffsverkehrs in der Meerenge zusammentrommeln wolle, hieß es nun, dass es über Vermittler aus dem Oman sogar Gespräche mit den Huthi selbst gegeben haben soll. Sollten diese Scheitern könnte auch dieser Konflikt weiter eskalieren und das Ölangebot Saudi-Arabiens gefährden.

4. August 2026

Iran/USA: Trump droht mit „letzter Chance vor Enthauptung“

Am Sonntag hatte US-Präsident Trump behauptet, es werde schon am Montag neue Gespräche mit dem Iran geben. Obwohl es gestern keine Anzeichen für laufende Verhandlungen gab, setzt Trump nach und erklärte, sein jüngstes Gesprächsangebot an Teheran sei dessen „letzte Chance“. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass die Straße von Hormus vollständig wieder geöffnet werde.

„Wir sprechen über die Meerenge, über ihre Öffnung – und zwar buchstäblich bis morgen“, sagte Trump am Montag vor Journalisten im Oval Office. „Das ist ihre [Irans] letzte Chance, ein gutes Dokument zu unterzeichnen“, fügte der Präsident hinzu, allerdings erneut ohne näher zu erläutern, auf welche Verhandlungen oder welche Beteiligten er sich bezog. Er schob hinterher: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance geben bevor wir sie enthaupten.“

Nach dem gestrigen Kurseinbruch zum Wochenstart stehen die Zeichen inzwischen schon wieder auf Anstieg, denn trotz der von Donald Trump angekündigten Gespräche mit dem Iran ist eine diplomatische Lösung des Konfliktes weiterhin unwahrscheinlich. Stattdessen erneuerte der US-Präsident seine Drohungen gegen den Iran und bezeichnete sein jüngstes Gesprächsangebot als „letzte Chance“.

Die Ölpreise unterliegen seit Wochen starken Schwankungen, nachdem die Kämpfe am Persischen Golf mit dem Scheitern der Waffenruhe im Juni wieder aufgeflammt und auf das Rote Meer übergegriffen hatten. Seitdem überwog das Hin und Her zwischen militärischer Eskalation und angeblichen diplomatischen Annäherungen. Gefruchtet hatten diese bisher allerdings nicht.

Am Montag sagte Donald Trump dann einen geplanten Angriff auf den Iran ab, den er als den „größten seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnete, und gab an, Teheran und andere Nahoststaaten hätten um Gespräche zur Beendigung des Krieges und zur Beilegung des Streits um die Kontrolle über die Straße von Hormus gebeten. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, wies diese Darstellung jedoch zurück. Es gebe keine Verhandlungen mit den USA, Treffen seien ebenfalls nicht geplant.

„Das Ausmaß der Gewinnmitnahmen erscheint deutlich überzogen, da nach wie vor erhebliche Unsicherheit besteht. Eine ähnliche Situation haben wir bereits mehrfach erlebt – nur um anschließend zu sehen, wie alles wieder auseinanderfiel“, heißt es von der ING in einer Marktanalyse. Dass der Iran laufende Gespräche bestreite und Trump zugleich mit Konsequenzen drohe, falls keine Einigung zustande komme, lasse nach Einschätzung der Experten weiterhin erheblichen Spielraum für eine erneute Eskalation offen.

Und auch Carolyn Kissane, stellvertretende Dekanin des Center for Global Affairs der New York University, rechnet mit anhaltender Volatilität. „Solange es Möglichkeiten gibt, Öllieferungen umzuleiten, kann dieses Auf und Ab anhalten“, so die Expertin. „Der Iran will die Lage nicht weiter eskalieren lassen, möchte die Spannungen aber aufrechterhalten. Nach dieser Marktreaktion dürfte es weitere Angriffe geben. Eine solche Situation haben wir bereits erlebt.“

Während der Krieg mit dem Iran die globalen Energiemärkte ohnehin belastet, wächst durch die ukrainische Angriffsstrategie gegen Russlands Ölinfrastruktur der Druck auf die globale Ölversorgung. Der Juli war mit rund 30 Angriffen auf Tanker, Raffinerien und andere Einrichtungen der Monat mit den zweithäufigsten Attacken auf Russlands Ölversorgungskette seit Beginn der groß angelegten Invasion in die Ukraine im Jahr 2022.

Immerhin an den wichtigen Schwarzmeerhäfen scheint sich die Lage wieder zu entspannen. So konnten in den vergangenen Tagen insgesamt vier Tanker Ladung am Exportterminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) aufnehmen, nachdem es dort in Folge von Angriffen immer wieder zu Ausfällen gekommen war. Der Terminal ist von entscheidender Bedeutung für die kasachischen Ölexporte. Die jüngsten Tankerattacken in der Region haben jedoch dazu geführt, dass einige Reeder beim Anlaufen des Terminals deutlich vorsichtiger geworden sind.

3. August 2026

OPEC+ beschließt weitere Förderanhebung

Die führenden Mitglieder der OPEC+ haben am Wochenende eine weitere Anhebung ihrer Förderquoten beschlossen. Darauf einigten sich die sieben Länder, die in den vergangenen anderthalb Jahren an freiwilligen Förderkürzungen beteiligt waren, bei ihrer monatlichen Abstimmung. Auf dem Papier sind die ursprünglich 3,5 Mio. B/T betragenden Kürzungsmaßnahmen damit offiziell wieder abgebaut.

Wie auch schon in den Monaten zuvor sollen nun also noch einmal 188.000 B/T mehr gefördert werden dürfen. Allerdings hat auch diese Quotenanpassung , so wie schon die Male zuvor, vor allem einen symbolischen Charakter, denn umsetzbar ist der Beschluss aktuell für keines der beteiligten Länder. Die OPEC+ hatte in den vergangenen Monaten trotz der kriegsbedingten Export- und Produktionseinbrüche ihre Fördermengen sukzessive angehoben, während die Fördermengen effektiv rückläufig waren.

Der Ölmarkt startet in die nächste Runde der geopolitischen Achterbahn und hat erneut Hoffnung gefasst, dass eine Verhandlungslösung der verfahrenen Situation im Persischen Golf möglich ist. So hat nachdem die Rohölfutures an ICE und NYMEX im Juli noch den höchsten monatlichen Anstieg seit März verzeichnet hatten, starteten sie heute mit einem deutlichen Gap in die neue Woche und den neuen Monat.

Auslöser war die Tatsache, dass Donald Trump erneut Gespräche mit dem Iran in Aussicht gestellt hatte, die seinen Angaben zufolge noch heute starten sollen. Zudem habe er einen groß angelegten Militärschlag auf Bitten mehrerer Verbündeter im Nahen Osten, darunter Saudi-Arabien, gestoppt, um den Weg für eine diplomatische Lösung freizumachen. Dabei stehe die Straße von Hormus im Zentrum der Bemühungen.

„Der Preisrückgang spiegelt die Erleichterung darüber wider, dass eine weitere Eskalation zunächst vermieden wurde“, kommentiert Takahiro Asaoka, Rohstoffanalyst beim Itochu Research Institute. „Die Bewegung dürfte vor allem auf Short Coverings zurückzuführen sein, da die geopolitische Risikoprämie nachlässt. Für einen nachhaltigen Rückgang der Ölpreise wäre jedoch eine Einigung erforderlich, die eine Rückkehr des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zur Normalität ermöglicht.“

Auch nach Einschätzung von Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG, richtet sich der Blick nun darauf, ob sich die Entwicklungen der Vorwoche wiederholen. Entscheidend sei, ob die Hoffnungen auf eine Einigung erneut scheiterten, weil der Iran bei seiner harten Haltung bleibe und seine Kontrolle über die Straße von Hormus weiter als Druckmittel nutze – etwa durch einen Angriff auf einen US-Stützpunkt oder einen Tanker in der Meerenge.

Die Risiken für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus, über die in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweiten Rohöl- und LNG-Handels abgewickelt wird, sind somit nicht wirklich geringer geworden. Entsprechend suchen zahlreiche Golfstaaten weiter nach alternativen Exportrouten. So haben etwa die Türkei und der Irak nach Angaben des irakischen Ölministeriums ein ausgelaufenes Pipeline-Abkommen um ein Jahr verlängert. Über die Leitung könnten täglich bis zu 750.000 B/T exportiert werden.

Unterdessen billigten die wichtigsten OPEC+-Staaten eine weitere, vergleichsweise geringe Anhebung ihrer Förderquoten. Damit ist die Rückführung der 2023 beschlossenen freiwilligen Förderkürzungen theoretisch abgeschlossen. Zugleich verschafft sich das Bündnis Spielraum, seine Produktionsmengen nach einem Ende des Nahostkriegs schnell weiter auszuweiten.

Positive Nachrichten für die Angebotsseite kommen zudem aus Kasachstan. Das Energieministerium teilte mit, dass das Caspian Pipeline Consortium (CPC) nach einer vorübergehenden Unterbrechung am Freitag seit dem 1. August wieder täglich rund 100.000 Tonnen Rohöl umsetzt. Zwar können damit nun wieder Tanker am Schwarzen Meer beladen werden, das tatsächliche Exporttempo wird jedoch auch davon abhängen, ob Reedereien bereit sind, die Fahrt durch das Krisengebiet auf sich zu nehmen.

31. Juli 2026

Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus nimmt zu

Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Strasse von Hormus hat in den vergangenen Tagen trotz der anhal-tenden Kämpfe im Nahen Osten wieder zugenommen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Mittwoch insgesamt 14 Tanker die Strasse von Hormus in beide Richtungen. In der vergangenen Woche hatte die Zahl noch im einstelligen Bereich gelegen.
Die Marktteilnehmer beobachten den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus sowie die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer derzeit besonders genau, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie die Schifffahrt auf die sich ständig verändernde Sicherheitslage reagiert. Das Verkehrsaufkommen auf beiden Routen schwankte zuletzt mit jeder neuen Angriffswelle, in die auch Tanker involviert waren.
Ein Grund für den zunehmenden Schiffsverkehr durch die Wasserstrasse könnte das Engagement der USA sein, denn laut Angaben des amerikanischen Energieministers Chris Wright eskortierte die US-Marine zuletzt wieder mehrere Tanker bei der Passage durch die Meerenge. Wir setzen das US-Militär ein, um Öl- und Gastanker sicher durch die Strasse von Hormus zu geleiten, sagte Wright in einem Interview. In der vergangenen Woche seien auf diesem Weg rund 6,5 Mio. B/T Öl aus dem Persischen Golf transportiert worden.
Auch im Roten Meer scheint der Öltankertransit nicht komplett unterbrochen zu sein, denn auch hier wurden zu-letzt mehrere Tanker beobachtet, die in den Golf von Aden einliefen. Dies deutet darauf hin, dass sie den saudi-schen Hafen Yanbu anlaufen trotz der anhaltenden Bedrohung durch Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz. Saudi-Arabien hatte in diesem Zusammenhang erst gestern Pläne für eine Internationale Koalition vorgestellt.

Die Ölpreise geben zum Ende einer volatilen Handelswoche leicht nach, steuern jedoch weiterhin auf den stärksten Monatsgewinn seit März zu. Hintergrund ist, dass trotz ausbleibender grösserer Fortschritte in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran wieder mehr Schiffe die strategisch wichtigen Seewege in der Region passieren.
Obwohl sich USA und Iran am Donnerstag erneut gegenseitig angriffen, hat der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus in den vergangenen Tagen offenbar zugenommen. Gleichzeitig beriet Saudi-Arabien mit Vertretern aus 43 Staaten über die Bildung einer Allianz zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und dessen angrenzenden Gewäs-sern. Das Königreich will damit der Seeblockade entgegenwirken, die die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen in der vergangenen Woche gegen Saudi-Arabien verhängt hatten 30.07.2026 Rotes Meer: Saudi-Arabien strebt inter-nationale Koalition an.
Zwar verkehren weiterhin Öltanker sowohl durch die Strasse von Hormus als auch durch das Rote Meer, doch die gestiegenen Sicherheitsrisiken haben die Frachtkosten und Versicherungsprämien deutlich erhöht. Dadurch bleibt ein erheblicher geopolitischer Risikoaufschlag in den Ölpreisen enthalten, merkt Ölmarktanalystin Priyanka Sachde-va von Phillip Nova an. Zwar wären die Preise zuletzt etwas von ihren Höchstständen zurückgekommen, der überge-ordnete Aufwärtstrend bleibe jedoch intakt.
Entsprechend haben die Ölbörsen im Juli auf Monatssicht spürbar zugelegt. Im Verlauf des Monats scheiterte die ohnehin fragile Feuerpause zwischen Washington und Teheran, die im Jemen ansässigen Huthi-Milizen griffen in den Konflikt ein, und saudische Streitkräfte beteiligten sich gemeinsam mit den USA an Angriffen auf vom Iran un-terstützte Gruppen im Irak. Gleichzeitig sind die US-Öllagerbestände weiter gesunken.
Es bleibt abzuwarten, ob sich der Konflikt weiter ausweitet und ob die USA tatsächlich in der von Präsident Trump angedrohten Weise reagieren oder ob es bei gegenseitigen Vergeltungsschlägen in einem vergleichsweise begrenz-ten Umfang bleibt, kommentiert Carolyn Kissane, stellvertretende Dekanin des Center for Global Affairs der New York University.
Neben dem Nahen Osten sorgen sich die Marktteilnehmer auch um die kasachischen Ölexporte im Schwarzen Meer. Die Verladungen wurden in dieser Woche nach erneuten Angriffen auf Tanker erneut ausgesetzt (30.07.2026 Verladungen am CPC-Schwarzmeerterminal erneut unterbrochen). Allein in diesem Monat wurden inzwischen neun Schiffe angegriffen, die sich am Terminal des Caspian Pipeline Consortium befanden oder auf dem Weg dorthin wa-ren so viele wie seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 nicht mehr.
Die anhaltenden Angebotsunsicherheiten sorgen zum Ende der Woche und des Monats für eine fundamental immer noch leicht bullishe Einschätzung, auch wenn positive Signale von der Schifffahrt heute für etwas Entspannung sor-gen. Entsprechend nehmen die Anleger auch am Freitagmorgen erst einmal wieder Gewinne mit, so dass sich auch bei den Inlandspreisen frühes Abwärtspotenzial andeutet.

30. Juli 2026

Angriffe weiten sich aus – Iraks Milizen im Fokus

Mit den Angriffen Saudi-Arabiens und der USA auf Ziele im Irak hat sich der Krieg im Nahen Osten seit dem 28. Juli auf eine neue Front ausgeweitet. Der Kampfeinsatz richtet sich gegen vom Iran unterstützte Milizen im Irak, die – so die Begründung aus Riad – in den letzten Tagen immer wieder Drohnen auf saudische Ölanlagen abgefeuert hätten.

Im Irak gibt es zahlreiche mächtige, von Teheran unterstützte bewaffnete Gruppierungen. Viele von ihnen entstanden im Zuge der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003. Organisiert sind sie unter dem Dach der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten (Popular Mobilization Forces, PMF). Bis heute verfügen sie über beträchtliche militärische und politische Macht. Zahlreiche ihrer Mitglieder sitzen als Abgeordnete im irakischen Parlament.

Obwohl sich die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärfen, geben die Ölpreise an ICE und NYMEX heute etwas nach. Die USA haben eine erneute Angriffswelle gegen den Iran durchgeführt, sich dabei aber auf militärische Ziele konzentrierte. Brücken und Kraftwerke in der Islamischen Republik wurden dabei nicht angegriffen. Zudem bleibt der Schiffsverkehr in der Region zwar reduziert, ist aber nicht komplett zum Erliegen gekommen.

Vorläufigen Schifffahrtsdaten zufolge passierten am Dienstag mindestens 28 Frachtschiffe die Meerenge Bab el-Mandeb zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden – so viele wie seit dem 19. Juli nicht mehr (28.07.2026 Schiffsverkehr im Nahen Osten bleibt gedämpft). Anders sieht es allerdings in der traße von Hormus aus, wo weiterhin nur vereinzelt Schiffe die Durchfahrt wagen.

Die Meerenge gilt als einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Vor Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran wurden täglich rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen durch das Nadelöhr zwischen der iranischen und der omanischen Küste verschifft. Seit Beginn des Konflikts ist die Passage jedoch weitgehend blockiert.

„Trotz der insgesamt geringeren Transportmengen verlässt weiterhin Öl auf unterschiedlichen Wegen die Region, und es werden laufend weitere Ausweichmöglichkeiten erschlossen“, meint IG-Marktanalyst Tony Sycamore. Er merkt an, dass Irans Einfluss auf die Straße von Hormus immer weiter geschwächt wird, je mehr und je schneller alternativen Routen und Transportwege erschlossen werden.

Bis dahin bleibt die Blockade der Wasserstraße durch den Iran aber ein Problem für den Ölmarkt. Dieser war im Juli von hoher Volatilität geprägt gewesen. Nachdem noch im Juni alles nach Rückkehr zur Normalität ausgesehen hatte, flammten die Kämpfe Anfang des Monats wieder neu auf. Gleichzeitig weitet sich der Konflikt inzwischen aus: Die Huthi-Rebellen im Jemen drohen mit einer Blockade Saudi-Arabiens im Roten Meer, während saudische Streitkräfte mit den USA Ziele im Irak angegriffen haben, die mit vom Iran unterstützten Milizen in Verbindung gebracht werden.

„Die Märkte haben die Aussicht auf eine erneute Beruhigung der Lage zu früh eingepreist – insbesondere angesichts der Forderung des Iran, im Rahmen eines möglichen Abkommens die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten“, stellt Bart Melek von TD Securities fest. „Wir beobachten weiterhin eingeschränkte Lieferströme und eine zunehmende Verknappung auf dem weltweiten Energiemarkt.“

In Washington hat die US-Notenbank unterdessen ihre Leitzinsen unverändert belassen, was für die Marktteilnehmer aber nicht überraschend kam. Der Dollar knickte damit gestern Abend erst einmal wieder ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihre Zinsen im September straffen wird, bleibt unterdessen hoch, denn Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte gestern nach der zweitägigen Zinssitzung, dass einige Notenbankmitglieder schon dieses Mal für eine Zinsstraffung plädiert hatten.

Aus fundamentaler Sicht bleibt die Lageeinschätzung erst einmal bullish, denn die Eskalation im Nahen Osten erhöht erneut die Risikoprämie. Entsprechen hoch bleibt das Preisniveau an den internationalen Ölbörsen und damit auch gleichzeitig bei den Inlandspreisen im Bundesgebiet. Hier verhindert heute allerdings ein wieder erstarkter Euro das Schlimmste.

29. Juli 2026

API meldet deutliche Abbauten bei Rohöl

Die Bestandsschätzungen des American Petroleum Institute (API) von gestern Abend liefern auf den ersten Blick einen klar bullishen Eindruck. Dafür ist vor allem der starke Rückgang bei Rohöl verantwortlich, von dem das API ausgeht. Während die Erwartungen gerade einmal bei einem Abbau von -0,6 Mio. Barrel liegen, prognostiziert das API -3,3 Mio. Barrel Rückgang.

Die amerikanischen Rohölbestände liegen aktuell nahe eines historischen Tiefstandes und waren erst Ende Juni auf das niedrigste Niveau seit 2018 gefallen. Besonders prekär zudem: das API meldet auch für Cushing, das US-Zentrallager in Oklahoma, erneut einen Abbau. Hier liegen die Vorratslevel schon seit Wochen auf kritischem Niveau, so dass ein reibungsloser Ablauf nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Auch hier würde sich die Lage mit dem vom API gemeldeten Rückgang erneut klar verschärfen.

Die Hoffnungen auf neue Verhandlungen und eine friedliche Lösung im Nahen Osten haben sich wieder verflüchtigt, nachdem eine Welle von Kämpfen in der Nacht die Lage in der Region erneut eskaliert hat. Damit sind auch die Sorgen um anhaltende Angebotsausfälle durch Seeblockaden und Angriffe auf wichtige Ölinfrastruktur wieder zurück.

So haben offenbar die iranischen Revolutionsgarden (IRGC)einen US-Luftwaffenstützpunkt sowie ein Kommandozentrum in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. Zudem seien drei Tanker von Raketen getroffen und damit durch die iranische Militäreinheit gestoppt worden. Genaueres zu den Umständen dieser Angriffe ist bisher allerdings nicht bekannt.

Das US-Zentralkommando (CENTCOM) teilte mit, einen iranischen Angriff auf US-Truppen abgefangen zu haben, nannte jedoch ebenfalls keine weiteren Einzelheiten. Gleichzeitig hätten das US-Militär und Saudi-Arabien „mit Iran verbündete Terroristen“ im Irak angegriffen, nachdem diese auf Anweisung der IRGC US-Streitkräfte und die saudische Energieinfrastruktur ins Visier genommen hätten, erklärte CENTCOM.

Eine Deeskalation im Persischen Golf ist damit wohl erst einmal passé. Dieser Meinung ist auch Helima Croft von RBC Capital Markets, die sich skeptisch hinsichtlich einer baldigen diplomatischen Lösung äußert: „Wir bezweifeln weiterhin stark, dass ein bedeutender diplomatischer Durchbruch unmittelbar bevorsteht, der den Atomkonflikt beenden könnte, aus dem der Krieg hervorgegangen ist“. Die anhaltende Bedrohung durch Raketen, Seeminen, Drohnen und Maßnahmen Teherans werde weiterhin einen erheblichen Teil der Schifffahrt davon abhalten, die Region zu befahren, so die Expertin.

Tatsächlich bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den Weltmärkten verbindet, äußerst gedämpft. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Dienstag lediglich zwei Frachtschiffe die Meerenge. Diese Angaben könnten allerdings noch nachträglich angepasst werden, da die meisten Schiffe ihre Transponder während der Passage aus Sicherheitsgründen ausschalten, um eben nicht getrackt werden zu können.

In der Frage um die Kontrolle der Wasserstraße lehnte der Iran unterdessen einen Vorschlag des benachbarten Oman ab, der eine 50/50-Überwachung der Routen durch die Meerenge vorsah. Dieser werde den Bedenken der Islamischen Republik nicht gerecht. Die einlaufende Fahrrinne müsse vollständig unter iranischer Kontrolle stehen, ebenso ein Teil der auslaufenden Route, erklärte Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi im Staatsfernsehen.

In Washington traf Präsident Donald Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, wobei der US-Präsident versuchte, erneute Militärschläge in der Region zu verhindern. Nach dem Treffen erklärte Netanjahu allerdings gegenüber Fox News, er sei skeptisch hinsichtlich einer Einigung. Israel hatte im Februar gemeinsam mit den USA den Krieg begonnen, um Teherans Atomprogramm einzudämmen.

Im Lichte dieser Entwicklungen bleibt am Markt wenig Bearishes übrig, so dass unsere fundamentale Einschätzung heute wieder klar bullish ausfällt. Dazu tragen auch die eher bullishen API-Bestandsdaten bei, selbst wenn die Marktteilnehmer noch auf die heute Nachmittag fälligen DOE-Daten warten. Sollten sie stark bearish ausfallen, könnten sie möglicherweise doch noch einmal etwas Abwärtsdruck erzeugen.

28. Juli 2026

Huthi-Miliz greift wichtige saudische Ölinfrastruktur an

Die aus dem Jemen heraus agierende Huthi-Miliz gab am gestrigen Montag an, mehrere wichtige Anlagen der saudischen Ölinfrastruktur angegriffen zu haben. Zu den Zielen der vom Iran unterstützten Miliz gehörte offenbar auch die Pipeline, mit der Saudi-Arabien sein Rohöl von den Ölfeldern im Osten des Landes an den Exporthafen Yanbu im Westen transportiert. Der militärische Sprecher der Huthi, Yahya Saree, begründete den Angriff mit dem vorausgegangenen Eindringen saudischer Drohnen in den jemenitischen Luftraum.

Derweil hieß es in einer Meldung, die die saudische Presseagentur (SPA) gestern veröffentlichte, die Systeme des Königreichs zur Verteidigung gegen Luftwaffen hätten nach Angaben des Verteidigungsministeriums mehrere Drohnen abgefangen, die von irakischem Boden aus abgeschickt worden seien und auf Ölanlagen im Osten Saudi-Arabiens sowie in der Hauptstadt Riad abgezielt hätten.

Die Rohölpreise an den Rohstoffbörsen in Europa und den USA gaben gestern weiter nach, sodass der Nordsee-Rohölkontrakt Brent schließlich wieder ein Settlement unterhalb der psychologisch wichtigen Preismarke von 90 Dollar pro Barrel verzeichnete. Unterdessen lag das Settlement von WTI wieder deutlich unterhalb von 85 Dollar.

Der Preisrutsch, mit dem die Ölfutures die neue Handelswoche begannen, scheint sich auch heute erst einmal fortzusetzen, da die gegenseitigen Angriffe der USA und des Irans bereits den dritten Tag in Folge ausblieben. Darüber hinaus sollen Washington und Teheran laut US-Präsident Trump derzeit Gespräche zur Beendigung des Konflikts führen. Eine Aussage, die jedoch mit Vorsicht zu genießen ist, da sie von iranischer Seite nicht bestätigt wurde und Trump bereits mehrmals behauptet hatte, es würden Verhandlungen geführt, obwohl der Konflikt wenig später zum Teil weiter eskalierte. Außerdem wird Israels Premierminister Benjamin Netanjahu heute in Washington erwartet und es bleibt abzuwarten, wie dieser auf Trump und seine weitere Strategie in Sachen Iran - so es denn eine gibt - einwirken wird.

"Ich glaube nicht, dass der Nahost [-Konflikt] ‚gelöst‘ ist", so die Ansicht von Analyst Scott Shelton von der TP ICAP Group Plc. Es bedürfe „echter Belege dafür, dass Öl durch die Straße von Hormus transportiert wird – was meiner Meinung nach bislang noch nicht geschehen ist", erklärt er. Die Schifffahrt durch die Meerenge kam zuletzt nahezu zum Erliegen, wenngleich einige Schiffe offenbar weiterhin versuchen, sie vom Iran unbemerkt zu durchfahren, indem sie ihre Transponder ausschalten.

Ein weiterer Grund für die niedrigeren Preise ist die Wiederaufnahme der Verladung am Exportterminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC), die etwa eine Woche lang unterbrochen war und auch die Ölproduktion Kasachstans in Mitleidenschaft gezogen hatte, das den Terminal für seine Rohölexporte nutzt. In einer Pressemitteilung des Konsortiums hieß es, dass sich gestern zwei Tanker an den Liegeplätzen befanden. Auch sei Pipeline Tengis-Noworossijsk wieder in Betrieb genommen worden, über die das kasachische Rohöl vom Tengis-Ölfeld an den Terminal geliefert wird. "Die Anlagen des CPC laufen im Normalbetrieb", so das Konsortium in seiner Mitteilung.

Unterdessen sorgt die Huthi-Miliz mit ihrer Seeblockade Saudi-Arabiens und Angriffen auf die Ölanlagen des OPEC-Schwergewichts für Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Dabei nimmt die Miliz eigenen Angaben zufolge wohl nicht mehr nur die Anlagen an der Westküste Saudi-Arabiens - wie beispielsweise den Exporthafen Yanbu - ins Visier, sondern auch Ölinfrastruktur im Osten des Königreichs. Besonders ein "erfolgreicher" Angriff auf die Ost-West-Pipeline, mit der Saudi-Arabien sein Rohöl von den Feldern im Osten seit der Probleme in der Straße von Hormus verstärkt an den Hafen von Yanbu transportiert, um es von dort zu exportieren, könnte die Ölpreise an den Börsen noch einmal steigen lassen. Bereits durch die bisherigen Angriffe auf den Hafen selbst sollen die Ölexporte von Yanbu bereits um 25 % gesunken sein.

Wie viel Öl die USA in der vergangenen Woche exportierten und ob der Tropensturm Bertha stärkeren Einfluss auf die Rohölproduktion und den Raffineriebetrieb des Landes hatte, wird sich morgen zeigen, wenn das DOE um 16:30 Uhr seinen aktuellen Wochenbericht zum US-Ölmarkt veröffentlicht. Heute Nacht wird wie üblich erst einmal das API seine wöchentlichen Ölbestandsschätzungen herausgeben.

27. Juli 2026

USA und Iran setzen gegenseitige Angriffe aus

Die USA haben ihre Militärschläge auf Ziele im Iran vorübergehend ausgesetzt. Zuvor hatten die US-Streitkräfte bis zum vergangenen Freitag 13 Nächte in Folge Militärziele in der Islamischen Republik ins Fadenkreuz genommen, um diese davon abzuhalten, die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gefährden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am gestrigen Sonntag unter Berufung auf einen hochrangigen iranischen Beamten, auch der Iran wolle seine Angriffe auf US-Ziele in der Region auf Eis legen - zumindest solange die USA dies auch tun.

Dabei scheint die Entscheidung der USA für die Feuerpause nicht zuletzt auch damit zusammenzuhängen, dass es kaum noch Ziele in der Islamischen Republik gibt, die man vorab für Luftschläge wählen könnte. Dies gab ein Repräsentant der USA an, der jedoch nicht namentlich genannt werden wollte. Unterdessen soll der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, General Dan Caine, US-Präsident Trump intern vor einer Wiederaufnahme umfassender Kampfhandlungen gewarnt haben, da dies die Munitionsbestände weiter dezimieren würde und somit mit Risiken verbunden wäre.

Nachdem Brent am Freitagmorgen noch oberhalb der 100 Dollar-Marke handelte, startete der Nordsee-Rohölkontrakt heute Morgen wieder unterhalb von 94 Dollar. Sein US-Pendant WTI, das am Freitagmorgen noch weit über 90 Dollar gekostet hatte, notierte zur Eröffnung heute knapp oberhalb von 86 Dollar. Grund für den jüngsten Rückzug der Rohölpreise ist die Pause der gegenseitigen Angriffe der USA und des Irans. Am Freitag hatten dagegen eher die neuen Strafzölle der US-Regierung für eine Abwärtskorrektur gesorgt.

"Die Angriffspause und Berichte über Fortschritte bei den Gesprächen [über ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran] haben die Erwartungen geweckt, dass sich erneut ein Weg zur Deeskalation abzeichnet, was zu einer Erholung der Warenströme führen könnte“, kommentiert der leitende Analyst für den Bereich Energie bei MST Marquee, Saul Kavonic, die jüngsten Entwicklungen, der warnend hinzufügt: "Allerdings bleiben alle Kernfragen – darunter die Kontrolle des Iran über die Meerenge sowie dessen Raketen- und Atomprogramme – festgefahren, und es besteht ein hohes Risiko, dass sich ein etwaiger Waffenstillstand lediglich als vorübergehend erweist."

An den Märkten fragt man sich nun, wie lange die Feuerpause anhalten wird und ob sie tatsächlich dazu beitragen wird, die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran voranzutreiben. Ein hochrangiger iranischer Beamter äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur skeptisch. "Die vorherrschende Ansicht ist, dass es sich eher um ein taktische als um eine echte Pause [seitens der USA, Anm. d. Red.] handelt. Der Iran hat bereits reichlich bittere Erfahrungen mit dem gemacht, was er als Täuschung durch die USA betrachtet", so der Beamte.

Unterdessen bleibt auch abzuwarten, wie stark die Seeblockade Saudi-Arabiens durch die Huthi-Miliz das Ölangebot des OPEC-Schwergewichts beeinträchtigen wird. Zwar kamen am Wochenende noch vereinzelt Tanker mit saudischem Öl durch die Meerenge von Bab el-Mandeb, der Schiffsverkehr soll jedoch auch dort wesentlich schwächer sein als noch vor der Blockade, sodass Saudi-Arabiens nun sowohl im Osten (über die Straße von Hormus), als auch im Westen mit Hürden für seine Ölexporte zu kämpfen hat.

Davon abgesehen wird das Ölangebot derzeit auch durch die Unterbrechung des Betriebs des CPC-Exportterminals im Schwarzen Meer reduziert. Dazu soll nun auch noch eine Unterbrechung der Rohölverladungen am russischen Exportterminal Sheskharis am Hafen von Novorossijsk gekommen sein. Von dort aus waren im bisherigen Jahresverlauf laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg durchschnittlich 650.000 B/T an russischem Rohöl exportiert worden. Ob die Verladeunterbrechung am Terminal von Sheskharis wetterbedingt ist oder durch ukrainische Drohnenangriffe verursacht wurde, ist bislang noch unklar.

"Angesichts der Ausweitung des Nahostkonflikts auf das Rote Meer und der Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Schiffe und Raffinerien (...) dürften anhaltende Versorgungsunterbrechungen die Ölpreise auf einem hohen Niveau halten und weiterhin Aufwärtsrisiken für die weltweite Inflation bergen", erwarten jedoch die Analysten der UOB in einer Mitteilung.

23. Juli 2026

USA und Iran setzen Angriffe fort und verweigern Gespräche

Nur kurz nach den Berichten über die Angriffe im Roten Meer teilte das US-Zentralkommando (Centcom) mit, eine neue Angriffswelle gegen Ziele im Iran begonnen zu haben. Es war die zwölfte Nacht der laufenden US-Militärkampagne. Ziel der Einsätze sei es, Irans Fähigkeit weiter zu schwächen, zivile Schiffe und Handelsschiffe in den Gewässern der Region zu bedrohen, so Centcom.

Weder die USA, noch der Iran zeigen echte Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. US-Präsident Trump sagte gestern, der Iran werde nach dem Tod von vier US-Soldaten in der vergangenen Woche „sehr hart getroffen“. Zuvor hatte er wiederholt, iranische Brücken und Kraftwerke angreifen zu lassen, falls Teheran seine Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus fortsetzt (22.07.2026 Trump droht mit Zerstörung iranischer Brücken).

„Sie [der Iran] sind noch nicht bereit für eine Einigung, weil sie jedes Mal die Bedingungen ändern wollen“, beklagte Trump gestern bei einer Kundgebung. Das iranische Außenministerium erklärte unterdessen, es gebe derzeit keine Verhandlungen. Ein Sprecher warf den USA vor, das Interimsabkommen verletzt zu haben. „Unsere neue Botschaft lautet, dass der Gegner das Memorandum gebrochen hat“, sagte er mit Blick auf das am 17. Juni beschlossene Abkommen, das inzwischen faktisch hinfällig ist.

Die Ölpreise haben ihre Rally fortgesetzt, nachdem die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen mitgeteilt hatten, zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Damit verschärft sich der Konflikt im Nahen Osten weiter und die Sorge vor zusätzlichen Unterbrechungen der Ölversorgung nimmt zu.

Nach Angaben der Huthi wurden die Schiffe mit Raketen und Drohnen attackiert, weil sie gegen eine von der Miliz verhängte Seeblockade verstoßen hätten. Es handelt sich um die ersten Angriffe auf Öltanker im Roten Meer und damit um eine neue Eskalationsstufe des regionalen Konflikts, der den Schiffsverkehr bereits in der Straße von Hormus erheblich beeinträchtigt. Auch dort setzt der Iran seine Angriffe auf Tanker uneingeschränkt fort.

Der Angriff im Roten Meer stelle eine „schwerwiegende Eskalation“ des Konflikts dar, meint Daniel Hynes, Rohstoffstratege bei der ANZ. Sollte auch diese Route gestört werden, dürfte sich die ohnehin angespannte Lage am Ölmarkt weiter verschärfen. Ähnlicher Ansicht ist Saul Kavonic, Leiter der Energieforschung bei MST Marquee. Er warnt, dass die neue Bedrohung für die Schifffahrt im Roten Meer Öllieferungen von bis zu 5 Mio. B/T beeinträchtigen könnte, handelt es sich doch um die wichtigste Ausweichroute für Ölexporte aus der Golfregion.

Die Nordseesorte Brent hat in diesem Monat bereits mehr als 30 % zugelegt. Einige Analysten halten eine Rückkehr auf dreistellige Preise noch in diesem Jahr für möglich, falls die Kampfhandlungen im Nahen Osten anhalten (21.07.2026 GoldmanSachs: Brent-Preisanstieg über 120 Dollar im 3. Quartal denkbar). Unterdessen führten die US-Streitkräfte den zwölften Tag in Folge Luftangriffe auf Ziele im Iran durch, während Teheran unter anderem mit Angriffen auf Kuwait reagierte.

Der Ölmarkt sei derzeit dem ungewöhnlichen Risiko gleichzeitiger Störungen sowohl an der Meerenge Bab al-Mandab als auch an der Straße von Hormus ausgesetzt, sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova. Ob die Preisrally Bestand habe, werde davon abhängen, ob der Angriff im Roten Meer ein Einzelfall bleibe oder länger anhaltende Störungen der Lieferketten nach sich ziehe. In letzterem Fall könnten „die Bullen getrost 100 Dollar pro Barrel“ anstreben.

Unabhängig von den geopolitischen Entwicklungen tritt heute auch wieder die Geldpolitik in den Fokus – wobei genau diese eben nicht ganz unabhängig von der Geopolitik ist. So entscheidet heute die europäische Notenbank über ihren Zinssatz und muss dabei auch die gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten, wie etwa die Inflationsentwicklung, im Auge behalten. Allerdings rechnen Anleger nach der letzten Zinsstraffung im Juni erst einmal mit einer Pause, bevor dann bis Jahresende möglicherweise noch weitere Anhebungen folgen.

Entwarnung kommt zudem aus den USA, wo Tropensturm Bertha sich inzwischen deutlich abgeschwächt hat und keine echte Gefahr mehr für die US-Ölindustrie darstellt. Beschädigungen an Offshore-Anlagen oder Raffinerien in Küstennähe sind bisher nicht bekannt, so dass die Unterbrechungen durch den Sturm nur eine Randnotiz sein dürften.

Aus fundamentaler Sicht bliebt die Einschätzung am Ölmarkt heute dennoch klar bullish, da eine Deeskalation im Nahen Osten nicht in Sicht ist. Hier steigt die Risikoprämie entsprechend weiter und sorgt auch bei den Produkten wieder für einen Preisanstieg. Dieser zeigt sich heute auch im Inland, wo sich am Morgen schon erste Aufschläge gegenüber Mittwochmorgen ergeben.

22. Juli 2026

Hurrikan-Center: Bertha nähert sich den Ölanlagen im Golf

Der Tropensturm Bertha ist gestern weiter über den nordöstlichen Golf von Mexiko gezogen und hat entlang der nördlichen Golfküste tropische Sturmbedingungen ausgelöst. Das Einzugsgebiet des Sturmes liegt genau über den Offshore-Plattformen entlang der US-Küste, so dass zahlreiche Konzerne die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen eingeleitet haben.

Bertha, der zweite benannte Sturm der diesjährigen Atlantischen Hurrikansaison, wird wahrscheinlich am Mittwochabend (Ortszeit) im Bundesstaat Louisiana auf Land treffen und sich dann bis Freitag deutlich abschwächen. Aktuell erreicht Bertha anhaltende Windgeschwindigkeiten von bis zu 95 km/h und zieht mit etwa 10 km/h Richtung Westen. Damit ist sie ein vergleichsweise schwacher und eher langsamer Sturm, genau das birgt aber größere Gefahren.

Je langsamer ein Sturm über die Ölanlagen zieht, desto größer ist das Risiko von Zerstörungen durch Überschwemmungen, Springfluten und anhaltende starke Winde. Und dies gilt nicht nur für die Offshore-Anlagen, sondern auch für die zahlreichen Raffinerien und Verarbeitungseinheiten entlang der Golfküste. Bis Donnerstag werden hier von Westflorida bis in den Süden Louisianas teils ergiebige Niederschläge erwartet.

Die Entwicklungen im Nahen Osten bleiben zentrales Thema am Ölmarkt, nachdem die USA in der elften Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen haben. Hinzu kommt ein neuer Krisenherd im Roten Meer, wo die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz den Schiffsverkehr im Roten Meer bedroht.

Bereits gestern hatten die Rohölpreise damit neue 5-Wochenhochs markiert, die sie heute früh schon leicht ausgebaut haben. Auslöser waren US-Luftangriffe auf Ziele im Süden und Westen des Iran am frühen Mittwochmorgen sowie iranische Angriffe auf US-Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien in der Nacht.

Die anhaltende Eskalation befeuert wieder die Sorgen um die globale Energieversorgung, vor allem, wenn nun auch noch die Alternativroute durch das Rote Meer zum Risikogebiet wird. Die Huthi hatten schon am Montag ankündigt, Schiffe mit saudischem Öl in der Meerenge Bab el-Mandeb ins Visier zu nehmen und eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien zu verhängen. Die Wasserstraße am südlichen Eingang zum Roten Meer war in den letzten Monaten für Riad zur wichtigsten alternativen Exportroute geworden.

Eine Blockade „würde Tanker dazu zwingen, das Rote Meer über den Suezkanal zu erreichen und zu verlassen, was die Fahrzeiten nach Asien erheblich verlängern und die Transportkosten deutlich erhöhen würde“, warnt die ING. Tatsächlich haben offenbar bereits erste Tanker mit saudischem Rohöl auf dem Weg nach China und Indien im Roten Meer gewendet und Kurs auf den Suezkanal genommen.

US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen eine Reaktion an, falls die vom Iran unterstützten Huthi den Schiffsverkehr im Roten Meer stören sollten. Zugleich bekräftigte er seine Drohung, den mutmaßlichen iranischen Nuklearstandort Pickaxe Mountain anzugreifen. Trump erklärte zudem, der Iran wolle „unbedingt Gespräche führen“, daran bestehe auf US-Seite jedoch kein Interesse. Teheran wies die Darstellung zurück und bestritt, Verhandlungen anzustreben. Das Hin und Her zwischen Eskalation oder diplomatischer Entspannung hatte die Ölpreise zuletzt stark schwanken lassen.

„Unsere Einschätzung ist, dass sich der Ölpreis – abhängig von der Nachrichtenlage – in einer Spanne zwischen 80 und 90 Dollar bewegen wird“, glaubt Jay Hatfield, Chef von Infrastructure Capital Management. „Sollte das Rote Meer tatsächlich geschlossen werden, wäre das eine ernsthafte Bedrohung. Das haben wir bislang noch nicht gesehen. In diesem Fall könnte der Ölpreis auf über 100 Dollar steigen.“

Neben den Spannungen im Nahen Osten belasten auch Angriffe auf das Terminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) an der russischen Schwarzmeerküste den Markt. Über die Anlage wird der Großteil des kasachischen Rohöls exportiert. „Je länger die Unterbrechung anhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kasachstan gezwungen sein wird, seine Fördermengen zu drosseln“, fürchten die ING-Strategen.

21. Juli 2026

Vermittler legen USA und Iran Entwurf für 10-tägige Waffenruhe vor

Die Vermittlerstaaten Pakistan, Katar und andere Länder der Region wie Ägypten sollen den USA und dem Iran einen Entwurf für eine 10-tägige Waffenruhe übermittelt haben. Dies berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf informierte Kreise.

In dem Entwurf wird eine Waffenruhe sowie die Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus vorgeschlagen und zielt darauf ab "Washington und Teheran Spielraum [zu] geben, ihre zerbrechende Absichtserklärung zu retten", so Axios. Das Nachrichtenportal gab an, die US-Regierung prüfe den Entwurf, bereite sich allerdings auch auf ein Scheitern der Gespräche mit dem Iran vor. Außerdem habe Washington die israelische Regierung dazu gedrängt, nichts zu tun, was das Zeitfenster für Diplomatie schließen könnte.

Die Angriffe auf Militärziele im Iran führen die USA trotz des Vorschlags fort. Auch der Iran führt weiterhin Vergeltungsschläge gegen US-Einrichtungen in der Region um den Persischen Golf durch.

In der Nacht zum Dienstag führten die US-Streitkräfte erneut Angriffe auf militärische Ziele im Iran durch und auch die Islamische Republik ließ von ihren Vergeltungsschlägen in der Region nicht ab. Auch bleibt der Versuch, die Straße von Hormus zu durchfahren, für Schiffe weiterhin ein großes Risiko. Dennoch starteten die Ölfutures am heutigen Dienstag deutlich unterhalb der Vortageshochs.

Dies rührt hauptsächlich daher, dass die Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran zuletzt wieder zunahmen, nachdem es sowohl aus Teheran, als auch aus Washington hieß, man führe über Vermittler weiterhin Gespräche. Von eben diesen Vermittlern soll beiden Seiten auch ein Entwurf für eine 10-tägige Waffenruhe vorgelegt worden sein, die nach Einschätzung der Analysten von der ING auch "das Memorandum of Understanding (MoU) wieder auf Kurs bringen könnte".

Die im Juni erzielte Interimsvereinbarung hatte sowohl US-Präsident Trump, als auch Teheran zuletzt aufgekündigt. Das Rahmenabkommen sah eine Öffnung der Straße von Hormus vor, sowie eine 60-tägige Phase für Verhandlungen über ein finales Abkommen. Bei dem finalen Abkommen sollte es - zumindest aus Sicht der USA - eigentlich hauptsächlich um das Atomprogramm Irans gehen. Mittlerweile scheint der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus allerdings zunehmend zum Kernstreitpunkt zu werden.

Als würde die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs über diese Meerenge nicht ausreichen, droht nun auch noch eine Seeblockade Saudi-Arabiens durch die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz. Sollten die Huthi mit ihrer Drohung Ernst machen, könnte dies das weltweite Ölangebot noch einmal beträchtlich reduzieren, zumal das Königreich einen nicht unerheblichen Anteil der Exportmengen, die es sonst von seinen Häfen im Osten des Landes (vor allem Ras Tanura) ausführte, nach der Blockade der Straße von Hormus zunehmend auf den Hafen Yanbu im Osten Saudi-Arabiens umleitete.

"Sollte es zu einer Störung der Infrastruktur [im Osten Saudi-Arabiens und dem Roten Meer; Anm. d. Red.] kommen – insbesondere der Schifffahrtswege –, könnte dies einen sprunghaften Anstieg der Ölpreise auslösen", so der Analyst Rob Thummel von Tortoise Capital LLC zur Drohung der Huthi. "Die Lagerbestände sind etwas zurückgegangen, daher gibt es kaum Spielraum für Fehler", ergänzt Thummel.

Wie es um die Lagerbestände in den USA bestellt ist, werden die wöchentlichen US-Ölbestandsdaten zeigen, die API und DOE heute und morgen für die Woche zum 17. Juli veröffentlichen. Die Daten des API, die wie üblich heute um 22:30 Uhr fällig sind, geben dabei grobe Hinweise auf die Bestandsentwicklung. Für konkrete Daten - auch zur Entwicklung der Nachfrage, des Raffineriebetriebs und der Rohölproduktion der USA - müssen die Marktteilnehmer wie immer auf den offiziellen Bericht des US-Energieministeriums (DOE) warten, der am Mittwoch um 16:30 Uhr erscheinen wird.

Die Ölfutures an ICE und NYMEX notieren heute Morgen leicht unterhalb der Vortagessettlements, wenngleich bis zu den Tiefs von Montag noch viel Spielraum ist. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich daher im Vergleich zu gestern immer noch Potenzial für Aufschläge ab.

20. Juli 2026

Kuwaitische Ölanlage bei Iran-Angriff getroffen

Bei einem der iranischen Vergeltungsschläge für die US-Angriffe auf Ziele in der Islamischen Republik wurde am vergangenen Samstag in Kuwait nicht nur ein Stromkraftwerk, sondern auch eine Ölanlage getroffen. Dadurch wurden laut einer Meldung der kuwaitischen Nachrichtenagentur Kuna, die sich auf Informationen der staatlichen Ölgesellschaft Kuwait Petroleum Corporation (KPC) beruft, mehrere Personen verletzt und wohl auch erheblicher Schaden an der Anlage angerichtet. Um welche Ölanlage es sich konkret handelt, ist bislang noch unklar. In einer Meldung der emiratischen Nachrichtenagentur WAM heißt es, der Brand an der Ölanlage sei mittlerweile gelöscht worden.

Das Außenministerium Kuwaits verurteilte die jüngsten Angriffe Irans und erklärte: "Die wiederholten Angriffe auf diese lebenswichtigen Einrichtungen offenbaren eine systematische feindselige Vorgehensweise, die auf zivile Ziele und lebenswichtige Infrastruktur abzielt und das Leben sowie die Sicherheit von Zivilisten gefährdet", erklärte das Außenministerium, das außerdem ankündigte, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Kuwait und das kuwaitische Territorium einschließlich aller wichtiger Einrichtungen gegen jegliche Bedrohung zu verteidigen.

Die Hoffnung auf eine baldige Deeskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran hat zuletzt deutlich abgenommen und so stieg der Preis des Nordsee-Rohölkontrakts Brent heute Morgen auch wieder zurück über die psychologisch wichtige 90 Dollar Marke.

"Die USA und der Iran setzen ihren Schlagabtausch fort, der sich für beide Seiten als tödlich erweist. Sollte diese Eskalation ungebremst weitergehen, könnten wir in eine Lage zurückfallen, die von großflächigen Angriffen im gesamten Golfgebiet geprägt ist", befürchten die Analysten der ING Bank. Während es laut Daten der LSEG am gestrigen Sonntag vier Tankern gelang, die Straße von Hormus zu durchfahren, hieß es seitens der iranischen Marine, man habe vier Schiffe angehalten, die auf einer gefährlichen Route durch die wichtige Meerenge unterwegs gewesen seien. Nach Angaben der britischen Behörde UKMTO soll zudem ein Schiff nahe der Küste Omans aus noch unbekanntem Grund gebrannt haben.

Damit bleibt die Sorge über weitere Ausfälle der Öllieferungen aus dem Nahen Osten bestehen. Zu dieser kommt die Befürchtung hinzu, dass die Huthi-Miliz aus dem Jemen heraus die Schifffahrt auf der Ausweichroute über die Meerenge von Bab el-Mandeb ebenfalls behindern könnten. Davon abgesehen meldeten zuletzt Golfstaaten wie Bahrain und Kuwait auch Angriffe des Irans auf Ölanlagen.

"Die kommenden Tage und Wochen werden ein klareres Bild des nachhaltigen Niveaus der Ölexporte aus der Region unter den erneut verhängten Doppelblockaden liefern", so der Analyst Amarpreet Singh von der Barclays Bank in einer Mitteilung. "Nach derzeitigem Stand sind die Ölmärkte unserer Ansicht nach noch immer zu sorglos im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf die Lagerbestände; diese sind – anders als zu Kriegsbeginn – so knapp wie seit fünf Jahren nicht mehr", fügt Singh hinzu.

Abzuwarten bleibt derweil, ob und wann die USA weitere Sanktionen gegen Russland verhängen. Die Hinweise darauf, dass es bald soweit sein könnte, hatten sich zuletzt wieder verstärkt. Darüber hinaus beschränken die Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur im Land selbst und auch im Asowschen sowie im Schwarzen Meer das Angebot.

Die Frage ist nun, wie stark die höheren Preise auch die Nachfrage und die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen werden. IWF und IEA befürchten, dass ein erneuter umfangreicher Ausfall des Angebots aus dem Nahen Osten der weltweiten Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen könnte. Heute Morgen konzentriert sich der Markt jedoch erst einmal wieder auf die bullishen Faktoren, sodass die Ölfutures mit einem klaren Plus zu den Settlementpreisen von Freitag handeln. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich aktuell im Vergleich zu Freitag rein rechnerisch ebenfalls Potenzial für Aufschläge ab.

16. Juli 2026

Straße von Hormus: Schiffsverkehr eingeschränkt möglich

Mit den Kampfhandlungen im Mittleren Osten ist der Transport von Waren durch die Straße von Hormus spürbar eingeschränkt, aber nicht stillgelegt. Der Iran spricht zwar davon, dass die Meerenge geschlossen sei, die USA hingegen bieten Schutz bei der Durchfahrt an und begleiten zivile Frachter bei der Passage.

In den letzten sieben Tagen seien etwa 300 Schiffe durch die Straße von Hormus gefahren, von denen etwa die Hälfte Geleitschutz der USA in Anspruch genommen hätten. Das ist zwar nur ein Bruchteil der mehr als 100 Schiffe, die vor den US-Angriffen auf den Iran die Meerenge pro Tag passierten, komplett zu ist die Route damit aber nicht.

Die US-Rohölbestände gestern hatten keinen wirklich großen Einfluss auf die Preisbildung, wenngleich der erste Eindruck etwas bearish gewesen ist. Zu sehr ist der Markt auf die Lage im Mittleren Osten fokussiert, wo sich täglich – teilweise mehrfach – neue Entwicklungen ergeben.

Die Straße von Hormus scheint nicht komplett geschlossen zu sein, nachdem es den US-Streitkräften offenbar gelungen ist die iranischen Fähigkeiten zu schwächen. Dennoch bleibt der Transit zunächst gestört, was das Angebot verringert und die Preise an den Ölbörsen stützt. Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass momentan etwa 3,9 Mio. B/T die Meerenge passieren.

Eine weitere Eskalation könnte in der Straße von Bab el-Mandeb drohen, sollte der Iran diese ebenfalls schließen (15.07.2026 Iran droht mit Schließung anderer Meerengen). Dies würde die Preise sicherlich wieder nach oben schnellen lassen, da dies auch Öltransporte treffen würde, die die Straße von Hormus umgehen können.

Grundsätzlich hat sich die Versorgungslage am Weltmarkt in den letzten Tagen negativ entwickelt. „Wir haben nicht nur die Transportkapazitäten durch die Straße von Hormus erneut verloren, sondern auch das Rohöl und die Raffineriekapazitäten aus Russland“, verweist Analyst Jeff Currie, von der Carlyle Group, auf die Ausfälle in Russland. Er fasst zusammen: „Ich würde sagen, die Lage auf den Energiemärkten ist ziemlich ernst.“

Dennoch reagieren die Ölbörsen heute Morgen bislang wenig bullish auf die eingeschränkte Versorgung, nachdem man diese Faktoren in den letzten Tagen bereits eingepreist hatte. Sollte es keine weitere Eskalation geben könnten dies für vorsichtige Gewinnmitnahmen sprechen, wobei klar sein sollte, dass längerfristige Ausfälle der Lieferungen aus Russland und aus dem Mittleren Osten die Preise schon bald wieder steigen lassen können.

Bei Goldman Sachs geht man davon aus, dass Brent im vierten Quartal wieder auf 110 Dollar klettern könnte, bleiben die Exporte aus dem Persischen Golf eingeschränkt. Aber auch ein Abrutschen in die Region von 60 Dollar ist zum Jahresende denkbar, wenn die Spannungen abnehmen und sich das Angebot schneller als erwartet erholt.

15. Juli 2026

Trump droht Iran und rückt von 20% Gebühren ab

Das US-Militär hat wie angekündigt seine Seeblockade gegen iranische Häfen wieder in Kraft gesetzt. Gleichzeitig setzten die USA ihre Luftangriffe auf iranische Ziele in der vierten Nacht in Folge fort und haben nach Angaben des Regionalkommandos CENTCOM zahlreiche militärische Ziele getroffen.

Doch geht es nach Donald Trump, wird es dabei nicht bleiben. Der US-Präsident drohte dem Iran gestern Abend mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes. Nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, „es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln“. Daran scheint im Iran allerdings kein Interesse zu bestehen, im Gegenteil. Die iranische Revolutionsgarde drohte zurück, sämtliche Energieexporte aus der Region blockieren zu wollen und nahm erneut Golfstaaten wie Kuwait, Bahrain und die VAE unter Beschuss.

Der Ölmarkt steht weiterhin unter dem Eindruck der Eskalation am Persischen Golf, wo die USA gestern ihre Seeblockade gegen den Iran wieder eingesetzt haben. Gleichzeitig drohte Donald Trump dem Iran mit weiteren Militärschlägen, die sich bereits in der kommenden Woche auch gegen zivile Infrastruktur wie Kraftwerke und Brücken richten könne, sollte Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Gleichzeitig setzten die USA ihre Luftangriffe gegen den Iran weiter fort und trafen in der Nacht Dutzende militärische Ziele in der Nähe der Straße von Hormus sowie entlang der iranischen Küste. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) sollte die Operation Irans Fähigkeit weiter einschränken, die kommerzielle und zivile Schifffahrt in der strategisch wichtigen Meerenge zu bedrohen.

Unterdessen ruderte Trump am Dienstag bei einem Vorhaben zurück, das er erst einen Tag zuvor angekündigt hatte: Demnach soll eine von ihm geforderte Abgabe von 20 % auf Transporte durch die Straße von Hormus nun doch nicht eingeführt werden.

Insgesamt bleibt die Lage aber äußerst angespannt und die Zweifel daran, dass die im vergangenen Monat unterzeichnete Absichtserklärung zu einem dauerhaften Ende des Konflikts führen wird, werden immer größer. Der Konflikt und die Kampfhandlungen in der Region haben inzwischen auch zahlreiche andere Länder übergegriffen, zuletzt soll es auch wieder Angriffe zwischen Saudi-Arabien und den Irangestützten Huthi aus dem Jemen gegeben haben.

„Der physische Ölmarkt ist zwar weiterhin ausreichend versorgt. Eine weitere Eskalation in der Straße von Hormus oder zusätzliche Sanktionen gegen iranische Ölexporte könnten die Marktstimmung jedoch rasch verschärfen und die Risikoprämien weiter steigen lassen“, ordnet Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, die Marktlage ein.

Chris Weston von der Pepperstone Group betont, dass sich der Ölmarkt nach seinem Anstieg von rund 70 Dollar wieder etwas stabilisiert habe. Dennoch gehöre weiterhin Mut dazu, die Straße von Hormus zu passieren, solange die Gefahr von Angriffen durch mit Teheran verbündete Kräfte bestehen bleibe. „Das sich weiter verschlechternde geopolitische Umfeld stützt die Ölpreise zusätzlich und dürfte Käufer dazu veranlassen, bei einem Anstieg in Richtung 90 Dollar erneut in den Markt einzusteigen“, so der Experte.

Auch Tim Waterer von KCM Trade sieht erhebliches Aufwärtspotenzial für die Ölpreise. Sollten sich die Kämpfe ausweiten und Energieinfrastruktur beschädigt werden, sei ein Anstieg in Richtung 100 Dollar kurzfristig durchaus möglich. Der Analyst hält jedoch auch eine gegenteilige Entwicklung für durchaus möglich.

Gelinge es durch diplomatische Bemühungen, die Straße von Hormus wieder vollständig für den Schiffsverkehr zu öffnen, könnten sich die Brent-Preise im Bereich von 75 bis 80 Dollar stabilisieren, meint der Experte. „Die geopolitische Risikoprämie ist derzeit zwar eingepreist, allerdings ist dies angesichts der weiterhin bestehenden Anreize für beide Seiten, eine diplomatische Lösung zu finden, kein endgültige Sache“.

Kurzfristig bleibt die fundamentale Einschätzung allerdings bullish, da die US-Seeblockade und die anhaltenden Kampfhandlungen die Angebotslage wieder akut einschränken. Gleichzeitig bleiben durch die zahlreichen Raffinerieausfälle in Russland vor allem die Produktkontrakte gestützt, da sich hier ein globaler Versorgungsengpass abzeichnet. In diesem Zusammenhang werden die Anleger auch auf den DOE-Bericht am Nachmittag achten, nachdem das API einen Rückgang bei Benzin gemeldet hatte.

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